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Über den Sinn unseres Daseins

AW: Über den Sinn unseres Daseins.

Das Denken besteht im Reflektieren, wobei das Reflektierte darauf abzielt, das Vorgestellte in eine Einheit zu fassen und auf diese Weise als Gegenstand.

Als Naturwesen ist der Mensch unmittelbar mit der Welt vereint. Erst durch die Reflexion wird diese Unmittelbarkeit aufgebrochen und zwar dadurch, dass sich der Mensch ein Objekt gegenüberstellt und damit sich selbst als Subjekt konstituiert. Aber hat das Subjekt durch das bloße Fortschreiten des Reflektierens einen Halt?

Das Denken dängt zur Sprache, weil das Denken sich im bloßen Fortschreiten des Reflektierens in sich nichts festes findet, somit kann auch das "Ich" keinen Halt finden.
Es wäre ein fortschreitendes Entwickeln, eine bloß innere Bewegung, in der nichts bleibendes, ruhendes oder stetiges angenommen werden kann. Das Denken im bloßen Reflektieren findet in sich nicht festes. Indem sich Gedanken in Sprache objektivieren, findet das "Ich" als Subjekt erst einen Halt.

lg
Manfred
"... bei eindringender Betrachtung wird man finden, dass es in der Sache selbst und in der Natur unserer Sprache begründet ist, dass sich eine gewisse Unangemessenheit des sprachlichen Ausdrucks nicht vermeiden lässt und dass nichts übrig bleibt, als sich ihrer bewusst zu werden und ihr immer Rechnung zu tragen."
Gottlob Frege, Über Begriff und Gegenstand, Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Philosophie XVI 1892, S.205

Eine laufende Korrektur der Denkmuster (jedweder Natur) durch lebendigen Abgleich mit der Realität findet ohnehin ständig statt. Sich diese bewusst(er) in den mentalen Vordergrund zu stellen rät die Philosophische Praxis ... und findet immer wieder "Wahrheiten", von denen wir vergaßen, dass sie nur einmal Illusionen waren.

Solche unvermeidbaren Korrekturen auch von Sprach-Struktur-adaptierten Denkmustern, könnte für diejenigen Personen, welche ein hohes Level an Sprachlebendigkeit zu tragen haben, sich wie eine Form der mentalen Selbstverstümmelung anfühlen, könnte ich mir jedenfalls vorstellen. Würde u.U. auch in soziologischer Dimension vieles erklären.

Weil es sich einfach kaum vermeiden lässt, dass sich am Ende jemand persönlich angesprochen fühlt, möchte ich hier diesen Gedanken abbrechen, zumal am Ende solchen Diskurses ohnehin keine Synthese warten kann.

Daher danke ich Dir Manfred für diesen kleinen, aber feinen Dialog, den ich sehr genossen habe :) (rein aus Neugier würde es mich schon mal interessieren wie sich Dein "Halt" anfühlt!)

Die Frage: "Was können wir tun, einander besser zu verstehen?" führt glücklicher weise hin und wieder in bunte Landschaften rund um die Sprachidentität, die neben den akademischen Sprachwissenschaften oft nur ein Mauerblümchendasein :blume1: zu fristen hat.

lg Soliton
 
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AW: Über den Sinn unseres Daseins.

Zu 1.:
Und was ist, wenn der Mensch sich selbst zum Objekt des Reflektierens macht, sich also als Selbst-Bewusstsein kontsituiert :dontknow:
Das ist nur möglich und wird erst nötig, wenn die Zerstörung der Einheit mit sich selbst, also der eigenen Natur vorausgegangen ist.
Und wenn dieser Prozeß sich immer auch in der Auseinandersetzung/Konfrontation/Spiegelung mit anderen Menschen, also im Kontext von Inter-Subjektivität und Sozialität, vollzieht :dontknow:

Zu 2.:
Nein, sondern immer auch durch tätige Praxis im Kontext inter-personeller, inter-subjektiver Beziehungen ..., vermutet moebius

