• Willkommen im denk-Forum für Politik, Philosophie und Kunst!
    Hier findest Du alles zum aktuellen Politikgeschehen, Diskussionen über philosophische Fragen und Kunst
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

Das Leiden mit buddhistischer Philosophie gesehen

Werbung:
Wenn der Obdachlose partout nicht von seinem Irrweg ablassen will, ereilt ihn dann eben irgendwann die Gerechtigkeit des Lebens. Kein schöner Anblick...

Na ja, ganz so hätt ich's nicht formuliert. Aber es soll auch Obdachlose geben, die Fehler in ihrem Leben gemacht haben.

Vermutlich sind die meisten aber bloß ein Opfer des Schicksals, wie die restliche Menschheit... :ironie:
 
AW: Das Leiden mit buddhistischer Philosophie gesehen

Glaubst du auch nicht, dass Schmerz ein Schutzmechanismus ist?

Ok, das wollte ich schon viel früher ansprechen!
Wenn wir so ins Detail gehen wollen, so sollten wir Leid auch eindeutig definieren,
denn für mich ist Schmerz ganz klar eine andere Empfindung als Leid.
Du verstehst Leid wohl als jede Art Verminderung der Qualität auf einer abstrakten Gefühlsachse.

Leid als Nichterfüllung, nicht-gerecht werden der eigenen Wünsche, Ansprüche und Vorstellungen. Ja, das könnts sein. Nur Versagen bedeutet leiden!
Die Differenz zwischen der Vorstellung was mir zu Gute hätte kommen können, und das tatsächlich Gefühlte/Erhaltene, ist der Betrag Leid welchen wir erleiden.
Somit setzt Leid eine Erwartung vorraus. Erst bei Nichterfüllung dieser müssen wir leiden.
Du leidest also nur dann wenn du auf die heisse Herdplatte greifst, wenn du davon ausgehst das dir nichts passieren würde.
Würdest dagegen dann hingreifen, wenn dir die Konsequenzen bewusst sind, so würdest du danach nicht leiden, sondern dich Ärgern, oder eben irgendwie anders empfinden, aber nicht leiden.
Deshalb werden akute Schmerzen nicht als Leid interpretiert.
Der Körper ist darauf eingestellt sie zu fühlen ohne dabei einen "normal" Zustand zu erwarten, bzw. sind die Schmerzen für den kurzen Augenblick der Normalzustand.
Chronische Schmerzen dagegen verursachen Leid, denn irgendwann werden dem Menschen die Schmerzen zu einschränkend, und das nicht eintretten der ersehnten Gesundheit verursacht erst das Leidgefühl.

Es ist nicht der Käfig, es ist der Wunsch auf Freiheit der mich leiden lässt.
Es sind nicht die Schmerzen an die wir leiden, es ist der Wunsch nach Schmerzfreiheit.
Leid als Triebkraft? ? ?
 
Zuletzt bearbeitet:
Insomnia, da muss ich doch vehement widersprechen.
Unter Leid versteht man in der deutschen Sprache viel mehr!

Dazu sei der Brockhaus zitiert, so wie's auch auf Wiki steht:

Leid ist eine Grunderfahrung und bezeichnet als Sammelbegriff alles, was körperlich und seelisch belastet. Unter anderem werden die Nichterfüllung von Bedürfnissen, Hoffnungen und Erwartungen, der Verlust von nahestehenden Individuen, die Trennung von sozialen Gruppen, äußere Zwänge und Begrenztheiten, Alter, Krankheit, Tod und Schmerzen als Leid empfunden.
 
AW: Das Leiden mit buddhistischer Philosophie gesehen

Ich würde Leiden so Definieren:

Leiden entsteht wenn die Situation in der wir uns befinden unserem Willen nicht entspricht.

Hat wahrscheinlich was mit kontrollverlust zu tun.
Man könnte dazu vielleicht auch noch sagen das sich beim Leiden unser Ego gekränkt fühlt weil es nicht das bekommt was es will sondern das nehmen muß was da ist.
Ein Ausweg aus dem Leiden könnte sein die Situation zu akzeptieren wenn man sie nicht ändern kann, oder die Situation zum besseren zu verändern.
 
