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Nachgedanken zu den großen Fragen des Daseins

Hallo Giacomo,
ich finde deine Beiträge oft interessant und intelligent gestaltet.
Bei diesem Beitrag habe ich aber das Gefühl, du verfällst in eine sture Phase.
Du beharrst auf deiner Meinung, ohne die Bereitschaft, anzuerkennen, dass psychische Probleme gravierende und durchaus bedrohliche Auswirkungen, auf das Lebensgefühl eines Menschen, haben können.

Er ist damit nicht alleine. Das muss man ihm lassen. Nur Betroffene, Experten, und Menschen mit außergewöhnlich hoher Empathie können sich in psychische Krankheiten hineinversetzen. Für alle anderen muss es aussehen wie Übersensibilität, Rumgejammere, ja vielleicht sogar Simulation. Das ist Teil des Problems. Man spürt als Betroffener permanent, nicht verstanden zu werden, und das wird auf Dauer zu einem erheblichen Teil des Gesamtproblems. Giacomo und Bernie sind zumindest ehrlich und sagen frei heraus, dass sie mich für ein Weichei und einen Jammerlappen halten. Andere denken es nur, würden es aber niemals aussprechen. Was ist nun besser? Schwer zu sagen, ich bevorzuge jedoch im Zweifelsfalle immer die Ehrlichkeit. Und außerdem weiß ich: Jedes relativierte Leid wird man irgendwann selber erfahren müssen. Es kann nur so sein. Giacomo und Bernie werden im nächsten oder einem späteren Leben ganz sicher psychisch krank sein, denn diese Erfahrung gehört offensichtlich zum Gesamtweg einer Seele dazu. Wenn du, Helmfried, Empathie mit psychisch Kranken hast, dann hast du eine solche Inkarnation schon hinter dir oder du hast von Natur aus sehr viel Empathie und brauchst eine solche Erfahrung gar nicht.

Dabei seid ihr beide so etwas wie ein Tream-Team, ihr arbeitet euch gegenseitig (in der Regel auch konstruktiv) aneinander ab. Fast möchte ich sagen, ihr seid euch mittlerweile auch einen gewissen Respekt schuldig, der aber im Moment zu vermissen ist.

Wie das eben so ist mit alten Ehepaaren...

Aber eines ist eh klar: Wenn man im Internet Schwäche zeigt, kann man nicht mit Gnade rechnen. Sobald man sein Inneres offen legt, muss man mit Anfeindungen rechnen. Es zwingt mich ja niemand dazu, über diese Themen zu schreiben. Letzten Endes ist das Schreiben an sich therapeutisch, egal welche Reaktionen kommen. Und da ich Ehrlichkeit wie gesagt bevorzuge, sind mir solche Vorwürfe lieber als falsches Mitleid, welches ich ja eh nicht will, denn ich beschreibe ja nur, ich jammere nicht.

Bei Chris, sehe ich die Situation alles andere als eindeutig. Da ist gar nichts konkret. Bei ihm spielen mehrere Faktoren ineinander und das zieht weitere Komplikationen nach sich. Nichts muss nmM differenzierter betrachtet werden als psychische Störungen (weil das Spektrum riesig ist und jegliche Pauschalisierung vermieden werden sollte).

Damit hast du absolut recht. Mein Innenleben ist so kompliziert, dass ich es nicht einmal annähernd verstehe. Der Begriff Depression ist ein verzweifelter Versuch (meinerseits und der Ärzte) diesem inneren Chaos einen Namen zu geben.

Chris hat sich eine Fundament aus den unterschiedlichsten Bausteinen geschaffen und versucht auf dieser Basis zu bestehen. Ich sehe hier einen Menschen, der um ein Leben mit relativer Lebensqualität ringt und empfinde das ganze Gegenteil zu jammern und sielen.

So sehe ich es auch. Jammern sieht anders aus. Ich beschreibe und versuche zu sortieren. Und freue mich über Inputs, wohlwollend (wie bei dir) und destruktiv (wie bei Giacomo und Bernie). Beides hat seine Funktion.
 
