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Wie bereite ich mich auf den Tod vor?

Je mehr ich zum Leben erwache, desto weniger spielt der Tod für mich eine Rolle. Seit ich dem Leben weniger aufzwinge, hat sich einiges recht angenehm entwickelt. Warum soll ich den Tod nicht auch ohne ihm ständig auf die Finger zu kucken, entgegensehen.

Ich erinner mich manchmal gern an meine Großeltern, an ihre kleinen Macken, an die schönen Stunden und an ihre Art zu reden und ihre Geschichten. Ich mag sie irgendwie...und ich werde zwar bekrittelt, so selten an ihr Grab zu gehen, aber ich empfinde es nicht als notwendig. Für mich ist es wichtiger, dem anderen zu Lebzeiten mal entgegen zu kommen oder mich verletzlich gemacht zu haben. Ebenso will ich mir kein Mausoleum bauen, sondern ein schönes Leben. Ich empfinde heute nichts, wenn ich jetzt an den Tod denke, komisch.

Nur ein Gedanke. Wenn du, lieber Claus, nun in der Situation bist, dass du nicht mehr den Spielraum und die Notwendigkeit siehst, dein ganzes Leben umzukrempeln, vielleicht überlegst du mal, ob es möglich wäre, dein Leben ab morgen mit etwas mehr Energie zu leben. Schwung. Das Pendel pendelt alleine zurück in den Ruhezustand, aber vielleicht kannst du es manchmal stärker anschubsen. Es wäre denkbar, dass du lieber erschöpft von dieser Welt gehst, als dass du still und dich schützend in einer dunklen Zimmerecke vor dich hin brummelst. Wenn der Körper merkt, jetzt geht es langsam nicht mehr, wird er dir wahrscheinlich zu Hilfe kommen und deinem Kopf die vielen versäumten Dinge leichter verzeihen. Vielleicht fällt dem Kopf der Abschied dann leichter.

Es ist die Frage, existiere ich noch 20 Jahre wie eine Leiche oder verpulvere ich meine Lebenskraft lieber in 15. Das ist vermutlich das einzige sinnvolle, was ich aus meiner postembryonalen Sichtweise hier einbringen kann. Goethe ist mir da wohl aber zu vor gekommen, der Rabauke.

Ob ein anderer Mensch wegen mir trauert, das weiß ich jetzt noch nicht. Das tut mir auch Leid, ich hoffe, dass ich in meiner Idealvorstellung von mir, als lustiger Opi mit kindlichem Charm und weißem Wuschelkopf, noch Gelegenheit haben werde, ihn oder sie darauf vorzubereiten.

Glaubt ihr, man sollte darauf achten, etwas sinnvolles oder etwas für andere oder etwas bleibendes gemacht zu haben? Ich bin im Moment eigentlich nicht der Meinung, dass ich dazu in der Lage wäre. Was ich kann, das tue ich heute und was mich belastet, werfe ich ab. Aber es ist ein Leben für mich, daran würde sich auch nichts ändern, wenn ich irgendwo den Helfer spielen würde.

...und ich behaupte, die Atheisten und religiösen Menschen reden von ein und dem selben. Es lohnt nicht, Natur und Gott oder Dich und Gott zu unterscheiden. Und sich hier gegenseitig auszuspielen oder „du wirst schon sehn was du davon hast“ auszutauschen. Ob es „danach“ weiter geht, weiß ich nicht, aber wenn ja, dann sicher nicht im gewöhnlichen Bewusstsein einer Welt, wie wir sie jetzt wahrnehmen. Und wenn „sie“ anders ist, dann bezweifle ich, dass ich mit meinen Vorbereitungen mehr als heute in einem Traum erreiche. Vielleicht gibt es noch einen Menschen, dem man noch ein bisschen liebevoll entgegenkommen kann. Vielleicht reicht das. :dontknow:

Viele Grüße
Bernd
 
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Angesichts der Tatsache, dass dieses Thema von einem vermeintlichen Atheisten eröffnet wurde, erstaunt es mich, dass ausgerechnet Atheisten sich über religiöse Ideen erregen und schon fast aggressiv reagieren. Nun, man sollte als Atheist eben auch in der Konsequenz begreifen, dass man auf diese elementaren Fragen des Lebens offensichtlich keine befriedigenden Antworten hat, jedenfalls keine, die einen selbst in die Lage versetzen, dieser letzten Stunde gelassen in die Augen zu sehen.

