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Virtuelle Begegnungen

Robin schrieb:
Für diese Verknüpfung muss man vielleicht sogar vom Ziel des Sieges ein Stück abrücken und den virtuellen Raum als Form an sich, als Struktur wahrzunehmen (nicht als Aufsummierung grüner und roter Kärtchen). Wer die vernetzte Struktur auch in sein Denken übernimmt hat am meisten vom Internet!
In dem Sinne hat das Vernetzte ein viel höhers Potenzial als die darin verborgenen Wahrheiten, die keine sind. Das Netz kann eine höhere Wahrheit bekommen, eine gewisse Energie.
Mam kann eine Menge hineinbuttern ins Netz. In Form von Liebe wird man es kaum zurückbekommen.
Aber vielleicht in Form dieser Energie?!

Robin, wie steht's mit Motivation? Mich motivieren die Diskussionen, oder besser gesagt, sie halten mich bei der Stange, wenn's das Bücherlesen nicht bringt.

"Vernetzte Struktur" kannst du das genauer erklären?

Matto
 
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Um Deine Worte von den Energien aufzugreifen, Robin: mir scheint dieser Aspekt der " realste" in dieser virtuellen Diskussion über " virtuelle Begegnungen".


Wir begegnen uns hier selbst - können das, wenn es uns gelingt, uns als Beobachter und Beobachteter zu begreifen.
Da die aktive Tat fehlt ( ich will mal nicht das Tasten Klopfen als solche bezeichnen), fehlt uns das face to face feedback, das es uns mitunter im real life ermöglicht, etwas aufzufangen, was uns in virtuellen Begegnungen so schmerzlich enttäuschen kann. Auch ich spreche ausdrücklich n i c h t von Dramoletts im Geschlechtlichen, die sicher auch möglich sind . Ich spreche, ähnlich wie Du von den Erfahrungen, die wir machen können im Disput - im Wechselsspiel von Verständnis und Missverständnis.

Und so etwas setzt Energien frei - das sehe ich so wie Du: Energien, die auf die Sache gerichtet sind, die diskutiert wird. Ich habe viel gelernt - gerade in Diskussionen mit Dir. Stichwort: Luhmann und viele andere Stichwörter.
Energien, die auf Denkweisen anderer beruhen. Sie ermöglichen uns, - ohne Wenns und Abers, also unnötige Scheinrückzugsgefechte - Fremdes als Eigenes anzunehmen. Das setzt natürlich voraus, dass der " Partner" als gleichwertig an der Sachfragen anerkannt wird. Aber wir können auch erleben, Eigenes abzulehnen und sich in der - rational durchdachten Ablehnung fremden Denkens als authentisch zu erfahren. Das letztere geht oft nicht ohne Freude ab - und ist absolut nicht mit plumpen Triumpf über einen virtuellen Partner zu sehen.

Dazu gibt es ja hier in diesem Forum die Wortspielereiecke, die so für mich Sinn macht - als Spielraum von Möglichkeiten, die sich im ( gemeinsamen) Gelächter wieder auflösen - und das , ohne Wunden zu hinterlassen.


Siehst Du, Robin, was Du für Energien in mir freigesetzt hast? :danke:

Und irgendwie erfahre ich mich hier als lebendig - im " geschützten " virtuellen Raum.
Draußen wehen die Winde kälter - oder gar nicht mehr.


Marianne
 
Matto schrieb:
Robin, wie steht's mit Motivation? Mich motivieren die Diskussionen, oder besser gesagt, sie halten mich bei der Stange, wenn's das Bücherlesen nicht bringt.

"Vernetzte Struktur" kannst du das genauer erklären?

Matto

Ein Forum oder generell der virtuelle Raum bietet die Möglichkeit, Dinge nahe zusammenzubringen, die sonst weit entfernt sind. Man gebe nur ein Suchwort ein bei google und beobachte die Ergebnisse - das ist für mich schon Vernetzung und das Suchwort ist derKnoten.
Hier im Forum ist die Vernetzung schon viel komplexer - wenn es auch Mühe kostet, sie zu entdecken (oder man ist schon lange dabei). Die Knoten sind dabei entweder identische Begriffe, die verschieden benutzt werden - oder sematisch differente Ausdrücke, die aber strukturell eine ähnliche Funktion haben. Die Vernetzheit entsteht also in Variation anhand Ähnlichkeiten. Als Beispiel fällt mir spontan der Begriff des "Göttlichen" ein, der von Lilith benutzt wurde - und sich dann mit Begriffen (und deren Deutungen) wie Energie, Entropie, Wille zur Macht etc. vernetzte. Einen anderen begriff, den ich, mal eher flapsig, dann wieder ernsthaft, immer wieder wiederhole, ist der der "Einheit der Differenz". Eine gewollte Vernetzung von mir. Wenn du den Begriff mit der Suchfunktion des Forums eingibst, erhälst du ein Abbild dieser kleinen Vernetzung.
Dann gibt es Threads, die entweder aufeinander aufgebaut sind oder Wechselwirkungen haben. Teilweise ist das ganz explizit bestätigt durch Zitate und Links.

