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Nachgedanken zu den großen Fragen des Daseins

Wieso aber sehen die Menschen während Nahtoderfahrungen dann ihren eigenen Körper von oben und können somit Ereignisse um sie herum wahrnehmen, die sie von ihrer körperlichen Position aus gar nicht sehen könnten?

Ein funktionierendes Gehirn kann dir sehr realistisch Szenarien simulieren, wie in Träumen oder z.B. unter Einfluss von Ketamin.

Ich empfehle allen Zweiflern beim Thema Nahtoderfahrungen das Buch Endloses Bewusstsein: Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung von Pim van Lommel, nur eines von vielen Standardwerken zum Thema. Für meinen Lesegeschmack viel zu wissenschaftlich, zu viele trockene Studienbeschreibungen, Statistiken, Zahlen, Auswertungen etc., aber für die Zweifler genau das richtige.

Ich habe das Buch vor einigen Jahren gelesen, aber soweit ich mich erinnern kann es könnte mich nicht überzeugen. Die Schilderung der Nahtoderfahrungen waren eher auf einer Hörensagen-Basis und der Teil mit den quantenmechanischen Erklärungen ist eigentlich Quantenmystik.
Aber der Autor gibt zu dass noch sehr großer Forschungsbedarf besteht.
Darum sollte man weiterhin diese Experimente mit versteckten Symbolen in Operations- und Notfallmedizinischen Räumen fortführen. Denn nur so kann man echte OBE beweisen oder widerlegen.
 
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Es gibt bei lebenden Wesen keinen Körper als solchen wie es sich selbst genügende materielle Stoffe gibt, der Körper lebt nur in Verbindung mit Seele und Geist oder anderen Energieformen die wissenschaftlich nicht nachweisbar sind.

Die Existenz einer nicht materiellen Lebensenergie, Chi oder wie immer man sie nennen mag hat man schon oft und seit dem Anbeginn der Zeiten behauptet, nur hat sie sich bis zum heutigen Tage nicht beweisen lassen.
Allerdings ist im Laufe der Geschichte der Bereich, in dem man die Lebensenergie verortet, immer kleiner geworden, denn frühere Aussagen ließen sich widerlegen. Im Mittelalter stellte man Extrakte aus dem Blut oder den Leichen Hingerichteter her. Man war der Meinung, sie seien vor ihrer Zeit gestorben und es sie daher noch Lebenskraft in ihnen übrig, die das jeweils eigene Leben verlängern könne. Bis ins frühe 19. Jh. war man der Ansicht, bestimmte chemische Substanzen könnten ausschließlich durch Lebenskraft erzeugt werden, daher die Bezeichnung der "Organischen Chemie".
Jedoch stellte Friedrich Wöhler im Jahr 1828 erstmals die organische Verbindung Harnstoff aus den anorganischen Salzen Silbercyanat und Ammoniumchlorid dar. Dadurch konnte Wöhler zu ersten Mal beweisen, dass es zur Darstellung organischer Moleküle nicht einer Lebenskraft bedarf. Den Begriff Organische Chemie gibt es noch immer, allerdings bezeichnet er heute die Chemie der Kohlenwasserstoffe.

Niemand wird heutzutage ernsthaft in Frage stellen, dass jedes Lebewesen auf der untersten Ebene chemisch funktioniert, auch der Mensch. Und mit der Pharmakologie existiert eine eigene und umfangreiche Wissenschaft, deren einziger Zweck es ist, dieses chemische System in der einen oder anderen Weise zu beeinflussen - um nur eine Wissenschaft zu nennen.
Zwar kann auch die Akupunktur den Körper beeinflussen ohne das man dafür eine hinreichende wissenschaftliche Erklärung hätte. Allerdings muss die Akupunktur mit dem Einwand leben, dass überhaupt kein einheitliches, historisches System für sie besteht, sondern mindestens drei verschiedene, vor allem aber damit, dass es völlig egal zu sein scheint, wohin man die Nadeln sticht. Denn genau das haben Untersuchungen vor einigen Jahren ergeben. Mit den postulierten Energiemeridianen scheint es also nicht besonders weit her zu sein, zumindest in der Akupunktur nicht. Der chemischen Wirkung von Zyankali jedoch kann sich niemand entziehen, ein jeder stirbt daran, und es völlig unerheblich, ob man vorher zu Lebzeiten besonders viel meditiert hat oder nicht.