Wie du Claus den Glauben an die unsterbliche Seele mit deinem vermeintlichen Atheismus vereinbarst und mit deiner Huldigung an die Omnipotenz der Naturwissenschaften ist mir nicht einsichtig und würde eine ausführlichere Erklärung erbeten.

Aber, es geht ja auch nicht um Gott, sondern nur um die unterschiedlichen Wege, sich auf den Tod vorzubereiten. Warum du, Gysi, darauf so intensiv reagierst ist schon seltsam, da das Sterben doch eine persönliche Angelegenheit ist und mir dir in keinem Zusammenhang steht. Wie ein anderer Mensch das tut, solltest du ihm schon selbst überlassen und wenn es diesem Menschen hilft, dann ist eigentlich jegliche Kritik verfehlt. Oder liegt deine intensive Reaktion daran, dass du bei diesem Thema die innere Leere spürst?
 
@ miriam: Welch' wunderschöner Gedanke von Dir, die Liebe, die Du empfangen hast, noch hier auf Erden weiterzugeben. Gratuliere und danke !


@ Gysi
Eine bessere Bezeichnung für euch, die ihr euch "Gläubige" nennt, als "Religionsverhaftete" kenne icht nicht.
Du schließt permanent und konsequent von Dir auf andere. Mit welchem Recht ? Warum glaubst Du, weil Dir - traurig genug - in Deiner Kindheit eine Religion aufgezwungen wurde, dass dann alle, die eine Religion verteidigen, dies aus Zwang tun ? Ich kenne persönlich jemandem, der sich im Alter von 25 Jahren - noch einmal - taufen ließ, eben als Zeichen der absoluten Freiwilligkeit. Wenn Du mir die (ganz) gleiche Entwicklung wir Dir andichten willst, dann bist Du auf dem Holzweg, Gysi. Ich wurde zwar auch autoritär erzogen, aber eher nach dem trottelhaft-faschistoiden Kommunismus, der mit dem von Dir so bewunderten Karl Marx verwandt ist. Eine Parallele zwischen uns beiden besteht also maximal darin, dass wir uns beide von einem Fanatismus befreien mussten (oder gilt das für Dich in der Gegenwart auch noch, weil Du derart sensibel auf Religiöse reagierst) ?

Aber wenn dir mal ein besseres einfällt, nehme ich es gerne in mein Vokabular mit auf.
Eventuell in Deine Philosophie aufnehmen kannst Du (und wenn Du es beweisen kannst, nehme ich mich diesbezüglich auch gerne selbst bei der Nase), dass Menschen mit gesundem Selbstwertgefühl eben nur das glauben, was sie glauben wollen. Wenn ich mich selbst ständig für Gott halte, dazu noch monotheistisch bin, stören mich natürlich Menschen die an (einen anderen) Gott glauben !

Ich glaube nicht, dass einer, dem als Kind eine dieser Angstreligionen beigebracht wurde, als Erwachsener beurteilen kann, auch "freiwillig" bei diesem Bekenntnis zu bleiben.
Ja, traurig und bedauernswert, aber jetzt lebst Du ja in einem laizistischen Staat mit Religionsfreiheit oder kenne ich da die Bundesrepublik Deutschland zu wenig ? Und noch einmal, falls noch irgendwer etwas anderes glaubt: meine Eltern waren sehr wenig religiös, meine Mutter ist sogar im Alter aus der Kirche ausgetreten, wenn ich religiös bin, bin ich sozusagen neoreligiös und völlig freiwillig. (Aber ich erzähle Euch schon wieder doppelt so viel, als die meisten von Euch mir von sich zu erzählen überhaupt bereit sind).