Dafür ist eine hohe Integrität der einzelnen Subjekte erforderlich, die wie oben erwähnt durch die zerstörte Einheit mit sich selbst nicht mehr gegeben ist und durch die intersubjektive Begegnung wieder hergestellt werden soll. Voraussetzung und Ziel der Beziehung wären damit identisch, weshalb ich die Vorstellung von der Intersubjektivität für ein Ideal halte. Die Realität sieht in der Regel so aus, dass Kommunikation durch Rollenverteilung wie Lehrer/Schüler, Eltern/Kind, Ratgeber/Orientierungsuchender etc. geprägt ist und entweder nicht auf Augenhöhe stattfindet oder einen der beteiligten überfordert.
Zu 3.:
Ist das Subjekt identisch mit dem, was es sein "Ich" nennt :dontknow:
Wenn der Selbsterhaltungstrieb nicht zu stark gestört ist, ja.
Anders gefragt: Gibt es eine Differenz zwischen ICH- und SELBST-Bewusstsein :dontknow:
Das Ich will überleben, das Selbst will Leben gestalten?
Und warum muß das ICH überhaupt einen Halt finden :dontknow:
Weil es sich nicht mehr von anderen beherrschen lassen will, die Reife für ein selbstverantwortendes Leben aber noch nicht erworben hat?
Wenn JA: Woran/worin :dontknow:
Vielleicht im Glauben an eine Entwicklung zum Positiven, also Selbstständigkeit und Geborgenheit in der Einheit gleichzeitig/parallel zueinander erleben zu können?

Falls Dir meine Ausführungen zu psychologisch sind, bitte ich um einen alternativen Denkansatz!

LG Kaawi
 
AW: Über den Sinn unseres Daseins.

1. Das ist nur möglich und wird erst nötig, wenn die Zerstörung der Einheit mit sich selbst, also der eigenen Natur vorausgegangen ist.


2. Dafür ist eine hohe Integrität der einzelnen Subjekte erforderlich, die wie oben erwähnt durch die zerstörte Einheit mit sich selbst nicht mehr gegeben ist und durch die intersubjektive Begegnung wieder hergestellt werden soll.

3. Voraussetzung und Ziel der Beziehung wären damit identisch, weshalb ich die Vorstellung von der Intersubjektivität für ein Ideal halte.

4. Die Realität sieht in der Regel so aus, dass Kommunikation durch Rollenverteilung wie Lehrer/Schüler, Eltern/Kind, Ratgeber/Orientierungsuchender etc. geprägt ist und entweder nicht auf Augenhöhe stattfindet oder einen der beteiligten überfordert.

5. Wenn der Selbsterhaltungstrieb nicht zu stark gestört ist, ja.

6. Das Ich will überleben, das Selbst will Leben gestalten?

7. Weil es sich nicht mehr von anderen beherrschen lassen will, die Reife für ein selbstverantwortendes Leben aber noch nicht erworben hat?

8. Vielleicht im Glauben an eine Entwicklung zum Positiven, also Selbstständigkeit und Geborgenheit in der Einheit gleichzeitig/parallel zueinander erleben zu können?

9. Falls Dir meine Ausführungen zu psychologisch sind, bitte ich um einen alternativen Denkansatz!

LG Kaawi

Zu 1.:
Wahrscheinlich findet die Zerstörung dieser Einheit schon während der (biologischen) Geburt des Menschen statt...:dontknow:

Zu 2.:
Ja, wahrscheinlich ist das Leben nach der Geburt immer auch die Sehnsucht nach der verlorengegangenen Einheit :dontknow:

Zu 3.:
Die Vorstellung einer Intersubjektivität auf Augenhöhe ist in der Tat ein Ideal - aber möglicherweise ein erreichbares :dontknow:

Zu 4.:
Ja, das ist die normale gesellschaftliche Realität!

