FritzR
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Und nochmals der Bienenfreund
Maurice Maeterlinck, aus „Leben der Bienen“
Haben wir das Recht, zu schließen, dass die Natur Mittel und Zwecke nicht immer in Einklang zu bringen vermag, dass das, was sie zu erhalten wähnt, sich oft nur infolge von Vorsichtsmaßnahmen erhält, die sie just gegen ihre Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hat, und oft gar durch fremde Umstände, die sie keineswegs vorausgesehen hat? Aber sieht sie überhaupt voraus, sucht sie etwas zu erhalten?
Die NATUR, wird man sagen, ist ein Wort, mit dem wir das Unerkennbare belegen, und es ist wenig Grund vorhanden, ihr ein Ziel oder Vernunft zuzutrauen. Allerdings handelt es sich hier um die hermetisch verschlossenen Gefäße, die den Hausrat unserer Weltanschauung bilden.
Um nicht ewig die Aufschrift „Unbekannt“ darauf zu setzen, denn diese entmutigt und zwingt zum Schweigen, gebrachen wir, je nach Form und Größe, die Worte „Natur“, „Leben“, „Tod“, „Unendlichkeit“, “Auslese“, „Genius der Art“, u. v. a., wie die, welche vor uns lebten, die Namen „Gott“, „Vorsehung“, „Bestimmung“, „Lohn“ usw. darauf anbrachten.
Das ist alles, wenn man will, und weiter nichts.
Aber wenn der Inhalt auch verborgen bleibt, so haben wir doch, das eine gewonnen, dass die Aufschriften weniger bedrohlich geworden sind, und dass wir den Gefäßen näher treten, sie berühren und in heilsamer Wissbegierde das Ohr daran legen können. Aber welchen Namen man ihnen auch gibt, so viel steht fest, dass zum mindesten eines dieser Gefäße, das größte von ihnen, das auf seiner Rundung den Namen "Natur, trägt, eine sehr reale Kraft birgt, vielleicht die realste von allen, und jedenfalls weiß sie auf unserem Erdballe eine ungeheure und wunderbare Quantität und Qualität von Leben mit so sinnreichen Mitteln zu erhalten, dass man ohne Übertreibung sagen kann, sie übertrifft alles, was Menschengeist zu ersinnen imstande wäre. Und diese Qualität und Quantität sollten sich plötzlich durch andere Mittel erhalten?
Oder täuschen wir uns da, indem wir Vorsichtsmaßregeln zu erblicken wähnen, wo es sich vielleicht nur um einen vom Glück begünstigten Zufall handelt, der eine Million minder glücklicher Zufälle überlebt?
Maurice Maeterlinck, aus „Leben der Bienen“
Haben wir das Recht, zu schließen, dass die Natur Mittel und Zwecke nicht immer in Einklang zu bringen vermag, dass das, was sie zu erhalten wähnt, sich oft nur infolge von Vorsichtsmaßnahmen erhält, die sie just gegen ihre Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hat, und oft gar durch fremde Umstände, die sie keineswegs vorausgesehen hat? Aber sieht sie überhaupt voraus, sucht sie etwas zu erhalten?
Die NATUR, wird man sagen, ist ein Wort, mit dem wir das Unerkennbare belegen, und es ist wenig Grund vorhanden, ihr ein Ziel oder Vernunft zuzutrauen. Allerdings handelt es sich hier um die hermetisch verschlossenen Gefäße, die den Hausrat unserer Weltanschauung bilden.
Um nicht ewig die Aufschrift „Unbekannt“ darauf zu setzen, denn diese entmutigt und zwingt zum Schweigen, gebrachen wir, je nach Form und Größe, die Worte „Natur“, „Leben“, „Tod“, „Unendlichkeit“, “Auslese“, „Genius der Art“, u. v. a., wie die, welche vor uns lebten, die Namen „Gott“, „Vorsehung“, „Bestimmung“, „Lohn“ usw. darauf anbrachten.
Das ist alles, wenn man will, und weiter nichts.
Aber wenn der Inhalt auch verborgen bleibt, so haben wir doch, das eine gewonnen, dass die Aufschriften weniger bedrohlich geworden sind, und dass wir den Gefäßen näher treten, sie berühren und in heilsamer Wissbegierde das Ohr daran legen können. Aber welchen Namen man ihnen auch gibt, so viel steht fest, dass zum mindesten eines dieser Gefäße, das größte von ihnen, das auf seiner Rundung den Namen "Natur, trägt, eine sehr reale Kraft birgt, vielleicht die realste von allen, und jedenfalls weiß sie auf unserem Erdballe eine ungeheure und wunderbare Quantität und Qualität von Leben mit so sinnreichen Mitteln zu erhalten, dass man ohne Übertreibung sagen kann, sie übertrifft alles, was Menschengeist zu ersinnen imstande wäre. Und diese Qualität und Quantität sollten sich plötzlich durch andere Mittel erhalten?
Oder täuschen wir uns da, indem wir Vorsichtsmaßregeln zu erblicken wähnen, wo es sich vielleicht nur um einen vom Glück begünstigten Zufall handelt, der eine Million minder glücklicher Zufälle überlebt?



