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Jüdische Feiertage

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Joachim Stiller

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9. Januar 2014
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24.285
Na, das muss man natürlich erklären:

Das Dekameron“ von Giovanni Boccaccio

Der Italiener Giovanni Boccaccio lebte von 1313 bis 1375. Er schrieb sein Hauptwerk, die Novellensammlung „Dekameron“ zwischen 1349 und 1353. „Deka“ heißt Zehn und „Dekameron“ Zehntagewerk.

Sieben Frauen und drei Männer fliehen vor der großen Pest von 1348 aus Florenz aufs Land. Dies bildet die Rahmenerzählung des Dekameron. Sie erzählen sich an zehn Tagen je zehn Geschichten. Das ganze Werk bildet eine Art „menschliche Komödie“ (Carducci). Die Geschichten sind ganz aus dem Leben heraus erzählt und strotzen nur so vor Lebensfreude und knisternder Erotik. Zwei Erzählstränge werden in den Geschichten auf ganz wunderbare Wiese miteinander verwoben, einzelne Schicksalsschläge und –begebenheiten einerseits und Liebesgeschichten und Erotik andererseits. Dabei sind die Geschichten, die immerhin von „sehr anständigen Aristokraten“ erzählt werden, nie pornographisch, nie fällt ein anzügliches Wort. Das Dekameron wendet sich im Grunde an Frauen, die noch die Liebe „in ihrem Busen tragen“.

Dioneo, der „Boccaz“ (Goethe) höchstselbst sein könnte, erzählt immer die letzte Geschichte eines Tages, die immer von einer ganz eigenen Stärke und Kraft ist, und lässt so den Tag heiter ausklingen. Dann werden noch Lieder gesungen, man isst und legt sich schließlich schlafen. Die wohl schönste Geschichte, die Dioneo erzählt, ist die von Messer Ricciardo, die letzte Geschichte des zweiten Tages. Ich fasse sie kurz zusammen:

Messer Ricciardo di Cinzica war ein gut betuchter Richter aus Pisa, der mehr Verstand hatte als Kraft. Was ihm zu seinem Glück noch fehlte, war eine junge Frau. Und so nahm er sich Bertolommea, die Tochter von Messer Lotto Gualandi zur Frau. Die Hochzeit wurde gefeiert und in der ersten Nacht vollzogen beide die Ehe. Doch hatte dies Messer Ricciardo völlig verausgabt. So lehrte er denn seiner Gattin den Kalender, in welchem es nur Feiertage gab, an denen die Ehe eben nicht vollzogen werden könne. Trotzdem hatte Messer Ricciardo immer ein waches Auge auf seine junge und sehr hübsche Frau. Nun begaben sie sich eines Tages ans Meer. Da kommt Paganino von Monaco vorbeigesegelt und raubt Bertolommea. Das Leid ist nun überall groß, und als Messer Ricciardo erfährt, wer der Räuber ist, fährt er sofort nach Monaco. Er befreundet sich mit Paganino und will ihm nun seine eigene Frau abkaufen. Paganino, nicht ohne List, sagt ihm, wenn er, Messer Ricciardo, sage, dass Bertolommea seine Frau sei, und sie ihn erkenne, könne er sie haben. Doch Bertolommea erkennt ihn bei der Gegenüberstellung nicht. Während einer nun folgenden Aussprache unter vier Augen sagt sie ihm, er habe sie nur die Feiertage gelehrt, sie wolle aber auch die Werktage kennen lernen. Und so bleibe sie denn für immer bei Paganino. Der arme Messer Ricciardo, der heimgekehrt an gewissen menschlichen Leiden irre geworden war, sagte nun jedem Menschen, den er traf, die unverständlichen Worte: „Das schlechte Ding will keinen Feiertag.“

Boccaccio schrieb die Novellensammlung „Das Dekameron“ nach dem Vorbild von Dantes göttlicher Komödie. Die hundert Geschichten entsprechen den hundert Gesängen aus Dantes Werk. Das Dekameron war Vorbild für fast alle abendländischen Novellensammlungen, z.B. Das Heptameron, Don Quijote, Till Eulenspiegel, die Schildbürgerstreiche usw.