Das Konzept der Seele hat schon immer viele Fragen aufgeworfen, angefangen mit der Frage, wer überhaupt eine Seele besitzt. Lange Zeit waren einflussreiche Zeitgenossen der Meinung, Frauen hätten keine Seele, zumindest aber Tiere nicht. Neure, raffinierte Experimente nach dem Ich-Bewusstsein konnten durch Test mit Spiegeln konnten zeigen: Delphine bestehen - als bislang einzige bekannte Spezies außer dem Menschen - nach einer kurzen Lernphase den Spiegeltest (sie nutzen dann ggf. den Spiegel, um sich Teile ihres Körpers anzusehen, den sie sonst nicht sehen können. Das bedeutet, dass sie das Spiegelbild als die eigene Identität interpretieren, und daher offenbar über ein Ich-Bewusstsein verfügen). So gesehen müssten wir den Delphinen daher wohl eine Seele zugestehen, über die alle anderen Tiere offenbar nicht verfügen.

Eine andere, ewige Frage ist, wann und wie der Mensch denn seine Seele erhält. Man hat die unterschiedlichsten Antworten auf sie gefunden, bei der Zeugung, während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder danach oder irgendwann im Kindesalter. Ohne Frage war der Erhalt der Seele aber bis ins 21. Jh. mit der Zeugung verbunden, denn anders konnte ja kein Mensch entstehen. Auch in dieser Frage hat man lange Zeit postuliert, die Seele käme allein vom Vater auf das Kind.
In unseren Zeiten ist dies aber zumindest in der Theorie anders.
Man hat mittlerweile eine Reihe von Säugetieren geklont, und auch wenn man erfeulicher- und richtigerweise noch keinen Menschen geklont hat, so ist dies zumindest prinzipiell möglich. Folgt man dem klassischen Standpunkt, dann müsste man annehmen, ein Klonmensch habe keine Seele, teile sich seine Seele mit seinem Zellkernspender oder es handele sich um irgendein identisches Duplikat dessen Seele - was sich mit dem Konzept der Seele alles irgendwie nicht in Einklang bringen lässt.
Darüber hinaus gibt es nicht wenige Menschen - mittlerweile im jungen Erwachsenenalter - die zwei biologische Mütter und einen biologischen Vater ihr eigen nennen können. Auch dies stellt das Konzept der Seelenentstehung im Zusammenhang mit der Zeugung komplett auf den Kopf.

Es mag an dieser Stelle eingewendet werden, bei solchen Fragen handle es sich um philosophische oder theologische Spitzfindigkeiten, und in gewisser Weise sind sie das wahrscheinlich auch.
Sie zeigen aber auch: Wie die Leichenextrakte des Mittelalters oder die Chemie des frühen 19. Jh. auch konnte man weitere Bereiche ausschließen, für deren Funktion eine wie auch immer anzunehmende "Lebenskraft" weder notwendig noch zwingend ist und die Ausschlüsse machen selbst vor dem Menschen nicht Halt.
Wenn man aber immer weitere Bereiche ausschließen kann, in denen man eine Lebenskraft zumindest angenommenerweise verorten kann, dann hat man sich schließlich der Frage zu stellen, was noch übrig bleiben soll, mit dem man klassische Konzepte von Lebenskraft, Geist und Seele vertreten kann.

Die sich daraus ergebenden intellektuellen Konflikte sind bislang ungelöst, vor allem auch ungelöst durch die überlieferten Religionen. Sie umgehen die Diskussion einfach, indem sie die gentechnischen Verfahren am Menschen als unethisch, unmoralisch und gotteslästerlich erklären - eine Sichtweise, die ich im Grunde sogar teile (allerdings aus anderen Gründen).
Das haben sie in anderen sehr menschlichen Fragen allerdings auch schon immer so gemacht, z.T. seit vielen Jahrhunderten, und dadurch eher mehr zum Leid der Menschheit beigetragen als zu deren Wohlergehen.

