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Parmenides - Das Problem des Seins

AW: Parmenides - Das Problem des Seins

offensichtlich hat KULTUS MAXIMUS drei Probleme

Problem 1
das SEIN des PARMENIDES wird nicht verstanden
und deswegen durch das NICHTS des GORGIAS ersetzt

Problem 2
das Recht wird nicht verstanden
und deswegen durch die Rhetorik ersetzt

Problem 3
die westliche Nachkriegs-Demokratie wird nicht verstanden
und deswegen durch die traditionelle Gewalt ersetzt

KULTUS MAXIMUS ist ein Extremist
so eine Art konservativer Revolutionär (mit anschließender Schreckensherrschaft)
 
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AW: Parmenides - Das Problem des Seins

Hallo K. M.,

Ich leitete (vielleicht irrtümlich) eine „nicht absolut letzte Wahrheit“ als Deine Schlussfolgerung im Diskurs ab.
--------------------------------------------------------------------------------------------------

Würde ich das so behaupten, nämlich dass es keine absolute(n) Wahrheit(en) gibt, dann wäre das ja wieder eine solche und somit widerspreche ich mir ganz einfach selbst.

Was ich andeuten wollte, das ist der Umstand, dass die Vorstellung eines idealen Rechtszustandes sehr problematisch ist, sowohl als Ziel wie auch als konkreter Leitgedanke eines Rechtsverständnisses. Wenn man hingegen das Recht als dynamischen Prozess sieht, also als lebensnahe (und eben zwischenmenschlich sich ereignende) Angelegenheit, so scheint diese konstruierte Idealisierung von Recht und Gesetz nicht länger notwendig zu sein: das Recht steht für den fortwährenden Versuch des Menschen, ein strukturiertes Miteinander zu ermöglichen und die Idee, dass durch Rechtsmittel eine (ewige) Wahrheit erstrebt wird, geht damit an der sozialen Wirklichkeit vorbei.

Wahrheitsansprüche (Plural) sind immer dem jeweils befindlichen Kulturkreis verschieden (man denke nur an Gesetze, wo das eine erlaubt und förderlich scheint, gilt dasselbe Verhalten in einem anderem Kulturkreis als verboten und verwerflich);

Das ist sicherlich richtig, jedenfalls dann, wenn man auf die Verschiedenheit des kulturellen Wertedenkens und darauf basierenden divergenten Verhaltensmustern abzielt. Aber was allen Kulturen gleich ist, das ist die Tatsache, dass die Menschen stets bemüht zu sein scheinen, mit der sie umgebenden Umwelt (und damit Lebenswirklichkeit) trotz des sozialen Gefüges möglichst adäquat umzugehen. Der Relativismus, der sich aus der Tatsache ergibt, dass das Wertedenken der Menschen je nach Kultur sehr unterschiedlich (und sogar völlig konträr) sein kann, ist also meiner Vermutung nach immer an etwas orientiert, das selbst nicht relativ geartet sein kann. Denn wie bereits B. Russell sehr treffend sagte: "Wenn alles relativ wäre, gäbe es nichts, wozu es relativ sein könnte."

So kann also durchaus unser Verständnis von Wahrheit je nach Kultur/Wertedenken enorm verschieden sein, aber das, worauf die Idee basiert - die Grundlage/Bedingung für unsere Verstehensmöglichkeit -, wäre von diesem Wahrheitsverständnis als dessen Bezugsbereich zu differenzieren.

Als konkretes Beispiel:

Bei den Polynesiern war es erwünscht, dass eine Frau möglichst viele Sexualkontakte pflegt, dies steigerte ihre Attraktivität und ihr Ansehen enorm. In vielen anderen Kulturen wurden und werden Frauen, die sexuell aktiv sind, sehr gering geschätzt. Was ist aber nun hiervon richtig und was falsch, welcher kulturelle Wahrheitsanspruch ist wahr und welcher unwahr?

Eine Gemeinschaft muss sich für bestimmte Lebensweisen entscheiden, die zur Verfügung stehenden Lebensmöglichkeiten werden also notwendig begrenzt. Deshalb muss ich feststellen, dass die soziale Absicht, die hinter dem kulturellen Tun steht, der eigentliche Wertelegitimator wäre und nicht das bloße Tun selbst. Ob also eine Polynesierin besser handelt als eine Frau aus einem (als Beispiel) christlichen Kulturkreis, das ließe sich nicht an ihrem tatsächlichen sexuellen Verhalten ermessen, sondern an der Tatsache, dass sie ihr Verhalten an interkulturellen Wertvorstellungen orientiert, die wiederum auf konkrete Lebenswirklichkeiten bezogen sind.

Wenn nun also bspw. eine christliche Frau kundtut, dass sie absofort mit jedem Mann verkehrt, der ihr begegnet, da sie gehört hat, dass Polynesierinnen dies ebenfalls tun, dann wäre das - so meine Ansicht - durchaus ein kritikwürdiges Verhalten, da sie die jeweiligen zwischenmenschlichen (also kulturellen) Beweggründe, die für das verschiedene Tun verantwortlich sind, unberücksichtigt lässt und stattdessen Tun mit Tun begründet.

Du siehst also: für mich ist Werterelativismus kein Wahrheitsrelativismus, vielmehr sind Werte an einer konkreten Umwelt orientiert, von der wir nicht zuletzt selbst ein dynamisch-spezifischer Teil sind.

Dementsprechend gibt es eine Unzahl an Wahrheiten- und Ansprüchen darauf, - weil Wahrheit nicht nur als moralische Instanz, sondern im rechtlichen Sinne der Wahrheitsbegriff unzertrennbar mit Richtigkeit auch in der Rechtsauffassung- und Handlung wird und unweigerlich damit zusammenhängt

Somit wäre diese Aussage zu modifizieren. Es gibt also nicht "eine Unzahl an Wahrheiten", sondern eine Unzahl an Wahrheitseinstellungen (Richtigkeiten), die in jeder Kultur - so meine Vermutung - eine soziale Notwendigkeit (Verantwortlichkeit) aufscheinen lassen: die Lebenswirklichkeit wird begrenzt, um das soziale Miteinander zu sichern.

Der Umstand, dass hierbei dogmatische Verhärtungen eintreten und Verhaltensweisen enstehen können, die vielleicht sogar eine Beeinträchtigung des Miteinanders darstellen, würde ich als vielleicht notwendiges (jedenfalls aber kaum vermeidbares) Übel ansehen. Aber auch dieser Problematik begegnet der Mensch scheinbar sehr effektiv, indem er seine eigenen Werteinstellungen fortwährend modifiziert und somit auf sich verändernde Lebenswirklichkeiten einstellt.