Boccaccio ist der Ahnherr der italienischen Prosa. Wer immer versucht hat, das Dekameron nachzuahmen, es blieb doch das einsame Meisterwerk, das in seiner Dichte und Homogenität unübertroffen ist.
 

ichbinderichwar

Well-Known Member
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2. September 2012
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36.284
Na, das muss man natürlich erklären:

Das Dekameron“ von Giovanni Boccaccio

Der Italiener Giovanni Boccaccio lebte von 1313 bis 1375. Er schrieb sein Hauptwerk, die Novellensammlung „Dekameron“ zwischen 1349 und 1353. „Deka“ heißt Zehn und „Dekameron“ Zehntagewerk.

Sieben Frauen und drei Männer fliehen vor der großen Pest von 1348 aus Florenz aufs Land. Dies bildet die Rahmenerzählung des Dekameron. Sie erzählen sich an zehn Tagen je zehn Geschichten. Das ganze Werk bildet eine Art „menschliche Komödie“ (Carducci). Die Geschichten sind ganz aus dem Leben heraus erzählt und strotzen nur so vor Lebensfreude und knisternder Erotik. Zwei Erzählstränge werden in den Geschichten auf ganz wunderbare Wiese miteinander verwoben, einzelne Schicksalsschläge und –begebenheiten einerseits und Liebesgeschichten und Erotik andererseits. Dabei sind die Geschichten, die immerhin von „sehr anständigen Aristokraten“ erzählt werden, nie pornographisch, nie fällt ein anzügliches Wort. Das Dekameron wendet sich im Grunde an Frauen, die noch die Liebe „in ihrem Busen tragen“.

Dioneo, der „Boccaz“ (Goethe) höchstselbst sein könnte, erzählt immer die letzte Geschichte eines Tages, die immer von einer ganz eigenen Stärke und Kraft ist, und lässt so den Tag heiter ausklingen. Dann werden noch Lieder gesungen, man isst und legt sich schließlich schlafen. Die wohl schönste Geschichte, die Dioneo erzählt, ist die von Messer Ricciardo, die letzte Geschichte des zweiten Tages. Ich fasse sie kurz zusammen:

Messer Ricciardo di Cinzica war ein gut betuchter Richter aus Pisa, der mehr Verstand hatte als Kraft. Was ihm zu seinem Glück noch fehlte, war eine junge Frau. Und so nahm er sich Bertolommea, die Tochter von Messer Lotto Gualandi zur Frau. Die Hochzeit wurde gefeiert und in der ersten Nacht vollzogen beide die Ehe. Doch hatte dies Messer Ricciardo völlig verausgabt. So lehrte er denn seiner Gattin den Kalender, in welchem es nur Feiertage gab, an denen die Ehe eben nicht vollzogen werden könne. Trotzdem hatte Messer Ricciardo immer ein waches Auge auf seine junge und sehr hübsche Frau. Nun begaben sie sich eines Tages ans Meer. Da kommt Paganino von Monaco vorbeigesegelt und raubt Bertolommea. Das Leid ist nun überall groß, und als Messer Ricciardo erfährt, wer der Räuber ist, fährt er sofort nach Monaco. Er befreundet sich mit Paganino und will ihm nun seine eigene Frau abkaufen. Paganino, nicht ohne List, sagt ihm, wenn er, Messer Ricciardo, sage, dass Bertolommea seine Frau sei, und sie ihn erkenne, könne er sie haben. Doch Bertolommea erkennt ihn bei der Gegenüberstellung nicht. Während einer nun folgenden Aussprache unter vier Augen sagt sie ihm, er habe sie nur die Feiertage gelehrt, sie wolle aber auch die Werktage kennen lernen. Und so bleibe sie denn für immer bei Paganino. Der arme Messer Ricciardo, der heimgekehrt an gewissen menschlichen Leiden irre geworden war, sagte nun jedem Menschen, den er traf, die unverständlichen Worte: „Das schlechte Ding will keinen Feiertag.“

Boccaccio schrieb die Novellensammlung „Das Dekameron“ nach dem Vorbild von Dantes göttlicher Komödie. Die hundert Geschichten entsprechen den hundert Gesängen aus Dantes Werk. Das Dekameron war Vorbild für fast alle abendländischen Novellensammlungen, z.B. Das Heptameron, Don Quijote, Till Eulenspiegel, die Schildbürgerstreiche usw.

Boccaccio ist der Ahnherr der italienischen Prosa. Wer immer versucht hat, das Dekameron nachzuahmen, es blieb doch das einsame Meisterwerk, das in seiner Dichte und Homogenität unübertroffen ist.
Ich gab dem Autor 100 Seiten,auch wenn es Weltliteratur ist:blume2:
 
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