Eine Fragestellung, die sich nicht widerlegen, vor allem aber nicht beweisen lässt, die ist keine („Das ist nicht nur nicht richtig, es ist nicht einmal falsch!“ Wolfgang Pauli). Es ist dann eine Sache des Glaubens, man glaubt daran oder eben nicht, aber dann ist es auch sinnfrei etwas in Frage zu stellen.
 
Eine Fragestellung, die sich nicht widerlegen, vor allem aber nicht beweisen lässt, die ist keine
Ich habe folgende Überlegung, die mich beim Suchen nach einer Definition von Inhalten - hier: Seele nicht losläßt.
Ich kann mich auf Inhalte zum Begriff Seele "festlegen": Mit Zustimmung oder Ablehnung kann ich mich "austauschen".
Auf der offenen Suche nach Inhalten weiß ich zwar nicht, was Seele ist - ABER: die Fragestellung bleibt als solche bestehen Der obigen Feststellung.
Eine Fragestellung, die sich nicht widerlegen, vor allem aber nicht beweisen lässt, die ist keine
kann ich daher nicht folgen. :confused: Man wird ja wohl noch suchen dürfen.
 
@ChrisM: als Antwort auf Posting #87:
Was du mit "geistiger Führung" meinst, scheint das zu sein, was man allgemein als Mystik bezeichnet.
Mystik macht vieles leichter und schöner und vermag auch Trost zu spenden. Das macht die nüchterne Wissenschaft in der Regel nicht - und sie macht es sich ganz Gewiss nicht zur Aufgabe.
Dein Herbeisehnen dieser mystischen Zeiten ist ein Bisschen so wie das Herbeisehnen seiner Kindheit, in der man noch an den Osterhasen und Weihnachtsmann glaubte und von den Problemen
der Erwachsenen nichts wusste. Verständlich, dass man sich in dieser Romantik verstricken kann, aber wenn das ein ernsthafter Wunsch ist, den man sich sogar zum Zentrum seiner Weltsicht
macht, dann ist das schon etwas Anderes.
 
Um sich auf der geistigen Ebene weiterzuentwickeln. Bis zum Mittelalter hatten die Menschen noch direkte Führung von der geistigen Welt. Dann kam die Trennung durch die Aufklärung und es erblühte die Naturwissenschaft. Leider war diese aber von Anfang an materialistisch geprägt und einseitig. Die Menschheit befindet sich seither in der größten seelischen Krise aller Zeiten. Die alte Führung von oben wird aber nicht wiederkommen, die ist dahin. Um den Kontakt zur geistigen Welt wiederherzustellen bedarf es jetzt einer neuen Wissenschaft, eben einer fundierten Wissenschaft der Metaphysik.

Was du mit "geistiger Führung" meinst, scheint das zu sein, was man allgemein als Mystik bezeichnet.

Aus materialistischer Sicht trifft der Holzhammerbegriff Mystik sicherlich auch irgendwie das, was ich meine. Es ist so, dass die Menschen bis zum Mittelalter noch direkten Kontakt zur geistigen Welt hatten, also sie konnten den höheren Sinn einer menschlichen Handlung, aber auch die geistige Dimension von Tieren und Pflanzen direkt sehen. Auch die Wesenheiten der geistigen Welt waren für die Menschen noch sichtbar, so hat zum Beispiel Luther Streitgespräche mit "dem Teufel", also mit Luzifer gehabt. Soll heißen, all das, was heute als Aberglauben und co. abgewertet wird, war damals noch gelebte Realität.

Dein Herbeisehnen dieser mystischen Zeiten ist ein Bisschen so wie das Herbeisehnen seiner Kindheit...

Auch hier triffst du mit einem weiteren Holzhammer zufällig die Wahrheit. Denn es ist mir bewusst, dass das Zurücksehen in die alten Zeiten der geistigen Führung eigentlich nicht angemessen ist. Denn, wie ich ja gleichzeitig auch sagte, diese Zeiten sind unwiederbringlich dahin. Die Menschen haben jetzt die Aufgabe, ein freies Ich zu entwickeln und dann mit diesem Ich (welches sie früher nicht hatten) in die geistige Welt zurückzukehren, was etwas völlig anderes sein wird als die alte Führung. Das wird nur durch die Entwicklung der Geisteswissenschaft möglich sein, deshalb ist sie so wichtig.