Zur Motivation. Wie gesagt, das Forum bringt Theorien und Auffassung in unmittelbare Nähe, die in der nicht-virtuellen realität oft abgeschottet sind. Durch "Funktionsgrenzen" etwa, also kommunikativen Barrieren zwischen Systemen.
Ich erinnere mich an eine Diskussion mit Jaques, als wir versuchten, zwei Begrifflichkeiten aneinander anzunähern. Jaques differnezierte anhand dekonstruktivistischer Begriffe, es ging um das Beherrschende der Sprache, Inhalt und Form etc. Ich versuchte das auf die systemtheoretische Differenz von Mitteilung und Information, bzw. Kommunikation und Kognition herunterzubrechen. Sicher ist uns das nicht ganz gelungen, wo aber sonst als hier könnte man solche Versuche abseits von Fachdiskursen starten?
Inkauf nehmen müssen wir eine mangelnde Regelung insbesondere was Diskussionsstandards, empirische Belege und leider manchmal Umgangsformen betrifft.
Wobei das Fehlen der ersten beiden sicher leichter zu Verschmerzen ist als letzteres...;)
 
Robin schrieb:
Wobei das Fehlen der ersten beiden sicher leichter zu verschmerzen ist als letzteres...;)
Was Du über das Venetzen sagst ist - im Prinzip - richtig *ggrr* .Und da wir ja hier über virtuelle Räume sprechen, gebe ich etwas zum besten, was ebenfalls nur diese betrifft.
Du gehst wahrscheinlich von der Annahme aus, dasss jeder User / jede Userin hier a) immer alle Posts liest. Wenn das nicht zutrifft, trifft auch Deine Vernetzungthese nicht zu. Dann hast Du voll Recht in Deiner theoretischen Antwort, denn - ich zum Beispiel lese nur Themen, die mich interssieren, die es mir wert sind, über sie nachzudenken. Was - so gesehen -die Bereicherung im Informativen angeht, stimmt sicher.Das habe ich ja oben schon explizit ausgeführt. Es geht also auch hier um das Problem der Differenzierung.

Aber b) trifft Deine Aussage,die das Persönliche, das Emotionale, betrifft, nur bei Usern zu, die stets mit demselben Nick den " Kampf" - im Gedankenaustausch - führen.
Die Gedanken solcher Mehrfachnicker mögen zu einzelnem für den Rezipienten annehmbar sein - in dem Sinne, er kann sich mit diesen Informationen auseinandersetzen.


Zu virtullen Begegnungen führen sie nicht.


Auch nicht zu der Feststellung, die Du in dem von mir zitierten Textteil triffst.


Wobei ich dazu nur sage: Nur wer persönliche Bindungen im Netz sucht, kann Schmerzen bei Missverständnissen fühlen.
Ich fühle sie auch - mitunter - aber nur bei UserInnen, denen ich im realen Leben gerne begegnen möchte.
Scheißmissverständnisse :autsch:

Marianne
 
Marianne schrieb:
Du gehst wahrscheinlich von der Annahme aus, dass jeder User / jede Userin hier a) immer alle Posts liest. Wenn das nicht zutrifft, trifft auch Deine Vernetzungthese nicht zu.
Nein, davon gehe ich überhaupt nicht aus. Ist ja inzwischen gar nicht mehr möglich. Vor einem Jahr oder so habe ich vielleicht noch die meisten Posts gelesen.
Nein, die virtuellen Vernetzung wird erst real durch die tatsächliche Rezeption. Man kann sich auf Dinge beschränken, wird aber dennoch die Vernetzung merken. Denn es geht ja nicht um Wahrheiten. Oder allumfassende Information. Die Vernetzung, sei es die virtuelle oder die "innere" des Geistes verstärkt und differenziert ja nur Strukturen, keine Wahrheiten. Sie erlaubt bessere Urteile über die Konsistenz von Theorien und Ansichten, kann aber den urknallartigen Punkt der Allwissenheit/Wahrheit nicht ersetzen. Daher gerade verschmerzt sie auch besser die Unvollkommenheit der Information...
 
