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Warum wird Karl Marx heute von einigen immer noch verehrt?

Ich will damit nicht sagen, dass ich das bei jedem schaffe, aber es gibt bestimmt genug sozialisierte Menschen auf der Welt, unter diesen einer dabei ist, der das auch bei den schwierigen „Fällen“ schafft… so gesehen braucht es tatsächlich ein „dynamisches Gleichgewicht“.
Ja, das ist im Fluss. Ich sehe bei uns seit Jahrzehnten starke regressive Tendenzen, weltweit gibt es Fortschritte, aber ich kann nicht sagen, in welche Richtung sich das entwickelt.
 
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... obwohl seine Ideologie so viel Leid über die Menschheit gebracht hat?

Das Hauptargument seiner Verteidiger ist, dass kommunistische Diktatoren den Marxismus missinterpretiert haben, was ich aber nur für eine sehr billige Ausrede halte. Faktisch haben sie Marx verstanden und so gut wie möglich versucht, seine Ideen umzusetzen.


Ich glaube, dass oft missverstanden wird, worin Karl Marx entscheidender wissenschaftlicher Beitrag eigentlich bestand. Karl Marx Hauptwerk "Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie." ist eine Analyse des Kapitalismus durch eine Kritik der im 19. Jahrhundert vorherrschenden Volkswirtschaftslehre (politischen Ökonomie). Nicht mehr und nicht weniger. Er selbst hat nie irgendeine alternative kommunistische oder sozialistische Gesellschaftsordnung basierend auf irgendeiner Ideologie entworfen.

Einfach gesagt hat er versucht zu zeigen, wie bestimmte Probleme (Zwang zur endlosen Profitmaximierung, Ausbeutung von Mensch und Natur) in unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung unabhängig vom guten oder bösen Willen der Kapitalisten zwangsläufig aus der Systemlogik heraus entstehen müssen, und was konkret nicht mehr getan werden darf, damit diese Probleme aufhören können. Das, was seinen Standpunkt so radikal macht, ist die Herleitung dieser Probleme aus der Warenproduktion bzw. der Organisation gesamtgesellschaftlicher Arbeitsteilung durch den Tausch privat produzierter Waren zu gleichen Werten vermittelt durch das Geld. Das hat dann zur Folge, dass auf einmal solche Sachen wie Planwirtschaften sinnvoll erscheinen, wobei das theoretisch nicht die einzige Alternative ist. Den Menschen ist bisher eben noch keine Alternative eingefallen, die die mächtigste Fähigkeit der Marktwirtschaft besitzt: die Selbstorganisation.
 
@smarti

Ich finde die Darstellung auch gut.
Wie zwingend oder nicht sich aus der Analyse gesellschaftliche Veränderungen ergeben, hängt davon ab, ob man den Kapitalismus eher isoliert als Teilsystem der Gesellschaft betrachtet oder als eines, das jeden Bereich der Gesellschaft durchdringt.
 
Ich glaube, dass oft missverstanden wird, worin Karl Marx entscheidender wissenschaftlicher Beitrag eigentlich bestand. Karl Marx Hauptwerk "Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie." ist eine Analyse des Kapitalismus durch eine Kritik der im 19. Jahrhundert vorherrschenden Volkswirtschaftslehre (politischen Ökonomie). Nicht mehr und nicht weniger. Er selbst hat nie irgendeine alternative kommunistische oder sozialistische Gesellschaftsordnung basierend auf irgendeiner Ideologie entworfen.
Glaubst du denn, dass dieser Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei
nur ein Scherz von ihm war?

Den Menschen ist bisher eben noch keine Alternative eingefallen, die die mächtigste Fähigkeit der Marktwirtschaft besitzt: die Selbstorganisation.
Offenbar ist im ökonomischen Kontext "Marktwirtschaft" das Synonym für Selbstorganisation. Funktioniert ja auch recht gut, ist bloß anfällig für Missbrauch, wie so vieles im Leben.
 
Ich glaube, dass oft missverstanden wird, worin Karl Marx entscheidender wissenschaftlicher Beitrag eigentlich bestand. Karl Marx Hauptwerk "Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie." ist eine Analyse des Kapitalismus durch eine Kritik der im 19. Jahrhundert vorherrschenden Volkswirtschaftslehre (politischen Ökonomie). Nicht mehr und nicht weniger. Er selbst hat nie irgendeine alternative kommunistische oder sozialistische Gesellschaftsordnung basierend auf irgendeiner Ideologie entworfen.