Verständlich, dass man sich in dieser Romantik verstricken kann, aber wenn das ein ernsthafter Wunsch ist, den man sich sogar zum Zentrum seiner Weltsicht macht, dann ist das schon etwas Anderes.

Das Zurücksehnen ist tatsächlich etwas, was man sich abgewöhnen sollte, obwohl es gleichzeitig auch verständlich ist, weil das Leben unter der Führung der geistigen Welt viel einfacher war als das heutige Dasein, in dem man ein freies Ich entwickeln muss. Den materialistischen Zeitgenossen fällt das leicht, denn sie wissen ja gar nichts von der früher vorhandenen liebevollen Führung und können sie gar nicht vermissen. Was aber auf jeden Fall produktiv ist, ist das Vorwärtssehnen in die zukünftige Welt der neuen Verbindung mit der geistigen Dimension, denn diese wird sicherlich großartig werden im Vergleich zum derzeitigen Moloch des Materialismus.
 
Aus materialistischer Sicht trifft der Holzhammerbegriff Mystik sicherlich auch irgendwie das, was ich meine. Es ist so, dass die Menschen bis zum Mittelalter noch direkten Kontakt zur geistigen Welt hatten, also sie konnten den höheren Sinn einer menschlichen Handlung, aber auch die geistige Dimension von Tieren und Pflanzen direkt sehen.
Sie vermeinten, direkten Kontakt zur geistigen Welt zu haben. Wieder analog zu Kindern, die vermeinten, die Geschenke hätte das Christkind gebracht. Spätere Aufklärung machte diese Mystik ein Ende. Der "Kontakt mit dem Christkind" war also, nüchtern betrachtet, ein Irrtum.

Auch die Wesenheiten der geistigen Welt waren für die Menschen noch sichtbar, so hat zum Beispiel Luther Streitgespräche mit "dem Teufel", also mit Luzifer gehabt. Soll heißen, all das, was heute als Aberglauben und co. abgewertet wird, war damals noch gelebte Realität.
In diversen Stadtvierteln kannst du heute noch Menschen sehen, die mit diversen Wesenheiten Streitgespräche führen. Es reicht also, dort hin zu reisen, man muss nicht den beschwerlichen Weg in die Vergangenheit nehmen.


Auch hier triffst du mit einem weiteren Holzhammer zufällig die Wahrheit. Denn es ist mir bewusst, dass das Zurücksehen in die alten Zeiten der geistigen Führung eigentlich nicht angemessen ist. Denn, wie ich ja gleichzeitig auch sagte, diese Zeiten sind unwiederbringlich dahin.
Ja, so wie es mit dem Glauben ans Christkind vorbei ist wenn man einmal draufgekommen ist, dass die Eltern die Geschenke gebracht haben.

Die Menschen haben jetzt die Aufgabe, ein freies Ich zu entwickeln und dann mit diesem Ich (welches sie früher nicht hatten) in die geistige Welt zurückzukehren, was etwas völlig anderes sein wird als die alte Führung. Das wird nur durch die Entwicklung der Geisteswissenschaft möglich sein, deshalb ist sie so wichtig.
In der Tat sind viele Menschen mit der nüchternen Realität unzufrieden. Manche flüchten in die Esoterik, manche in Religionen, manche in sonstige Ideologien. Es ist die verzweifelte Suche nach Antworten auf Fragen, die die reale Welt einfach nicht hergibt. Die Suche an sich ist etwas Gutes, Sinnvolles. Die Meinung, eine Antwort gefunden zu haben allerdings eine Eselei.