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Ich beschreibe und versuche zu sortieren.
Ja, ja, das ist ja schön und gut, immerhin haben "er und ER" - hier als Chris M - "sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden".
.......destruktiv (wie bei Giacomo und Bernie). Beides hat seine Funktion.
Aber Chris, denk doch mal nach, das ist doch >>"Beides"<< hier einseitig von Dir als völlig destruktiv vorbestimmte Quatschlogik vorgegeben, weil (additive) Zerstörung in der Summe keinerlei Sinn ergibt, ausgerechnet das Destruktive auch noch "in einer Draufgabe als Dreingabe" zerstören zu sollen, es sei denn, man betrachtet es als immer wiederkehrendes Spiel mit jederzeit implementierbaren "Wiederherstell-Funktionen" in einer Art beliebigem "Re-Set" mit ökonomisch wie öko-komisch unendlichem Aufwand immer wieder neue "Spielregeln" zu kreieren versuchen...

Alle Funktionen sind "an sich" unbestechlich, jedoch in Parallelsystemen funktional exakt verschiebbar, ohne dass sich an bestimmten "Beziehungsgeflechten an sich" etwas ändert, wohl aber ganz individuell "für Dich und für mich". :)

Die Verschiebbarkeit von Parallelfunktionen hat eben nicht nur eine einseitige destruktive Komponente, sondern auch eine sehr werthaltig schöpferische Vorlaufkomponente in einem negativ schutzwürdigen Materiebereich von aller geringsten Austauschformen in einer rechtzeitig überaus dankbar erkennbaren uni-in-vers-um-kehrbaren Ur-Sache.

Würde man alle Funktionen als einseitig destruktiv uneinsichtig als "böse" auszulegen versuchen, wie Du es leider tust, dann könnte man der negativen Materie keine positiv hoffnungsvollen Ausgleichsfunktionen zuweisen und alle Bemühungen wären tatsächlich "umsonst" - und dies in gleich mehrfachem Wortsinne.

Bernies Sage (Bernhard Layer)
 
Zuletzt bearbeitet:
... Giacomo und Bernie werden im nächsten oder einem späteren Leben ganz sicher psychisch krank sein ...



Und wenn sie als Buch kommen, eher als Kriminalroman und Novelle? Bernie ist der Mörder und Giacobello der Jüngling. Allerdings sterben beide an Unfällen, bedingt durch ihre starke psychische Krankheit.

Ginge das auch? Vielleicht kommen beide auch als Fette wieder, da wird es schon schwieriger mit der gewünschten psychischen Last; ich weiß jetzt nicht, wie das genauso logisch wie bisher zu lösen ist.
 
Man spürt als Betroffener permanent, nicht verstanden zu werden, und das wird auf Dauer zu einem erheblichen Teil des Gesamtproblems.

"Wenn Sie alles verstünden, was ich sage, dann wären Sie ich."
Miles Davis

Es ist Teil des Lebens, permanent nicht verstanden zu werden. Bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Finde Dich damit ab.
Dieser Tage habe ich Menschen erlebt, im Arbeitsleben, die reden den ganzen Tag irgendwelche Plattitüden, nur um überhaupt etwas zu reden. Das kann zwar ein jeder verstehen, es ist aber sinnfrei.
Mir ist es mittlerweile relativ egal, ob Menschen mich verstehen oder nicht.
In geschätzt dreiviertel der Zeit geht es sowieso nur um ihre albernen Emotionen und nicht um irgendwelche Inhalte.

Giacomo und Bernie sind zumindest ehrlich und sagen frei heraus, dass sie mich für ein Weichei und einen Jammerlappen halten.

Das habe ich so konkret nicht gesagt, vielmehr handelt es sich um das, was Du aus meinen Aussagen herauszulesen meinst. Tatsächlich habe ich allgemeine Aussagen dieser Art gemacht, wörtlich aber nicht, dass es um Dich ginge.
Jemand erzählt einem so etwas wie "ich war Gestern in einer Ausstellung mit Bildern von Picasso", und man sagt selbst vllt. "oh ja, schön, allerdings mag ich Picasso nicht" und der andere liest daraus "er mag mich nicht" heraus. Was natürlich ein völliger Blödsinn ist ...

