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Altruismus

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Gisbert Zalich schrieb:
Aber es gibt auch die Opferbereitschaft für den Anderen, der nicht gegen die Natur gesteuert ist, sondern als ein Schutzaffekt für unsere Kinder (den Schutzbefohlenen und denen, die wir lieben) in unseren Genen eingebaut ist: Siehe Beispiele von Walter und mir in den letzten Posts.

Gysi

Aber man könnte dies spitzfindig auch als biologisch programmierten Egoismus definieren - schließlich will die Nachkommenschaft erhalten sein. Natürlich ist das sozusagen selbstlos; aber ist dein Kind nicht ein TEIL VON DIR?
Ich bleibe dabei: IN diesem Zusammenhang finde ich diese Begriffe sehr schwierig.

Zu Jesus Christus: Ich glaube nicht, dass wir uns darüber ein Bild machen können, die Berichte über ihn sind so von Mythen überlagert; angeblich hatte er ja einen Bruder, war auch der Fleischeslust nicht fremd und würde heute als ganz normaler Guru durchgehen - vielleicht sogar mit dickem Bankkonto :dontknow:
 
Hallo Robin,
ich gestehe dir sofort zu, dass das Beispiel mit dem brennenden Haus ungeeignet ist. In solchen Momenten wird nicht reflektiert entschieden (deswegen hatte ich auf die möglichen inneren Hindernisse hingewiesen)...

Die Frage war: Gibt es „Altruismus“?
Die Begriffe Egoismus/Altruismus sind tatsächlich sehr vieldeutig. Man muss also immer genau bestimmen, was man meint. Für mich meint die Frage:
Haben wir die Fähigkeit, in einer konkreten Situation wirklich zum Wohle eines Anderen und NICHT aus Eigennutz (Kant spricht von „Selbstliebe“) zu handeln? Können wir in relevanten Entscheidungssituationen von uns selbst und unseren natürlichen Bedürfnissen absehen?

Es scheint mir müßig, das „allgemein“ zu diskutieren. Die Frage kann letztlich, finde ich, nur jeder für SICH selbst beantworten.

Deswegen lässt sich auch nicht von außen (bei anderen) beurteilen, ob etwas „selbstlos“ geschieht oder nicht: Bei der Pflege eines Angehörigen weiß nur der Pflegende selbst, welches Gefühl er hat!

Deine Auffassung „Entscheidungen sind nur gut, wenn sie für einen selbst gut sind“... muss man nicht teilen...

Gruß
Mia
 
Ich danke einmal allen

für die rege Beteiligung an dem von mir initierten Thema.

Mein - bisheriges - Resumée:

Jeder Mensch - vielleicht Jesus Christus ausgenommen - unterliegt einer Entwicklung:

Als Kind liebt man sich und seine Eltern, allerdings ohne sich dessen bewusst zu sein.
In der Pubertät (möchte ich hier auch auf geistige und seelische Pubertät ausweiten) liebt man dann sich selbst und später - so einem nicht alles Teufel des Universums begegnen -
sich selbst UND andere Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge und/oder Vorstellungen.​

Man liebt andere Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge und/oder Vorstellungen NIE mehr als sich selbst.

Lieben hat immer mit Geben zu tun, Begierde immer mit nehmen. In einer guten zwischenmenschlichen Beziehung können Liebe und Begierde verschmelzen.
 
Definitionen....

sind solange wahr und gültig, bis ein Fall auftritt der Ihnen widerspricht.
So reicht bereits ein Gegenargument aus und die Unwahrheit einer
Definition zu zeigen

Theorie war:

Der Altruismus ist immer nur eine Forderung von Despoten, nie eine eigene Kraft; kein Mensch liebt einen anderen mehr als sich selbst.

Das Wort "immer" definiert zusätzlich keine möglichen Varianten.

Gegenargument:

- Mutter/Sohn-Beziehung

- Jesus

- Jean-Darc

- Giordana Bruno

und...und...und

Nein, die Selbstaufopferung ist nicht nur dem Menschen sondern
auch den Tieren zu eigen und als logische Konsequenz des Strebens
einer Gattung zum Überleben hin notwendig.

Die Wanderameisen in Südamerika zum Beispiel bauen Brücken über
Bäche aus ihren eigenen Leibern. Sie verhaken sich an ihren Füssen
und opfern sich für den Stamm auf der Suche nach neuen Weide-
gründen.

Ich glaube, damit ist diese Theorie als unwahr beschrieben.
Das Wort "IMMER" taugt schon gar nicht in einem Kosmos in dem
IMMER die Veränderung regiert. Vorsicht mit diesem Wort!
 
Apropo...

...Jesus Christus, der sicht nicht verändert.

Also ich habe ihn auch nur knapp verpasst, damals in Bethlehem aber
die Menschen die ihn kannten und die Menschen die diese Menschen
kannten LOL berichteten mir durch ihre Schriften das Jesus gar nicht
so erfreut von seinem zukünftigen Schicksal gewesen sein soll.

Aber er hatte den Glauben. Eine Werkzeug zur Manipulation des......

VERSTANDES!!!

Und wie bei allen Werkzeugen kann es progressiv oder destruktiv
eingesetzt werden. Ich verzichte hier bewußt auf GUT und BÖSE.

Der Glaube kommt gut ohne Verstand aus.