Das Zurücksehnen ist tatsächlich etwas, was man sich abgewöhnen sollte, obwohl es gleichzeitig auch verständlich ist, weil das Leben unter der Führung der geistigen Welt viel einfacher war als das heutige Dasein, in dem man ein freies Ich entwickeln muss. Den materialistischen Zeitgenossen fällt das leicht, denn sie wissen ja gar nichts von der früher vorhandenen liebevollen Führung und können sie gar nicht vermissen. Was aber auf jeden Fall produktiv ist, ist das Vorwärtssehnen in die zukünftige Welt der neuen Verbindung mit der geistigen Dimension, denn diese wird sicherlich großartig werden im Vergleich zum derzeitigen Moloch des Materialismus.
Ja, das Zurücksehnen ist eine Folge von verklärten Erinnerungen und romantischen, einseitigen Sichtweisen.
Die Mittelalterliche Mystik mag in unserer Vorstellung schon etwas Verlockendes an sich haben, aber diese Mystik führte auch zu den unangenehmen Dingen im Mittelalter, seien es Aberglaube, Kriege, die lebensbestimmende Angst vor dem strafenden christlichen Gott, Hexenglaube, etc...
 
Eine Fragestellung, die sich nicht widerlegen, vor allem aber nicht beweisen lässt, die ist keine
kann ich daher nicht folgen. :confused: Man wird ja wohl noch suchen dürfen.

Im Grunde kann man es bis auf einen wesentlich älteren Konflikt zurückführen, der mindestens fast so alt ist wie das Christentum selbst.
Es handelt sich um den Konflikt des Glaubens und der Rationalität, wobei ich den Begriff "Glauben" nicht am Christentum oder auch nur der Religion überhaupt festmachen möchte, sondern eher als eine Art Prinzip: Eine Aussage für grundsätzlich wahr zu halten, und zwar unabhängig davon, ob man dies bewiesen hat oder nicht oder überhaupt beweisen kann oder nicht.
Ich greife den Konflikt jetzt am Beispiel des Christentums auf, aber der Konflikt muss nicht christlich motiviert sein und letztlich nicht einmal religiös.

Alexandria des 4. Jh. war ein Ort hoher Bildungsdichte und vieler Gelehrter - aber auch ein bedeutender Ort des frühen Christentums.
Das Problem:
- Sehe ich das Alte und Neue Testament als wahrhaftiges und unfehlbares göttliches Wort, dann bin ich zwar ein Gläubiger. Andererseits widerspricht die Bibel in weiten Teilen der Logik, der Ratio, der Weisheit und den Erkenntnissen der Philosophen (die sich bereits damals in Jahrhunderten bemaß), der Alltagserfahrung und sogar der Mathematik. Dann bin ich zwar gläubig, aber ein Tor.
- Folge ich der Ratio und den Erkenntnissen der Philosphen und sehe diese als richtig an, dann widersprechen sie der Bibel. Dann bin ich vllt. klug oder weise, aber ein Ungläubiger.

Aus dem Versuch, die griechische Philosophie und das Christentum miteinander in Einklang zu bringen entstand die Gnosis und ihre Anhänger, die Gnostiker. Typisch für die Gnostiker ist auch die für unser Verständnis eher unchristliche Ansicht, Jesus habe über ein geheimes Wissen verfügt, welches er nur mit seinen Jüngern oder auch nur bestimmten Jüngern geteilt habe. Denn nach unserem christlichen Verständnis hat Jesus seine Botschaft mit allen Menschen geteilt, auch wenn es vllt. nicht alle seine Botschaften in die Überlieferung geschafft haben mögen.
Diese eigenwillige Konstruktion ist eine unmittelbare Konsequenz aus dem Versuch, Glaube und Ratio miteinander vereinbaren zu wollen.
Sie machte die Gnostiker auch zu notorischen Geheimniskrämern, was auch dazu beitrug, dass sich ihre Konfession nicht durchgesetzt hat, auch wenn es heutzutage noch hier und da ein paar Gnostiker gibt. Der andere Grund war sicherlich, dass ihr Weltbild intelektuell zu abgehoben war, als dass sich daraus eine Weltreligion hätte entwickeln können.

Persönlich halte ich den Konflikt aus Glaube und Ratio für unlösbar. Seit der Spätantike haben sich viele Gelehrte, Philosophen und vor allem Theologen an ihm die Zähne ausgebissen und mit der mittelalterlichen Scholastik sogar eine eigene Richtung der Philosophie begründet. Sie hat aber genausowenig überlebt wie die Gnosis, denn die Aufklärung hat sie dahin verwiesen wohin sie gehört: In die staubigen Archive der Bibliotheken, aus denen sie allenfalls mal ein Studierender der Theologie hervorholt.

