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Die ewige Suche des Menschen

Patrice

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Registriert
29. Oktober 2005
Beiträge
149
Schönen guten Abend karinamixipi,

Zitat von karinamixipi:
Wenn du selbst erleuchtet bist, dann wirst du wissen, was ich mit Ruhen in sich selbst und abwarten, bis die anderen ganz von selbst nachkommen, meine.

Du willst die Welt vollenden? Wie darf ich das verstehen, was willst du tun? Es läuft doch bereits alles und zwar Bestens, so wie es vor deiner Zeit gelaufen ist und auch nach deiner Zeit laufen wird. Sicher, kannst du Gutes tun und beispielhaft leben. Aber du kannst niemanden ändern oder seine Einstellung. Das muss jeder selbst tun. ... Wenn du also jemandem ein angenehmes Leben bereitest und ihm viel Gutes angedeihen lässt, dann fragt er vielleicht gar nicht nach Gott, weil ihm nichts fehlt?

Was ist an der Vorstellung, erleuchtet zu sein und zu erkennen, dass es nichts zu tun gibt, für dich der Stein des Anstoßes?

Kennst du einen Erleuchteten, der etwas tut, außer Fragen Unerleuchteter zu beantworten?

Wer sagt, dass alles bestens läuft, dass alles gut ist, so wie es ist? Es ist richtig, dass Benjamin niemanden direkt ändern kann, dazu muss der Einzelne selbst in der Lage sein, dazu KANN der Einzelne nur selbst in der Lage sein!
Dennoch kann Benjamin ein Vorbild sein, eine Persönlichkeit die anderen den Weg weist! Oder wie hast du Erleuchtung erlangt? Hat nicht auch dir jemand geholfen? Wie ist das denn eigentlich mit Gott, würden wir auch an Ihn glauben, wenn wir noch nie vom Christentum, der Bibel oder Ihm selbst gehört hätten? Aber das schreibst du ja selbst, der Erleuchtete bemüht sich die Zweifel der 'Noch-nicht-Erleuchteten' aus dem Weg zu räumen.

Ich glaube annehmen zu dürfen, dass du ein zufriedener, ausgeglichener und toleranter Mensch bist, der von sich selbst behaupten kann, die eigene 'Mitte' gefunden zu haben! Das ist schön, es ist auch schön, dass in diesem Zustand eines erleuchteten Geistes die Welt dank ihres (mag es auch noch so minimal sein) Lichtes für dich zu brennen, zu funkeln scheint! Aber auch du musst dir die Frage stellen, ist es wirklich Erleuchtung, oder letztendlich doch nur Geblendetsein?
Vielen Menschen glauben erleuchtet zu sein. Ob gläubig, oder nicht! Menschen, die Erkenntnis erlangen, die frei von Selbstsucht sind, die weder Glück noch UNGLÜCK erschüttern kann! Ja, das klingt schön! Aber ist das der Weg?

Hier ist nun schon häufiger der Buddhismus erwähnt worden. Buddha war es, der, wie du erwähnst, nach seiner 'Erleuchtung' sein Leben der Verkündung seiner 'Lehre der Erleuchtung' verschrieben hat! Auch das klingt sehr schön!

Man stelle sich vor die gesamte Welt wäre erleuchtet. Es gäbe keine Kriege mehr! Ja, das klingt schön!
Und trotzdem gäbe es noch die schlimmste Gewalt, grenzenlose Ungerechtigkeit und größtes Leid: HUNGER und DURST!
Die Frage ist doch: Wer würde sich um das Schicksal derer kümmern, die körperlich gar nicht in der Lage wären, den Weg der Erleuchtung zu beschreiten?

Und das Gute ist manchmal nicht nützlich für die Erkenntnis.

Dann stelle ich mir die Frage, ob Erkenntnis wirklich das Ziel ist? Wenn es Gott gäbe, was wollte er dann von uns? Das wir ihn erkannten oder das wir gutes täten?

Natürlich hast du recht, wenn du sagst die Armut dürfe uns nicht daran hindern, großherzige Gedanken zu haben. Es wurde schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es Dinge gibt, die wichtiger als Reichtum sind! Deshalb besitzt der Mensch mit Körper und Geist (fast) alles worauf es ankommt! Wir alle sind menschliche Wesen mit (beinahe) gleichem geistigen Potenzial, ABER es bedarf zumindest einer gewissen Grundversorgung um dieses Potenzial nutzen zu können.

Der Mensch sollte nicht dem Irrglauben verfallen, dass Reichtum Glück bringen könnte! Es geht um den Frieden, der in unserem Inneren herrschen sollte. Für Benjamin (das nehme Ich zumindest so an) ist dieser innere Frieden nur durch Bekämpfung des Unrechts der Welt zu erlangen! Aktivität! Veränderung! Oder wie sollte die Wahrheit sonst zum Sieg gelangen???

