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Das Böse in unserer Welt

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AW: Das Böse in unserer Welt

Aha. Aggressionen betrachte ich aber als das "angeborene Böse". Da haben wir wohl aneinander "vorbeigeschrieben".
:dontknow:

Ja, das ist ein Begriff, der immer wieder für Missverständnisse sorgt.
Wie nennst du denn die Energie, mit der ein kleines Kind auf sich und seine Bedürfnisse aufmerksam macht?
 
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AW: Das Böse in unserer Welt

Zu der Quelle von Idealen bzw. dem Streben des Menschen nach Idealen:

Ich stelle mir vor, dass das Bilden von bzw. das Streben nach Idealen immer einer Unzufriedenheit mit einem Ist-Zustand entspringt.
Möglicherweise dient das Einreten für und das Streben nach Idealen auch nur der Kompensation von Schwächen, derer man sich bewusst ist und die man als groben Mangel oder Fehler empfindet.
Wobei die Definition von Schwächen wiederum von den Normen der Gesellschaft abhängt, in der sich ein menschliches Individuum befindet.

Hallo Harald,

von dir und Kaawi sind, glaube ich, die entscheidenden Aussagen zum Thema "Ideale" - vor allem zu ihrer psychologischen Bedeutung - gemacht worden.
Ideale sind Absolutheitsansprüche, die (wie oben auch schon gesagt) oft, wenn nicht gesetzmäßig, zum Fanatismus führen. Und damit zu einem Übermaß an Bösem.
Es wurde ja hier auch schon gesagt, dass angeborene/anerzogene menschliche Aggression zum Bösen führt (oder mit ihm identisch ist).
Und das scheint mir der Punkt zu sein:
Wenn Machthaber einem "hehren" Ideal folgen, dann fangen sie an, Diktatur auszuüben und ihre vom Ideal abgeleitete Ideologie/Doktrin/Politik als alleinseligmachend durchzudrücken. In diesem Interesse ist dann alles erlaubt, d.h. der Staat öffnet die Gefängnisgitter für das Böse, das in jedem Menschen lauert und nur durch mühsame Zivilisationsprozesse eingehegt wurde.
Konkret:
Wird dem "Normalbürger" durch einen "Führer" gesagt, gegenüber diesem und jenem Feind ist ALLES erlaubt, dann wird der sich in 90% der Fälle
auch ALLES erlauben. Beispiele kennt Ihr.

Deshalb:
Das Ideal sei, keine "hehren" Ideale zu haben, seinen Nachbarn in Ruhe zu lassen und ihn ansonsten so zu behandeln, wie man selber behandelt werden will.
Große Würfe, weltumstürzende Heilslehren etc. sind die Hauptquelle des Bösen, hierzu zählen für mich auch die institutionalisierten Großreligionen.

Merke:
Der Mensch an sich will zu fast 100% in Ruhe sein Privatleben führen. Lässt man ihn dabei in Ruhe, hat das Böse wenig Chancen. Aber wehe, es kommen die charismatischen, fanatischen Rattenfänger...

Grüße, k
 
AW: Das Böse in unserer Welt

Aha. Aggressionen betrachte ich aber als das "angeborene Böse". Da haben wir wohl aneinander "vorbeigeschrieben".
:dontknow:

Aggredi (lat.) = Herangehen ...Was ist beispielsweise an den Aggressionen eines Boxers, Fußballspielers usw. "böse":confused:
Ohne Aggressionen (= Lebensenergien...)käme gar kein Spiel zustande ...allerdings ohne Spiel-Regeln und Schiedsrichter auch nicht ...
Und ohne Aggredi wäreen wir gar nicht auf dieser Welt, denn unsere Eltern ...usw.
moebius
 
AW: Das Böse in unserer Welt

Aggredi (lat.) = Herangehen ...Was ist beispielsweise an den Aggressionen eines Boxers, Fußballspielers usw. "böse":confused:
Ohne Aggressionen (= Lebensenergien...)käme gar kein Spiel zustande ...allerdings ohne Spiel-Regeln und Schiedsrichter auch nicht ...
Und ohne Aggredi wäreen wir gar nicht auf dieser Welt, denn unsere Eltern ...usw.
moebius

Trotzdem empfinden WIR, die darüber reflektieren können, Aggression meist als böse - und ihre Folgen sind es sehr häufig.

k
 
AW: Das Böse in unserer Welt

Trotzdem empfinden WIR, die darüber reflektieren können, Aggression meist als böse - und ihre Folgen sind es sehr häufig.

k

Konrad Lorenz nannte diese Lebensenergie treffend "Das sogenannte Böse".

Ich finde den Hinweis auf die Spielregeln und den Schiri von moebius klasse.
Wenn man das nicht akzeptiert, braucht man ein anderes Wort für diese aggressive Energie, die zwar die Gefahr der Destruktivität in sich birgt, ohne die aber kein Mensch sein Leben gestalten kann!

Kaawi
 
AW: Das Böse in unserer Welt

Konrad Lorenz nannte diese Lebensenergie treffend "Das sogenannte Böse".

Ich finde den Hinweis auf die Spielregeln und den Schiri von moebius klasse.
Wenn man das nicht akzeptiert, braucht man ein anderes Wort für diese aggressive Energie, die zwar die Gefahr der Destruktivität in sich birgt, ohne die aber kein Mensch sein Leben gestalten kann!