Andere denken es nur, würden es aber niemals aussprechen. Was ist nun besser? Schwer zu sagen, ich bevorzuge jedoch im Zweifelsfalle immer die Ehrlichkeit.

"Viele Menschen haben Angst zu sagen, was sie möchten. Und dann bekommen sie auch nicht, was sie möchten."
Madonna

Die Leute sprechen auch ganz andere Dinge nicht aus. Es ist ihnen wichtiger, von möglichst allen gemocht zu werden, als sich für ihre Bedürfnisse und Ziele einzusetzen. Und wenn man dann kein Gedankenleser oder Empath ist und damit ihre Erwartungen nicht erfüllt und auch gar nicht erfüllen kann, dann sind sie eingeschnappt und beleidigt.
Mich langweilt das alles und ja: Ich finde das schwach. Oder auch respektlos, denn es impliziert auch, dass man es mir nicht zutraut, Wahrheiten zu ertragen.

Und außerdem weiß ich: Jedes relativierte Leid wird man irgendwann selber erfahren müssen. Es kann nur so sein. Giacomo und Bernie werden im nächsten oder einem späteren Leben ganz sicher psychisch krank sein, denn diese Erfahrung gehört offensichtlich zum Gesamtweg einer Seele dazu. Wenn du, Helmfried, Empathie mit psychisch Kranken hast, dann hast du eine solche Inkarnation schon hinter dir oder du hast von Natur aus sehr viel Empathie und brauchst eine solche Erfahrung gar nicht.

Das bezweifle ich, da ich dem Konzept der Reinkarnation nicht den geringsten Wert zumesse.
In jedem Fall aber taugt das Konzept der Reinkarnation gut dafür, sich im Positiven wie im Negativen alles schön zu reden. Denn im Zweifelsfall kann man alles mit den Vorkommnissen einer völlig hypothetischen Vergangenheit unbekannter Vorfahren rechtfertigen.
Man braucht sich selbst nicht in Frage zu stellen, vielmehr ist man das karmische Produkt der Stärken und Fehler seiner Vorläufer. Allenfalls kann man mit der Arbeit an sich selbst das Schicksal seiner Nachläufer verbessern - oder verschlechtern, und dann taugt der Ansatz auch gut für den erhobenen Zeigefinger, siehe oben.

Für einen Depressiven kann das Konzept der Reinkarnation geradezu eine Steilvorlage sein. Ändern kann er an seinem Schicksal ja sowieso nichts, alles ist eine Folge früherer Leben und deren Verfehlungen. Und auch zur Demontage durchaus berechtigter politischer Forderungen taugt dieses Konzept sehr gut.
 
Dieser Tage habe ich Menschen erlebt, im Arbeitsleben, die reden den ganzen Tag irgendwelche Plattitüden, nur um überhaupt etwas zu reden. Das kann zwar ein jeder verstehen, es ist aber sinnfrei.
Mir ist es mittlerweile relativ egal, ob Menschen mich verstehen oder nicht.
In geschätzt dreiviertel der Zeit geht es sowieso nur um ihre albernen Emotionen und nicht um irgendwelche Inhalte.


Ich dachte bisher, die mutmaßliche Belanglosigkeit sind ihre Gedanken, nicht nur Gerede, das haben sie im Kopf.

Ja, mir ist es auch egaler, ob mich Menschen verstehen. Also, wenn mir im Gespräch ein Witz einfällt, erzähle ich ihn, ohne zu beachten, ob er zu dem Menschen paßt. Ich weiß, Sie meinen etwas anderes.

Na, ja, wenn es tatsächlich um Emotionen geht, finde ich das eher gut, das ist ja Theater. Albern, klar, bei den Belanglosigkeiten, aber der Mensch ist phantastisch, vielfältig, je nachdem.
 