Hallo ihr virtuellen Wesen!

Insbesondere hallo Robin! :winken1:

Vernetzung und rasche Verständigung zu bestimmten Themen sind das, was mir im Internet und in der Diskussion im Forum das größte Vergnügen und den größten Nutzen zur Erfüllung meiner Bedürfnisse bereitet.

In real life habe ich schon ziemlich viele Gesprächspartner verschlissen *g*, weil meine Herangehensweise an die Themen, dir für mich mehr als interessant (fast überlebensnotwendig) sind, eine ziemlich radikale ist. D.h. ich will mich nicht zufriedengeben mit Zitaten aus - zugegebenermaßen wichtigen - Büchern von wichtigen und anerkannten Menschen. Ich MUSS alles selber nachvollziehen können, mit eigenen Erfahrungen belegen und meine ureigensten Schlüsse daraus ziehen können.

Hier ist meine Chance, solche Gesprächspartner zu finden, viel größer und ich finde sie auch schneller.
Ob jemand "auf meiner Wellenlänge" ist oder nicht, stellt sich meistens bald heraus, es ist ja auch nicht für jedes Thema gleich.
Ich habe schon von so manchem Beitrag zu einem Thema (z.B. Politik oder Musik), Impulse erhalten, mit denen ich nicht von vorneherein gerechnet habe. Aus allen Winkeln können neue Sichtweisen und neue Aspekte auftauchen. :schaukel:

Es verlockt mich allerdings nicht, jemanden wirklich persönlich kennenlernen zu wollen. Ich bin in dieser virtuellen Kommunikationsform ganz bewusst nur mit mir beschäftigt, denn auch die Impulse, die ich von euch anderen Usern erhalte, nehme ich ja nur so wahr, wie sie durch meine Interpretationsfilter kommen. Ich bilde mir nicht ein, euch dadurch schon zu kennen.

Klar freue ich mich, wenn ich erfahre, dass ich Anklang finde, dass ich jemanden auch mit meinen Beiträgen erreiche, sogar ein wenig berühre. Aber ich weiß ja wiederum nicht, was von meinen Worten welches Bild bei demjenigen entstehen ließ.

Ich freue mich auch, wenn ich Beiträge lese, die mich berühren.

Robin, dir fühle ich mich ein klein wenig verwandt. :umarm: Bei mir entstand so ein Bild von dir, dass du dich vom Sucher zum Finder wandelst, oder schon gewandelt hast. Ich hoffe du verstehst, was ich meine. Dieses Zusammentragen von Erkenntnissen aus den unterschiedlichen Themenbereichen ist auch für mich eine sehr befriedigende Erfahrung, es erstaunt mich, dass es manchmalbei eher unterschiedlichen Ausgangsthemen oft zu ähnlichen Ergebnissen in der Diskussion kommt.

Die vergleichenden Diskussionen allerdings, mit Zitaten und links zu irgendwelchen Schriften, interessieren mich nur soweit, wie ich einen Zusammenhang mit dem jeweiligen User erkennen kann. Wenn NUR über Theorien hin- und hergeschoben werden, ohne dass der Verfasser des Beitrages etwas von seinen eigenen Ansichten dazu preisgibt, dann wird mir schnell fad, :rolleyes: auch wenn das Thema an sich ganz interessant wäre. Allgemeinplätze - nein danke.

Von Luhmann kenne ich allerdings inzwischen so viel, dass ich sogar bald etwas von ihm lesen werde.

Gut, das war jetzt vielleicht etwas am grundsätzlichen Thema vorbei, aber ich bin für jede Art von Zumutung zu haben. :zunge 5:


Ich bin jedenfalls immer noch froh und glücklich, hier mit euch einen Teil meiner Gedanken austauschen zu können.

Herzlichen Dank auch an Walter, der das mit diesem Forum ermöglicht.
:danke:
So, jetzt reichts aber!

herzlich
lilith
 
Ich möchte jetzt nicht über das Internet als solches schreiben - denn welche Vor- und Nachteile es bietet, weiß sicher jeder, der es regelmäßig zur Weiterbildung, zur schnellen Informationsbeschaffung oder zur Unterhaltung nutzt - sondern darüber, wie unterschiedlich die Einstellung der Menschen ist, die regelmäßig in nur einem/diesem speziellen Forum schreiben.

