Altruismus ?!
Ich sehe das ähnlich wie Robin. Die Forderung, einen anderen mehr zu lieben als sich selbst, ist eine ethisch- moralische. Sie ist aber meiner Ansicht nach falsch, wenn ich mal von dem rein auf Erhaltung der Art ausgerichteten Verhalten, das Walter beschreibt, absehe.
Alle Ethiken sind in irgendeiner Weise an Wunschvorstellungen gebunden: seien es kollektive- ich denke da an den Sittenkodex schriftloser Kulturen-, seien es Forderungen von Philosophen – ich denke da vor allem an die Stoa- , seien es die Forderungen von Religionsstiftern. Sie dienen der Versittlichung der Gemeinschaft.
Nicht umsonst ist das Liebesgebot in unserem Kulturkreis ( auch im Islam) weit verbreitet. Aber es lautet: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.
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Ersten Ringes
(Judentum)
Zweiten Ringes
(Christentum)
Dritten Ringes
(Islam)
Rabbi Hillel sprach: "Was dir verhasst ist, das tu auch deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora, alles andere ist ihre Auslegung. Geh hin und lerne!“ (Talmud, Schabbat 31a)
Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg' auch keinem andern zu. (Tobias 4.16 [apokryph])
Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, auf dass du nicht seinethalben Schuld tragen müssest. Du sollst nicht rachgierig sein noch Zorn halten gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; denn ich bin der Herr. (3. Buch Mose 19.17-18)
Hält sich ein Fremder in eurem Land auf, sollt ihr ihn nicht bedrängen. Er soll wie ein Einheimischer aus eurer eigenen Mitte gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst. (3. Buch Mose 19.33-34)
Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch; das ist das Gesetz und die Propheten. (Matthäus 7.12)
Es kam einer zu Jesus und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erlangen? Er antwortete: Was fragst du mich Ober das Gute? Nur einer ist der Gute. Willst du jedoch ins Leben eingehen, dann halte die Gebote. Welche? fragte er. Jesus antwortete: Diese: Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, kein falsches Zeugnis ablegen, ehre deinen Vater und deine Mutter, du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Matthäus 19.16-19)
Die Pharisäer hörten, dass er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte. Sie gingen zu ihm, und einer von ihnen, ein Gesetzeskundiger, versuchte ihn mit der Frage: Welches ist das Hauptgebot im Gesetz? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das Hauptgebot, das oberste. Doch ist ihm ein zweites gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Auf diesen beiden Geboten stehen das ganze Gesetz und die Propheten. (Matthäus 22.34-40)
Anas berichtete, dass der Heilige Prophet sagte: "Niemand von euch ist ein wahrer Gläubiger, solange er nicht das für andere wünscht, was er für sich selbst wünscht." (Aus der Sunna)
Und schon diese Forderung zu erfüllen, scheint mir fast unmöglich.
Was ist denn Selbstliebe?
Doch wohl nichts anderes, als sich als Teil eines ganzen zu sehen, zu erkennen, dass ethisches Tun immer auf sich selbst
und auf andere gerichtet sein sollte: kurz: sich zu objektivieren.
Ich glaube aber nicht, dass man das überhaupt kann.
Mit Diktatur im politischen Sinne, lieber Zeilinger, hat die ganze Fragestellung wohl eher nichts zu tun, sondern sehr viel mit Selbsterziehung.
Marianne