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Rissereaktoren - Petition

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Zumindest kann man die langlebigen radioaktiven Isotope des strahlenden Materials durch Beschuss mit energiereichen Teilchen in kürzerlebige Isotope umwandeln. Das "Ritual" hiesse also Transmutation.

Der Energieaufwand wäre beträchtlich und kostet. Wer soll das bezahlen und woher die Energie nehmen?
 
Die meisten Kernkraftgegner sind sehr diszipliniert und intellektuell gut informiert.

Das sehe ich aber anders:
Es ist eher so, dass die wenigsten Kernkraftgegner diszipliniert und intellektuell gut informiert sind. Die meisten Gegner treten irrational, z.T. regelrecht hysterisch auf. Ich denke da vor allem an die Gegnerschaft in Deutschland, die z. B. jeden genehmigten CASTOR-Transport nach Gorleben massiv behindert und selbst vor kriminellen Aktionen („Schottern“ der Bahngleise) nicht zurückschreckt. Auch wenn nicht zu Gewalt und Hetze aufgerufen wird, so ist allein die Wortwahl vieler KKW-Gegner diffamierend. So etwa werden KKW-Reaktoren, die deutlich länger als 30 Jahre betrieben werden, pauschal als Schrottreaktoren verunglimpft. Ich denke da an die älteren KKW der Schweiz, also Beznau-1, Beznau-2 und Mühleberg, die derzeit 46, 44 bzw 43 Jahre in Betrieb sind. Aufrufe zum Abschalten dieser „Uraltmeiler“ kommen häufig auch aus Österreich.

Die permanente Negativauslese der Nachrichtenmedien zum Betriebsgeschehen von KKW trägt leider auch dazu bei, die Bevölkerung in ständiger Angst zu halten oder zumindest zu verunsichern. Es genügt schon zu berichten, dass in einem KKW etwas passiert sei. In den Medien wird nicht selten auch eine sicherheitstechnisch unbedenkliche Betriebsstörung zu einem Störfall hochstilisiert, bei dem das KKW möglicherweise „knapp an einem GAU vorbei geschrammt“ sei.

Die Petition an die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC tönt recht vernünftig, wird doch an die Behörde appelliert, sich „für die Sicherheit von Millionen Menschen“ zu entscheiden.

Konkret wird dazu in der Petition gefordert:

„So lange ...

  • die Ursache der Risse in den beiden RDB nicht zweifelsfrei geklärt ist und eine Veränderung der Rissgrößen im laufenden Betrieb nicht definitiv ausgeschlossen werden kann,

  • die Bestrahlungsversuche befürchten lassen, dass die Versprödung des rissigen Stahls der RDB nach über 30 Betriebsjahren die zulässigen Grenzwerte bereits überschritten hat,

  • kein Nachweis existiert, dass „Reaktoren mit Rissen“ ein gleiches Sicherheitsniveau wie „Reaktoren ohne Risse“ besitzen,

dürfen TIHANGE 2 und DOEL 3 – NICHT WIEDER ans Netz.“


Was aber, wenn die Behörde aufgrund ihrer sicherheitstechnischen Bewertung der eingereichten Unterlagen zu dem Schluss kommt, dass die o.g. Forderungen erfüllt sind und ein Weiterbetrieb von Doel-3 und Tihange-2 gerechtfertigt ist? Ist dann das Anliegen der Petition erfüllt?
 
Hallo Hartmut!

Danke für deine sachlichen Beiträge! :)


Was aber, wenn die Behörde aufgrund ihrer sicherheitstechnischen Bewertung der eingereichten Unterlagen zu dem Schluss kommt, dass die o.g. Forderungen erfüllt sind und ein Weiterbetrieb von Doel-3 und Tihange-2 gerechtfertigt ist? Ist dann das Anliegen der Petition erfüllt?


Der Petition schon, das vieler Menschen sicher nicht!
Radioaktivität ist nun mal eine unsichtbare Bedrohung und im Grunde unberechenbar in den Auswirkungen.
Das Problem der Entsorgung bleibt ja auch ungelöst, wenn die Risse unproblematisch sind.
Und man weiß ja auch nicht wirklich, ob die Gerüchte, dass es im Umkreis von Atomkraftwerken zu viel mehr Leukämieerkrankungen kommt, nicht doch stimmen.
Und wenn es noch so sicher ist - wenn etwas in den Dimensionen wie Tschernobyl oder Fukushima geschieht, betrifft es halt wirklich sehr, sehr viele Menschen.
Sowas macht halt Angst und Menschen, die Angst haben, handeln nun mal "irrational".
 
