• Willkommen im denk-Forum für Politik, Philosophie und Kunst!
    Hier findest Du alles zum aktuellen Politikgeschehen, Diskussionen über philosophische Fragen und Kunst
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

Wie steht ihr zu Homöopathie und Placeboeffekt?

Man kann auch hier den Spieß umdrehen. Du nennst Wissenschaft Esoterik, um dies zu tun und auch Provokation ist ein möglich Ansatz.
Ich nenne nicht Wissenschaft Esoterik, sondern solches, das den Wissenschaftsbegriff missbraucht, um die eigene Unwissenschaftlichkeit zu kaschieren. Das wirkt nur provokativ, ist es aber nicht.
 
Werbung:
Das wirkt nur provokativ, ist es aber nicht.
Vor allem ist es nicht esoterisch. Warum die Verunglimpfung aufgreifen?
Gut, der Begriff ist verbrannt, das muss man wissen, wenn man in den Diskurs einsteigt, aber wie kam es eigentlich dazu?
Einst war er neutral, dann fast ein wenig eine Auszeichnung, zumindest nichts, wofür man sich schämen musste, es war eher die kulturelle Spitze, die sich dafür interessierte. Dann wurde der Begriff zum Synonym für unwissenschaftlichen Unfug und immer mehr auch für eine Beimischung sehr weit rechter Tendenzen.
 
Vor allem ist es nicht esoterisch. Warum die Verunglimpfung aufgreifen?
Gut, der Begriff ist verbrannt, das muss man wissen, wenn man in den Diskurs einsteigt, aber wie kam es eigentlich dazu?
Einst war er neutral, dann fast ein wenig eine Auszeichnung, zumindest nichts, wofür man sich schämen musste, es war eher die kulturelle Spitze, die sich dafür interessierte. Dann wurde der Begriff zum Synonym für unwissenschaftlichen Unfug und immer mehr auch für eine Beimischung sehr weit rechter Tendenzen.
Dir muss das nicht gefallen.
Esoterisch wird als Synonym
für irrational verwendet.
Insofern passt das Wort sehr gut.
 
Ja, so wird es gerne verkürzt und verwendet.
Es ist natürlich falsch.
Was ist denn das kardinale Kriterium des esoterischen Denkens?
Ich antworte dir mit einem Beispiel aus den real life. Ich hatte vor 10 Jahren ein gesundheitliches Problem, ging damit zu mehreren Ärzten, die sich der wissenschaftlichen Medizin verschrieben haben, weil keine Therapie wirkte. Fünf unterschiedliche Ärzte gaben vier unterschiedliche Diagnosen ab. Allen fünf Ärzten war gemein, dass sie nach spätestens zwei Minuten ihre Diagnose hatten, ohne eingehende Anamnese. Sie diagnostizierten und therapierten ganz offensichtlich rein nach Bauchgefühl, missbrauchten also den Wissenschaftsbegriff und arbeiteten esoterisch, nach Gefühl. Ich hätte mit meinen Beschwerden noch zu 20 anderen Medizinern gehen können, die sich für wissenschaftlich halten, aber Esoteriker sind. Vielleicht hätte ich 15 weitere Diagnosen bekommen. Wäre ich zu einem indischen Wunderheiler gegangen, dann hätte dieser sich vielleicht ein paar Minuten mehr Zeit genommen, um seine Diagnose zu nennen. Strukturell arbeiten beide Gruppen aber gleich.
 
Sie diagnostizierten und therapierten ganz offensichtlich rein nach Bauchgefühl, missbrauchten also den Wissenschaftsbegriff und arbeiteten esoterisch, nach Gefühl.
Ich würde nicht sagen, dass Esoterik sich vorrangig nach dem Gefühl richtig.
Was hältst Du vom analogen Denken als markantestem Kritierium der Esoterik?
Wir finden es in der Astrologie, der Alchemie, auch in der Homöopathie.
 
Ich würde nicht sagen, dass Esoterik sich vorrangig nach dem Gefühl richtig.
Was hältst Du vom analogen Denken als markantestem Kritierium der Esoterik?
Wir finden es in der Astrologie, der Alchemie, auch in der Homöopathie.
Astrologie und Homöopathie ist Handwerk. Von Alchemie habe ich keine Ahnung.



