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wie lebt man?

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AW: wie lebt man?

können wir uns darauf einigen, dass "unvermeidbare tatsachen", die du "akzeptierst", ebenfalls eine höhere instanz sind ?
wenn sie auch nicht persönlich wie ein gott sind, so haben sie macht über dich, oder ?
im allgemeinen spreche ich einer instanz eine gewisse menge von subjektivität zu. über "persönlichkeiten" und götter reflektiere ich noch und sicher hat eine vor mir stehende mauer einen wenn auch marginalen einfluss auf meine wegsuche...


[]
gut, wenden wir uns diesem beispiel zu
anderorts sprichst du von verantwortung, selbstverantwortung
wie wäre es mit der alternative
statt äussere tatsachen als verantwortlich für die beschränkung in bezug zu deinem fliegen, deine entscheidung als mensch zur welt zu kommen aufzustellen & nicht als ein vogel oder mücke ? als mensch mit all den dazu gehörenden beschränkungen & all den dazu gehörenden vorteilen
wir können, nachdem du dich auf diese alternative der verantwortlichkeit für deine entscheidung eingelassen hast, dann weiter fragen
ich kann mich keiner wahlmöglichkeit als mensch oder mücke zur welt zu kommen erinnern. von daher kann ich keine aussage darüber machen und es ist somit bis jetzt auch nicht teil nicht teil meines verantwortungsraumes.


manchmal sicher, in diesem fall aber nicht
in diesem fall geht es um eine poetische verzuckerung von abhägigkeit
streng rationale sprache ist nicht die einzigste form der ausdrucksmöglichkeit - in vielen fällen mag sie angebracht sein - jedoch nicht in allen.

nun folgt eine fülle an ansätzen, die ich jeweils einzeln ablehnen muss als nicht vorteilhaft
wahrheit hängt nicht unbedingt von vorteilhaftigkeit ab - ihr gebrauch allerdings halte ich schon für vorteilhaft.;-)


ich widersetze mich nicht dem was ist & schon gar nicht aus prinzip,
ich widersetze mich jeder aufforderung zum beugen unter welche macht über mich auch immer

was bedeutet der begriff beugen für dich genau ? ich habe das gefühl das er bei der emotional sehr besetzt ist - mir fehlt diese komponente eher.
für mich bedeutet beugen keinesfalls selbstaufgabe..
zB: sich der gewalt beugen bild:
plane auf einer gasse einen dahinter gelegenen park zu erreichen.
in der gasse steht ein kleines kind und sagt mir dass er hier niemanden durchlasse. im allgemeinen würde ich dieses nach kurzem redegeplänkel mittels physikalischer mittel sanft beiseite schieben und mir so zutritt verschaffen.

anders wenn dort ein alkoholisiert wirkender 2,20 m grosser 3 zentnermann dieses zu mir sagt. ich gehe davon aus dass hier weder meine rhetorischen noch meine physikalischen mittel ausreichen einen direkten zutritt zu erreichen. also akzeptiere ich dies und versuche meinen willen oder strategie - nämlich den park zu erreichen - durch einen taktikwechsel zu erreichen.
als methoden könnte ich hier mehrere wählen: polizei anrufen, in einer benachbarten rockerkneipe den dort anwesenden ein bier spendieren oder auch einfach die nächste gasse auswählen. dies ist für mich keine frage der unterwerfung sondern eine frage der effektivität. (die wahl würde ich hier davon abhängigmachen inwieweit mein ego es erträgt einen anderes auf mich wirken zulassen.)


(hier fällt mir noch jemand zu dem themenfeld ein, nämlich Byron Katie)

ja - die frage wäre hier ob mich nun ein nachgeben gegenüber einer anderen instanz mehr manipuliert wie ein dagegen vorgehen.



der unterschied zum thema freiheit liegt in der akzeptanz der akzeptanz als einer zulässigen handlung, welche freiheit nicht schmälert
ich akzeptiere nicht,
sondern halte jede form von akzeptanz als ein nicht weiter fragen, nicht weiter forschen, nicht weiter untersuchen, sondern einknicken
jedes einknicken ist ein sich beugen
jedes beugen ist schwächer sein als das unter das man sich beugend, akzeptierend begibt
ich habe dich jetzt hier nicht ganz verstanden
aber nochmal ein bsp: wenn es draussen regnet kann ich dies akzeptieren oder auch nicht . aber dadurch ändert sich nicht das es draussen regnet. Es ist also besser wenn ich es als tatsache akzeptiere
natürlich kann ich mir aber nun weitere Gedanken machen....
hört der regen gleich wieder auf ........ ignoriere ich den regen und nehme ich es im kauf etwas nass zu werden ....... nehme ich einen regenschirm... gehe ich eine stunde später .... bleibe ich zuhause......