AW: Das Leiden mit buddhistischer Philosophie gesehen

Die Wahrheit vom Leiden (Duhkha)
Loslassen von allem, was Leiden schaft

Leiden ist ein zentraler Begriff buddhistischer Existenzerfahrung. Leiden ist
jene Konstante, die allem Dasein zugrunde liegt; es entsteht dadurch, dass
wir uns an eine Welt binden, in der nichts von Bestand ist und bewahrt
werden kann. Die Überwindung des Leidens lässt sich demnach nur in der
Überwindung welthafter Existenz erreichen.


Am besten, man stirbt, dann löst sich die Bindung an die Welt automatisch! :ironie:
Nee, mal ganz dumm frag, woran bindet man sich denn? An die Welt oder nicht doch an Menschen, Orte, Gewohnheiten? Und muss das immer zu Leid führen? Es kann ja auch Freude machen.



Der Begriff »Leiden« wird im Buddhismus viel weiter gefasst als in der
christlich-abendländischen Denktradition. Leiden ist mehr als nur Schmerz,
Traurigkeit, Drangsal, Angsterfahrungen, Isolation, Todesgewissheit usw..
Leiden ist ein Teil unseres selbst geschaffenen Wesens; es ist ein Ausdruck
für die Gebundenheit an Ursache und Wirkung, an all das, was den Menschen
an die Bedingungen dieser Welt fesselt, was ihn seinen Wünschen,
Sehnsüchten und Leidenschaften ausliefert (Leidenschaft ist das, was
Leiden schafft!).


Also die Unfähigkeit, für das dankbar zu sein, was man bekommt, bzw. sich um die Erfüllung seiner Wünsche zu bemühen.


Leiden ist das grundlegende Charakteristikum einer jeden Existenz, denn in
allem, was entsteht und sich vollzieht, ist das Ende immer schon
mitangelegt. Unbeständigkeit, Vergänglichkeit, Wesenlosigkeit sind somit die
Merkmale, die allem Dasein anhaften und mit dem Begriff »Leiden«
gekennzeichnet werden.

Kann das jemand ein Stück weit nachvollziehen oder ansatzweise
akzeptieren?

gruß fluuu



Klar hört alles wieder auf. Aber, wenn man mitfließen kann, führt es nicht zu Leid. Es gibt so viele Möglichkeiten, man kann die Existenz in einem Leben gar nicht ausschöpfen. Und ansonsten, wenn man nicht loslassen kann, dann muss man halt durch einen Trauerprozess gehen. Ich bin mir nicht sicher, ob Buddha zu trauern gelernt hatte! :confused:


LG

EarlyBird
 
AW: Das Leiden mit buddhistischer Philosophie gesehen

Ich würde Leiden so Definieren:

Leiden entsteht wenn die Situation in der wir uns befinden unserem Willen nicht entspricht.

Hat wahrscheinlich was mit kontrollverlust zu tun.
Man könnte dazu vielleicht auch noch sagen das sich beim Leiden unser Ego gekränkt fühlt weil es nicht das bekommt was es will sondern das nehmen muß was da ist.
Ein Ausweg aus dem Leiden könnte sein die Situation zu akzeptieren wenn man sie nicht ändern kann, oder die Situation zum besseren zu verändern.

das wäre eine interessante Strategie, um z.B. mit dem angeblich noch lebenden und unauffindbaren Bin Laden umzugehen. Anstatt die ganze Welt zu terrorisieren, könnten die Amerikaner und europäischen Mächte dazu übergehen, die Situation einfach zu akzeptieren...

