Giacomo_S
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Somit ist die schlimmste Gruppe die der materialistischen Optimisten respektive optimistischen Materialisten, die das biologische Leben als solches lebenswert finden.
"Ein Optimist ist ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind."
Karl Valentin
Als Junge habe ich einmal meinen Vater (der sicherlich kein sonderlich intelektueller Mensch war) gefragt, was denn ein Optimist und ein Pessimist seien.
Er äußerte sich wie folgt:
"Stell' Dir mal vor, da sitzen Zweie vor einem jeweils halben Glas Bier. Der Pessimist sagt: Mist, das Glas ist ja bereits halbleer. Und lässt es stehen.
Und der Optimist sagt: Klasse, das Glas ist ja noch halbvoll! Und trinkt es aus."
Mein Vater mag kein besonders gebildeter Mensch gewesen sein, aber er mochte die Menschen und er mochte das Bier. Und ich beschloss seitdem, möglichst nie ein Pessimist zu werden ... außerdem mag auch ich das Bier.
Der größte Philosoph ist Arthur Schopenhauer, der antimaterialistische Pessimist.
Der größte spirituelle Lehrer ist Jed McKenna, der pessimistische Antimaterialist.
Vielleicht solltest du Dich weniger an dem orientieren, was andere geäußert haben, sondern mehr an dem, was Dein eigener Verstand Dir sagt. Wer immer nur auf die Ratschläge anderer hört, macht schließlich anderer Leute Fehler.
Auch die größten Denker hatten Schwächen und lagen sogar in ihren Fach- und Kerngebieten falsch. Das wäre ein schlechter Schüler, der nicht in der Lage wäre, seinen Lehrer zu übertreffen.
Viele Erkenntnisse, wenn nicht alle, sind nur mit zeitlichen Abstand und in der Summe der Erkenntnisse vieler Denker richtig. In diesem Zusammenhang mag es menschlich sein, Einzelne auf Podeste zu stellen. Zielführend ist das aber nicht.
Vor der Bayerischen Staatsbibliothek sitzen vier Weise auf Podesten, in Stein gemeißelt. Deren Wissen erschließt sich einem nicht, indem man sie sich vom Bürgersteig aus anschaut, sondern indem man ihre Werke kritisch betrachtet. Nach Karl Valentin handelt es sich übrigens um "die vier heiligen drei Könige".
Ich muss gegen dieses Leben sein, weil ich seine Nichtigkeit und Schlechtigkeit schon lange durchschaut habe. Aber die Metaphysik gibt Hoffnung auf ein besseres Danach.
Da Du an die Reinkarnation glaubst: Warum sollte dann Dein nächstes Leben weniger von Nichtigkeit und Schlechtigkeit geprägt sein?
"Worte des Predigers. Er war ein Sohn Davids und König in Jerusalem. Nichtig und flüchtig, sagte der Prediger, nichtig und flüchtig - alles ist nichtig. Was bleibt dem Menschen von all seiner Mühe, von seiner Plage unter der Sonne? Ein Geschlecht geht, und ein Geschlecht kommt; und die Erde bleibt ewig bestehen. Die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter. Dann strebt sie ihrer Stätte zu, wo sie wieder erstrahlt. Der Wind weht nach Süden, er kreist nach Norden, er dreht und dreht und weht und kommt zum Ausgangspunkt zurück. Alle Flüsse fließen ins Meer, und das Meer wird nicht voll. Zum Ort, wohin sie fließen, da fließen und fließen sie. Alle Dinge mühen sich ab, keiner fasst sie alle in Worte. Das Auge wird vom Sehen nicht satt und das Ohr vom Hören nicht voll. Was gewesen ist, wird wieder sein; was man getan hat, wird man wieder tun; und nichts ist wirklich neu unter der Sonne. Wohl sagt man: "Sieh her, da ist etwas neu!" Doch es war längst schon einmal da in den Zeiten vor uns. An die Früheren denkt man nicht mehr. Und an die Späteren, die nach uns kommen, auch an sie wird man sich nicht mehr erinnern bei denen, die noch später sind."
Glaubt man der Bibel und dem darin enthaltenen Buch Kohelet (auch: Prediger), dann geht dieser Text auf Salomon (= der Sohn Davids) zurück und wäre somit rund 3.000 Jahre alt. Man sieht: Nihilismus ist nichts Neues. Liest man im Buch Kohelet weiter, dann findet der Autor, ob er nun tatsächlich Salomon war oder nicht, trotz allem Nihilismus, zu einer gewissen Tröstlichkeit.
Sie besagt dann sinngemäß - und je nachdem, wie man den Text interpretieren mag - soviel wie: Lebe dein Leben und gräm dich nicht, es kommt, wie es kommt. Und manchmal kannst du daran etwas ändern und oft genug eben auch nicht.
Das Buch Kohelet ist einer der zwei merkwürdigsten Texte (der andere ist das Hohelied Salomon), von denen keiner so genau weiß, wie sie überhaupt in die Bibel gekommen sind und was sie da zu suchen haben. Gläubigere Christen als ich tun übrigens gern so, als kennten sie diese Texte nicht. Man kann sich denken, warum.
Oder dur gehst einfach mal ein paar Bier trinken, dann stellt sich auch oft ein gewisser Optimismus ein. Gut möglich, dass Ursache und Wirkung von Optimismus vs. ein Glas Bier leer trinken auch austauschbar sind.
Das das Danach dann allerdings besser wäre, das kann ich Dir nicht versprechen.