ich akzeptiere das es draussen regnet . ich akzeptiere hier das ich dies nicht ändern kann ..... aber ich entscheiden wie ich mich dazu verhalte
und ob ich mich deswegen errege ;-)






ich möchte hier auf Alberts Camus lösungsvorschlag zu seiner Sisyphus erörterung hinweisen
seine lösung des beugens Sisyphus unter den willen der götter war diesen willen anzunehmen, seine situation zu bejahen
bei dir sehe ich die ähnlichkeit zu Camus vorschlägen
beide ansätze empfinde ich als beschönigung der nach wie vor verbleibenden unfreiheit
eine durch das erdienen verdiente freiheit & ich empfinde dies als eine zutiefst christliche auffassung
wärst du & wäre Camus Inder, so wäre dies fatalismus, in unserem europäischen kulturkreis aber ist es das christentum, das uns tiefer prägt zur akzeptanz als wir es gerne hätten
Camus argumentiert, dass ein freiwilliges beugen kein beugen ist
ich argumentiere, dass die handlung des beugens immer ein akzeptieren ist, wenn man keine akternative zur verfügung stehen hat
& du hast bisher keine alternative handlung zum thema akzeptanz unvermeidbarer tatsachen zur verfügung stehen
alternativlos zu sein bedeutet immer in die enge zu geraten & im zugzwang befindlich zu sein

ja camus und seine sisyphus interpretation passt hier vorzüglich:
die meisten interpretieren sisyphus als gefangenen, gefolterten und schwer unterdrückte figur - alle meinen das seine sicheren qualen bei dieser schweren und ausweglosen tätigkeit höllisch sein müssen.
so aber nicht camus: er sieht sisyphus als prototyp des freien menschen welcher allentrotz durch biologie und naturgesetzen sich deren Gewalten und herausforderungen trotzt. er will einfach entgegen der schwere (naturwille, geist der schwere) seine welt gestalten indem er den stein entgegen der normalen schwerkraft hochrollt. Was tut den ein leidenschaftlicher bergsteiger anderes - nie würde dieser sich einfache wege suchen. oder ein segler der gegen sturm und wellen sich seinen weg beim hochkreuzen erkämpft. Es ist der Ausdruck des ewigen kampfes des menschen für seine freiheit gegen einen starren naturwillen. und was ist den schon der alltag anderes - unser leid aufgrund unerfüllter bedürfnisse bleibt. kaum haben wir was gegessen...die erfüllung und sattheit halten nur kurz - am nächsten tage neuer hunger und neues essen ... ewiger kreislauf


akzeptanz & verantwortung sind nicht die gleichen formen um etwas zu begegnen
akzeptanz ist immer ein sich beugen unter eine einem fremde macht
verantwortung übernehmen ist ein umfassen, ein hineinnehmen in den eigenen machtbereich
eher ein ausdehnen des eigenen verantwortungsraumes

ich widersetze mich nicht den bindungen sondern dem verantwortlichkeits-bereich dass ich ein biologisches wesen bin lege ich in meinen verantwortlichkeits-bereich
du legst die verantwortlichkeit für das was ist, das was du bist in die zuständigkeit der unvermeidbaren tatsachen
da wo die verantwortung liegt, liegt auch die macht

ein mass der reife ist für mich die grösse des verantwortungsbereiches.... sie sollte idealerweise gegen unendlich streben - bin ich doch teil des ganzen und so geht das ganze mir auch etwas an - gleichzeitig muss ich aber auch akzeptieren das ich nicht alles verändern kann und mich auch nicht überall einmischen sollte - was mich aber keinesfalls von meiner verantwortung befreit - letzendlich ist verantwortung ein anderes wort für bewusstheit.


du denkst, dass dein vergnügen eine entschuldigung oder eine form von erlaubnis für dein sklaventum ist ?
dann solltest du wirklich Manderlay schauen
eine faktische beschränkung in einen lustgewinn umzumünzen ist psychologisch betrachtet ein notfall-ventil, ein relativ, also beschränkt konstruktiver umgang mit einer ansonsten ausweglosen, alternativlosen situation
auch hier schlage ich die verantwortung & sicher nicht die lust als die brücke in die freiheit aus einer beschränkung
sklave leitet sich von dienen ab. als mensch und als soziales wesen diene ich gerne - es ist teil meines wesens und meines selbsvertändnisses dass ich dienen will - es gehört zu meinen bedürfnissen wie essen, trinken und fortpflanzung. ich will einfach gebraucht werden, ich will eine funktion haben und ich benötige einen sinn für mich.
Das bedeutet aber noch lange nicht das ich dies von aussen aufgedrückt haben möchte. ich kann einen passenden für mich suchen aber ich kann ihn auch selber auf mich angepasst konstruieren.