Ein Gericht kann nicht unwahr handeln, auch kein Richter, - Wahrheit ergibt sich infolge aus der Richtigkeit- sprich dem Recht- der Rechtshandlung (nicht umsonst auch der selbe Wortstamm: richtig und recht)

Was sollte denn eine unwahre Handlung überhaupt sein? Ich vermute, dass Denkhandlungen solche Vorstellungen erzeugen können, die - den vielfältigen Denkmöglichkeiten sei Dank - auf jene konkreten Möglichkeiten, auf die sich sich vermeintlich beziehen, nicht zutreffen. Aber sobald jemand praktisch handelt, ist dies ja ein konkretes Phänomen und damit per se wahr. Ob allerdings die Absicht, die eine Handlung veranlasste, richtig und also der jeweiligen gesellschaftlichen Ordnung entsprechend ist, das ist wiederum (s.o.) eine ganz andere Frage.

Damit wird „Wahrheit“ immer auch zum sozialen Faktor, also: „wie viel Wahrheit man sich (auch finanziell) leisten kann“ – und diese Wahrheit dazu noch mit dem jeweils politischen Konsens zusammen passt (oder nicht, je nach dem: wie wahr, oder wie un- wahr entschieden wird).

Das hat mit Wahrheit im Sinne von Wirklichkeit nichts zu tun, sondern bezieht sich auf bekannte gesellschaftliche Phänomene (bspw. Korruption, Klassentrennung usf.), die aber jederzeit problematisierbar sind.

Wenn sich also etwas „bewährt“, dann „bewahrheitet“ es sich gewissermaßen auch; in beiden Worten ist nicht umsonst die „Währung“ (auch Geldwährung) also ein zu bewahrendes Gut, auch im materiellen Sinne beinhaltet.

Bewähren kann sich etwas (bspw. eine Theorie) nur dann, wenn die zuvor getätigten Vermutungen/Annahmen sich in der (experimentellen) Anwendung als wahr erweisen. Das heißt jedoch nicht, dass deshalb diese Theorie erst durch die Bewährung wahr geworden ist (also eine neue Wahrheit erschaffen wurde), sondern nur, dass wir sie erst durch die Bewährung als wahr erkennen können.

„Wahrheitsanspruch“ ist (- sprüche sind) deshalb für mich immer mit Macht und (auch Waffen-) Gewalt verbunden –aus meiner Sicht ist der Begriff ("Wahrheit") deshalb: sehr relativ.

Wahrheitsansprüche können mit Gewalt verbunden sein, das ist nicht zu bestreiten, aber eine Notwendigkeit ist das ganz gewiss nicht. Wenn wir nun an Stelle von Wahrheitsanspruch den Begriff Geltungsanspruch setzen, dann scheint das eine glücklichere Bezeichnung zu sein, die Missverständnisse (Vermengungen) vermeidet.

So wird auch klarer, was eigentlich relativ ist: die Geltung und damit die jeweilige Richtigkeit eines Gesetzes, das sich - wie bereits gesagt - fortwährend verändert und in diesem Veränderungsprozess primär an der Lebenswirklichkeit (Wahrheit) zu orientieren versucht.

Beste Grüße,

Philipp
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Parmenides - Das Problem des Seins

Hallo K. M.,



Würde ich das so behaupten, nämlich dass es keine absolute(n) Wahrheit(en) gibt, dann wäre das ja wieder eine solche und somit widerspreche ich mir ganz einfach selbst.

Was ich andeuten wollte, das ist der Umstand, dass die Vorstellung eines idealen Rechtszustandes sehr problematisch ist, sowohl als Ziel wie auch als konkreter Leitgedanke eines Rechtsverständnisses. Wenn man hingegen das Recht als dynamischen Prozess sieht, also als lebensnahe (und eben zwischenmenschlich sich ereignende) Angelegenheit, so scheint diese konstruierte Idealisierung von Recht und Gesetz nicht länger notwendig zu sein: das Recht steht für den fortwährenden Versuch des Menschen, ein strukturiertes Miteinander zu ermöglichen und die Idee, dass durch Rechtsmittel eine (ewige) Wahrheit erstrebt wird, geht damit an der sozialen Wirklichkeit vorbei.



Das ist sicherlich richtig, jedenfalls dann, wenn man auf die Verschiedenheit des kulturellen Wertedenkens und darauf basierenden divergenten Verhaltensmustern abzielt. Aber was allen Kulturen gleich ist, das ist die Tatsache, dass die Menschen stets bemüht zu sein scheinen, mit der sie umgebenden Umwelt (und damit Lebenswirklichkeit) trotz des sozialen Gefüges möglichst adäquat umzugehen. Der Relativismus, der sich aus der Tatsache ergibt, dass das Wertedenken der Menschen je nach Kultur sehr unterschiedlich (und sogar völlig konträr) sein kann, ist also meiner Vermutung nach immer an etwas orientiert, das selbst nicht relativ geartet sein kann. Denn wie bereits B. Russell sehr treffend sagte: "Wenn alles relativ wäre, gäbe es nichts, wozu es relativ sein könnte."

So kann also durchaus unser Verständnis von Wahrheit je nach Kultur/Wertedenken enorm verschieden sein, aber das, worauf die Idee basiert - die Grundlage/Bedingung für unsere Verstehensmöglichkeit -, wäre von diesem Wahrheitsverständnis als dessen Bezugsbereich zu differenzieren.

Als konkretes Beispiel:

Bei den Polynesiern war es erwünscht, dass eine Frau möglichst viele Sexualkontakte pflegt, dies steigerte ihre Attraktivität und ihr Ansehen enorm. In vielen anderen Kulturen wurden und werden Frauen, die sexuell aktiv sind, sehr gering geschätzt. Was ist aber nun hiervon richtig und was falsch, welcher kulturelle Wahrheitsanspruch ist wahr und welcher unwahr?

Eine Gemeinschaft muss sich für bestimmte Lebensweisen entscheiden, die zur Verfügung stehenden Lebensmöglichkeiten werden also notwendig begrenzt. Deshalb muss ich feststellen, dass die soziale Absicht, die hinter dem kulturellen Tun steht, der eigentliche Wertelegitimator wäre und nicht das bloße Tun selbst. Ob also eine Polynesierin besser handelt als eine Frau aus einem (als Beispiel) christlichen Kulturkreis, das ließe sich nicht an ihrem tatsächlichen sexuellen Verhalten ermessen, sondern an der Tatsache, dass sie ihr Verhalten an interkulturellen Wertvorstellungen orientiert, die wiederum auf konkrete Lebenswirklichkeiten bezogen sind.