Rudolf Steiners Aussagen, die er nicht belegt, belegen kann oder auch nur belegen will führen am Ende zu demselben Konstrukt wie das der Gnosis.
Da er lediglich nur postuliert ohne uns auch nur Indizien für seine Behauptungen zu liefern, entsteht daraus eine Anhängerschaft, die das Verhalten einer Glaubensanhängerschaft entwickelt und eine Gegnerschaft, die ihn ablehnt, ohne sich überhaupt mit ihm beschäftigen zu wollen. Begleitet wird es von einem Gefüge selbsternannter "Eingeweihter" und Geheimniskrämer, wobei letztere vor allem systematisch nach Geheimnissen suchen, wo keine sind. Und wenn sie sich selbst und anderen gegenüber ehrlich wären zugeben müssten, dass sie nicht sagen könnten, worin ihre Einweihung oder Erleuchtung denn überhaupt besteht.
Wenn man nicht gleich sagt: Bei uns ist das alles ganz anders, und dann so tut, als sei damit alles gesagt.
Aber das ist dann alles keine Wissenschaft mehr, sondern Glauben.
 
Die Existenz einer nicht materiellen Lebensenergie, Chi oder wie immer man sie nennen mag hat man schon oft und seit dem Anbeginn der Zeiten behauptet, nur hat sie sich bis zum heutigen Tage nicht beweisen lassen.
Allerdings ist im Laufe der Geschichte der Bereich, in dem man die Lebensenergie verortet, immer kleiner geworden, denn frühere Aussagen ließen sich widerlegen. Im Mittelalter stellte man Extrakte aus dem Blut oder den Leichen Hingerichteter her. Man war der Meinung, sie seien vor ihrer Zeit gestorben und es sie daher noch Lebenskraft in ihnen übrig, die das jeweils eigene Leben verlängern könne. Bis ins frühe 19. Jh. war man der Ansicht, bestimmte chemische Substanzen könnten ausschließlich durch Lebenskraft erzeugt werden, daher die Bezeichnung der "Organischen Chemie".
Jedoch stellte Friedrich Wöhler im Jahr 1828 erstmals die organische Verbindung Harnstoff aus den anorganischen Salzen Silbercyanat und Ammoniumchlorid dar. Dadurch konnte Wöhler zu ersten Mal beweisen, dass es zur Darstellung organischer Moleküle nicht einer Lebenskraft bedarf. Den Begriff Organische Chemie gibt es noch immer, allerdings bezeichnet er heute die Chemie der Kohlenwasserstoffe.

Niemand wird heutzutage ernsthaft in Frage stellen, dass jedes Lebewesen auf der untersten Ebene chemisch funktioniert, auch der Mensch. Und mit der Pharmakologie existiert eine eigene und umfangreiche Wissenschaft, deren einziger Zweck es ist, dieses chemische System in der einen oder anderen Weise zu beeinflussen - um nur eine Wissenschaft zu nennen.
Zwar kann auch die Akupunktur den Körper beeinflussen ohne das man dafür eine hinreichende wissenschaftliche Erklärung hätte. Allerdings muss die Akupunktur mit dem Einwand leben, dass überhaupt kein einheitliches, historisches System für sie besteht, sondern mindestens drei verschiedene, vor allem aber damit, dass es völlig egal zu sein scheint, wohin man die Nadeln sticht. Denn genau das haben Untersuchungen vor einigen Jahren ergeben. Mit den postulierten Energiemeridianen scheint es also nicht besonders weit her zu sein, zumindest in der Akupunktur nicht. Der chemischen Wirkung von Zyankali jedoch kann sich niemand entziehen, ein jeder stirbt daran, und es völlig unerheblich, ob man vorher zu Lebzeiten besonders viel meditiert hat oder nicht.