Es gibt User, die nur schreiben, um ihre verquersten und obskursten Meinungen und Therorien loszuwerden, weil ihnen in der Realität inzwischen niemand mehr zuhört.
Dann gibts solche, die Foren als Sprungbretter für ihre künstlerischen Karrieren nutzen wollen.
Einige versuchen ihre Intelligenz zur Schau zu stellen, und wieder andere, die durch ihr plumpes und pöbelndes Verhalten einfach provozieren wollen, und damit einfach nur um Aufmerksamkeit betteln.
Aber es gibt auch User, die im realen Leben einsam sind, denen einfach etwas fehlt. Sie finden im Forum "Gesellschaft", fühlen sich nicht allein. User, denen es nur um den Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten geht, sind zum Glück in der Mehrzahl, und es sind auch welche dabei, die wirklich etwas zu sagen haben.
Am liebsten aber sind mir die Leute, die hier nur das schreiben, was sie auch wirklich denken, sich nicht verstellen, sondern sich einfach nur so geben, wie sie wirklich sind.

Klar, nun kommt die Frage, wie und woran man erkennt, dass derjenige auch im Realen im Großen und Ganzen so ist, wie er sich hier gibt. Das erkennt man überhaupt nicht!! Das spürt man, oder glaubt es zu spüren.
Der Gedanke, auf den Einen oder Anderen irgendwann mal real zu treffen, bereitet mir schon beim Vorstellen Übelkeit. Die Meisten sind mir egal, aber......zu ein paar Wenigen habe ich sowas wie Vertrauen, wobei ich trotzdem nicht einen Einzigen real treffen möchte.
Manchmal, wenn ich Beiträge lese, dann stell ich mir vor, wie derjenige, dem ich antworte, aussehen könnte.
Ich habe von vielen Usern ein Bild vor Augen, das mit Sicherheit falsch ist, aber es hilft mir oft beim Antworten.
Die, die ich sympathisch finde, die sehen auch dementsprechend aus. Die, die ich überhaupt nicht mag, die............

Ich mache einfach den Fehler, dass ich hinter dem Geschriebenen den Menschen sehe und kein virtuelles Geschöpf.
Das wiederum verleitet mich aber auch dazu, beim Lesen die unterschiedlichsten Emotionen zu spüren.
Manche User machen mich einfach nur wütend, andere bringen mich zum Lachen. Einige bewundere ich, andere belächle ich. Auch Mitleid spüre ich manchmal, wenn ich den einen oder anderen Beitrag lese. Die, die noch nicht so lange dabei sind, die beobachte ich erstmal argwöhnisch.

Ja......was wollte ich jetzt eigentlich sagen??? :lachen: (War keine Kunstpause, ich hing wirklich!!)

Also, ich trenne Virtualität nicht generell von Realität, wenn ich die Möglichkeit habe, in einem speziellen Raum, wie in diesem Forum, immer wieder auf dieselben User zu treffen.
Möglich, dass es viele Stamm-User anders sehen, aber bei mir ist es so.

Ich habe fertig :winken1:

Rhona
 
Rhona schrieb:
Die Meisten sind mir egal, aber......zu ein paar Wenigen habe ich sowas wie Vertrauen, wobei ich trotzdem nicht einen Einzigen real treffen möchte.

Ich mache einfach den Fehler, dass ich hinter dem Geschriebenen den Menschen sehe und kein virtuelles Geschöpf.
Das wiederum verleitet mich aber auch dazu, beim Lesen die unterschiedlichsten Emotionen zu spüren.
Manche User machen mich einfach nur wütend, andere bringen mich zum Lachen. Einige bewundere ich, andere belächle ich. Auch Mitleid spüre ich manchmal, wenn ich den einen oder anderen Beitrag lese. Die, die noch nicht so lange dabei sind, die beobachte ich erstmal argwöhnisch.

Also, ich trenne Virtualität nicht generell von Realität, wenn ich die Möglichkeit habe, in einem speziellen Raum, wie in diesem Forum, immer wieder auf dieselben User zu treffen.

Hallo Rhona,

Eigentlich möchte ich auf Deinen Beitrag nur gezielt so eingehen, dass die unterschiedlichen Auffassungen betreffend virtuelle Welten oder Räume, etwas hervorgehoben werden. Deswegen nur wenige Stellen Deines Beitrages als Zitat.