Wenn nun also bspw. eine christliche Frau kundtut, dass sie absofort mit jedem Mann verkehrt, der ihr begegnet, da sie gehört hat, dass Polynesierinnen dies ebenfalls tun, dann wäre das - so meine Ansicht - durchaus ein kritikwürdiges Verhalten, da sie die jeweiligen zwischenmenschlichen (also kulturellen) Beweggründe, die für das verschiedene Tun verantwortlich sind, unberücksichtigt lässt und stattdessen Tun mit Tun begründet.

Du siehst also: für mich ist Werterelativismus kein Wahrheitsrelativismus, vielmehr sind Werte an einer konkreten Umwelt orientiert, von der wir nicht zuletzt selbst ein dynamisch-spezifischer Teil sind.



Somit wäre diese Aussage zu modifizieren. Es gibt also nicht "eine Unzahl an Wahrheiten", sondern eine Unzahl an Wahrheitseinstellungen (Richtigkeiten), die in jeder Kultur - so meine Vermutung - eine soziale Notwendigkeit (Verantwortlichkeit) aufscheinen lassen: die Lebenswirklichkeit wird begrenzt, um das soziale Miteinander zu sichern.

Der Umstand, dass hierbei dogmatische Verhärtungen eintreten und Verhaltensweisen enstehen können, die vielleicht sogar eine Beeinträchtigung des Miteinanders darstellen, würde ich als vielleicht notwendiges (jedenfalls aber kaum vermeidbares) Übel ansehen. Aber auch dieser Problematik begegnet der Mensch scheinbar sehr effektiv, indem er seine eigenen Werteinstellungen fortwährend modifiziert und somit auf sich verändernde Lebenswirklichkeiten einstellt.



Was sollte denn eine unwahre Handlung überhaupt sein? Ich vermute, dass Denkhandlungen solche Vorstellungen erzeugen können, die - den vielfältigen Denkmöglichkeiten sei Dank - auf jene konkreten Möglichkeiten, auf die sich sich vermeintlich beziehen, nicht zutreffen. Aber sobald jemand praktisch handelt, ist dies ja ein konkretes Phänomen und damit per se wahr. Ob allerdings die Absicht, die eine Handlung veranlasste, richtig und also der jeweiligen gesellschaftlichen Ordnung entsprechend ist, das ist wiederum (s.o.) eine ganz andere Frage.



Das hat mit Wahrheit im Sinne von Wirklichkeit nichts zu tun, sondern bezieht sich auf bekannte gesellschaftliche Phänomene (bspw. Korruption, Klassentrennung usf.), die aber jederzeit problematisierbar sind.



Bewähren kann sich etwas (bspw. eine Theorie) nur dann, wenn die zuvor getätigten Vermutungen/Annahmen sich in der (experimentellen) Anwendung als wahr erweisen. Das heißt jedoch nicht, dass deshalb diese Theorie erst durch die Bewährung wahr geworden ist (also eine neue Wahrheit erschaffen wurde), sondern nur, dass wir sie erst durch die Bewährung als wahr erkennen können.



Wahrheitsansprüche können mit Gewalt verbunden sein, das ist nicht zu bestreiten, aber eine Notwendigkeit ist das ganz gewiss nicht. Wenn wir nun an Stelle von Wahrheitsanspruch den Begriff Geltungsanspruch setzen, dann scheint das eine glücklichere Bezeichnung zu sein, die Missverständnisse (Vermengungen) vermeidet.

So wird auch klarer, was eigentlich relativ ist: die Geltung und damit die jeweilige Richtigkeit eines Gesetzes, das sich - wie bereits gesagt - fortwährend verändert und in diesem Veränderungsprozess primär an der Lebenswirklichkeit (Wahrheit) zu orientieren versucht.

Beste Grüße,

Philipp

Hallo Phillip!


Deine Antwort auf meine (im vorigen Beitrag gestellte) Frage;

..................... Würde ich das so behaupten, nämlich dass es keine absolute(n) Wahrheit(en) gibt, dann wäre das ja wieder eine solche und somit widerspreche ich mir ganz einfach selbst............ (Dein Zitat)

akzeptiere ich so nicht ganz, denn Du selbst lehntest gorgianische Wortumkehr als Beweisführung ab, - doch auch in der Zweideutigkeit Deiner Antwort könnte man herauslesen, dass ein denkender Mensch sich einer Absoluten Denkposition, - somit als (einzig richtigen) Wahrheitsbegriff, nicht zufrieden geben kann.
--------------------------------------------------------------------------------------------------

Du siehst das Recht als Dynamischen Prozess, - somit einen idealen Rechtszustand als problematisch an – das tue ich auch. Und wenn die „ewige Wahrheit“ als Anspruch an der sozialen Wirklichkeit vorbeigeht, ist es Deiner Meinung somit ebenfalls fragwürdig.

- auch ich denke so

Dann frage ich Dich, wer bestimmt dann: „den Weg, welches das Recht gehen solle“ ?
(- wie Du es formulierst)

- nach welchen Kriterien, wer, vor allem mit welchen politischen Mitteln soll das (einzig offenbar nicht „wahre“, - darin sind wir uns wohl einig) - Recht dann durchsetzen?

Denn ist nicht der Krieg dann als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln wiederum bestimmend für den Rechtsanspruch und der Rechtsanspruch infolge sich wiederum durch den kriegerischen Sieg erst beweist und auch bewahrheitet?
(wie heißt es so schön: der Sieger bekommt immer Recht)

Du siehst also: der Kreislauf ist nicht zu durchbrechen.

Du sagst:
........... Eine Gemeinschaft muss sich für bestimmte Lebensweisen entscheiden, die zur Verfügung stehenden Lebensmöglichkeiten werden also notwendig begrenzt. Deshalb muss ich feststellen, dass die soziale Absicht, die hinter dem kulturellen Tun steht, der eigentliche Wertelegitimator wäre und nicht das bloße Tun selbst. Ob also eine Polynesierin besser handelt als eine Frau aus einem (als Beispiel) christlichen Kulturkreis, das ließe sich nicht an ihrem tatsächlichen sexuellen Verhalten ermessen, sondern an der Tatsache, dass sie ihr Verhalten an interkulturellen Wertvorstellungen orientiert, die wiederum auf konkrete Lebenswirklichkeiten bezogen sind. ............ (Dein Zitat)

Wiederum bestimmt damit eine sog. „Großkultur“ als (von wem immer angesetzten) Maßstab über kleinere Gemeinschaften als eigenständige Kulturen.