Da sind eben Menschen im Arbeitsleben, die ich mir nicht aussuche. Ich treffe sehr selten Menschen, mit denen ich eine tatsächliche Verbindung habe, die fast komplette Zeit verdinge ich mich mit Menschen ohne Verbindung, das ist Theater, das beherrsche ich bedingt.
 
Nur Betroffene, Experten, und Menschen mit außergewöhnlich hoher Empathie können sich in psychische Krankheiten hineinversetzen.
Um psychische Krankheiten zu lösen sollte ein guter Therapeut unbedingt vermeiden, sich in die Lage von Betroffenen hineinzuversetzen, weil sich der Betroffene sonst in seiner bemitleidungswürdigen Rolle nicht ernst genommen fühlt.

- Auch dies gehört zu den Nachgedanken bezüglich der großen Fragen des unmittelbar wahr genommenen Daseins.
Giacomo und Bernie sind zumindest ehrlich...
Aha. Und welche Rolle spielt denn die Ehrlichkeit in deinem Leben?
Giacomo und Bernie werden ...
Aha. Und seit wann weißt Du so sicher, dass deine Ehrlichkeit - in Zukunft zumindest partiell - nicht mehr zu retten gewesen sein wird? :rolleyes:

Zurück zum Thema: "Vom Sein zum Werden" erinnert mich übrigens an eine wichtige Person in meinem Leben, der ich - im Dialog mit der Natur - viel zu verdanken gehabt haben werde: Meine Rede ist hier vom Nobelpreisträger Ilya Prigogine, der mich (damals als Ökonom) in die geheimnisvolle Welt dissipativer Strukturen (der Biochemie) einführte und mich zur der absoluten Erkenntnis brachte, wie Natur und Geist in Symbiosen kommunikativ wundersam - im Großen wie im Kleinen - spiegelhaft erkennbar für offenbar nur wenige Menschen - in aller (wiedererkennbaren) Dankbarkeit auf Gegenseitigkeit - (strategisch und taktisch auf unterschiedliche Weise) zu wechselwirken vermögen.

Bernies Sage (Bernhard Layer)
 
Zuletzt bearbeitet:
Aha. Und welche Rolle spielt denn die Ehrlichkeit in deinem Leben?

Ehrlichkeit bedeutet für mich, dass ich mich weder dem Materialismus noch dem Optimismus anschließe. Die Optimisten sind verblendet, können aber meistens nichts dafür, denn sie haben nicht die Fähigkeit, jenseits ihres Gartenzauns zu blicken, innerhalb dessen alles in Ordnung ist. Die Materialisten lassen sich einfach vom Zeitgeist treiben, sie denken, die materielle Welt ist alles, was existiert, weil sie das in der Schule so gelernt haben.

Somit ist die schlimmste Gruppe die der materialistischen Optimisten respektive optimistischen Materialisten, die das biologische Leben als solches lebenswert finden.

Der größte Philosoph ist Arthur Schopenhauer, der antimaterialistische Pessimist.
Der größte spirituelle Lehrer ist Jed McKenna, der pessimistische Antimaterialist.

Ich muss gegen dieses Leben sein, weil ich seine Nichtigkeit und Schlechtigkeit schon lange durchschaut habe. Aber die Metaphysik gibt Hoffnung auf ein besseres Danach.

Dazu ein kleines Gedicht:

Es gibt nichts zu
erstreben
Ich muss gegen dieses Leben

Es gibt nichts zu
bewegen
Ich muss gegen dieses Leben

Ich bleib an allem
kleben
Ich muss gegen dieses Leben
sein.

:zauberer2
 
Es ist Teil des Lebens, permanent nicht verstanden zu werden. Bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Finde Dich damit ab.