Ich denke, auch im Sinne des Buddhismus, dass alle Menschen, die ihr Leben in den Dienst anderer Menschen stellen, großes Lob verdienen. Jede Gesellschaft bringt Probleme und Leid hervor. Diesen gilt es mit Liebe und Mitgefühl entgegenzuwirken. Eine altruistische Haltung kommt eben nicht nur dem zugute, dem sie entgegengebracht wird, sonderm auch dem, der sich in ihr kultiviert.

Mfg Patrice :)

Allzu heftige Erleuchtungen
führen zur Verblendung.
© Walter Ludin
 
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karinamixipi

New Member
Registriert
29. Dezember 2005
Beiträge
180
Darf ich auf ein Buch verweisen?

Ich bin, Teil II von Sri Nisargadatta Maharaj



Verblendung kann auch durch Zweifel, Skepsis und Nihilismus erlangt werden, dazu bedarf es keiner allzu heftigen Erleuchtung.

Ich denke mal, dass man die Energie spüren kann, also wessen Geist aus jemandem spricht. Egoismus ist für mich alles, was sich auf mein ICH bezieht und nur darauf, ohne Rücksicht auf andere. Da kann Egoismus auch ein gesetztes Lebensziel sein, das man unbedingt erreichen möchte, also jeglicher Wille, der das eigene ICH befriedigt. Daher ist alles, was nicht aus dem Egoismus entspringt das, was gleichmütig ist und worauf auch verzichtet werden kann. Wenn man sich Gedanken darüber macht, was es ist, dass man unter gar keinen Umständen aufgeben möchte, dann kommt man seinem Egoismus auf die Spur. Wer bereit ist, alles zu geben und zu nehmen, so wie es kommt und geht, der ist frei von Egoismus. Frei sein von allem, was in der Welt geschieht, nicht anhaften, die Welt überwinden, sich nicht einspannen lassen für irgendwelche Ziele und Selbstverwirklichungen kann nur jemand, der erkannt hat. Vorher lebt man seine Ideale, seinen Willen, will etwas tun oder verändern. Das ist weder gut noch schlecht, sondern es ist so, wie es ist. Die Unerleuchteten haben viele Ziele, die Erleuchteten sind am Ziel.
 
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Benjamin

Well-Known Member
Registriert
27. Januar 2005
Beiträge
2.268
karinamixipi schrieb:
Egoismus ist für mich alles, was sich auf mein ICH bezieht und nur darauf, ohne Rücksicht auf andere.

Genau. Und wenn man Produkte kauft, bei deren Produktion andere ausgebeutet werden, dann ist das egoistisch. Denn dadurch unterstützt man die Ausbeutung. Und Ausbeutung gründet IMMER in Egoismus. Würden sich die Menschen darum kümmern, was genau sie kaufen, dann würden sie bald sehen, zu welch unfairen Verhältnissen ihre Produkte gemacht wurden. Aber die Menschen kümmern sich nicht darum oder kümmern sich zu wenig, WEIL sie zu sehr am Preisdenken verhaftet sind. Das ist Egoismus. Diese Denkweise herrscht auf diesem Planeten vor. Und ich denke, dass es haargenau diese Denkweise ist, die unser Glück erstickt.

Wer einmal durch ärmere Länder gereist ist und Kontakt mit den Menschen von dort gehabt hat, der weiß, dass diese Menschen meistens eine sehr positive Ausstrahlung haben. Sie sind allgemein viel lebensfroher. Bei uns in Österreich ist die Gesellschaft verhältnismäßig kalt. Sehr kalt sogar. Bei uns wird genörgelt und gemeckert was das Zeug hält. Nächstenliebe ist bei uns meist eine bloße Idee in den Köpfen der Leute, eine gewisse Vorstellung, aber weiter nichts. Und so sehr ich dieses Land doch liebe, so kann ich diese Tatsache nicht leugnen.
Und es ist diese Tatsache, die meine Meinung bestätigt. Materieller Überfluss macht unglücklich, weil er so gut wie immer aus Egoismus entsteht. Und jeder, der bei diesem Kapitalkonsum mitmacht, ist in gewissem Ausmaß ein Egoist.
Glück ist etwas absolut Erstrebenswertes. In meinen Augen ist es das, was letztlich zählt.

Ich denke, wir können Glück auf viele verschiedene Wege erreichen. Das schönste Glück jedoch, ist meines Erachtens das Glück, welches frei von Egoismus ist. Wer sein Leben auf dieser Art von Glück aufbaut, der wird seiner menschlichen Rolle auf dieser Welt gerecht. Damit verwirklicht sich der Mensch zu sich selbst.
Ich persönlich glaube, dass sich erst aus dieser Selbstverwirklichung Erleuchtung ergeben kann.

Sich in Ausgeglichenheit und Gleichmut üben, ist etwas durchaus Gutes, aber es ist meiner Erfahrung nach nicht genug, um das wahre Glück zu finden, was - denke ich - zweifelsohne in der Selbstverwirklichung des Menschen liegt.
 
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