Wer ist Dein „Wertelegitimator“?

· Die Millionen unglücklichen Menschen im Westen?
· Die Umweltzerstörung?
· Alle vom „Westen“ aus begangenen Weltkriege?
· Die Hungersnöte und das soziale Ungleichgewicht zum großen Teil ausgelöst durch christlich- europäisch- wie amerikanische Kulturkreise?

Rein sachlich gesehen, müsste man die christliche Kultur schon aus Sicherheitsgründen gegenüber der gesamten Menschheit und der durch diese Kultur kaputten Erde auf der wir leben doch sehr hinterfragen.

Du sprichst auch das westlich- christliche Sexualverständnis an, in „unserem“ Wertesystem;
- warum pilgern dann Millionen unglücksselige Menschen nach Asien um dort (vor allem sexuelle) Heilung zu erfahren?

Wenn nun Dein „Werterealismus“ real in Zahlen ausgedrückt so aussieht, dass es für sehr viele „im Westen“ dann das schönste in ihrem Leben ist zu verreisen, möglichst weit weg (der Flug- und allgemeine Reiseverkehr sind beispielhaft dafür) nahezu einem Fluchtverhalten aus der eigenen Kultur gleicht, kann dieses Werteziel im sog. Westen nicht die alleinige Antwort sein.

Du schreibst:
......... Somit wäre diese Aussage zu modifizieren. Es gibt also nicht "eine Unzahl an Wahrheiten", sondern eine Unzahl an Wahrheitseinstellungen (Richtigkeiten), die in jeder Kultur - so meine Vermutung - eine soziale Notwendigkeit (Verantwortlichkeit) aufscheinen lassen: die Lebenswirklichkeit wird begrenzt, um das soziale Miteinander zu sichern ............ (Dein Zitat)

Dann haben alle außerkulturell lebenden Menschen Deines christl. Rechts- und Kulturrahmens eine von vielen „falschen“ Wahrheitseinstellungen – weil sie die „eine“ (richtige?) christl. Wahrheit noch nicht „entdeckt“ haben?

Du schreibst:
......... Aber auch dieser Problematik begegnet der Mensch scheinbar sehr effektiv, indem er seine eigenen Werteinstellungen fortwährend modifiziert und somit auf sich verändernde Lebenswirklichkeiten einstellt. ....... (Dein Zitat)


Für diese ständige „Modifizierung“ unzähliger unsinniger Gesetze wurden und werden Tausende Menschen sinnlos gequält und hingerichtet, auf dass es sich später als bedauerlich falsch erwies?

Wer gibt diesen Leuten (der Justiz), -nämlich wirklich- das Recht dazu über andere (und sehr oft falsch) dann zu entscheiden? –
Der (blutige) Weg im Christentum ist das nicht zu erreichende Ziel?


Dein Zitat von B. Russell:
........ "Wenn alles relativ wäre, gäbe es nichts, wozu es relativ sein könnte." ......... (von Dir zitiert)
wiederum: Du selbst lehntest gorgianische Wortumkehr als Beweisführung ab

Du schreibst:
........... Wenn wir nun an Stelle von Wahrheitsanspruch den Begriff Geltungsanspruch setzen, dann scheint das eine glücklichere Bezeichnung zu sein, die Missverständnisse (Vermengungen) vermeidet. ......... (Dein Zitat)

Dann stimmt Du mir damit zu, dass „Wahrheit“ mit: „Geltung“ also mit sozialer Stellung und Bezahlung unweigerlich zusammenhängt.

Macht und Recht, wie Bruder und Schwester, welche sich zwar ständig streiten, aber unzertrennbar verbunden sind, entstammen letztendlich der selben Quelle: Dem Vorteils des einen gegenüber dem anderen Spezies in der menschlichen Gemeinschaft.

Die größten Gewalttäter der Menschheit waren und sind immer jene, welche Einigung aller Kulturen und aller Menschen auf Erden anstrebten und streben.

Es gibt kein aus Menschen (-somit auch Gottes-) Hand gemachtes Gesetz dass aus sich heraus Gewalt legitimieren kann und gleichzeitig den (noch dazu fortwährenden) Frieden verspricht; denn das ist immer (wie letztendlich jedes Gesetz) eine Lüge in sich.

Aus diesem Verhältnis von Macht und Recht war für mich immer verständlich:

Dass Terror kleiner Staaten gegenüber sich unerträglich verhaltenden Supermächten absolut legitim ist; ich sehe an Anschlägen, sofern diese dem eigenen Kulturkreis in großer Not und Bedrängnis geratenen, zur Besserung deren sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen beitragend, absolut nichts Verwerfliches.

Denn Du selbst gibst es zu:
........ Wahrheitsansprüche können mit Gewalt verbunden sein, das ist nicht zu bestreiten ......... (Dein Zitat)

Wie meine feste Überzeugung ist:
Alles ist relativ

Mit besten Grüßen
K. M.
 
Zuletzt bearbeitet:
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AW: Parmenides - Das Problem des Seins

wieso?
die beiden haben doch nur denselben Quatsch wiederholt,
den GORGIAS erläutert hat

daher
1) alles ist relativ

2) Aussage 1 ist relativ zu maßvollen Verhältnissen

3) denn das zur Hälfte gefüllte Glas kann halb leer und/oder halb voll sein

4) was wiederum von der Form abhängt
 
AW: Parmenides - Das Problem des Seins

Hallo K. M.,

Deine Antwort auf meine (im vorigen Beitrag gestellte) Frage;

..................... Würde ich das so behaupten, nämlich dass es keine absolute(n) Wahrheit(en) gibt, dann wäre das ja wieder eine solche und somit widerspreche ich mir ganz einfach selbst............ (Dein Zitat)

akzeptiere ich so nicht ganz, denn Du selbst lehntest gorgianische Wortumkehr als Beweisführung ab, - doch auch in der Zweideutigkeit Deiner Antwort könnte man herauslesen, dass ein denkender Mensch sich einer Absoluten Denkposition, - somit als (einzig richtigen) Wahrheitsbegriff, nicht zufrieden geben kann.

Wo lehne ich eine "gorgianische Wortumkehr" in der Gesamtheit ab? Ich habe lediglich verschiedene damit zusammenhängende Aussagen kritisch beleuchtet. Zudem sehe ich nicht jeden "wenn-dann-Satz" (Bedingungssatz) als 'gorgianischen' an, viel plausibler ist es zu vermuten, dass auch ein Gorgias nicht der Urheber logischer Begründungsversuche war, sondern er die diesbezüglichen Möglichkeiten auf eigene Weise nutzte. Insofern kann ich logisch begründen, ohne dabei vorab schon auf eine fixe Idee von Logik beschränkt zu sein.