Belgien ist ein sehr liberales und stolzes Land und hat seit 1958 - der damaligen Weltausstellung in Brüssel - als Wahrzeichen noch heute das *Atomium*, ein Symbol für die in dieser Zeit typische Aufbruchstimmung in ein atomares Zeitalter, welches, wie wir heute wissen dürfen, von einer nicht verantwortungsbewusst durchdachten 'Endlösung der Menschheitsfrage durch eine organverstandesmäßig objektiv doppelt gestresste Strahlungsmaterie' uns noch weit über die nächsten 10.000 Jahre hinaus kummulativ begleiten werden wird - und da scheint die Abschaltung oder der Weiterbetrieb eines Atommeilers für die letzten 10 Jahre seines geplanten Betriebes eigentlich "nur" ein symbolischer Akt - und gerade deshalb scheint mir diese kleinste Zeichensetzung so unverzichtbar allen nachfolgenden Generationen gegenüber!

Bernies Sage
 
Der Energieaufwand wäre beträchtlich und kostet.

Das ist sicher richtig, zumal vor der Transmutation die langlebigen radioaktiven Isotope erst noch chemisch abgetrennt und daraus Brennstäbe gefertigt werden müssen. Deshalb hiesse das "Ritual" präziser "Partitioning and Transmutation (P&T)". Ohne Wiederaufarbeitung des abgebrannten Kernbrennstoffs also keine Transmutation.

Die energiereichen Teilchen für die Transmutation sind schnelle Neutronen, die auf verschiedene Weise erzeugt werden können:

1. in Schnellen Kernspaltungs-Reaktoren,

2. in speziellen Transmutationsanlagen (Accelerator Driven Systems, ADS), wo Protonen beschleunigt werden und auf ein Target treffen, aus dem durch Kernzertrümmerung (Spallation) Neutronen freigesetzt werden,

3. in Kernfusionsreaktoren, wo bei der Fusion Neutronen mit einer Energie von 14 MeV entstehen.

Die Varianten 2 und 3 sind noch Zukunftsmusik. Schnelle Kernspaltungs-Reaktoren wurden hingegen bereits gebaut, wenn auch bisher mit dem Ziel, neben der Energieerzeugung Plutonium aus Uran zu brüten (Schnelle Brutreaktoren, SBR). Künftige SBR könnte man aber so auslegen, dass die schnellen Neutronen zur Spaltung langlebiger radioaktiver Isotope genutzt werden.

QUOTE]Wer soll das bezahlen und woher die Energie nehmen? [/QUOTE]

Bei allen 3 Varianten wird auch Energie erzeugt.
Der Forschungs- und Entwicklungsaufwand ist vor allem bei den Varianten Kernfusion und ADS enorm und könnte nur durch staatliche Subventionen und Kooperation mehrerer Staaten getragen werden. Beispiele sind die Kosten des laufenden ITER-Projekts zur Kernfusion (> 15 Mrd. Euro) und die Kosten des geplanten Projekts MYRRHA zu ADS (ca. 1 Mrd. Euro).

Die vergleichsweise besten Chancen zur Beseitigung langlebiger radioaktiver Isotope sehe ich in der Realisierung der Variante SBR.

Für interessierte User:
"Was tun mit dem radioaktiven Abfall?"
Spektrum der Wissenschaft, 2/13, S. 34
 
Zuletzt bearbeitet:
... da scheint die Abschaltung oder der Weiterbetrieb eines Atommeilers für die letzten 10 Jahre seines geplanten Betriebes eigentlich "nur" ein symbolischer Akt - und gerade deshalb scheint mir diese kleinste Zeichensetzung so unverzichtbar allen nachfolgenden Generationen gegenüber!

Für Belgien, das 50% seines Stroms aus Kernkraft bezieht (ca. 6'000 MWe), ist die Abschaltung oder der Weiterbetrieb zweier KKW mit insgesamt 2'000 MWe leider nicht nur ein symbolischer Akt. Es geht immerhin um ein Drittel der Stromproduktion. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Sicherheit hat auf jeden Fall Priorität vor Wirtschaftlichkeit!

Was nun aber die "kleinste Zeichensetzung" gegenüber nachfolgenden Generationen angeht, so hat Belgien erst kürzlich das KKW Doel-1 ausser Betrieb genommen, in Übereinstimmung mit geltendem Recht (max. 40 Jahre Betrieb).
 
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Damit ich nicht falsch verstanden werde: Sicherheit hat auf jeden Fall Priorität vor Wirtschaftlichkeit!

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bin kein erklärter Gegner von Kernenergieanlagen und meine, es sei sinnvoll, funktionierende Anlagen auch weiterhin zu nutzen, aber ich habe kein Interesse an einer Verseuchung der Umwelt mit strahlendem Schrott, der nirgendwo dauerhaft sicher gelagert werden kann und nicht recycelbar ist. Das führt zu einem unnützen Mehrbedarf an metallischen Rohstoffen.
 
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