Vorweg aber dies: in keiner Weise soll die Unterschiedlichkeit zwischen Deiner und meiner Auffassung als Wertung verstanden werden. Das schöne ist, dass es eben nur ... unterschiedliche Sichtweisen oder Empfindungen gibt, und wenn wir diese vergleichen, ist es ja in erster Linie, um Klarheit über unseren Standpunkt zu bekommen.

Du schreibst, Du würdest es als Fehler betrachten, dass Du hinter dem Geschriebenen den Menschen siehst, und kein virtuelles Geschöpf.
Für mich sind aber diejenigen mit denen ich hier einen Gedankenaustausch pflege, durchaus reale Wesen, mit ihren Eigenschaften die mir zum Teil auch bekannt werden. Künstlerisch begabt manche, vorsichtig oder unvorsichtig in der Weise wie sie sich artikulieren, geistreich einige von ihnen, mehr oder weniger gut zu-lesend (vergleichbar mit Menschen die einen gut zu-hören - oder solche die dazu nicht fähig sind.) Manche sind sogar sehr liebenswert.

Bloss der Raum in dem wir uns treffen, ist virtuell. Wir imaginieren den Raum in dem wir miteinander kommunizieren, nicht aber unser Gegenüber. Das geschriebene aber bekommt dadurch eine andere Qualität, nicht die, des Briefwechsels. Doch wäre auch mein Gesprächspartner virtuell, müsste ich ihm auch seine Antworten zudichten.
Wir können auch dieser Person konkretere Züge verleihen, da spielt natürlich unsere Phantasie mit, aber der Dialog findet real statt. Und eben dieser Zwiespalt, gibt uns einerseits sehr viel Freiheit, andererseits verleiht es der Kommunikation etwas sehr spezielles.

Es ergeben sich nebenbei auch praktische Vorteile: wenn mir jemand wiederholt "quer kommt" (dies geschieht in diesem Forum wirklich sehr selten) , dann habe ich die Freiheit ihn nicht zu beachten. Und in keinen Fall werde ich mit diesen geringen Teil der Benutzer einen Streit eingehen - dafür ist mir meine Zeit zu schade. Und auch meine Energie.

Aus dem bis jetzt Geschriebenen, ist auch zu vernehmen, dass ich wohl Virtualität und Realität als sehr unterschiedlich begreife und auch empfinde.

lG

Miriam

:reden: :reden: :reden: :reden: :reden:
 
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Robin schrieb:
Ein Forum oder generell der virtuelle Raum bietet die Möglichkeit, Dinge nahe zusammenzubringen, die sonst weit entfernt sind. Man gebe nur ein Suchwort ein bei google und beobachte die Ergebnisse - das ist für mich schon Vernetzung und das Suchwort ist derKnoten.
Hier im Forum ist die Vernetzung schon viel komplexer - wenn es auch Mühe kostet, sie zu entdecken (oder man ist schon lange dabei). Die Knoten sind dabei entweder identische Begriffe, die verschieden benutzt werden - oder sematisch differente Ausdrücke, die aber strukturell eine ähnliche Funktion haben. Die Vernetzheit entsteht also in Variation anhand Ähnlichkeiten. Als Beispiel fällt mir spontan der Begriff des "Göttlichen" ein, der von Lilith benutzt wurde - und sich dann mit Begriffen (und deren Deutungen) wie Energie, Entropie, Wille zur Macht etc. vernetzte. Einen anderen begriff, den ich, mal eher flapsig, dann wieder ernsthaft, immer wieder wiederhole, ist der der "Einheit der Differenz". Eine gewollte Vernetzung von mir. Wenn du den Begriff mit der Suchfunktion des Forums eingibst, erhälst du ein Abbild dieser kleinen Vernetzung.
Dann gibt es Threads, die entweder aufeinander aufgebaut sind oder Wechselwirkungen haben. Teilweise ist das ganz explizit bestätigt durch Zitate und Links.

Zur Motivation. Wie gesagt, das Forum bringt Theorien und Auffassung in unmittelbare Nähe, die in der nicht-virtuellen realität oft abgeschottet sind. Durch "Funktionsgrenzen" etwa, also kommunikativen Barrieren zwischen Systemen.
Ich erinnere mich an eine Diskussion mit Jaques, als wir versuchten, zwei Begrifflichkeiten aneinander anzunähern. Jaques differnezierte anhand dekonstruktivistischer Begriffe, es ging um das Beherrschende der Sprache, Inhalt und Form etc. Ich versuchte das auf die systemtheoretische Differenz von Mitteilung und Information, bzw. Kommunikation und Kognition herunterzubrechen. Sicher ist uns das nicht ganz gelungen, wo aber sonst als hier könnte man solche Versuche abseits von Fachdiskursen starten?
Inkauf nehmen müssen wir eine mangelnde Regelung insbesondere was Diskussionsstandards, empirische Belege und leider manchmal Umgangsformen betrifft.
Wobei das Fehlen der ersten beiden sicher leichter zu Verschmerzen ist als letzteres...;)

Hi, Robin, ich wollte Teile, die mir gefallen, zitieren... aber ich lass es so stehen. Ich freue mich sehr über diese Antwort, danke.