Das Konzept der Seele hat schon immer viele Fragen aufgeworfen, angefangen mit der Frage, wer überhaupt eine Seele besitzt. Lange Zeit waren einflussreiche Zeitgenossen der Meinung, Frauen hätten keine Seele, zumindest aber Tiere nicht. Neure, raffinierte Experimente nach dem Ich-Bewusstsein konnten durch Test mit Spiegeln konnten zeigen: Delphine bestehen - als bislang einzige bekannte Spezies außer dem Menschen - nach einer kurzen Lernphase den Spiegeltest (sie nutzen dann ggf. den Spiegel, um sich Teile ihres Körpers anzusehen, den sie sonst nicht sehen können. Das bedeutet, dass sie das Spiegelbild als die eigene Identität interpretieren, und daher offenbar über ein Ich-Bewusstsein verfügen). So gesehen müssten wir den Delphinen daher wohl eine Seele zugestehen, über die alle anderen Tiere offenbar nicht verfügen.

Eine andere, ewige Frage ist, wann und wie der Mensch denn seine Seele erhält. Man hat die unterschiedlichsten Antworten auf sie gefunden, bei der Zeugung, während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder danach oder irgendwann im Kindesalter. Ohne Frage war der Erhalt der Seele aber bis ins 21. Jh. mit der Zeugung verbunden, denn anders konnte ja kein Mensch entstehen. Auch in dieser Frage hat man lange Zeit postuliert, die Seele käme allein vom Vater auf das Kind.
In unseren Zeiten ist dies aber zumindest in der Theorie anders.
Man hat mittlerweile eine Reihe von Säugetieren geklont, und auch wenn man erfeulicher- und richtigerweise noch keinen Menschen geklont hat, so ist dies zumindest prinzipiell möglich. Folgt man dem klassischen Standpunkt, dann müsste man annehmen, ein Klonmensch habe keine Seele, teile sich seine Seele mit seinem Zellkernspender oder es handele sich um irgendein identisches Duplikat dessen Seele - was sich mit dem Konzept der Seele alles irgendwie nicht in Einklang bringen lässt.
Darüber hinaus gibt es nicht wenige Menschen - mittlerweile im jungen Erwachsenenalter - die zwei biologische Mütter und einen biologischen Vater ihr eigen nennen können. Auch dies stellt das Konzept der Seelenentstehung im Zusammenhang mit der Zeugung komplett auf den Kopf.

Es mag an dieser Stelle eingewendet werden, bei solchen Fragen handle es sich um philosophische oder theologische Spitzfindigkeiten, und in gewisser Weise sind sie das wahrscheinlich auch.
Sie zeigen aber auch: Wie die Leichenextrakte des Mittelalters oder die Chemie des frühen 19. Jh. auch konnte man weitere Bereiche ausschließen, für deren Funktion eine wie auch immer anzunehmende "Lebenskraft" weder notwendig noch zwingend ist und die Ausschlüsse machen selbst vor dem Menschen nicht Halt.
Wenn man aber immer weitere Bereiche ausschließen kann, in denen man eine Lebenskraft zumindest angenommenerweise verorten kann, dann hat man sich schließlich der Frage zu stellen, was noch übrig bleiben soll, mit dem man klassische Konzepte von Lebenskraft, Geist und Seele vertreten kann.

Die sich daraus ergebenden intellektuellen Konflikte sind bislang ungelöst, vor allem auch ungelöst durch die überlieferten Religionen. Sie umgehen die Diskussion einfach, indem sie die gentechnischen Verfahren am Menschen als unethisch, unmoralisch und gotteslästerlich erklären - eine Sichtweise, die ich im Grunde sogar teile (allerdings aus anderen Gründen).
Das haben sie in anderen sehr menschlichen Fragen allerdings auch schon immer so gemacht, z.T. seit vielen Jahrhunderten, und dadurch eher mehr zum Leid der Menschheit beigetragen als zu deren Wohlergehen.

Eine Fragestellung, die sich nicht widerlegen, vor allem aber nicht beweisen lässt, die ist keine („Das ist nicht nur nicht richtig, es ist nicht einmal falsch!“ Wolfgang Pauli). Es ist dann eine Sache des Glaubens, man glaubt daran oder eben nicht, aber dann ist es auch sinnfrei etwas in Frage zu stellen.

Wieder mal ein interessanter, umfangreicher Beitrag aus der derzeitigen wissenschaftlichen Perspektive. Ich würde einen "Interessant"-Button dafür klicken, zustimmen kann ich dieser Perspektive natürlich nicht.

