Wenn die "Guten" für dich scheinbar von selbstloser Liebe angetrieben sind ist das die eine Sache.
Wenn.... aber aus einem "Wenn ..., dann ...." wird kein "Es ist....".
Insofern weiß ich nicht, welche Relevanz dieser Ausflug hier hat.
Ich habe meine Zweifel ob Ethik wirklich so wichtig ist für das menschliche Handeln und du magst es für
ein Vorurteil halten, aber sehr hohe Entscheidungsträger sind nicht unbedingt die Menschen mit dem ausgeprägtesten
ethische Bedürfnissen.
Natürlich, aber sie tragen erstens Verantwortung, stehen zweitens in der Öffentlichkeit und haben drittens zumindest in einer Demokratie
das Vertrauen von denen, die sie in das Amt gebracht haben, erlangen müssen.
Manch einer würde sogar meinen das sie Ihre Position gar nicht bekommen hätten, wenn sie es wären.
Ja, vor Allem von solchen, die eine prinzipielle Abneigung gegen Autoritäten haben.
Aber klar, wer allen anderen selbstlos den Vortritt lässt, wird es wohl weniger in ein hohes Amt schaffen.
Jedoch: wie moralisch wäre es, wenn man -ob der Rechtschaffenheit seines Weges überzeugt- trotzdem andere
ans Steuer ließe in der Überzeugung, dass man es selbst besser machen würde ?
Daher, mit der Moral ist das so eine Sache. Je weniger man sie hinterfragt, desto klarer und widerspruchsfreier erscheint sie.
Beispiel: Wir sind heute schockiert wenn schon wieder ein Kind im Ukraine Krieg gestorben ist.
Zum Realitätscheck (für die es verkraften): alle 10 Sekunden lassen wir ein Kind unter 5 Jahre qualvoll an Hunger verrecken.
10 Sekunden
www.unicef.de
Also so genau nehmen wir es mit unserer wichtigen Ethik eher nicht.
Du zeigst hier einen Widerspruch zwischen Ideal und Realität auf. Das mache ich hier schon seit langem.
Ich könnte dir viele weiter aufzeigen, aber da wir hier sowieso einer Meinung zu sein scheinen, spare ich uns das.
Aber die andere Sache ist das du dir scheinbar nicht mal wirklich vorstellen kannst was böse sein kann, selbst bei Jenen die du als böse bezeichnest.
Also...
Ich spreche hier weniger von gut und böse, sondern von Verbrecher, Opfer und dem Opfer helfenden "Zeugen".
Aus deinen Zeilen aber lese ich moralische Verurteilung des Westens, der laut deinen Worten einen "Fehler" Russlands in unlauterer Weise
für sich nutzen möchte, was ja wohl als Bösartigkeit bezeichnet werden kann.
Bevor Russland einen Totalverlust im Ukraine Krieg erleiden würde, ist es wahrscheinlicher das es einen Sieg dadurch erzwingt indem es eine taktische Nuklearwaffe auf ukrainischen Boden einschlagen lässt.
Mag FÜR DICH wahrscheinlicher erscheinen. Aber auf welcher Basis fußt deine Einschätzung ?
"Keine Sorge" ...
1. würde das weit weg von NATO Grenzen passieren, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.
Es wird übrigens deswegen mit Sicherheit niemand auf Russland mit Atomwaffen zurückschießen.
2. wird das nicht passieren weil Russland auch ohne diesen Einsatz Minimalziele erreichen kann.
Ausdenken lässt sich vieles und prinzipiell möglich ist alles. Aber worauf willst du hinaus ?
2. ist für Russland deshalb wichtig weil man sich mit dem Einsatz von Nuklearwaffen noch unbeliebter machen würde als man schon ist.
Es gibt jetzt immer noch Länder die mit Russland Kontakt pflegen. Aber danach würden auch die weniger werden.
Es geht hier nicht um Beliebtheit, sondern um Bedrohungen. Wenn Russland taktische Atomwaffen einsetzt, dann erweist es sich als deutlich größere Bedrohung, und die internationale Reaktion würde dementsprechend stärker ausfallen. Der russische Wille, sich nicht der entsprechenden Reaktion aussetzen zu müssen ist einer der Hauptgründe, warum es eben nicht zu diesen Mitteln greift. Auch Russland ist nicht an einer unnötigen Eskalation interessiert. Putin wäre am liebsten gewesen, der Westen hätte sich so wie bei Georgien und Tschetschenien maximal durch Wortspenden und Protestnoten beteiligt.
Wobei: Es ist kein Brandmal auf Lebenszeit. Die USA hat zwei Atomwaffen auf japanische Städte abgeworfen (nuklearer Erstschlag auf ein Land ohne Atomwaffen) und hat heute viele Freunde.
Die USA ist sogar heute mit Japan befreundet.
Natürlich, und auch Deutschland wurde mitunter von den USA "zerbombt" und unterhält schon so ziemlich seit der Besetzung freundschaftliche Beziehungen. Aber, erstens waren es Japan und Deutschland, die den Krieg damals begonnen haben und zweitens hatten die USA zu keiner Zeit die Absicht, sich Japan oder Deutschland einzuverleiben.
Außerdem wird die NATO der Ukraine nicht die nötigen Waffen liefern um Russland einen Totalverlust zufügen zu können.
Die NATO könnte das zwar, wird sie aber nicht machen.
Wie gesagt, die NATO will einerseits der Ukraine helfen und Russland (und auch anderen potenziellen Imperialisten) zeigen, dass Überfälle dieser Art sich nicht lohnen, andererseits aber nicht Russland vernichten - sondern vielmehr zur Einsicht bringen.
Denn eine lediglich militärische Niederlage Russlands würde zwar den aktuellen Krieg selbst "positiv" beenden, aber zu politischer Instabilität führen. Und, das ist ja das, was kantig und seinesgleichen nicht und nicht begreifen wollen: Frieden ist mehr als die bloße Abwesenheit militärischer Kampfhandlungen.