Anideos
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Es gibt eben diese zwei Stufen bei der Entscheidungsfindung: die unbewusste und die bewusste Stufe. Die Einflussfaktoren die im Unterbewusstsein versteckt sind, können in unserer Kindheit zurückliegen und sie sind uns deshalb nicht mehr bewusst. Es kann sein, dass es einmal oder öfter Schnitzel zu essen gab, aber ich wollte - aus welchen Gründen auch immer - nicht oder etwas Anderes essen. Es hieß jedoch: Es wird gegessen, was auf dem Tisch steht. Bewusst ist mir diese Erfahrung nicht mehr, aber sie beeinflusst meine Entscheidung einen Schnitzel zu bestellen oder nicht.Hier zählst du das Unbewusste zu deinem 'Ich' hinzu. Freuds 'Ich' ist da enger gefasst und meint nur jenen Teil, den man (zumindest anscheinend) kontrolliert. Und letztendlich kann man ja nur eine Entscheidung über etwas treffen, über das man auch Kontrolle hat. So kann ich entscheiden, ob ich ein Schnitzel bestelle oder nicht, aber nicht darüber, ob ich Appetit auf eines habe oder nicht.
Die ineressante Frage hier ist nun, ob die Entscheidung der Bestellung angesichts des nicht mittels Entscheidung gegebenen Appetits überhaupt noch eine Entscheidung ist. Empfunden wird sie als solche, aber ob diese Empfindung nicht mehr als eine Illusion ist, lässt sich nicht direkt experimentell überprüfen, während die Indizien durchaus in Richtung Illusion weisen.
Es gibt auch Einflussfaktoren bei unseren Entscheidungen, die unser Organismus in unser Unterbewusstsein speichert. Am Beispiel vom Schnitzel kann es beispielsweise sein, dass es gewisse Stoffe im Schnitzel gibt, die unserem Organismus nicht gutbekommen - oder umgekehrt wertvoll sind - und deshalb fällt unsere Entscheidung entsprechend aus.
Ich versuche mir alles möglichst rational zu erklären, ohne irgendwelche undefinierbaren Begriffe wie Seele und sonstiges heranzuziehen.
Eine Entscheidung setz aus meiner Sicht voraus, dass es Alternativen gibt, sonst ist die Entscheidung überflüssig. Um vorwärts zu kommen, muss ich einen Fuß vor den Andren stellen. Eine Entscheidung ist erst dann fällig, wenn ein Hindernis vor mir liegt, denn ich muss entscheiden, ob ich das Hindernis umgehen soll oder darüber springen.Eine Entscheidung existiert nur unter der Prämisse, dass es Möglichkeiten bzw Alternativen gibt. Die Gegebenheit dieser Prämisse lässt sich aber nicht verifizieren.
Zur Willensfreiheit gehört aus meiner Sicht auch, falsche Entscheidungen zu treffen. Das nennt man dann Spontanität oder Bauchgefühl. Inwiefern dann das Bewusstsein - oder menschliche Logik - daran beteiligt war, das ist eine andere Frage.Dazu müsste man nämlich die Situation, in der die in Frage gestellte Entscheidung getroffen worden ist, hinreichend genau replizieren können, und das kann man eben nicht. Genauso, wie man die Bedingungen bei der Lottoziehung niemans so genau replizieren kann, sodass immer die gleichen Zahlen gezogen würden - was der Fall sein müsste, das sich die physikalischen Gesetze, die die Bewegungen der Kugel bestimmen, ja nicht ändern. (Achtung, selbst das ist eine letztendlich unbewiesene Prämisse!)
Das wirft dann eine weitere Frage auf: Wo ist logisches Handeln zu verorten? Welche Anteile sind dem Bewusstsein zu verdanken und welche dem Unterbewusstsein? Denn bei rational denkenden Menschen kann Logik in Fleisch und Blut übergehen, wie man so schön sagt.
Mit Philosophie kann ich leider nicht dienen. Seit der Antike hat es immer wieder Menschen gegeben, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, über das Leben und die Menschen zu philosophieren. Mir hat es genügt, mein eigenes Leben in den Griff zu bekommen und die Menschen so hinzunehmen, wie sie sind. Das hat mich trotzdem nicht daran gehindert, sie in ihre Schranken zu weisen, wenn sie ihre Freiheit dazu missbraucht haben, um meine Freiheit zu beschneiden.Wie oben geschrieben, hätte die Akzeptanz dessen fundamentale Auswirkungen auf die philosophische Sichtweise auf den Menschen. Aber darüber hinaus? Welche praktische Auswirkung hätte es, den Verurteilten von seiner Schuld freizusprechen, wenn man gleichzeitig den Richter von der Schuld des ungerechtfertigten Schuldspruches und das Volk von der Schuld der ungerechtfertigten Zustimmung zum Schuldspruch freisprechen müsste? Am Ende säße der Verurteilte genauso hinter Gittern, dem Opfer wäre dennoch dasselbe widerfahren, lediglich niemand wäre schuld....
Meine persönliche Philosophie lautet: Leben und leben lassen, aber sobald welche dieses Motto missachten und meinen, das Leben anderer schwerzumachen, weil sie jemanden brauchen, um nach unten zu treten, dann bin ich zur Stelle und mache ihnen klar, dass nicht jeder Mensch die gleichen Chancen hatte, sein Leben frei zu gestalten.
Ein Beispiel dazu: Wenn ich von meinem Vater 240 Mio. $ geerbt hätte, dann hätte ich mit Sicherheit etwas Anderes aus meinem Leben gemacht als heute. Trump hatte dieses Glück.
Ich hätte allerdings auch das Pech haben können, beispielsweise in Syrien geboren worden zu sein und dann hätte ich mir nicht einmal mein heutiges Motto leisten können.