Einfach gesagt hat er versucht zu zeigen, wie bestimmte Probleme (Zwang zur endlosen Profitmaximierung, Ausbeutung von Mensch und Natur) in unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung unabhängig vom guten oder bösen Willen der Kapitalisten zwangsläufig aus der Systemlogik heraus entstehen müssen, und was konkret nicht mehr getan werden darf, damit diese Probleme aufhören können. Das, was seinen Standpunkt so radikal macht, ist die Herleitung dieser Probleme aus der Warenproduktion bzw. der Organisation gesamtgesellschaftlicher Arbeitsteilung durch den Tausch privat produzierter Waren zu gleichen Werten vermittelt durch das Geld. Das hat dann zur Folge, dass auf einmal solche Sachen wie Planwirtschaften sinnvoll erscheinen, wobei das theoretisch nicht die einzige Alternative ist. Den Menschen ist bisher eben noch keine Alternative eingefallen, die die mächtigste Fähigkeit der Marktwirtschaft besitzt: die Selbstorganisation.
Wer auch immer glaubt, über Marx urteilen zu müssen, tut sich in der Regel schwer, dabei objektiv zu bleiben.
Das ist ein Thema, welches stets, aus einer ideologischen Grundposition heraus, betrachtet und “bearbeitet” wird und fast immer in einer Verteufelung oder (mit etwas weniger Oberflächlichkeit) auch in einer Relativierung endet.
Es ist recht leicht aus dem JETZT (und einer mehr oder weniger komfortablen Situation) heraus, Dinge zu beurteilen, die in der damaligen Zeit von brennender Natur waren.
Die Menschen arbeiteten, unter heute kaum noch vorstellbaren Bedingungen, in 16-Stunden-Tagen, für Löhne, die maximal ein ´Überleben´ ermöglichten.
Der humanistische Ansatz im Marxschen Schaffen wir heute gerne übersehen. Es ist viel Idealismus und durchaus gute Absicht in seinem Schaffen erkennbar, wenn ich bereit bin, es auch sehen zu wollen.
Es ist Menschen wie K. Marx zu verdanken, dass eine erstarkende Arbeiterbewgung und sich entwickelnde Gewerkschaften ein menschenwürdiges Leben möglich machten.
Unser System heute schmückt sich gerne mit dem Begriff “Soziale Marktwirtschaft”. An der Marktwirtschaft (an sich) ist gar nichts sozial; alles, was da als soziale Systemeigenschaft gepriesen wird, ist hart erkämpft.
Auch dass Marx den Fluch kapitalistischen Wirtschaftens, der lange Zeit im Kreislauf: Konjunktur - Überproduktion - Krieg bestand (und mit etwas anderem Anstrich heute noch wirkt) so klar herausarbeitete, gefiel vielen nicht.
Die kommunistische Ideologie ausschließlich an den Auswüchsen (Stalin, Pol Pot & Co) festmachen zu wollen, mag manchem gefallen ist aber zu simpel.
Der Zerfall des Ostblocks beruhte hauptsächlich auf den Schwächen der Wirtschaft, aber das ist noch einmal ein ganz anderes Thema.
Die Brandrede des netten Professors (im Video) ist sehr populistisch, gut verkäuflicher Krawall an der Oberfläche.
Auch dein Beitrag ist - in meinen Augen - wenn auch von einigen bejubelt, recht naseweis, und einseitig.
LG * Helmfried
 

Er selbst hat nie irgendeine alternative kommunistische oder sozialistische Gesellschaftsordnung basierend auf irgendeiner Ideologie entworfen.
Ich sollte mich nicht daranmachen, einen Philosophen zu beurteilen, bevor ich mich eingehend mit ihm beschäftigt habe.
Nur vom Hören - Sagen (und beflügelt durch ein Video) sollte ich mich nicht als Sachverständiger fühlen und Behauptungen (wie die oben zitierte) in Umlauf bringen. Spätestens nachdem ich das "Kommunistische Manifest" gelesen habe, weiß ich, dass die zitierte Aussage von ´smarti´ unsinnig ist.
´mirek 0511´ hat das schon mitbekommen als er fragte:
Glaubst du denn, dass dieser Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei
nur ein Scherz von ihm war?
Leider ist der Einwurf (z. B. von Aporie) falsch verstanden worden.
Ich kann - was den Beitrag von ´smarti´ betrifft - die Begeisterung von Aporie und m.E. auch von Dir nicht recht nachvollziehen.
In meinen Augen basiert der Beitrag nicht auf solidem Wissen. Er wirkt auf mich wie der Versuch, unterstützt von einem polemischen Video, ein paar Punkte zu sammeln.
LG * Helmfried
 
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Du stößt dich also nur an diesem einen Satz? Da hast du natürlich Recht, das kann man falsch verstehen.

Marx hat die kapitalistische Ökonomie analysiert und deren prinzipiell selbstzerstörerische Systemlogik aufgedeckt. Er hat mit dem Kommunismus einen ökonomischen Gegenentwurf präsentiert, der hinterher als ideologische Rechtfertigung für fürchterliche Gewaltorgien (Stalin, Mao, Pol Pot) diente. Marx war ein genialer Ökonom, aber ein schlechter Psychologe. Er hätte ahnen können, dass die Diktatur der vorgeblichen Diktatur des Proletariats leicht zum Selbstzweck werden kann und der Diktator für das Proletariat nur noch Verachtung übrig hat. Es sind eben nicht die Produktionsverhältnisse alleine ausschlaggebend, wie Marx dachte. Auch das krumme Holz der menschlichen Natur ist zu bedenken.

Mireks Einwurf habe ich so verstanden, dass ihn nicht nur dieser eine Satz stört, sondern er ganz grundsätzliche Aversionen gegen die marxsche Philosophie und Gesellschaftsanalyse hegt. Drum eben die Frage: was genau ist denn falsch an der marxschen Philosophie. (Es empfiehlt sich meiner Meinung nach, streng zwischen der marxschen Philosophie und dem Marxismus zu trennen).
 
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