AW: Sprüche, Weisheiten, Zitate
Wenn man für die Naturwissenschaft und ihren Kontext den Begriff Gott hineinbringt, um sich die Zweckmäßigkeit der Natur erklärlich zu machen und hernach die Zweckmäßigkeit wiederum braucht, um zu beweisen, dass ein Gott sei, so ist in keinen von beiden Wissenschaften innerer Bestand.
Immanuel Kant
Man bedenke, dass für viele Menschen die Weisheiten Kants ein Nonplusultra ist, zu dem der Chor aller Denker nur in ein Hurra ausbrechen kann. Kant ist die Verkörperung des kategorischen Imperativs und der definitiven Wahrheitsfindung schlechthin.
Und wenn jemand aus diesem Chor ausbricht? Ich gehe jedenfalls das Risiko ein, aus dem geschlossen Chor auszubrechen und als Nichtdenker zu gelten, wenn ich mir erlaube, die obige Weisheit einer Kritik zu unterziehen.
Das Ganze hängt am einleitenden "Wenn". Das heißt, der Satz stimmt nur dann, wenn dieses Wenn wirklich zutrifft.
Ich meine, dieses Wenn kann ohne weiteres nach der ersten Feststellung in eine ganz andere Auswertung gehen, als sie Kant festlegt. Wissenschaftler arbeiten aus unterschiedlichen Gründen und nicht allein um die Zweckmäßigkeit der Natur zu erklären. Und bei ihrer Arbeit ist es möglich, dass Intuition hereinbricht, in der sie direkt Gott selbst, das Göttliche als solches, ahnen, spüren oder mit dem Gefühl wahrnehmen. Daran halten die Menschen, die Wissenschaftler sind, fest. Sie brauchen kein nachheriges Ableiten aus der Natur, weil nicht mehr notwendig. Es war dies ein Weg, den viele Wissenschaftler gegangen sind.
Ferner darf darauf verwiesen werden, dass nicht nur Wissenschaftler, sondern alle Menschen Gott nicht aus der Zweckmäßigkeit der Natur beweisen können. Und zwar deswegen, weil sich Gott nicht beweisen lässt. Das an die Wissenschaft zu knüpfen, das ist geradezu willkürlich.
Also baute Emanuel Kant hier zwei Fehler zu einem Satz zusammen - und das nennt sich logische Vernunft, kategorischer Imperativ. Ich meine, wer Lust hat, kann diesen an seine Fahne heften.
LG