Aber ansonsten sehe ich das auch so: da das Denken selbst ein fließender Prozess ist und wir - sofern wir genau genug hinsehen - nirgendwo eine völlige Gleichförmigkeit vorfinden können, wäre zu vermuten, dass es zumindest vorschnell wäre, das Denken, das wir an uns selbst vorfinden, mit solchen Absolutheitsansprüchen in Verbindung zu bringen, die womöglich allein als Denkmöglichkeit gegeben sind.

Dann frage ich Dich, wer bestimmt dann: „den Weg, welches das Recht gehen solle“ ?
(- wie Du es formulierst)

Habe ich das so geschrieben? Dann bitte ich Dich, mir die Stelle zu zeigen, ich kann mich daran nämlich nicht erinnern.

Ich versuchte zu verdeutlichen, dass das Recht als menschlicher Versuch gesehen werden kann, mit seiner Umwelt und dem sozialen Gefüge, in dem er sich vorfindet, adäquat umzugehen. Wobei ich erwähnte, dass dafür keine fixe Idee (kein erdachtes Ziel) gegeben sein muss, sondern dass vielmehr ein (vielleicht evolutionär entstandenes) Gerechtigkeitsempfinden dafür sorgt, dass die verschiedensten Rechtskonzepte meist auf eine kulturelle Ordnung (ein funktionierendes Zusammenleben) abzielen. Krieg und Gewalt sind hierbei lediglich Verhaltensmöglichkeiten. Es gibt also keinen Grund, Gewalt und Machtstreben als grundlegendes Rechtsprinzip zu setzen.

- nach welchen Kriterien, wer, vor allem mit welchen politischen Mitteln soll das (einzig offenbar nicht „wahre“, - darin sind wir uns wohl einig) - Recht dann durchsetzen?

Ich würde meinen, dass die Kriterien wir selbst sind: die Menschen mit ihrem je eigenen Vermögen, an diesem Prozess der Lebensorganisation teilzunehmen. Nun scheint es sich bewährt zu haben, dass nach Möglichkeit alle Menschen an jenem Prozess teilhaben können, denn nur so sind die Interessen verschiedenster Seiten zu berücksichtigen.

Denn ist nicht der Krieg dann als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln wiederum bestimmend für den Rechtsanspruch und der Rechtsanspruch infolge sich wiederum durch den kriegerischen Sieg erst beweist und auch bewahrheitet?
(wie heißt es so schön: der Sieger bekommt immer Recht)

Du siehst also: der Kreislauf ist nicht zu durchbrechen.

Der Sieger mag zwar Recht bekommen, doch er muss keinesfalls notwendig in einem gewaltsamen/kriegerischen Akt ermittelt worden sein. Aber Du sagst ja selbst, dass Krieg lediglich ein Mittel ist, um Rechtsansprüche durchzusetzen. Nun hat aber die Geschichte gezeigt, dass es auch zahlreiche andere Mittel gibt und immer schon gab; ich bin mir fast sicher, dass auch schon der Neandertaler fähig war, sozialen Problemen vornehmlich mit friedlichen Mitteln zu begegnen.

Rein sachlich gesehen, müsste man die christliche Kultur schon aus Sicherheitsgründen gegenüber der gesamten Menschheit und der durch diese Kultur kaputten Erde auf der wir leben doch sehr hinterfragen.

"Rein sachlich gesehen" würde ich sagen, dass diese Deine Sichtweise reichlich unsachlich geartet ist. Vorneweg finde ich es problematisch, eine einheitliche "christliche Kultur" zu behaupten und diese "der Menschheit" gegenüber zu stellen - das wirkt simplifiziert und konstruiert. Dabei wird beispielsweise übersehen, dass es - egal wo auf der Welt - in erster Linie Menschen sind, um die es geht. Wenn die Erde tatsächlich "kaputt" sein sollte - was ich bezweifle -, dann sicherlich nicht durch eine willkürlich behauptete Kultur (also bspw. ähnlich anmutende Wertevorstellungen und Lebensgewohnheiten/Rituale), sondern durch solche Verhaltensweisen, wie sie in jeder Kultur zu sehen sind: Übersteigerter Egoismus Einzelner und das damit verbundene (und vielleicht sogar in Kauf genommene) Übersehen von Wirkungszusammenhängen, die anderes Leben beeinträchtigen können.

Dann haben alle außerkulturell lebenden Menschen Deines christl. Rechts- und Kulturrahmens eine von vielen „falschen“ Wahrheitseinstellungen – weil sie die „eine“ (richtige?) christl. Wahrheit noch nicht „entdeckt“ haben?

Diese Schlussfolgerung steht in keinem Zusammenhang mit dem, was ich meinte. Ich propagiere schließlich keinen Ethnozentrismus. Falls doch, so bitte ich Dich, dies ausreichend deutlich zu machen.

Für diese ständige „Modifizierung“ unzähliger unsinniger Gesetze wurden und werden Tausende Menschen sinnlos gequält und hingerichtet, auf dass es sich später als bedauerlich falsch erwies?

Und was besagt es, dass zwar tausende Menschen sinnlos gequält werden, aber mehrere Milliarden in weitgehend friedlicher Koexistenz leben? Es besagt, dass wir - wie die meisten Menschen - die Quälerei jener Minderheiten als grausam und sinnlos ansehen (wir sind hierbei unser eigenes Kriterium, resp. unser Gerechtigkeitsempfinden) und nach einer Lösung streben.

Wer gibt diesen Leuten (der Justiz), -nämlich wirklich- das Recht dazu über andere (und sehr oft falsch) dann zu entscheiden? –
Der (blutige) Weg im Christentum ist das nicht zu erreichende Ziel?

Das ist mir viel zu pauschal und schwammig.

Du schreibst:
........... Wenn wir nun an Stelle von Wahrheitsanspruch den Begriff Geltungsanspruch setzen, dann scheint das eine glücklichere Bezeichnung zu sein, die Missverständnisse (Vermengungen) vermeidet. ......... (Dein Zitat)

Dann stimmt Du mir damit zu, dass „Wahrheit“ mit: „Geltung“ also mit sozialer Stellung und Bezahlung unweigerlich zusammenhängt.

