• Willkommen im denk-Forum für Politik, Philosophie und Kunst!
    Hier findest Du alles zum aktuellen Politikgeschehen, Diskussionen über philosophische Fragen und Kunst
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

Philosophie ohne Lehrbuch

Der Floh

New Member
Registriert
26. März 2007
Beiträge
47
Hat schon mal jemand versucht auch ohne irgendwelche Bücher der großen Philosophen zu philosophieren???
Auch wenn jeder sich früher oder später mit ein paar Fragen beschäfftigt, so fangen doch die, die sich ernsthaft mit Philosophie beschäfftigen ziemlich schnell an, Werke von Schoppenhauer, Platon oder Hegel zu lesen nur um sich mit Philosophie auszukennen.
Aber Warum???
Nichts finde ich schlimmer als in einem Forumsbeitrag oder in einer Diskussion ständig über Sätze wie: "Wie man auch bei Schoppenhauer sieht" oder "Da gehe ich mit der Meinung von Aristoteles".
Damit beweist der Autor zwar ein gutes Geschichtswissen und kennt sich vll. in den Biographien der Leute aus aber hat doch damit nur Gedanken wiedergegeben, die vor ihm schon Leute gedacht haben. Ein eigenanteil ist daran noch nicht zu erkennen.
Zwar mag eine gute Kenntniss der historischen Gedanken und Leute hilfreich sein aber man könnte bei einigen glauben sie verstünden das unter Philosophie.

Ich habe nie die Texte und Bücher der großen Philosophen gelesen, wie anscheinend die meisten hier auf der Seite.
Ansatzweise mal ein para kleine Texte in der Originalsprache von einigen Griechen, ansonsten nur moderne Autoren wie
Jostein Gaarder
Milan Kundera
(Im übrigen alle beide sehr zu empfehlen)

Warum ich die großen Texte nicht lese??
Weil sie zu groß sind!!!
Nicht weil ich sie nicht verstehe oder sie mir zu schwierig sind und zu viele Fremdwörter vorkommen.
Ich lese sie nicht, weil sie schon ein fertiges Produkt aus Jahrelangem oder gar Lebenslangen Nachdenken sind.
Wen ich so einen Text lese, denke ich oft: "Ja, wunderbar, stimme ich zu, in Ansätzen habe ich mir das so auch schon Überlegt"
Zwar gibt es an jedem Text, auch an den großen, Lücken und Ungereimtheiten oder neue Denkansätze, doch wenn man über solche Texte diskutiert hat man stets das Gefühl, doch noch nicht alles gedanklich durchdrungen zu haben.
Also denke ich, dass man zum Philosophieren keine Texte oder Lehrbücher braucht und auch nicht genau wissen muss welcher Philosoph Wo, Wann, Wie gedacht hat.
Was nütz mir Hobbes oder Ruosseaus Staatstheorie, die zwar in sich halbwegs logisch sind aber dennoch nicht realistisch, wenn man drei Tage lang über folgende Zeilen aus dem "Kleinen Prinzen" über die Grundlegenden Werte einer Gesellschaft und der Freundschaft sprechen kann??

"Wollen wir Freunde sein?"fragt der kleine Prinz.
"Erst musst du mich zähmen!" sagt der Fuchs.

Sicher ist das noch etwas anders wenn man sich wissenschaftlich mit Philosophie beschäftigt, doch zu meinem Begriff von Philosophie rede ich lieber in entsprechendem Thema.

Also meine Frage, Warum fangt ihr nicht mal an selbst zu denken sondern lest nur schlaue Bücher, denn es funktioniert sehr gut ohne die ganze Geschichte zu kennen mit Philosophie zu leben und ein Philosoph zu sein!

Floh
 
Werbung:
Nachtrag



Also an alle die mit dem philosophieren beginnen wollen:

Fangt an und lest nicht nur alte Bücher!!!

Wundert euch, Stellt Fragen und lebt
 
AW: Nachtrag



Also an alle die mit dem philosophieren beginnen wollen:

Fangt an und lest nicht nur alte Bücher!!!