Mein Text scheint dich empfindlich getroffen zu haben. Du solltest dir mal überlegen, warum er dich nicht in gelassener Heiterkeit belässt...
Du hast aber meinen Text auch nicht ignoriert, Du Überwissenschaftler !

Last, but not least, an den Themeneröffner claus: Du warst nach meinem Empfinden schon auf dem haarscharf richtigen Weg: Du hast schon erwähnt, dass Du Dich nach Deinem besten Wissen und Gewissen verhältst. Niemand, claus, und das Thema Sterben und Religion ist einmal subjektiv, kann mehr (Gutes und Richtiges) tun, als eben das nach seinem (persönlichen) Wissen und Gewissen. Auch nicht Bush, Putin, sonst ein Machthaber, auch nicht der Papst oder sonst ein echter oder unechter Guru. Es ist allein die Verantwortung derer, die Macht über uns haben - falls ihnen die Güte unseres Gewissens nicht genügt - uns ein "besseres" (Gewissen) zu vermitteln.

Du bist mir persönlich, Claus, schon zu wissenschaftlich, aber, wie Louiz schon erwähnte, auch ich glaube fest, dass Gott Dir die Türe noch nicht zugeschlagen hat. Also lebe Dein Leben - stehe auch (zumindest Dir selbst gegenüber) bei Bedarf auch zum Gefühl der Reue - ruhig, angst- und schmerzfrei bis zu einem natürlichen Tod zu Ende.

Liebe Grüße

Zeili
 
Zuletzt bearbeitet:
Zeilinger, bedanke mich für die klarstellenden Worte, die ich gerne so auch für mich in Anspruch nehme.
 
Mir fällt bei diesem Thema ein Martin Luther Kirchenlied ein.

Mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen ...

http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/renaissance/frueh/luther/lieder/mittenwirimlebensind.htm

Da es ein Kirchenlied, ein Lied für gläubige Christen, ist, gibt es den Trost auch noch gleich dazu.
Und: wir wissen alle nicht die Stunde....

Da ich - wie Gysi, Agnostikerin bin, kann ich die Trostmechanismen nicht in Anspruch nehmen, aber der von mir zitierte Grundgedanke hat sehr wohl einen Anteil an meiner Lebensführung.


Und ich glaube fest daran, dass das Bewusstsein der Endlichkeit mir hilft, so zu leben, dass ich ( fast) nichts bereue, was ich tue.
Das bedeutet vor allem eine gewisse Selbstkontrolle - eine Bedachsamkeit auf das, was mir wichtig erscheint ( z.B. meine Familie, meine Freunde, meine Ideale).

Und - das ist mir wichtig - ich bin stets bereit, zu einer Fröhlichkeit des Herzens zu kommen, damit ich nicht am Ende meines Lebens sagen muss: Wozu habe ich gelebt?

Marianne
 
Rhona schrieb:
Ich sehe Religion eher als etwas Richtungsweisendes an und nicht als etwas, das von mir blinden Gehorsam fordert und mich zu einem gut funktionierenden Mitglied des Systems macht.
Schön für dich - und viele andere - die Religionserziehung als angenehmen Part ihres Lebens empfunden zu haben. Das war bei mir anders. Und das liegt auch in der Lehre mit seinen Widersprüchlichkeiten begründet. Eine Religionslehre, nach der Gott die Nichtglauben(könnenden) mit heftigsten Nachteilen bestraft, ist nun mal eine Angstreligion! Dass auch heute noch 70 % - oder was weiß ich - der Europäer bekennende Christen sind, ist - nach meiner Blickweise - ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Gehirnwäsche funktioniert.
Und die Bibel, auf die sich das Christentum beruft, besteht nicht nur aus der Bergpredigt, da sind auch die antischwulen Paulusbriefe, die Vernichtungsprophezeiungen der Offenbarung, der Genozid der Sintflut, die schlimmen Kriegsberichterstattungen des AT usf. Dieser unerbittliche, Rache- und Kriegsgott wird von den Pastören den Kindern aber nicht so gerne gelehrt...
Die Kirche ist dialogbereiter denn je.
Ja, sie passt(e) sich der gesellschaftlichen Entwicklung zur Demokratie, freiheitlicheren Lebensweise und Säkularisierung an, sonst wäre sie in die vielleicht in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. Wir sollten aber festhalten, dass dise Lebensqualität des alternativen, freiheitlichen Denkens nicht von den Kirchen erstritten wurde, sondern gegen sie...