Zu 5.:
Was ich interessant/bemerkenswert finde, ist, dass eher vom Selbst- als vom Ich-Erhaltungstrieb die Rede ist ...
Vielleicht ist das Ich ein Organ des Selbst, das auch unbewusste und körperliche Prozesse beinhaltet...

Zu 6.:
Das Ich will vielleicht überleben, muss aber bzw. darf aber sterben ...Vielleicht ist die Voraussetzung für die Geburt des (wahren) Selbst der Tod des Ich :dontknow:
Ich denke an die Raupe (Nimmersatt) , die sich einspinnt, um nach ihrem Tod als Schmetterling aus dem Kokon in die Freiheit zu fliegen ...

Zu 7.:
Das ist ein Zwischenstadium auf dem Weg zur Befreiung ..., vermute ich ...

Zu 8.:
Ja, das klingt wie eine Paradoxie bzw. wie die Quadratur des Kreises, ist aber möglicherweise eine für den Menschen lösbare Aufgabe :dontknow:

Zu 9.:
Ich habe keinen alternativen Denksansatz zu bieten, da sich Psychologie und Philosophie im konkreten Menschen (Individuum) immer auch überschneiden ...und philosophische Positionen/Ansätze immer auch die Versuche von konkreten einzelnen Menschen waren, ihr Leben in ihrer jeweiligen Zeit zu verstehen/zu deuten/zu gestalten ...

LG, moebius
 
AW: Über den Sinn unseres Daseins.

Ja, wahrscheinlich ist das Leben nach der Geburt immer auch die Sehnsucht nach der verlorengegangenen Einheit :dontknow:
Davon bin ich fest überzeugt und gehe noch weiter. Das ist IMO die Ursache von Religionen, diese Sehnsucht erstens nach Sinn und zweitens nach einer unzerstörbaren Einheit, in der sich die oft als qualvoll empfundene Vereinzelung im wahrsten Sinne des Wortes in Wohlgefallen auflöst!
Daher auch die Sehnsucht nach einer vollkommenen Liebe, nach Verschmelzung!
Die Vorstellung einer Intersubjektivität auf Augenhöhe ist in der Tat ein Ideal - aber möglicherweise ein erreichbares :dontknow:
Ja, schönes Ideal - aber ... die Botschaft hör ich wohl ...
Was ich interessant/bemerkenswert finde, ist, dass eher vom Selbst- als vom Ich-Erhaltungstrieb die Rede ist ...
Vielleicht, weil Menschen ahnen, dass ihr Selbst unzerstörbar ist?
Das Ich will vielleicht überleben, muss aber bzw. darf aber sterben ...Vielleicht ist die Voraussetzung für die Geburt des (wahren) Selbst der Tod des Ich :dontknow:
Ich denke an die Raupe (Nimmersatt) , die sich einspinnt, um nach ihrem Tod als Schmetterling aus dem Kokon in die Freiheit zu fliegen ...
Ein schöner Vergleich :) !
Ich habe keinen alternativen Denksansatz zu bieten, da sich Psychologie und Philosophie im konkreten Menschen (Individuum) immer auch überschneiden ...und philosophische Positionen/Ansätze immer auch die Versuche von konkreten einzelnen Menschen waren, ihr Leben in ihrer jeweiligen Zeit zu verstehen/zu deuten/zu gestalten ...
Immer wieder der Versuch, das Leben und seine Rätsel zu verstehen ...
 
AW: Über den Sinn unseres Daseins.

Hallo Leute!

Der Sinn meines Daseins ist da zu sein.
Mehr braucht es vorläufig nicht.

Grüße Raphael
 
AW: Über den Sinn unseres Daseins.

Zu 1.:
Wahrscheinlich findet die Zerstörung dieser Einheit schon während der (biologischen) Geburt des Menschen statt...:dontknow:
Zu 2.:
Ja, wahrscheinlich ist das Leben nach der Geburt immer auch die Sehnsucht nach der verlorengegangenen Einheit :dontknow:
Nein, das sehe ich nicht so, die Einheit mit der Mutter wird ja nach der Geburt in veränderter Form fortgesetzt und erst mit der Trotzphase entwickelt sich das Ich-bewusstsein, damit einher geht der wiedersprüchliche Kampf um Eigenständigkeit einerseits und um die Aufmerksamkeit der Bezugspersonen andererseits.


