http://www.hgb-leipzig.de/ARTNINE/huber/aufsaetze/phantasie.pdf
In seinen mittleren Dialogen wie der Politeia oder dem Theaitetos führte Plato den Begriff der phantasia als eine Ergänzung zu aisthesis (sinnlicher Eindruck, Wahrnehmung), doxa (Meinung, Urteil) und dianoia (Denken) ein.
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In der Phantasielehre des Florentiners Marsilio Ficino (1433–1499) vermischen sich die mittelalterlichen Traditionen mit den Innovationen des Neuplatonismus.
Traditionell an der Phantasielehre Ficinos ist die Deutung der Phantasie als höchstem der inneren Sinne. Imaginatio est sensus communis. Neu an seinem Denken ist dagegen die Idee, dass der Tätigkeit der Phantasie ein quasi-körperliches Geistesvermögen (spiritus) zu Grunde gelegt wird. Dieses Geistesvermögen ist identisch mit dem neuplatonischen Astralleib, dem Bild der Seele (idolum animae). Der Astralleib ist das Subjekt der Phantasie und ist mit dem Geist, der das Weltall belebt, identisch.
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Von der Theorie Marsilio Ficinos ist auch Paracelsus von Hohenheim (1493–1541) abhängig. Er unterscheidet eine vulgäre Phantasie (Eckstein der Narrheit) von einer perfekten Vorstellungskraft, die von den Sternen kommt und im Gemüt des begabten Menschen entspringt, in welchem alle Gestirne verborgen liegen.