Ich sehe den schlüssigen Zusammenhang nicht. Wenn ich schreibe, dass ich - bezogen auf den entsprechenden Kontext - Geltung an Stelle von Wahrheit setze, dann heißt das doch gerade nicht, dass das, was ich mit diesen Begriffen jeweils verbinde, "unweigerlich zusammenhängt". Vielmehr möchte ich eine Differenz ganz klar herausstellen.

Macht und Recht, wie Bruder und Schwester, welche sich zwar ständig streiten, aber unzertrennbar verbunden sind, entstammen letztendlich der selben Quelle: Dem Vorteils des einen gegenüber dem anderen Spezies in der menschlichen Gemeinschaft.

Das halte ich für falsch. Macht und Recht stehen für zwei völlig verschiedene Angelegenheiten. Macht meint Einfluss und Möglichkeiten, über die beispielsweise ein Mensch verfügt. Das Recht ist demgegenüber weit weniger eindeutig, hierunter - wie bereits von mir versucht - sind am ehesten noch die Versuche der Menschen zu sehen, ihr Zusammenleben zu strukturieren.

Nenne mir doch bitte einmal die "anderen Spezies in der menschlichen Gemeinschaft".

Wenn in der Vergangenheit ethnozentrische Sichtweisen dazu führten, dass ganze (kleinere) Kulturen okkupiert wurden, so heißt das nicht, dass die Nachfahren jener Menschen dieses Verhalten nicht unlängst auch sehr kritisch sehen und sogar bestrebt sind, entstandene Schäden so gut als möglich zu beheben. Auch die Tatsache, dass es in einer vermeintlich einheitlichen Kultur verschiedenste Meinungen zu jenen Themen gibt, zeigt deutlich, dass es eine geschlossene Kultur nicht gibt. Die Wirklichkeit ist viel komplexer.

Aus diesem Verhältnis von Macht und Recht war für mich immer verständlich:

Dass Terror kleiner Staaten gegenüber sich unerträglich verhaltenden Supermächten absolut legitim ist; ich sehe an Anschlägen, sofern diese dem eigenen Kulturkreis in großer Not und Bedrängnis geratenen, zur Besserung deren sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen beitragend, absolut nichts Verwerfliches.

Inwiefern fördern Anschläge Wirtschaft und soziale Verhältnisse? Auch muss gesagt werden: diejenigen Kleingruppen, die Anschläge im Namen einer Religion/Gemeinschaft begehen, sind dennoch nicht zwangsläufig ein repräsentativer Teil dieser Gemeinschaft. Es sind - wie Du schon selbst geschrieben hast - in der Regeln einzelne Mächtige, die - ideologisch behauptet - eine Einheitsgesellschaft aufbauen möchten und das gängige Recht bewusst brechen, um dieses fiktive Ziel zu erreichen.

Denn Du selbst gibst es zu:
........ Wahrheitsansprüche können mit Gewalt verbunden sein, das ist nicht zu bestreiten ......... (Dein Zitat)

Wie meine feste Überzeugung ist:
Alles ist relativ

Auch hier sehe ich nur, dass Du meine Aussagen in Deinem Sinne auslegst und dabei scheinbar nicht bemüht bist, das, was ich eigentlich damit meine, nachzuvollziehen.

Ich vermute/befürchte, dass eben Deine "feste Überzeugung" dafür verantwortlich ist.

Es grüßt Dich,

Philipp
 
AW: Parmenides - Das Problem des Seins

Hallo K. M.,



Wo lehne ich eine "gorgianische Wortumkehr" in der Gesamtheit ab? Ich habe lediglich verschiedene damit zusammenhängende Aussagen kritisch beleuchtet. Zudem sehe ich nicht jeden "wenn-dann-Satz" (Bedingungssatz) als 'gorgianischen' an, viel plausibler ist es zu vermuten, dass auch ein Gorgias nicht der Urheber logischer Begründungsversuche war, sondern er die diesbezüglichen Möglichkeiten auf eigene Weise nutzte. Insofern kann ich logisch begründen, ohne dabei vorab schon auf eine fixe Idee von Logik beschränkt zu sein.

Aber ansonsten sehe ich das auch so: da das Denken selbst ein fließender Prozess ist und wir - sofern wir genau genug hinsehen - nirgendwo eine völlige Gleichförmigkeit vorfinden können, wäre zu vermuten, dass es zumindest vorschnell wäre, das Denken, das wir an uns selbst vorfinden, mit solchen Absolutheitsansprüchen in Verbindung zu bringen, die womöglich allein als Denkmöglichkeit gegeben sind.



Habe ich das so geschrieben? Dann bitte ich Dich, mir die Stelle zu zeigen, ich kann mich daran nämlich nicht erinnern.

Ich versuchte zu verdeutlichen, dass das Recht als menschlicher Versuch gesehen werden kann, mit seiner Umwelt und dem sozialen Gefüge, in dem er sich vorfindet, adäquat umzugehen. Wobei ich erwähnte, dass dafür keine fixe Idee (kein erdachtes Ziel) gegeben sein muss, sondern dass vielmehr ein (vielleicht evolutionär entstandenes) Gerechtigkeitsempfinden dafür sorgt, dass die verschiedensten Rechtskonzepte meist auf eine kulturelle Ordnung (ein funktionierendes Zusammenleben) abzielen. Krieg und Gewalt sind hierbei lediglich Verhaltensmöglichkeiten. Es gibt also keinen Grund, Gewalt und Machtstreben als grundlegendes Rechtsprinzip zu setzen.



Ich würde meinen, dass die Kriterien wir selbst sind: die Menschen mit ihrem je eigenen Vermögen, an diesem Prozess der Lebensorganisation teilzunehmen. Nun scheint es sich bewährt zu haben, dass nach Möglichkeit alle Menschen an jenem Prozess teilhaben können, denn nur so sind die Interessen verschiedenster Seiten zu berücksichtigen.



Der Sieger mag zwar Recht bekommen, doch er muss keinesfalls notwendig in einem gewaltsamen/kriegerischen Akt ermittelt worden sein. Aber Du sagst ja selbst, dass Krieg lediglich ein Mittel ist, um Rechtsansprüche durchzusetzen. Nun hat aber die Geschichte gezeigt, dass es auch zahlreiche andere Mittel gibt und immer schon gab; ich bin mir fast sicher, dass auch schon der Neandertaler fähig war, sozialen Problemen vornehmlich mit friedlichen Mitteln zu begegnen.