Zu 3.:
Die Vorstellung einer Intersubjektivität auf Augenhöhe ist in der Tat ein Ideal - aber möglicherweise ein erreichbares :dontknow:
Ja, sofern sie aus der Idealisierung gelöst und als Ziel eines langen Weges definiert werden, kann ich mir dieses gut vorstellen und erlebe es auch mit zunehmender Häufigkeit so .

Zu 4.:
Ja, das ist die normale gesellschaftliche Realität!
Im Privaten gibt es größere Spielräume, diese Realitäten zu ignorieren und eigene zu kreieren.

Zu 5.:
Was ich interessant/bemerkenswert finde, ist, dass eher vom Selbst- als vom Ich-Erhaltungstrieb die Rede ist ...
Vielleicht ist das Ich ein Organ des Selbst, das auch unbewusste und körperliche Prozesse beinhaltet...Zu 6.:
Das Ich will vielleicht überleben, muss aber bzw. darf aber sterben ...Vielleicht ist die Voraussetzung für die Geburt des (wahren) Selbst der Tod des Ich :dontknow:
Ich denke an die Raupe (Nimmersatt) , die sich einspinnt, um nach ihrem Tod als Schmetterling aus dem Kokon in die Freiheit zu fliegen ...


Zu 7.:
Das ist ein Zwischenstadium auf dem Weg zur Befreiung ..., vermute ich ...

Ja, die Sprache scheint weiser zu sein als die Wissenschaft, das "Ich" will sich wohl eher behaupten und durchsetzen, die Inhalte des "Selbst" dagegen werden an die nachfolgende Generation durch biologische und kulturelle Vererbung weitergegeben und bleiben unabhängig vom Tod des Individuums erhalten.
Mit der Befreiung aus dem Kokon verhält es sich meiner Erfahrung nach so, dass wir das selbstverliebte Flattern als Schmetterling auch irgendwann als nicht unserem Wesen gemäß erleben, sondern zurück in die alten Strukturen streben, allerding nicht um uns darin einzurichten, sondern um sie zu zuverändern z.B. in Richtung Intersubjektivität!!!

Zu 8.:
Ja, das klingt wie eine Paradoxie bzw. wie die Quadratur des Kreises, ist aber möglicherweise eine für den Menschen lösbare Aufgabe :dontknow:
Wenn mensch sich dafür entscheidet - JA!

Zu 9.:
Ich habe keinen alternativen Denksansatz zu bieten, da sich Psychologie und Philosophie im konkreten Menschen (Individuum) immer auch überschneiden ...und philosophische Positionen/Ansätze immer auch die Versuche von konkreten einzelnen Menschen waren, ihr Leben in ihrer jeweiligen Zeit zu verstehen/zu deuten/zu gestalten ...

Etwas anderes ist dem Einzelenen ja auch gar nicht möglich, und wahrscheinlich sind die Weltverbesserer in erster Linie eines: an ihrem persönlich Schicksal gescheiterte!

LG Kaawi
 
AW: Über den Sinn unseres Daseins.

... und wahrscheinlich sind die Weltverbesserer in erster Linie eines: an ihrem persönlich Schicksal gescheiterte!

Weil ja noch nicht aller Tage Abend ist, vielleicht auch nur mit ihrem persönlichen Schicksal noch Unzufriedene. :)
 
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AW: Über den Sinn unseres Daseins.

Weil ja noch nicht aller Tage Abend ist, vielleicht auch nur mit ihrem persönlichen Schicksal noch Unzufriedene. :)

Genau. - Außerdem ... :dontknow:
Wenn ein paar Menschen recht miteinander zufrieden sind,
kann man meistens versichert sein, daß sie sich irren.

(???)
- Johann Wolfgang von Goethe
 
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