Der Verstand aber nicht ohne Glaube!!!

DENN: All das was der Verstand benutzt, sind Abbilder der Wirklichkeit
an deren Realität wir glauben.

Widerspricht mir hier einer?
 
Altruismus ?!

Ich sehe das ähnlich wie Robin. Die Forderung, einen anderen mehr zu lieben als sich selbst, ist eine ethisch- moralische. Sie ist aber meiner Ansicht nach falsch, wenn ich mal von dem rein auf Erhaltung der Art ausgerichteten Verhalten, das Walter beschreibt, absehe.
Alle Ethiken sind in irgendeiner Weise an Wunschvorstellungen gebunden: seien es kollektive- ich denke da an den Sittenkodex schriftloser Kulturen-, seien es Forderungen von Philosophen – ich denke da vor allem an die Stoa- , seien es die Forderungen von Religionsstiftern. Sie dienen der Versittlichung der Gemeinschaft.

Nicht umsonst ist das Liebesgebot in unserem Kulturkreis ( auch im Islam) weit verbreitet. Aber es lautet: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.
HTTP://WWW.INFO-SERVO.DE/3RINGE.HTM


Ersten Ringes
(Judentum)
Zweiten Ringes
(Christentum)
Dritten Ringes
(Islam)


Rabbi Hillel sprach: "Was dir verhasst ist, das tu auch deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora, alles andere ist ihre Auslegung. Geh hin und lerne!“ (Talmud, Schabbat 31a)

Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg' auch keinem andern zu. (Tobias 4.16 [apokryph])

Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, auf dass du nicht seinethalben Schuld tragen müssest. Du sollst nicht rachgierig sein noch Zorn halten gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; denn ich bin der Herr. (3. Buch Mose 19.17-18)

Hält sich ein Fremder in eurem Land auf, sollt ihr ihn nicht bedrängen. Er soll wie ein Einheimischer aus eurer eigenen Mitte gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst. (3. Buch Mose 19.33-34)



Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch; das ist das Gesetz und die Propheten. (Matthäus 7.12)

Es kam einer zu Jesus und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erlangen? Er antwortete: Was fragst du mich Ober das Gute? Nur einer ist der Gute. Willst du jedoch ins Leben eingehen, dann halte die Gebote. Welche? fragte er. Jesus antwortete: Diese: Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, kein falsches Zeugnis ablegen, ehre deinen Vater und deine Mutter, du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Matthäus 19.16-19)

Die Pharisäer hörten, dass er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte. Sie gingen zu ihm, und einer von ihnen, ein Gesetzeskundiger, versuchte ihn mit der Frage: Welches ist das Hauptgebot im Gesetz? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das Hauptgebot, das oberste. Doch ist ihm ein zweites gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Auf diesen beiden Geboten stehen das ganze Gesetz und die Propheten. (Matthäus 22.34-40)




Anas berichtete, dass der Heilige Prophet sagte: "Niemand von euch ist ein wahrer Gläubiger, solange er nicht das für andere wünscht, was er für sich selbst wünscht." (Aus der Sunna)



Und schon diese Forderung zu erfüllen, scheint mir fast unmöglich.
Was ist denn Selbstliebe?
Doch wohl nichts anderes, als sich als Teil eines ganzen zu sehen, zu erkennen, dass ethisches Tun immer auf sich selbst und auf andere gerichtet sein sollte: kurz: sich zu objektivieren.
Ich glaube aber nicht, dass man das überhaupt kann.


Mit Diktatur im politischen Sinne, lieber Zeilinger, hat die ganze Fragestellung wohl eher nichts zu tun, sondern sehr viel mit Selbsterziehung.
Marianne
 
>Gysi:

Ich schrieb: Altruismus ist immer nur eine Forderung von Despoten.

Du hast geantwortet:
Die Verlangen nicht deine Liebe, die verlangen strikten Gehorsam von dir - das ist was anderes! Doubleju hätte vielleicht auch gerne so viel Macht, wie die genannten Despoten, hat er aber nun doch nicht...

Wenn Despoten einem Bürger befehlen, für ihn in den Krieg zu ziehen, dann erwarten (verlangen) sie ja logischerweise auch, dass dieser Bürger für sein Vaterland (resp. für den Despoten) sein Leben riskiert. Das heißt für mich wiederum, der Despot erwartet, dass - der nunmehrige Soldat - den Despoten mehr liebt als sein eigenes Leben.

Wenn ein Vater oder eine Mutter sein (ihr) Kind rettet, retten sie damit ja auch einen Teil ihres eigenen Lebens.

Übrigens: Ich bin schon einmal ins (kalte) Wasser gesprungen, um meinen Hund zu retten.
 
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>eve13

Dein Zitat
Aber er hatte den Glauben. Eine Werkzeug zur Manipulation des......

VERSTANDES!!!

Und wie bei allen Werkzeugen kann es progressiv oder destruktiv
eingesetzt werden. Ich verzichte hier bewußt auf GUT und BÖSE.
Das Gegenteil von destruktiv ist konstruktiv.

Der Glaube kommt gut ohne Verstand aus.

Der Verstand aber nicht ohne Glaube!!!
Bin ich bei Dir.
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Für Frieden in Freiheit und Wohlstand,
durch Liebe, Arbeit und Toleranz.
 
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