"Rein sachlich gesehen" würde ich sagen, dass diese Deine Sichtweise reichlich unsachlich geartet ist. Vorneweg finde ich es problematisch, eine einheitliche "christliche Kultur" zu behaupten und diese "der Menschheit" gegenüber zu stellen - das wirkt simplifiziert und konstruiert. Dabei wird beispielsweise übersehen, dass es - egal wo auf der Welt - in erster Linie Menschen sind, um die es geht. Wenn die Erde tatsächlich "kaputt" sein sollte - was ich bezweifle -, dann sicherlich nicht durch eine willkürlich behauptete Kultur (also bspw. ähnlich anmutende Wertevorstellungen und Lebensgewohnheiten/Rituale), sondern durch solche Verhaltensweisen, wie sie in jeder Kultur zu sehen sind: Übersteigerter Egoismus Einzelner und das damit verbundene (und vielleicht sogar in Kauf genommene) Übersehen von Wirkungszusammenhängen, die anderes Leben beeinträchtigen können.



Diese Schlussfolgerung steht in keinem Zusammenhang mit dem, was ich meinte. Ich propagiere schließlich keinen Ethnozentrismus. Falls doch, so bitte ich Dich, dies ausreichend deutlich zu machen.



Und was besagt es, dass zwar tausende Menschen sinnlos gequält werden, aber mehrere Milliarden in weitgehend friedlicher Koexistenz leben? Es besagt, dass wir - wie die meisten Menschen - die Quälerei jener Minderheiten als grausam und sinnlos ansehen (wir sind hierbei unser eigenes Kriterium, resp. unser Gerechtigkeitsempfinden) und nach einer Lösung streben.



Das ist mir viel zu pauschal und schwammig.



Ich sehe den schlüssigen Zusammenhang nicht. Wenn ich schreibe, dass ich - bezogen auf den entsprechenden Kontext - Geltung an Stelle von Wahrheit setze, dann heißt das doch gerade nicht, dass das, was ich mit diesen Begriffen jeweils verbinde, "unweigerlich zusammenhängt". Vielmehr möchte ich eine Differenz ganz klar herausstellen.



Das halte ich für falsch. Macht und Recht stehen für zwei völlig verschiedene Angelegenheiten. Macht meint Einfluss und Möglichkeiten, über die beispielsweise ein Mensch verfügt. Das Recht ist demgegenüber weit weniger eindeutig, hierunter - wie bereits von mir versucht - sind am ehesten noch die Versuche der Menschen zu sehen, ihr Zusammenleben zu strukturieren.

Nenne mir doch bitte einmal die "anderen Spezies in der menschlichen Gemeinschaft".

Wenn in der Vergangenheit ethnozentrische Sichtweisen dazu führten, dass ganze (kleinere) Kulturen okkupiert wurden, so heißt das nicht, dass die Nachfahren jener Menschen dieses Verhalten nicht unlängst auch sehr kritisch sehen und sogar bestrebt sind, entstandene Schäden so gut als möglich zu beheben. Auch die Tatsache, dass es in einer vermeintlich einheitlichen Kultur verschiedenste Meinungen zu jenen Themen gibt, zeigt deutlich, dass es eine geschlossene Kultur nicht gibt. Die Wirklichkeit ist viel komplexer.



Inwiefern fördern Anschläge Wirtschaft und soziale Verhältnisse? Auch muss gesagt werden: diejenigen Kleingruppen, die Anschläge im Namen einer Religion/Gemeinschaft begehen, sind dennoch nicht zwangsläufig ein repräsentativer Teil dieser Gemeinschaft. Es sind - wie Du schon selbst geschrieben hast - in der Regeln einzelne Mächtige, die - ideologisch behauptet - eine Einheitsgesellschaft aufbauen möchten und das gängige Recht bewusst brechen, um dieses fiktive Ziel zu erreichen.



Auch hier sehe ich nur, dass Du meine Aussagen in Deinem Sinne auslegst und dabei scheinbar nicht bemüht bist, das, was ich eigentlich damit meine, nachzuvollziehen.

Ich vermute/befürchte, dass eben Deine "feste Überzeugung" dafür verantwortlich ist.

Es grüßt Dich,

Philipp

Hallo Phillip!

Zunächst sehe ich doch einen Konsens im Diskurs, dass Absolutheitsansprüche keine Gemeinsamkeiten schaffen können (korrigier mich, wenn ich falsch liege).

Also ich erkenne bei Gorgias „vom Nichtseienden“ keine Reallogik, keine „Wirklichkeit im greifbaren Sinne, sondern eine exakte Rhetorik, nämlich als „Wort- und Sprachwirklichkeit, welche aber nur „im Wort, oder Sprache als Ausdruck –für- Etwas, lebt und Anspruch nimmt“.
(das zu verdeutlichen, war auch seine Absicht; - auch als Anwalt in seinen mitunter als Metapher beschriebenen Rechtsfällen)

Dieser (wenn auch kleine) Unterschied macht (zumindest für mich) die Relative im Umgang mit sprachlich- schriftlicher Doktrin deutlich. Sprache und Schrift als Machtanspruch, denn auch bei meinen Jahrelangen Übersetzungsarbeiten wurde mir dies immer wieder bewusst, dass aus Sprache/Schrift heraus sich „Ebenen“ (auch heute noch) bilden; nämlich als jeweils sozialbegrifflich zuordbarer Position.

Gesetze werden in ihrer Gesamtheit ähnlich gestaltet. Die sog. Richtigkeit, oder Notwendigkeit eines Gesetzes ist immer auch eine Annahme (Fiktion eines Optimalzustandes), wenn auch im besten Wissen und Gewissen, einer auch vermuteten kollektiven Hilfestellung heraus gesetzten Tat.

z. B.:
der Mord (Hinrichtung) des Mordes wegen, der Diebstahl (Enteignung) des Diebstahls wegen; u.s.w.
Nun kommt die Sprache ins Spiel, denn es ist eben dann kein Mord, sondern, ........... es ist eben dann kein Diebstahl, sondern ...........; - und warum das so ist, kann nur die Sprache erklären, nicht das wirkliche Leben, - denn endlose Debatten „über etwas“ setzen damit an.

(wenn dann noch Staaten über Staaten mit dem Kriegsrecht urteilen, werden bürgerliche, sowie strafrechtliche Begriffe vollkommen abstrakt und dubios)

Noch interessanter wird es, wenn Persona im Rechtsbegriff dann noch verschieden ihrer bürokratisch- juristischen Zuteilung gemäß, zu beurteilen sind; quasi, wenn ein Minister „stiehlt“ kann das kein Diebstahl sein, denn ein Minister kann Aufgrund seiner Angelobung (als Minister) gar nicht stehlen; also er tat etwas, was gar nicht sein kann, also war es auch nicht (sofern, wie aber meist, die Immunität nicht aufgehoben wird), u.s.w. – und immer wieder taucht (da für mich) „Gorgias“ auf, der dies auch sprachlich, damit zum „Recht“ werdend, - dann auch verdeutlicht.