Ich kann mich mit gewissen Dingen niemals abfinden, ich meine damit: Ich habe wirklich nicht die Fähigkeit dazu. Das ist übrigens auch wieder sowas, was die Leute einfach nicht verstehen: Selbst wenn man hypersensibel sein sollte, sucht man sich seine Hypersensibilität ja nicht aus! Einem sensiblen Menschen zu sagen, er solle nicht mehr so sensibel sein, ist ja so, wie einem Kleinwüchsigen zu sagen: Sei nicht mehr so klein!
Und wenn man mir sagt, ich solle mich mit gewissen Dingen abfinden, dann kann ich darauf nur antworten: Ich versuche es ja schon seit langem, aber was, wenn ich es einfach nicht kann?

Im Grunde ist das Problem überall das selbe: Es sind immer die Glücklichen, die Zufriedenen, die Optimisten, die das Maß aller Dinge sind. Es kann ja nur so sein, und wird in Zukunft zunehmend so sein, weil sich ein echter Pessimist ja niemals fortpflanzen würde. In Zeiten, in denen es noch keine Verhütung gab, war der einzige Weg, dies zu erreichen, die Askese. Also war es auch schon vor der Pille so, dass diejenigen, die mit der Welt nichts anfangen konnten und damit in die letzte Konsequenz gegangen sind, auch keine Kinder in die Welt gesetzt haben. Seit die Fortpflanzung aber eine freie Wahl ist, muss niemand mehr abstinent leben um es zu verhindern, neue Opfer in diese Welt zu werfen. Also werden es jetzt erst recht nur noch die optimistischen Zeitgenossen sein, die den Fortbestand der Spezies sichern werden. Und das wird eben sicherstellen, dass der Fokus immer nur auf den positiven Elementen des Daseins liegt und niemals auf den negativen.

Meine Erkrankung ist einerseits ein Defizit, andererseits aber natürlich auch eine Gabe. Wenn es nur die klare Weltsicht wäre, die der depressive Bewusstseinszustand mit sich bringt, dann würde ich diesen sogar freiwillig wählen und jedem empfehlen, leider sind aber auch die Gefühle entsprechend und das ist das eigentliche Problem damit (vielleicht kann man die Weltsicht behalten und die Gefühle verbessern, das erhoffe ich mir von einem Medikament).

Dabei ist es natürlich so, dass nicht nur das menschliche Leben das Problem ist, sondern die Defizite beginnen ja schon im Tierreich. Wenn man sich einmal überlegt, dass es bei den meisten Arten so ist, dass ein erheblicher Prozentsatz der Einzelwesen schon stirbt, bevor sie ausgewachsen sind und davon wiederum die meisten schon kurz nach der Geburt, dann merkt man schon da, dass dieses ganze Projekt Fortpflanzung mehr Opfer produziert als Sieger. Und die Sieger wiederum können sich auch nicht lange über ihren Sieg freuen, denn schon bald danach sterben sie ebenfalls, so oder so.

Im Menschenleben kommen aber noch ganz andere Faktoren dazu, die den Wettbewerb von Anfang an verzerren. Als Kind reicher Eltern etwa hat man einen angeborenen Vorteil, den die Konkurrenz aus den unteren Schichten niemals ausgleichen kann. Darüber hinaus bekommen wir schon von der Natur eine bestimmte Genetik mit, auf die wir Null Einfluss haben. Also von Fairness kann hier in keinster Weise die Rede sein. Dennoch tun die Sieger, also diejenigen, die die glücklichen Karten bekommen haben, so, als wäre all das eben der Standard und diejenigen, die etwas zu beschweren haben sind eben - Schwächlinge, Jammerlappen etc. - wie von dir und Bernie betitelt.

Es gibt die philosophische Position des Antinatalismus, die besagt, dass die Menschheit aufhören sollte, sich fortzupflanzen, aus oben genannten Gründen. Ich habe früher ebenfalls diese Position vertreten, aber das war, bevor ich den Idealismus/Spiritualismus wirklich verstanden habe. Wäre ich wie du beinharter Materialist und Rationalist, dann müsste ich genau so beinharter Antinatalist sein und das war ich früher auch, aber das ist lange her. Ich bleibe zwar dabei, dass ich persönlich definitiv keine Kinder in diese Welt setzen will, schon alleine weil ich meine Klarsicht auf die Leiden der Welt und somit auch meine depressive Gefühlslage vererben könnte, und das will ich niemandem antun. Aber ich erhebe mich nicht mehr über alle Menschen und erwarte von ihnen, dass sie es mir gleichtun, und somit bin ich auch kein Antinatalist mehr. Zudem sind 99% der Antinatalisten natürlich gleichzeitig Materialisten, was sie auf einer anderen Ebene genau so verblendet sein lässt wie die Optimisten, die sie kritisieren.