ein anderer lösungsansatz, der sich ebenfalls nicht der kernproblemtik stellt sondern ansetzt, diese mit einem ausweichmanöver zu umschiffen
"den willen auf andere ziele ausrichten" beseitigt nicht die beschränkung sondern zieht nur die aufmerksamkeit & fokussierung von der kernproblematik ab. anders ausgedrückt, was man nicht sieht, das ist nicht
verschwindet das problem aus dem dasein, wenn du die augen schliesst ? wenn du deine aufmerksamkeit auf anderes fokussierst ?
oder verschwindet es nur aus deinem bewusstsein, deiner erinnerung, deinem wissen ?
hier liegt ein missverständniss vor : ich meinte den willen auf andere ziele ausrichten als dies der mir innewohnende biologischer mensch primär zu tun pflegt. der will essen und danach wieder schlafen bis er wieder essen möchte... immer den geist der schwere folgend...
der individualwille dagegen will die welt gestalten.
und die biologischen probleme lösen sich nicht auf wenn ich geistige ziele verfolge - sie sind allerdings für mich nicht mehr so wichtig - was kümmern sisyphus schmerzende füsse und leerer magen wenn er kurz davor steht seinen stein am gipfel zu positionieren.


wofür kämpft denn die andere seite von dir in diesem kampf nochmal ?
ich halte kämpfe mit mir selber nicht für einen guten umgang mit mir
sondern alle zu wort kommen zu lassen, zuhören, ausreden lassen, forschen, fragen, ernst nehmen
unter kämpfen mit mir verstehe ich nicht wesenheiten in mir zu erschlagen ^^
die waffen sind auch hier argumente, starrsinn, verweigerung und anderes - wie im leben ;-)


auch gewaltanwendung ist eine reaktive handlung
wer die macht faktisch hat, braucht auch nicht mal zu kämpfen
wieso hat jemand/etwas die macht dir den angestammten platz im olymp zu verweigern ?
wieso bist du nicht bereits jetzt schon gott im olymp ?
hin und wieder neige ich es zu vergessen... :-(

nun wird's sehr interessant !

erzähle bitte darüber mehr, um was geht es bei dieser rechtfertigung ?

das was du hier als zwei unterschiedliche freiheits stränge nennst, nenne ich zweifel über unterschiedliche zielsetzung
das hat mMn nichts mit freiheit zu tun sondern mit deiner internen kommunikation mit dir selber, die nicht so reibungslos verläuft wie sie könnte, also ein internes effizienz problem[/QUOTE]

selbstverantwortung heisst das ich es mir - dh allen wesenheiten in mir - vermitteln muss: kant beschrieb diesen vorgang zb mit kategorischen imperativ, kierkegaard mit vermittlung zwischen der ästhetischen, ethischen und religiöse ebene und wittgenstein als aufstellung von wahrheitsfunktionen. andere von gewissen und noch andere davon noch in den spiegel schauen können.
 
AW: wie lebt man?

.....
kant beschrieb diesen vorgang zb mit kategorischen imperativ, kierkegaard mit vermittlung zwischen der ästhetischen, ethischen und religiöse ebene und wittgenstein als aufstellung von wahrheitsfunktionen. andere von gewissen und noch andere davon noch in den spiegel schauen können.

Und nach den genannten Meistern KANT, KIERKEGAARD und WITTGENSTEIN gab es noch viele andere philosophische DENKER, :ironie: soll ich im Auftrag beispielsweise der Meister SCHOPENHAUER, HEGEL, MARX, NIETZSCHE, RUSSELL, HEIDEGGER, WHITEHEAD, POPPER, BLOCH, ADORNO, HORKHEIMER und Carl Friedrich von WEIZSÄCKER mitteilen ....:lachen:
 
AW: wie lebt man?

wie dem geneigten und aufmerksamken leser meines postings sicherlich nicht entgangen ist, habe ich von "den menschen" im plural geschrieben und handelt es sich somit nicht um eine individuelle einzelbetrachtung, sondern eine allgemeine, ich möchte sogar hinzufügen: globale.

eher perfekt klingt übrigens auch ziemlich mangelhaft, denn nur perfekt ist perfekt. :D

nun - das globale beinhaltet ja dich und mich (den kleinen rest wollen wir jetz mal aussen vor lassen - )
und mein eigenempfinden dass in mir das perfekte überwiegt bleibt bestehen - von daher kann ich mich keinesfalls als mangelhaft bezeichnen.
und unter perfekt meine ich jetzt im kontext auf meine eigenes ästhetisches empfinden.
Auf welchen kontext beziehst du deine mangelhaftigkeit ?
 
AW: wie lebt man?

nun - das globale beinhaltet ja dich und mich (den kleinen rest wollen wir jetz mal aussen vor lassen - )
und mein eigenempfinden dass in mir das perfekte überwiegt bleibt bestehen - von daher kann ich mich keinesfalls als mangelhaft bezeichnen.
und unter perfekt meine ich jetzt im kontext auf meine eigenes ästhetisches empfinden.
Auf welchen kontext beziehst du deine mangelhaftigkeit ?

auf all das was mensch-sein beinhaltet: wir sind eben nicht nur stark, sondern auch schwach, wir sind manchmal großherzig und dann wieder kleinkariert, in uns regieren die polaritäten und bei manchen ist das licht stärker ausgeprägt und bei anderen der schatten, bei den meisten hält sich beides die waage.

perfekt wäre für mich: nur licht, gold und liebe. das paradies eben. und das haben wir hier auf der erde nicht, weil wir allzu irdisch vorhanden sind. und dich meine ich damit auch.
 
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