Kaawi

Ja, ihr habt beide Recht bzgl. Begriff "das Böse".
Wenn man (zu Recht, wie ich finde) meint, dass es den höheren Boss des Bösen (Teufel) nicht gibt, dann gibt es auch nicht das absolute Böse. Alle Diskussionen über das Böse können sich also nur um einen relativen Begriff (d.h. einen von den meisten Menschen geteilten Begriff) drehen.
Wodurch könnte etwas für die meisten Menschen als böse zu betrachten sein? Ich denke durch LEID. Leid könnte dann auch zu einer (gefühlsmäßigen) Quantifizierung des Bösen dienen, schätze ich:
Klaut mir einer als Kind meinen Lieblingsteddy, ist das für mich fürchterlich (u.U.). Als Erwachsene haben manche auch noch einen Lieblingsteddy - aber der analoge Diebstahl würde nicht dasselbe Gefühl von BÖSEM hervorrufen, obwohl die Tat analog ist.

Die primäre Quelle von (potentiell) Bösem sind die menschlichen Abgründe - vor allem Aggressionen - das meine ich nach wie vor.

k
 
AW: Das Böse in unserer Welt

Klaut mir einer als Kind meinen Lieblingsteddy, ist das für mich fürchterlich (u.U.). Als Erwachsene haben manche auch noch einen Lieblingsteddy - aber der analoge Diebstahl würde nicht dasselbe Gefühl von BÖSEM hervorrufen, obwohl die Tat analog ist.

k

An den :pcwut:-Reaktionen bei geklautem Lieblingsteddy
(von über 16Jährigen !?) lässt sich möglicherweise auch
gut erkennen, ob ein Mensch "erwachsen" geworden ist
- oder nicht.

Meint
Reinhard70
 
AW: Das Böse in unserer Welt

Wow, was hab ich da den angestoßen.:haare:

@knurrhahn
Nur um das richtig zu verstehen:
Du findest
Erhaltung und Förderung des Lebens => gut
Vernichtung und Hemmung des Lebens => böse

widersinnig, aber deine Aussage
Leben IST Leben vernichten - aus Prinzip
nicht wider sinnig?

Ich denke, Leben zu vernichten ist für das Leben Leider eine Notwendigkeit, nicht das Prinzip. Das Prinzip von Leben ist das Wachstum und die Schaffung von neuem Leben.

knurrhahn schrieb:
Ich fühle mich nicht berufen, die Welt zu verbessern, ja nicht einmal, es zu versuchen.
Schade, der Satz macht mich echt traurig.

Kaawi schrieb:
Durch die Herausbildung von Idealen und dem Versuch, sich an ihnen zu orientieren, ist die Kluft zwischen Anspruch und tatsächlicher Lebenspraxis immer größer geworden, der Mensch entfremdet sich von sich selbst und verstrickt sich immer mehr in einem Netz aus Selbstveleugnung, -überforderung und -verachtung.
Wenn der Abstand zum Ideal immer größer wird, hat man wahrscheinlich etwas falsch gemacht, oder? Woran soll man sich den orientieren?
Da fällt mir ein Zitat von Clavin & Hobbes ein:
Calvin: “Ich liebe Lebensregeln, die keine Verhaltensänderungen nach sich ziehen.”


Harald schrieb:
Ich stelle mir vor, dass das Bilden von bzw. das Streben nach Idealen immer einer Unzufriedenheit mit einem Ist-Zustand entspringt.
Natürlich. Warum machst du irgendetwas? Weil du unzufrieden mit dem IST-Zustand bist! Und findest du das schrecklich?


Ich hätte nicht gedacht, das Ideale solch einen schlechten Ruf haben.

Ich versuche ein ehrlicher Mensch zu sein. Ich habe immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich lüge, aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden.

Sollte ich mich an Politiker orientieren? Oder soll ich gleich sein lassen, weil wir in einer Welt voll Lüge leben?
Also an wenn oder was sollte ich mich als ehrlicher Mensch orientieren?


lg,
fussel
 
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AW: Das Böse in unserer Welt

Zitat fusselhirn.
Wow, was hab ich da den angestoßen.:haare:

Ein super-tolles spannendes Thema!

Wenn der Abstand zum Ideal immer größer wird, hat man wahrscheinlich etwas falsch gemacht, oder?
Woran soll man sich den orientieren?
Da fällt mir ein Zitat von Clavin & Hobbes ein:
Calvin: “Ich liebe Lebensregeln, die keine Verhaltensänderungen nach sich ziehen.”

Vielleicht ist es mit den Idealen wie mit den Medikamenten: zur falschen Zeit verabreicht oder falsch dosiert wirken sie wie ein Gift.
Konkret: bei einem Menschen ohne Vertrauen in die eigene Berechtigung schüren sie Schuldgefühle und Selbsthass.

Und Lebensregeln sind etwas anderes als Ideale, den Unterschied hast du ja selbst schon benannt, Regeln werden direkt umgesetzt, wenn sie Sinn machen sollen, während Ideale "nur" zur Orientierung dienen können, niemals erreichbar sind.

Grüße von Kaawi
 
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