Der Rote Baron
 
AW: Das Leiden mit buddhistischer Philosophie gesehen

hattte es zuerst im anderen thread sollte aber hier rein - ist zwar nicht rein budhisdisch aber doch stark buddhistisch inspiriert... (nicht umsonst bezeichnete sich schopenhauer auch ersten eurppäischen buddhisten )(aber dafür für uns abemdländer eine ecke veraständlicher)

So erzeugt alles Streben notwendigerweise Leiden. Die Kräfte der Natur widerstreiten einander, Lebewesen kämpfen miteinander, das eine wird des anders Beute, der Lebensdrang wird zur Lebensgier, die andere vernichtet um sich selbst auszubreiten, um selber zu herrschen. Schopenhauer beschreibt die Menschen als Galeerensklaven des Willens, der durch uns hindurchgeht. Wir sind festgeschmiedet an den blinden Drang zur Selbstbehauptung und die Kette verbindet uns zugleich mit dem Mitmenschen. Jede Bewegung, die einer vollführt, fügt dem anderen Schmerzen zu. Der Wille strebt immer nach gewissen Zielen. Das erreichen dieser Ziele (löschen des Willensdurstes) löst Befriedigung, Wohlsein und Glück aus. Durch Hindernisse wird das Streben unterbrochen und das führt zu Leiden. Mangel an diesen Gefühlen ist also Leiden. Hier kommt nun auch das pessimistische Weltbild Schopenhauers zum Vorschein. Glück und Freude sind vergänglich und werden bald von neuem Leid verdrängt. Arthur Schopenhauer nimmt Schmerz und Leid so ernst, dass ihm jede Freude, jedes Glück das durch das geringste nachfolgende Leid bedrohlich ist, unvollkommen erscheint. Nachfolgende Freude kann also nie vorangegangenes Leid vollkommen aufwiegen. Für ihn kommt Gott als Schöpfer nicht in Frage: „Wenn Gott diese Welt erschaffen hat, so möchte ich nicht der Gott sein: ihr Jammer würde mir das Herz zerreißen“. Er ist der Ansicht, dass die Menschen lernen müßten ohne Weltvertrauen zu leben, da sie alleine sind und es keinen übergreifenden Sinn gibt. =>Nihilismus

Er blickt nun ruhig und lächelnd zurück auf die Gaukelbilder dieser Welt, die einst auch sein Gemüt zu bewegen und zu peinigen vermochten, die aber jetzt so gleichgültig vor ihm stehen wie die Schachfiguren nach geendigtem Spiel oder wie am Morgen die abgeworfenen Maskenkleider, deren Gestalt uns in der Faschingsnacht neckten und beunruhigten. Das Leben und seine Gestalten schweben noch vor ihm wie eine flüchtige Erscheinung, wie dem Halberwachten ein leichter Morgentraum, durch den schon die Wirklichkeit durchschimmert, und der nicht täuschen kann.

Dieser Mangel an Weltvertrauen drückt Schopenhauers Weltbild ziemlich gut aus, denn eben dieser Mangel erlaubt ihm nicht das Leben als Wärme zu empfinden. Schopenhauer glaubt, dass die Welt ein permanentes Weltgericht ist auf das wir entgegen dem Bibelwort nicht erst warten müssen.(jeder kriegt, was er verdient).
http://www.referate10.com/referate/Philosophie/1/Arthur-Schopenhauer-reon.php
 
AW: Das Leiden mit buddhistischer Philosophie gesehen

[ ]
Am besten, man stirbt, dann löst sich die Bindung an die Welt automatisch! :ironie:
Nee, mal ganz dumm frag, woran bindet man sich denn? An die Welt oder nicht doch an Menschen, Orte, Gewohnheiten? Und muss das immer zu Leid führen? Es kann ja auch Freude machen.

es ist hier nicht gemeint eine situation oder sache nicht zu nutzen - nur in der erwartungshaltung es an sich auf dauer binden zu können ist bereits implizit der verlust dessen enthalten - und damit das leid darüber wenn es anders kommt.





Also die Unfähigkeit, für das dankbar zu sein, was man bekommt, bzw. sich um die Erfüllung seiner Wünsche zu bemühen.

nein - gerade du solltest wissen das wir nur gäste hier auf dieser welt sind - sicher ist es auch angemessen über diese "leihgabe" dankbar zu sein und sich ehrlich darüber zu feuen - doch es ist und bleibt eine leihgabe