Wundert euch, Stellt Fragen und lebt

Hallo Floh!
Sehr erfrischend! Das ist auch mein Herangehen an die Philosophie. Obwohl ich im Lauf der Jahre das eine oder andere Werk eines "alten Hasen" der Philosophie gelesen habe, ist mein Eindruck noch immer aufrecht, dass ich mir einen ganzen Haufen unnötigen Ballastes erspart habe. Das hat mir ermöglicht, meinen eigenen Gedankengängen nachzuspüren, ohne dauern Gefahr zu laufen, in eine bereits vorgedachte These einzuklinken, wie z.B. ach ja, dieser Ansatz steht ja bei XY, der hat das schon erklärt.

Ich bin wie du der Ansicht, dass es durchaus neue Erkenntnisse gibt, wenn man sich einer Thematik von einer noch unbekannten Seite nähert.

Ein sehr fruchtbarer Ansatz war für mich, alles auf mich selbst zu beziehen und zu überprüfen, ob meine Erkenntnisse mit meinem praktischen Leben im Einklang sind. Verallgemeinerung - also Schlussfolgerungen die für eine ganze Gemeinschaft gelten - sind mir immer zu x-beliebig.

Aber jeder wird seinen eigenen Ansatz haben.

Gefällt mir gut, wie du das angehst.

:zauberer2
lilith
 
AW: Philosophie ohne Lehrbuch

Hallo Der Floh !

Hat schon mal jemand versucht auch ohne irgendwelche Bücher der großen Philosophen zu philosophieren???
Mache ich meistens.

Auch wenn jeder sich früher oder später mit ein paar Fragen beschäfftigt, so fangen doch die, die sich ernsthaft mit Philosophie beschäfftigen ziemlich schnell an, Werke von Schoppenhauer, Platon oder Hegel zu lesen nur um sich mit Philosophie auszukennen.
Aber Warum???
Ich beschäftige mich - wahrscheinlich zu meinem Nachteil - zu wenig mit dem Schaffen anderer; meine Rechtfertigung: zerrüttete Familienverhältnisse zwangen mich schon in früher Kindheit, eigene Wege zu suchen. Ich achte Philosophen, die den Mut haben, sich mit "gut" auseinanderzusetzen, wie zum Beispiel Kant. Meine persönliche Meinung von gut: Der Mensch ist so gut, so viele andere Menschen er außer sich selbst noch liebt - wobei lieben vorwiegend
helfen,
verzeihen,
(Freud und Leid) teilen wollen und
schenken​
bedeutet. Das wird wohl sehr mit dem Katholizismus verwandt sein.

Nichts finde ich schlimmer als in einem Forumsbeitrag oder in einer Diskussion ständig über Sätze wie: "Wie man auch bei Schoppenhauer sieht" oder "Da gehe ich mit der Meinung von Aristoteles".
Damit beweist der Autor zwar ein gutes Geschichtswissen und kennt sich vll. in den Biographien der Leute aus aber hat doch damit nur Gedanken wiedergegeben, die vor ihm schon Leute gedacht haben. Ein eigenanteil ist daran noch nicht zu erkennen.
Zwar mag eine gute Kenntniss der historischen Gedanken und Leute hilfreich sein aber man könnte bei einigen glauben sie verstünden das unter Philosophie.
Stimme ich Dir grundsätzlich zu; der Nachahmungstrieb ist sicher ein Feind der Kreativität. Es dürfte aber nicht jeder mit Phantasie gesegnet sein und es fragt sich auch, warum sich ein Mensch mit klaren und festen Vorbildern groß eigene Gedanken machen soll. Er (sie) wird seinem (ihrem) Vorbild folgen, so lange ihn (sie) das Leben nicht etwas anderes lehrt.

Ich habe nie die Texte und Bücher der großen Philosophen gelesen, wie anscheinend die meisten hier auf der Seite.
Ansatzweise mal ein para kleine Texte in der Originalsprache von einigen Griechen, ansonsten nur moderne Autoren wie
Jostein Gaarder
Milan Kundera
(Im übrigen alle beide sehr zu empfehlen)
Bin ich genau so; ich bin mehr für kurze, markige, oft gedruckte Sachen, jedoch möchte ich nach wie vor Goethe, Schiller und Grillparzer zur Gänze lesen; eventuell auch alle Literatur-Nobelpreisträger. Was mich davon abhält ? Sachzwänge und die Erfüllung materieller und emotioneller Grundbedürfnisse.

