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Der Mainstream, die Clownwelt und die Ketzerbewegung

Die Gesellschaft ist an sich etwas Künstliches. Und deshalb gibt es so viele Versionen einer Gesellschaft, wie es Mitglieder einer Gesellschaft gibt.
Deshalb sollte man zuerst bei sich anfangen, bevor man sich anmaßt, ein Urteil über die Gesellschaft zu fällen. Die eigene psychische Verfassung ist maßgebend bei diesem Urteil, dass sollte man ständig vor Augen halten.
 
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Naja, es gibt Nostalgiker, die meinen dass früher alles (oder zumindest das meiste) besser war, aber war es das wirklich?

Ich denke wir können uns jedenfalls darauf einigen, dass früher alles anders war als heute. Und vielleicht ist es dieses andere, dass manche Menschen zu Nostalgikern macht. Ich habe jedenfalls schon immer das Gefühl gehabt, irgendwie in der falschen Zeit gelandet zu sein, aber das kann genau so gut bedeuten, zu früh geboren zu sein, es muss nicht unbedingt zu spät geboren bedeuten.

Größerer Konformitätsdruck und weniger Freiheit. Aber das ist auch nicht jedermanns Sache. Schwieriges Thema ...

Konformität kann ja durchaus auch etwas positives sein, wenn man gerne Teil einer Gemeinschaft ist. Aber schwierig ist das Thema trotzdem, weil es auch immer diejenigen geben wird, denen Freiheit wichtiger ist als ein Zugehörigkeitsgefühl. Ich denke, eine ideale Lösung für alle wird es niemals geben, man kann sich da nur annähern.
 
Wenn du damit meinst, dass nur die härtesten Fälle in die Geschlossene müssen, dann hast du recht...
Das Land kann jedoch nichts dafür, dass so viele Bürger psychische Probleme haben und diese auch noch offen tragen.

Das Land nicht, die Menschen schon.
Die Leute müssen endlich einmal damit aufhören, jeden Murks von selbsternannten Experten im Netz für bare Münze zu nehmen. An den Lippen irgendwelcher Influencer zu kleben. Sich selbst nur noch über ihre Außendarstellung zu definieren. Nur noch in ihre Smartphones (SP) zu starren.

Seit wenigen Tagen trage ich meine neue Kopfbedeckung für den Sommer: Einen Tropenhelm. Freunde von mir haben angemerkt, ob dies nicht doch etwas zu exzentrisch sei ... nun, vielleicht. Oder vielleicht auch nicht: Ich könnte morgens in der U-Bahn auch ein rosa Rüschenkleid mit grünen Tupfen tragen - die Menschen würden es nicht bemerken. Denn sie starren sowieso nur in ihre SPs.

Zur jungen Generation:
In meinem Ausbildungsbetrieb bilden wir junge Leute aus, die Lernbehinderungen haben. Die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten stellen daher sicherlich "nur" die Spitze eines Eisbergs dar und können nicht als symptomatisch für eine ganze Generation angesehen werden. Dennoch fällt auf:

- Aufmerksamkeitsspanne Null, Gedächtnis wie ein Sieb, keinerlei Infragestellen einer gegebenen Aufgabe oder Tätigkeit ... würde ich jetzt sagen, jetzt springst Du da zum Fenster raus, dann täten sie auch noch das. Verwende ich eine Formulierung wie etwa "für dieses Rezept verwenden wir diesmal das ganze Ei" - dann werfen sie auch noch die Eier mit der Schale in die Schüssel. "An diesem Gurkensalat fehlt noch Pfeffer" - führt dazu, dass jemand ganze Pfefferkörner hinein tut.
Es kommt jemand überhaupt gar nicht erst auf den Gedanken, dass man so etwas nicht essen kann. Die eigene Aktion wird schlicht nicht reflektiert, Null.

