und doch schwingt gemeinschaftlich ein gewisser Stolz auf den ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat mit. Das ist keine Spekulation, das kann gar nicht anders sein, weil man sein Fähnchen eben nach dem jeweils vorherrschenden Dirigenten ausrichtet und zur positivierenden Umdeutung dieses schnöden Opportunismus leicht und schnell eine Formulierung auf der geübten Zunge liegt, um das Bild von sich und für die Welt wieder grade zu rücken. Und so war man zwar jahrelang ein Duckmäuser gewesen, hatte aber das dumme Risiko des offenen oder auch nur versteckten Widerstands gegen die Obrigkeit nicht nötig, weil man ja Teil des Ganzen war, solange einem der Teil nützlich gewesen ist. Stärke und Stärke gesellt sich gern, heißt es, jedenfalls solange die Kasse stimmt. Man kann jederzeit von sich sagen... hey, ich bin doch einfach bloß laut und lebensbejahend. Ich sehe keinen Nachteil darin, Stiefel zu tragen und dabei das Waldhorn zu flöten oder im Anzug Strahlungsdosen schön zu rechnen. Ich nütze meinen Mitmenschen etwas, es macht sie glücklich, daß ich Teil ihrer Illusion bin. Ob daheim im Plattenbau oder in der Ferne. Geld ist geil, die Werbung nimmt uns durch ihre Lichter das schlechte Gewissen, und wenn es schwierig wird, hilft ein edles Schnäpschen oder der Joint. Wer mit Plutonium verheirat ist, kann sich später nicht scheiden lassen. Und wer seinen Verstand an den Nagel hängt, lebt in der ewig jungendhaften Gegenwart der orgastischen Musik. Da stört kein Schatten mehr. Erst die D-Mark und dann der Euro. Millionen Kaufkräfte können sich nicht irren.
Der Rote Baron