Warum ich die großen Texte nicht lese??
Weil sie zu groß sind!!!
Nicht weil ich sie nicht verstehe oder sie mir zu schwierig sind und zu viele Fremdwörter vorkommen.
Ich lese sie nicht, weil sie schon ein fertiges Produkt aus Jahrelangem oder gar Lebenslangen Nachdenken sind.
Wen ich so einen Text lese, denke ich oft: "Ja, wunderbar, stimme ich zu, in Ansätzen habe ich mir das so auch schon Überlegt"
Zwar gibt es an jedem Text, auch an den großen, Lücken und Ungereimtheiten oder neue Denkansätze, doch wenn man über solche Texte diskutiert hat man stets das Gefühl, doch noch nicht alles gedanklich durchdrungen zu haben.
Also denke ich, dass man zum Philosophieren keine Texte oder Lehrbücher braucht und auch nicht genau wissen muss welcher Philosoph Wo, Wann, Wie gedacht hat.
Was nütz mir Hobbes oder Ruosseaus Staatstheorie, die zwar in sich halbwegs logisch sind aber dennoch nicht realistisch, wenn man drei Tage lang über folgende Zeilen aus dem "Kleinen Prinzen" über die Grundlegenden Werte einer Gesellschaft und der Freundschaft sprechen kann??
Sicher sollte man sich beim Lesen jedes Textes fragen, ob er auch noch einen Bezug zur Gegenwart hat.

Also meine Frage, Warum fangt ihr nicht mal an selbst zu denken sondern lest nur schlaue Bücher, denn es funktioniert sehr gut ohne die ganze Geschichte zu kennen mit Philosophie zu leben und ein Philosoph zu sein!
Philosophie bedeutet "Liebe zur Weisheit" und lieben darf man grundsätzlich alles, mit oder ohne Unterstützung durch die Literatur.

Liebe Grüße

Zeili
 
AW: Philosophie ohne Lehrbuch

am besten verstehe ich Texte,
die um die Jahrhundertwende (19./20.) verfasst wurden

zwar lese ich aufgrund der alten Buchstaben langsamer,
dafür reicht mir einmaliges Lesen voll und ganz aus
 
AW: Philosophie ohne Lehrbuch

Um es von vornherein zu sagen: ich freue mich auf eine solche Diskussion - aber einverstanden mit Euren Standpunkten die weniger oder mehr das Gleiche vertreten, bin ich nicht.
In der Folge werde ich versuchen zu erklären weswegen ich anderer Meinung bin, aber möchte dem vorausschicken, dass ich genau so wenig einverstanden bin, wenn jemand hier zu naturwissenschaftlichen Themen anders als im Wissen schreibt, er sei nicht vom Fach.
Anders ausgedrückt bedeutet es sich nicht an kühne und eigen entworfene Theorien heranzumachen, sondern ein eigenständiges Gebiet auch als solches zu akzeptieren – was ja nicht bedeutet, dass der Dialog in diesem Themenbereich nicht möglich sei, die Basis ist aber eine andere.

Wie es aussehen kann wenn man diese Prämisse nicht respektiert, haben wir im sehr langen und die gleichen absurden Theorien wiederholenden Thread "Gibt es Menschenrassen?" seinerzeit gesehen. Denn um darüber zu sprechen – ich denke schon, dass man das gar nicht gleich durchblickt – muss man ein ziemlich fundiertes Wissen haben was eigentlich eine Rasse überhaupt ist, wie sie zu definieren sei, wie sie entstanden ist, etc…
Nach meiner Meinung, trotz mancher Unterschiede, verhält es sich nicht anders mit der Philosophie. Denn auch sie ist eine Wissenschaft. Das Wort Philosophie wurde aber dermaßen trivialisiert, angewandt in Bereichen die eigentlich nichts mit der Disziplin Philosophie zutun haben.