Klar hört alles wieder auf. Aber, wenn man mitfließen kann, führt es nicht zu Leid. Es gibt so viele Möglichkeiten, man kann die Existenz in einem Leben gar nicht ausschöpfen. Und ansonsten, wenn man nicht loslassen kann, dann muss man halt durch einen Trauerprozess gehen. Ich bin mir nicht sicher, ob Buddha zu trauern gelernt hatte! :confused:
der überlieferung nach ist siddharta aufgrund seiner tiefen trauer über das "schockhaft" erfahrene leid in dieser welt motiviert worden seine normales leben als prinz aufzugeben und eine lösung dafür zu finden die schrecken des leides aus der welt zu schaffen ..... er fand diese in seiner erleuchtung die wahre natur des leides zu erkennen .. nämlich die verhaftung an den dingen ..
nicht die dinge sind die ursache sondern unser haften daran.... erst wenn wir dies nicht mehr tun und unser streben danach sich im "nirwana" aufgelöst hat sind wir vom leid befreit - aber - wie schopenhauer schrieb leider nur für kurze zeit weil sich gleich darauf wieder das nächste ziel anbietet wo wir uns festhalten wollen...
 
Werbung:
AW: Das Leiden mit buddhistischer Philosophie gesehen

[ ]

es ist hier nicht gemeint eine situation oder sache nicht zu nutzen - nur in der erwartungshaltung es an sich auf dauer binden zu können ist bereits implizit der verlust dessen enthalten - und damit das leid darüber wenn es anders kommt.


Seh ich im Prinzip genauso, festhalten kann man nichts. Für mich entsteht das Leid aber daraus, wenn z.B. ein Verdurstender eine Quelle sieht, sie aber nicht erreichen kann. Wären wir bereits unseren Kindern von Geburt an Quellen, aus denen sie sich frei bedienen können, wenn sie durstig sind und würden wir ihnen zeigen, dass es außer uns noch unendlich viele andere Quellen gibt, würde dieses Leid erst gar nicht entstehen. Der frühkindliche Mangel wird aber im Organismus gespeichert und muss durchlitten werden, damit wir überhaupt wieder erreichen KÖNNEN!


nein - gerade du solltest wissen das wir nur gäste hier auf dieser welt sind - sicher ist es auch angemessen über diese "leihgabe" dankbar zu sein und sich ehrlich darüber zu feuen - doch es ist und bleibt eine leihgabe


Sicher! Aber, wie ich schon sagte, das Leid entsteht in der Kindheit und grade die, die uns mit Liebe begegnen, lösen den alten Schmerz in uns aus. Geht nun jemand zu früh, dann wird der Schmerz natürlich erstmal richtig bewusst und wenn man tausendmal weiß, dass es in Wirklichkeit keine Trennung gibt. Ich hab das erfahren, als meine Mutter starb - sie erschien mir gleich in der Nacht nach ihrem Tod und vermittelte mir ein ungeheures Gefühl von Trost, wie ich es in meinem ganzen Leben noch nie erfahren hatte. Aber trotzdem musste ich durch den ganzen Prozess des zu früh Loslassen müssen und den Schmerz darüber fühlen durch.


der überlieferung nach ist siddharta aufgrund seiner tiefen trauer über das "schockhaft" erfahrene leid in dieser welt motiviert worden seine normales leben als prinz aufzugeben und eine lösung dafür zu finden die schrecken des leides aus der welt zu schaffen ..... er fand diese in seiner erleuchtung die wahre natur des leides zu erkennen .. nämlich die verhaftung an den dingen ..
nicht die dinge sind die ursache sondern unser haften daran.... erst wenn wir dies nicht mehr tun und unser streben danach sich im "nirwana" aufgelöst hat sind wir vom leid befreit - aber - wie schopenhauer schrieb leider nur für kurze zeit weil sich gleich darauf wieder das nächste ziel anbietet wo wir uns festhalten wollen...



Schock ist aber das Gegenteil von Trauer! Beim Schock werden alle Emotionen schlagartig "eingefroren" und durch den Trauerprozess kommen sie wieder ins Fließen. Ich bezweifle stark, dass Siddharta das wusste, es ist ja eine Erkenntnis der neueren Zeit. Buddha hätte ja auch sicher gelehrt, dass man sich der Trauer und allen ihren Begleitemotionen stellen muss, wenn er es gewusst hätte!
 
Zurück
Oben