AW: Zeichnungen
Was soll das? Was bedeutet das?
Ich kann natürlich meine Zeichnungen nicht erklären, das würde sie ja überflüssig machen.
SemaSomaSamsa Kontakt zu Gregor
Vielleicht dennoch ein Wort zu einer (dieser) bestimmten Zeichnung - gewissermaßen als Anregung. Was bedeutet so eine Zeichnung? Fassen wir es noch weiter: Warum bedeuten manche Dinge (etwa Sätze) eigentlich überhaupt etwas? Ein schwieriges Rätsel für das viele konkurrierende Antworten vorliegen, aber eben keine letzte endgültige Antwort. Die Lehre von der Bedeutung von Zeichen heißt bekanntlich Semantik. Mit diesem Wort spielt der Titel. Und wenn man sich drauf einlässt vielleicht auch die Zeichnung

Sema ... „Soma“ könnte man vielleicht mit Leib übersetzen. Hier hat man, wenn man mag, das Problemfeld Leib / Seele in einer dadaistische anmutenden Wortfolge untergebracht.
Mit Samsa wird das Wortspiel weiter gespielt. Samsa?
„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen.“ (Kafka, die Verwandlung)
Welche Fragen dieser Text Kafkas stellt, kann ich jetzt hier nicht listen, … ich denke auch, das würde vielleicht zu weit weg führen. Das schwierige Verhältnis Kafkas zu seinem Vater, war sicherlich nicht mein Thema als ich diese Zeichnung zeichnete
Haben Käfer einen Leib? Wer weiß das schon.
(Hier darf diese Zeichenfolge nicht fehlen: Thomas Nagel und "seine Fledermaus") Kann man Kontakt zu Gregor aufnehmen? Wie hängen Bedeutung und Leib und „Kontaktaufnehmen“ zusammen? Ist so eine Zeichnung selbst eine Kontaktaufnahme?

Der „Bug“ auf diesem Blatt, das springt ins Auge, ist (nahezu) in seiner Achsensymmetrie gefangen, während die Hand im Gegensatz dazu geradezu „manieriert“ gezeichnet ist. Ein Unterschied, der vielleicht einen Unterschied macht

Dennoch scheint es eine Berührung gegeben zu haben oder (noch) zu geben.
Wie zeichnet sich so eine Zeichnung? Steht da (bei mir) zunächst ein Konzept, ein ausgeklügelter Gedankengang, eine Komposition in Gedanken? Schwer zu sagen – auch wenn ich schon öfter dabei war

Auf jeden Fall denken die Hände (oops die Hände?) mit. Auch der Stift natürlich. Manchmal hatte ich tatsächlich was vor, aber ziemlich oft geht die Zeichnung ihre eigenen Wege. Es ist ein Zusammenspiel von Finger (als pars pro toto) Stift, dem was bereits auf dem Blatt geschehen ist, dem was ich zuvor „wollte“, worüber ich vielleicht nachdachte, dem Thema, dem ich nachspüren will, all den vielen Zeichnungen (und sonstigen Symboldingen) die ich früher „machte“, den Zeichnungen (und sonstigen Symboldingen) anderer und was weiß ich noch alles …
Das ist so ungefähr das Feld, in dem sich so was abspielt, sicher ziemlich verkürzt gesagt, aber vielleicht genügend für einen ersten Eindruck?
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