Es mag an dieser Stelle eingewendet werden, bei solchen Fragen handle es sich um philosophische oder theologische Spitzfindigkeiten, und in gewisser Weise sind sie das wahrscheinlich auch.

Genau deshalb braucht es einen neuen wissenschaftlichen Ansatz. Sonst bleiben es für immer philosophische und theologische Spitzfindigkeiten.

Eine Fragestellung, die sich nicht widerlegen, vor allem aber nicht beweisen lässt, die ist keine („Das ist nicht nur nicht richtig, es ist nicht einmal falsch!“ Wolfgang Pauli). Es ist dann eine Sache des Glaubens, man glaubt daran oder eben nicht, aber dann ist es auch sinnfrei etwas in Frage zu stellen.

Es muss keine Sache des Glaubens bleiben, wenn eine neuartige Erkenntnistheorie eingeführt wird. Es braucht klare Definitionen für wahr und falsch, das sagst du ja auch immer, aber der neue Ansatz ist eben derjenige, dass diese Definitionen nicht nur auf äußerlichen Experimenten etc. beruhen können, sondern auch, für eine neue Wissenschaft, klare Regeln des geistigen Erkennens aufgestellt werden. Eine solche neue Erkenntnistheorie, also erst einmal neu zu klären, wie wir die Suche nach Wahrheit angehen können, das ist der erste Schritt einer neuen Wissenschaft. Und dabei wird durchaus die Logik beachtet, sie wird nur eben auf ein neues Gebiet erweitert.
 
Persönlich halte ich den Konflikt aus Glaube und Ratio für unlösbar.
Ich auch - weil religöses Erkennen und wissenschaftliche Vernunft zwei verschiedenen Gegenstände, Ziele haben. Der Kabarettist Qualtinger meinte zu seinem Morrad szt: Ich weiß nicht wohin, dafür bin ich schneller dort - das ewige Suchen.
Die Aufklärung hat diesen Unterschied dargestellt.
 
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Persönlich halte ich den Konflikt aus Glaube und Ratio für unlösbar.

Für mich war die Lösung einfach, als mir klar wurde, dass der rationale Verstand zwar das richtige Werkzeug für die Lösung von Alltagsproblemen ist, aber nicht für die Lösung der höheren Fragen. Es gibt grob gesagt drei Ebenen: Die alltägliche Ebene, die wissenschaftliche Ebene und die metaphysische Ebene. Auf den ersten beiden Ebenen leistet der rationale Verstand hervorragende Arbeit, aber auf der metaphysischen Ebene kann er nur scheitern - weshalb er die Metaphysik ganz verwirft. Und an diesem Punkt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lehnt daraufhin alles Metaphysische ab (man sagt "alles Unfug", so wie du, oder "entzieht sich meinen Erkenntnisfähigkeiten", so wie KANTIG) oder: Man erkennt, dass im metaphysischen Bereich grundsätzlich andere Regeln gelten, für die unsere Logik nicht ausreicht (siehe Affengleichnis).

.. die Aufklärung hat sie dahin verwiesen wohin sie gehört: In die staubigen Archive der Bibliotheken, aus denen sie allenfalls mal ein Studierender der Theologie hervorholt.

Es ist gut, dass die Materialisten wenigstens keine Bücherverbrenner waren, denn es werden wieder neue Zeiten kommen, in denen man das alte Wissen wieder brauchen wird.

Rudolf Steiners Aussagen, die er nicht belegt, belegen kann oder auch nur belegen will...

Auch "Belege" sind im metaphysischen Bereich etwas anderes als in der Wissenschaft.

Begleitet wird es von einem Gefüge selbsternannter "Eingeweihter" und Geheimniskrämer

Weder Steiner noch sein gegenwärtiger Hauptvertreter Axel Burkart sind Geheimniskrämer. Vielmehr plaudern sie doch alles aus. Du müsstest nicht mal alte verstaubte Bücher aus den Regalen ziehen, du könntest hunderte Stunden bequem auf YouTube lauschen. Aber du hast das Problem ja selber benannt:

... entsteht daraus eine Anhängerschaft, die das Verhalten einer Glaubensanhängerschaft entwickelt und eine Gegnerschaft, die ihn ablehnt, ohne sich überhaupt mit ihm beschäftigen zu wollen.
 
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