Auch eine These, bei der vor der Beweisführung schon das Ergebnis feststeht, ist Bauchgefühl und Esoterik, auch wenn sie als wissenschaftlich deklariert wird. Du kannst im Einzelfall auch andere Worte verwenden. Das ändert nichts am Prinzip. Du kannst auch ein anderes Wort für Esoterik verwenden.
 
Astrologie und Homöopathie ist Handwerk.
Auch das Handwerk arbeitet nach Prinzipien.
Die Schlussfolgerungen sind ja immer "wie oben, so unten".
Beim Handwerk des Simile suchens, wird ja nach der ähnlichsten Entsprechung zwischen Vergiftungsbild und Symptomenbild geschaut.
Auch eine These, bei der vor der Beweisführung schon das Ergebnis feststeht, ist Bauchgefühl und Esoterik, auch wenn sie als wissenschaftlich deklariert wird.
Ich würde das nicht Esoterik sondern Verschwörungsdenken nennen. Es ist eine Form des paranoiden Denkens.
Verschwörungsdenken heißt: Das Ergebnis steht fest, die Beweise werden gesucht.
Wissenschaftliches Denken heißt: Es gibt eine Hypothese, die verifiziert oder falsifiziert wird. Jedenfalls in idealtypischer Wissenschaft. Nicht immer entspricht reale Wissenschaft der idealtypischen Wissenschaft.
Wissenschaft die ihren Kriterien nicht genügt ist keine Esoterik, sondern schlechte Wissenschaft.
 
Wenn ein Arzt nicht gleich ein MRI machen lässt, sondern zuerst nach weniger ernsten Störungen sucht, finde ich das in Ordnung.
Erst wenn diese kleineren Störungen sich nicht beweisen lassen, greift er zum MRI. Hat man keine Geduld, rennt man von Arzt zu Arzt
und verliert das Vertrauen zur Wissenschaft.
Ich sehe einen sanften Übergang von kleineren Störungen zu schwereren. Die Kleineren (welche später zu Schlimmeren führen können)
würde ich evt. homöopathisch behandeln lassen, die Schwereren würde ich den Ärzten überlassen wie auch Knochenbrüche usw.
Als Kind wurde ich homöopathisch mit Arsen behandelt - und ich lebe noch!
Als Erwachsene hatte ich eine Knieoperation - lebe auch noch!
Ich finde beide Anwendungen berechtigt.
 
Werbung:
Erst wenn diese kleineren Störungen sich nicht beweisen lassen, greift er zum MRI. Hat man keine Geduld, rennt man von Arzt zu Arzt
und verliert das Vertrauen zur Wissenschaft.
In der Regel versucht man bei Störungen zunächst mögliche wahrscheinliche und akut lebensbedrohliche Krankheiten auszuschließen.
Wenn man eine Bagatellerkrankung vermutet geht man vom leichten zum schweren vor, wie Du es beschrieben hast.
Ich sehe einen sanften Übergang von kleineren Störungen zu schwereren. Die Kleineren (welche später zu Schlimmeren führen können)
würde ich evt. homöopathisch behandeln lassen, die Schwereren würde ich den Ärzten überlassen wie auch Knochenbrüche usw.
Das halte ich für ein Vorurteil, aber es ist gut, dass Du es erwähnst, dann kann man es diskutieren.
Ich würde die Homöopathie (selbst wenn sie nur Placebo wäre) auch bei chronischen und schwersten Krankheiten einsetzen, ergänzend, wenn der Patient darauf anspricht, d.h. nicht ideologisch dagegen ist. Vielleicht bringt sie einen 3% Effekt, vielleicht einen 25% Effekt, keiner weiß es, aber es weiß auch niemand was Heilung wirklich ist und wie weit wir von der Schwelle zur Heilung im konkreten Fall entfernt sind.

Aber darüber hinaus halte ich die ganze Hierarchie, die wir alle im Kopf haben, die bei sanfter Medizin beginnt (Tee, Homöopathie, Nahrungsergänzungsmittel nennt man da meist zusammen), über frei verkäufliche Medikamente zu den verschreibungspflichtigen fortschreitet und dann bei Facharzt, Spritzen, OPs und Spezialisten endet, für fragwürdig. Viele nennen es die "richtige Medizin" die dann ran muss.
Aber da in aller Regel auch entsprechend entlohnt wird, kommt eines zum anderen.
Auch das induziert eine Kaskade von Placeboeffekten.
 
Zurück
Oben