Ich denke, dass die Lösung für das gegenwärtige Dilemma die sein wird, dass das fallen muss, was ich die materialistische Matrix nenne. Also die materialistische Welt, die wir uns selbst erschaffen haben und die schrecklich ist, obwohl die meisten, die in ihr leben, das einfach nicht sehen wollen, diese Welt muss irgendwie von innen heraus zu Fall gebracht werden. Denn einzig und alleine im metaphysischen Bereich liegt jedwede Hoffnung für die Zukunft und sollte sich die Metaphysik als Illusion erweisen (Ich gestehe diese 1 bis 5%ige Möglichkeit ein) dann sollte die Menschheit freiwillig von der Bühne abtreten, denn sie hätte dann nichts lebenswertes mehr zu tun.

Dieser Tage habe ich Menschen erlebt, im Arbeitsleben, die reden den ganzen Tag irgendwelche Plattitüden, nur um überhaupt etwas zu reden. Das kann zwar ein jeder verstehen, es ist aber sinnfrei.

... und es ist vor allem absolut nervig. Smalltalk ist eine der schlimmsten Angewohnheiten der Menschen. Ich habe zum Glück mittlerweile einen Job gefunden, in dem ich nichts mit Smalltalk-Menschen zu tun habe, das ist für mich ein wichtiges Kriterium. Ich meine damit ausdrücklich nicht, dass ich zwischenmenschliche Kommunikation als solche ablehne und es muss auch nicht immer um die großen Fragen des Daseins gehen (denn dafür gibt es ja das Internet). Ich unterhalte mich gerne mit Menschen, wenn die Unterhaltung zumindest ein bisschen Stil hat. Klassischer Smalltalk löst in mir Fluchtreflexe aus. :schritt:

Das bezweifle ich, da ich dem Konzept der Reinkarnation nicht den geringsten Wert zumesse.

Also wenn es eine metaphysische Welt gibt, und davon bin ich wie gesagt sehr überzeugt, auch wenn ich es nicht zu 100% wissen kann, dann ist eigentlich intuitiv klar, dass es so etwas wie eine Reinkarnation geben muss. Denn hier sind wir beim obigen Thema angelangt: Der absoluten Ungleichheit der Chancenverteilung innerhalb der Gesellschaft. Wie soll denn zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter in Deutschland, die sich mit drei Jobs gerade so finanziell über Wasser halten kann und dann mit 40 an Krebs stirbt, nach dem Leben in spirituellen Maßstäben gleich "beurteilt" werden, wie jemand, der in Indien in einem Bergdorf geboren und wurde und schon mit zehn Jahren das Meditieren und das Versenken in die geistige Welt gelernt hat? Das geht nicht. Sinn macht es nur, wenn der indische Guru vielleicht als nächstes mehr Bodenständigkeit lernen musste und deshalb im nächsten Leben die alleinerziehende Mutter im materialistischen Westen wurde...
 
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Giacomo und Bernie werden im nächsten oder einem späteren Leben ganz sicher psychisch krank sein...

Und wenn sie als Buch kommen, eher als Kriminalroman und Novelle? Bernie ist der Mörder und Giacobello der Jüngling.

Wenn Giacomo als Buch wiederkommt, wird er ein staubtrockenes wissenschaftliches Standardwerk mit 500 Seiten Anhang und Quellenverzeichnis sein. Informativ aber phantasielos.

Helmfried wäre als Buch irgendwas von Adyashanti oder Eckart Tolle.

Zu Bernie fällt mir kein Buch ein, er wäre ein Gemälde von Salvador Dali.
 
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