Ich konnte auch mal eine interessante Diskussion verfolgen (soweit mein Verständnis reichte), es war ein echtes Erlebnis. Nicht nur für die Gesprächsteilnehmer, auch für die unbekannten Leser. Manchmal erscheint ein Text, der mich erstaunt, verblüfft, berührt, weil er inhaltlich und literarisch einfach großartig ist... wie ein Kunstwerk. Im Grunde, mit etwas Übung und Talent könnten wir alle diese Kunstwerke schaffen. Ich meine, wo ist da die Grenze. Wo bleibt da der Qualitätsgedanke? Ich habe mal etwas gelesen, über die Kritik eines Musikstückes der Barockzeit. Es war eine Komposition von Rameau. Der Kritiker verfügte über detailierte Kenntnisse der Komposition und ausgesprochen viel Musikverständnis (für unsere heutigen Verhältnisse). Und natürlich war die Vorstellung von Musik eine andere als heute. Was der für Maßstäbe an diese Komposition ansetzte, das könnten heutzutage sicher nur wenige Menschen. Die Werte der Qualität, des Anspruches werden andere sein. Aber der Aspekt der Eigenkreativität als Lebensqualität ist auch nicht zu unterschätzen. Zumal die unmittelbare Nahrungsbeschaffung teilweise oder völlig wegfällt. Was fängt man mit seinem Leben an?

Von Robin
Nein, die virtuelle Vernetzung wird erst real durch die tatsächliche Rezeption. Man kann sich auf Dinge beschränken, wird aber dennoch die Vernetzung merken. Denn es geht ja nicht um Wahrheiten. Oder allumfassende Information. Die Vernetzung, sei es die virtuelle oder die "innere" des Geistes verstärkt und differenziert ja nur Strukturen, keine Wahrheiten. Sie erlaubt bessere Urteile über die Konsistenz von Theorien und Ansichten, kann aber den urknallartigen Punkt der Allwissenheit/Wahrheit nicht ersetzen. Daher gerade verschmerzt sie auch besser die Unvollkommenheit der Information...
Durchaus, aber sie zeigt deutlich die Unsicherheit der Wahrheiten, sie lässt uns immer fühlen, daß wir auf schwimmenden, löchrigen Brettern stehen. Für mich ist das ein Gewinn, denn ich neige dazu, gern auf Wahrheiten abzufahren… Die Umstülpung der eigenen Ansichten, Urteile ist ein Spaß, eine Lust, eine Herausforderung, die ich liebe…einzig, um dann wieder bei Null zu stehen.

Die Chance auf eine gegenteilige Meinung zu stoßen, ist im Netz eine Größere, als wenn der Gesprächspartner gegenübersteht. Oftmals sind Menschen ja auch von der Erscheinung des anderen irritiert, sei es aus Vorurteilen, aus Hemmung, aus Unsicherheit oder aus Verbindlichkeiten.


Von Lilith
Es verlockt mich allerdings nicht, jemanden wirklich persönlich kennenlernen zu wollen. Ich bin in dieser virtuellen Kommunikationsform ganz bewusst nur mit mir beschäftigt, denn auch die Impulse, die ich von euch anderen Usern erhalte, nehme ich ja nur so wahr, wie sie durch meine Interpretationsfilter kommen. Ich bilde mir nicht ein, euch dadurch schon zu kennen.

Mich verlockt das schon...Vielleicht gerät man in diese Versuchung der persönlichen Annäherung als ein Zugeständnis an die eigene Sinnlichkeit.

Die Haltung der Selbstbezogenheit wird m.E. doch stark unterbrochen durch die Dialogkommunikation. Ja, möglich, die Themen sind sicher stark selbstbezogen, aber die Stellungnahmen, die wir abgeben, werden gern kritisiert, durchkreuzt, differenziert.
Vielleicht ist das eine Frage des Lesens und Verstehens der Antworten, Kritiken oder auch der Achtung vor den Gesprächspartnern.
 
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