Chris M
Well-Known Member
- Registriert
- 2. November 2014
- Beiträge
- 3.728
Hallo Giacomo,
ich finde deine Beiträge oft interessant und intelligent gestaltet.
Bei diesem Beitrag habe ich aber das Gefühl, du verfällst in eine sture Phase.
Du beharrst auf deiner Meinung, ohne die Bereitschaft, anzuerkennen, dass psychische Probleme gravierende und durchaus bedrohliche Auswirkungen, auf das Lebensgefühl eines Menschen, haben können.
Er ist damit nicht alleine. Das muss man ihm lassen. Nur Betroffene, Experten, und Menschen mit außergewöhnlich hoher Empathie können sich in psychische Krankheiten hineinversetzen. Für alle anderen muss es aussehen wie Übersensibilität, Rumgejammere, ja vielleicht sogar Simulation. Das ist Teil des Problems. Man spürt als Betroffener permanent, nicht verstanden zu werden, und das wird auf Dauer zu einem erheblichen Teil des Gesamtproblems. Giacomo und Bernie sind zumindest ehrlich und sagen frei heraus, dass sie mich für ein Weichei und einen Jammerlappen halten. Andere denken es nur, würden es aber niemals aussprechen. Was ist nun besser? Schwer zu sagen, ich bevorzuge jedoch im Zweifelsfalle immer die Ehrlichkeit. Und außerdem weiß ich: Jedes relativierte Leid wird man irgendwann selber erfahren müssen. Es kann nur so sein. Giacomo und Bernie werden im nächsten oder einem späteren Leben ganz sicher psychisch krank sein, denn diese Erfahrung gehört offensichtlich zum Gesamtweg einer Seele dazu. Wenn du, Helmfried, Empathie mit psychisch Kranken hast, dann hast du eine solche Inkarnation schon hinter dir oder du hast von Natur aus sehr viel Empathie und brauchst eine solche Erfahrung gar nicht.
Dabei seid ihr beide so etwas wie ein Tream-Team, ihr arbeitet euch gegenseitig (in der Regel auch konstruktiv) aneinander ab. Fast möchte ich sagen, ihr seid euch mittlerweile auch einen gewissen Respekt schuldig, der aber im Moment zu vermissen ist.
Wie das eben so ist mit alten Ehepaaren...
Aber eines ist eh klar: Wenn man im Internet Schwäche zeigt, kann man nicht mit Gnade rechnen. Sobald man sein Inneres offen legt, muss man mit Anfeindungen rechnen. Es zwingt mich ja niemand dazu, über diese Themen zu schreiben. Letzten Endes ist das Schreiben an sich therapeutisch, egal welche Reaktionen kommen. Und da ich Ehrlichkeit wie gesagt bevorzuge, sind mir solche Vorwürfe lieber als falsches Mitleid, welches ich ja eh nicht will, denn ich beschreibe ja nur, ich jammere nicht.
Bei Chris, sehe ich die Situation alles andere als eindeutig. Da ist gar nichts konkret. Bei ihm spielen mehrere Faktoren ineinander und das zieht weitere Komplikationen nach sich. Nichts muss nmM differenzierter betrachtet werden als psychische Störungen (weil das Spektrum riesig ist und jegliche Pauschalisierung vermieden werden sollte).
Damit hast du absolut recht. Mein Innenleben ist so kompliziert, dass ich es nicht einmal annähernd verstehe. Der Begriff Depression ist ein verzweifelter Versuch (meinerseits und der Ärzte) diesem inneren Chaos einen Namen zu geben.
Chris hat sich eine Fundament aus den unterschiedlichsten Bausteinen geschaffen und versucht auf dieser Basis zu bestehen. Ich sehe hier einen Menschen, der um ein Leben mit relativer Lebensqualität ringt und empfinde das ganze Gegenteil zu jammern und sielen.
So sehe ich es auch. Jammern sieht anders aus. Ich beschreibe und versuche zu sortieren. Und freue mich über Inputs, wohlwollend (wie bei dir) und destruktiv (wie bei Giacomo und Bernie). Beides hat seine Funktion.