Also im „Christentum“ sehe ich in erster Linie eine „Staats- und Rechtsidee und keine private Angelegenheit. Ich meinte damit keinen, wie Du es ausdrückst: „Ethnozentrismus“, sondern das Christentum als Staatsbegriff „über“ allen Ethnien hinweg. Denn die „Welt“ (auch Um- Welt) wie sie heute Großteils zugegen ist, ist eine durch diese (christl.) Staats- und Rechtsform heraus entstandene, denn zum überwiegenden Teil, mussten sich „nichtchristliche“ Länder, auch gegen deren Willen, aus dem Überleben heraus, (wirtschaftlich und militärisch) anpassen.

Aus diesem Umstand heraus, erkenn ich es als legitim an, dass andere Völker ihre Kultur und Eigenständigkeit auch ohne Bevormundung des sog. Westens als Atom- und Supermacht bestimmend, gestalten sollen und dürfen – und nicht auf „westliche Gnade“ dabei angewiesen sein müssen.

Und den ganz kleinen und ärmlichen Ländern bleibt eben nur die kleinste Form der militärischen Abwehr, wir im Westen nennen es eben Terror.

Deshalb schließe ich aus meiner Sichtweise eben eine gewisse Relativität gegenüber dem sog. „Recht versus Un- Recht, sowie Wahrheit und Un- Wahrheit“, auch der jeweils vorliegenden Verhältnismäßigkeit, sei es aus der Sicht des einzelnen Menschen, aber auch Staaten und Ländern gegenüber deren Größe und Machtverhältnisse.

Mit freundlichen Grüßen
K. M.
 
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Hallo Phillip!

Zunächst sehe ich doch einen Konsens im Diskurs, dass Absolutheitsansprüche keine Gemeinsamkeiten schaffen können (korrigier mich, wenn ich falsch liege).

Also ich erkenne bei Gorgias „vom Nichtseienden“ keine Reallogik, keine „Wirklichkeit im greifbaren Sinne, sondern eine exakte Rhetorik, nämlich als „Wort- und Sprachwirklichkeit, welche aber nur „im Wort, oder Sprache als Ausdruck –für- Etwas, lebt und Anspruch nimmt“.
(das zu verdeutlichen, war auch seine Absicht; - auch als Anwalt in seinen mitunter als Metapher beschriebenen Rechtsfällen)

Dieser (wenn auch kleine) Unterschied macht (zumindest für mich) die Relative im Umgang mit sprachlich- schriftlicher Doktrin deutlich. Sprache und Schrift als Machtanspruch, denn auch bei meinen Jahrelangen Übersetzungsarbeiten wurde mir dies immer wieder bewusst, dass aus Sprache/Schrift heraus sich „Ebenen“ (auch heute noch) bilden; nämlich als jeweils sozialbegrifflich zuordbarer Position.

Gesetze werden in ihrer Gesamtheit ähnlich gestaltet. Die sog. Richtigkeit, oder Notwendigkeit eines Gesetzes ist immer auch eine Annahme (Fiktion eines Optimalzustandes), wenn auch im besten Wissen und Gewissen, einer auch vermuteten kollektiven Hilfestellung heraus gesetzten Tat.

z. B.:
der Mord (Hinrichtung) des Mordes wegen, der Diebstahl (Enteignung) des Diebstahls wegen; u.s.w.
Nun kommt die Sprache ins Spiel, denn es ist eben dann kein Mord, sondern, ........... es ist eben dann kein Diebstahl, sondern ...........; - und warum das so ist, kann nur die Sprache erklären, nicht das wirkliche Leben, - denn endlose Debatten „über etwas“ setzen damit an.

(wenn dann noch Staaten über Staaten mit dem Kriegsrecht urteilen, werden bürgerliche, sowie strafrechtliche Begriffe vollkommen abstrakt und dubios)

Noch interessanter wird es, wenn Persona im Rechtsbegriff dann noch verschieden ihrer bürokratisch- juristischen Zuteilung gemäß, zu beurteilen sind; quasi, wenn ein Minister „stiehlt“ kann das kein Diebstahl sein, denn ein Minister kann Aufgrund seiner Angelobung (als Minister) gar nicht stehlen; also er tat etwas, was gar nicht sein kann, also war es auch nicht (sofern, wie aber meist, die Immunität nicht aufgehoben wird), u.s.w. – und immer wieder taucht (da für mich) „Gorgias“ auf, der dies auch sprachlich, damit zum „Recht“ werdend, - dann auch verdeutlicht.

Also im „Christentum“ sehe ich in erster Linie eine „Staats- und Rechtsidee und keine private Angelegenheit. Ich meinte damit keinen, wie Du es ausdrückst: „Ethnozentrismus“, sondern das Christentum als Staatsbegriff „über“ allen Ethnien hinweg. Denn die „Welt“ (auch Um- Welt) wie sie heute Großteils zugegen ist, ist eine durch diese (christl.) Staats- und Rechtsform heraus entstandene, denn zum überwiegenden Teil, mussten sich „nichtchristliche“ Länder, auch gegen deren Willen, aus dem Überleben heraus, (wirtschaftlich und militärisch) anpassen.

Aus diesem Umstand heraus, erkenn ich es als legitim an, dass andere Völker ihre Kultur und Eigenständigkeit auch ohne Bevormundung des sog. Westens als Atom- und Supermacht bestimmend, gestalten sollen und dürfen – und nicht auf „westliche Gnade“ dabei angewiesen sein müssen.

Und den ganz kleinen und ärmlichen Ländern bleibt eben nur die kleinste Form der militärischen Abwehr, wir im Westen nennen es eben Terror.

Deshalb schließe ich aus meiner Sichtweise eben eine gewisse Relativität gegenüber dem sog. „Recht versus Un- Recht, sowie Wahrheit und Un- Wahrheit“, auch der jeweils vorliegenden Verhältnismäßigkeit, sei es aus der Sicht des einzelnen Menschen, aber auch Staaten und Ländern gegenüber deren Größe und Machtverhältnisse.

Mit freundlichen Grüßen
K. M.

Hallo K. M.,

ich habe derzeit leider keine Zeit für größere Ausführungen, nur soviel in aller Kürze: mit der spezifischen Relativität (gewisse Spielräume zwischen Recht und Unrecht), wie Du sie nun geschildert hast, kann ich sehr gut leben.

Beste Grüße und einen schönen Abend wünscht,

Philipp
 
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