Gysi
 
Zuletzt bearbeitet:
Wie du Claus den Glauben an die unsterbliche Seele mit deinem vermeintlichen Atheismus vereinbarst und mit deiner Huldigung an die Omnipotenz der Naturwissenschaften ist mir nicht einsichtig und würde eine ausführlichere Erklärung erbeten.

Louiz, ich habe schon mehrfach einen link gesetzt zu einem posting in meiner Anfangszeit hier im Forum.
https://www.denkforum.at/forum/showthread.php?mode=hybrid&t=2400

erst letztens am 13.4. im thread „was kommt nach dem Tod“ (Nr . 15), wo du auch sehr aktiv mitdiskutiert hast.

dort (in dem gelinkten Beitrag) habe ich so ausführlich wie nötig und so kurz wie möglich meine Vorstellungen von der unsterblichen Seele erklärt.
Ich will das nicht alles wiederholen, aber wenn du konkrete Fragen hast, will ich gern dazu Erklärungen geben.

Gruß von Claus
 
Zitat:
vielleicht überlegst du mal, ob es möglich wäre, dein Leben ab morgen mit etwas mehr Energie zu leben. Schwung. Das Pendel pendelt alleine zurück in den Ruhezustand, aber vielleicht kannst du es manchmal stärker anschubsen. Es wäre denkbar, dass du lieber erschöpft von dieser Welt gehst, als dass du still und dich schützend in einer dunklen Zimmerecke vor dich hin brummelst.

hä,hä, lieber Bernd, du hast offenbar eine ganz falsche Vorstellung von mir.
ich brummele keineswegs in einer dunklen Zimmerecke vor mich hin.
Neben meiner Arbeit (zum Glück als Selbständiger zum größten Teil zu Hause am Computer) habe ich ein recht großes (4000 m2) Grundstück zu bewirtschaften.
Das Häuschen darauf habe ich vor 25 Jahren mit Blut und Schweiß erbaut. Ich werde es in diesem jahr grundlegend umbauen weil zu erwarten ist, daß ich es bald nur noch nutzen kann, wenn alles rollstuhlgerecht ist. Natürlich kann ich jetzt kaumnoch selbst hand anlegen, aber auch die Planung und Abwicklung erfordert viel Zeit und Energie.

Das mache ich alles (obwohl mir die vielen Medikamente das Denken beeinträchtigen), um nicht irgendwann in einem Heim zu landen, in dem ich dann brummelnd in der Ecke sitzen müßte.

Gruß von Claus
 
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Rhona schrieb:
PS: Ich bin mir der Holprigkeit meiner schriftl. Gedankengänge sehr bewusst, aber besser wusste ich sie nicht rüber zu bringen.

nein Rhona, du hast dich sehr verständlich ausgedrückt, und ich stimme dir zu.

ich nenne meinen „glauben“ an etwas, was noch nicht entdeckt ist, naturwissenschaftliche Spekulation.

Aber mit der Spekulation, die ein Gottgläubiger als seinen Glauben bezeichnet, kann ich mich nicht abfinden, denn er widerspricht den Naturgesetzen.

Und so etwas kann es nicht geben.

meint Claus
 
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