- Eine völlige Unfähigkeit, eine Aufgabenstellung selbstständig zu analysieren und zu lösen, so einfach diese auch sein mag. Scheitern an simpelsten Rechenaufgaben, die auch nur durch Abzählen zu lösen wären. Rechtschreibung sowieso eine Katastrophe, selbst reine Beschriftungen erfordern viel meiner Phantasie der Interpretation und haben bisweilen eine komische Note.

- Kein Durchhaltevermögen, wenig belastbar, und aus all dem Letztlich resultierend: Wenig Selbstbewusstsein.

Trotz aller Erfahrungen mit so schwierigen jungen Menschen fragen wir uns fast täglich: Was ist da eigentlich in den ganzen Jahren schief gelaufen, nicht nur in der Schule, sondern auch im Elternhaus?
Wohlgemerkt: Es handelt sich nicht um Teenager, volljährig sind sie sowieso, die meisten aber bereits Mitte 20 bis Anfang 30.

Da die Dinge im Beruf natürlich dennoch funktionieren müssen, führt es dazu, dass ein solcher Mitarbeiter ständig angewiesen, kontrolliert und korrigiert werden muss. Es ist nicht einmal so, dass eine Aufgabe nach ruhiger, sachlicher und ausführlicher Anweisung von selbst funktionieren würde. Ein von mir vorab angefertigtes Muster ("lass es da liegen, dann kannst Du Dir es ansehen und weisst immer, wie es auszusehen hat") ist nach wenigen Minuten verschwunden und jemand macht wieder völligen Murks.
Das fordert auch von mir täglich Einiges ab. Es besteht sonst das Risiko, ich würde zum Musterbeispiel des cholerischen Kochs.

Solche Menschen werden nicht nur im Beruf immer Schwierigkeiten haben, sondern auch im Leben. Sie werden die ständig Getriebenen bleiben, die immer nur das ausführen, was andere ihnen sagen.
Der Mensch wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben ... aber auch nur dann, wenn er sie auch zu lösen vermag. Echtes und auch von anderen respektiertes Selbstbewusstsein hat man nicht von selbst. Es ist das Resultat einer erarbeiteten Schwierigkeit, einer selbstständig gelösten Aufgabe.

Wer dazu nicht einmal im Ansatz in der Lage ist, weil er es nicht kann, weil er es nicht will - der entwickelt kein Selbstbewusstsein. Und was wir auch sehen: Im Grunde auch kein soziales Verhalten, erst Recht keinen Altruismus. Er ist schlicht nicht in der Lage, sich in jemanden anderen hinein zu versetzen, weil er soweit gar nicht denkt. Er stellt sich ja nicht einmal selbst in Frage.
 
Ich habe jedenfalls schon immer das Gefühl gehabt, irgendwie in der falschen Zeit gelandet zu sein, aber das kann genau so gut bedeuten, zu früh geboren zu sein, es muss nicht unbedingt zu spät geboren bedeuten.
Oh ja. Dein Gefühl kann ich nur bestätigen. Ich bin sogar überzeugt, du wärst in einer andern Zeit besser aufgehoben und viele Menschen unserer Zeit wären sehr froh darüber.
Dein Gefühl, zu früh geboren worden zu sein, hängt mit deiner Sehnsucht zusammen, die alte Zeit wiederaufleben zu sehen.
 
Deshalb sollte man zuerst bei sich anfangen, bevor man sich anmaßt, ein Urteil über die Gesellschaft zu fällen. Die eigene psychische Verfassung ist maßgebend bei diesem Urteil, dass sollte man ständig vor Augen halten.
Nun, bei sich selbst anzufangen hat Chris ja getan (im Gegensatz zu dir). Deshalb ist er auch berechtigt und in der Lage, ein Urteil über die Gesellschaft zu fällen.
 
Nun, bei sich selbst anzufangen hat Chris ja getan (im Gegensatz zu dir). Deshalb ist er auch berechtigt und in der Lage, ein Urteil über die Gesellschaft zu fällen.
Das sagst du nur, weil sein Urteil sehr nah zu deinem steht, aber es liegt nur an eurem gemeinsamen Futtertrog.
 
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