Beispiele: Philosophie des Geldes, des Reisens, des Essens, des Zeitungslesens, des besseren Hörens, der großen Küche, etc…

Philosophie ist eine eigenständige GeistesWissenschaft – und eine sehr wichtige eben in unserer Zeit, in der Wissenschaften sich immer mehr spezialisieren, aber dadurch auch irgendwie aus einem allgemeinen Kontext herausgerissen werden. Sie erlaubt uns den Zugang zu einer Art Synthese, aber gibt oft auch Erklärungen mancher Phänomene über den Grenzen des Beschriebenen hinweg. Oder aber es werden wissenschaftlich beschriebene Phänomene in ihren komplexeren Zusammenhängen gestellt, so dass Zufälligkeit, Kausalität oder aber Koinzidenz erkannt werden können.

Was wir so manchmal als philosophieren bezeichnen, hat wenig zutun mit der eigentlichen Disziplin. Es sind nachdenkliche Betrachtungen, manchmal sogar kluge Gedanken – aber wir sollten uns deswegen nicht als Philosophen erachten, so wie nicht jeder der gerne einen Pinsel mal zur Hand nimmt sich eigentlich nicht als Künstler betrachten sollte. Das Laienhafte ist erfreulich, erfrischend, anregend – sollte aber nicht als professionell etikettiert werden.

Liebe Grüße

Miriam
 
AW: Philosophie ohne Lehrbuch

Das dachte ich anfangs auch, als ich begann, meine Ahnungen und Erlebnisse methodisch zu verwerten, bis ich im Lesen von Werken philosophischer Systematiker bald verblüfft, bald zornig feststellen durfte, wieder mal das Rad neuerfunden zu haben.
Selbst als Genie wärst du kaum imstande, ohne das Vorwissen anderer, revolutionäre Systemtheorien zu entwickeln, die die aktuellen auf dem Theorienmarkt überbieten könnten. Für mich gilt das alte Gleichnis «Auf den Schultern von Giganten», ohne mir dabei den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, selbst zuwenig zu denken. (Individualität in der stark vereinfachten Welt der Kategorien ist ohnehin kaum möglich.)
 
AW: Philosophie ohne Lehrbuch

ab und zu "philosophiere" ich sehr gerne. ohne Lehrbuch;), denn was ich alles schon erlebt habe... mein Leben hat bislang mein eigenes Buch geschrieben.

Aber niemals würde ich mir erlauben mich Philosoph zu nennen!
Das kann jemand der jahrelang erfolgreich studiert hat, die Schränke voller Bücher stehen hat.
Das wäre genauso schlimm als wenn sich jemand Schauspieler nennt ohne entsprechende Ausbildung. Oder Handwerker und und und...
Gruß Muckel
 
AW: Philosophie ohne Lehrbuch

signalgrau schrieb:
Das dachte ich anfangs auch, als ich begann, meine Ahnungen und Erlebnisse methodisch zu verwerten, bis ich im Lesen von Werken philosophischer Systematiker bald verblüfft, bald zornig feststellen durfte, wieder mal das Rad neuerfunden zu haben.

Also so etwas könnte mich nicht ärgern. Im Gegenteil: ich finde es manchmal nett, dass mancheiner wie Montaigne oder Diderot oder auch Camus, so ein weinig meine Vordenker waren. Besser gesagt: sich bemüht haben es zu sein. Ihnen gilt mein..:danke:
 
Werbung:
AW: Philosophie ohne Lehrbuch

Miriam,

du hast Recht wenn du sagst man muss auch die Geschichte Philosophie und deren Theorien kennen um Philosophie als Wissenschaft zu betreiben.

Meiner Meinung ist es eine Sache nach Philosophischen Methoden ein wissenschaftliches Problem zu bearbeiten, sicher zeichnet auch Philosophie das von dir angesprochene Fachübergreifende und Überblickende aus.
Doch eine ganz andere Sache ist es Philosophie zu leben.

Für mich ist Philosophie keine Wissenschaft, sondern eine Lebenseinstellung.

Man kann sie nicht ablegen, ausüben oder nicht, sondern nur Leben.

Floh
 
Zurück
Oben