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Nietzsche - Gott is tot

Kapernolia

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26. November 2007
Beiträge
4
Hätte eine Frage zu Nietzsche und seinen Madman. Ich muss in Philosophie eine Arbeit schreiben mit der Fragestellung "Übertreibt Nietzsche mit den Folgen von 'Gott is tot' oder untertreibt er mit den Folgen"?
Was ist eure Meinung dazu? Wäre für Anregungen sehr dankbar!
 
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AW: Nietzsche - Gott is tot

Es kommt ein wenig darauf an, auf welchen Text du dich stützen möchtest; nimmt man die letzten Passagen aus dem Antichrist, kann man ein ziemlich übles Bild von N. zeichnen.
Nimmt man aber die zentrale Textstelle aus der "fröhlichen Wissenschaft" (Nr. 125, Der tolle Mensch) wird deutlich, dass er nicht einfach behauptet, Gott sei tot (wie man sagen kann, die Dronte ist ausgestorben), sondern dass er einen Suchenden beschreibt, der zur Erkenntnis kommt, die Menschen haben Gott getötet! Nietzsche gesteht also durchaus zu, dass Gott das "Heiligste und Mächtigste" war, was es bislang auf Erden gab...
Nietzsches Kritik richtet sich also in erster Linie gegen die Menschen und ihre Taten.
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

<Zitat: "Übertreibt Nietzsche mit den Folgen von 'Gott ist tot' oder untertreibt er mit den Folgen"?>
-
Nein.
Nietzsche wollte die Menschen dazu bringen,
von der 2-Welten-Phantasie wegzukommen
- von der Diesseits-Jenseits-Vorstellung.
Er wollte erreichen,
dass die Menschen nicht in das Imaginaere transzendieren,
sondern dass sie immanent transzendieren sollten,
- sich selbst ueberwinden sollten ueber ihren jetzigen Zustand hinaus
zum besseren hin, zum so genannten Uebermenschen.
/
Er kam ja aus einem religioesen Elternhaus und wusste, wovon er sprach.
Einerseit hatte er zu akzeptieren, das der Mensch ein transzendentes Wesen ist.
Andererseits hatte er erkannt, dass der Mensch sich nur autonom entwickeln konnte,
wenn er sich vom Religioesen befreite.
Das "An-einen-imaginaeren-Gott-glauben" war fuer ihn gleichbedeutend
mit der Unfreiheit des Menschen und dessen Behinderung,
sich frei zu entfalten und die Moeglichkeiten auszuleben.
/
Wissenschaftlich koennte man sagen,
den Menschen anthropologisch statt metaphysisch zu betrachten und zu bewerten.
MfG.
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Ich schätze Nietzsches Ansatz ähnlich ein.
Weg vom dichotomischen Denken!
Weg vom (vermeintlichen) Transzendieren in die Ewigkeit.
Statt sich an einem Trugbild der Wahrheit scheinbar zu stärken,
entdecken der Autonomie des Menschen.

Das bedeutet
Verzicht auf Metaphysik
Verzicht auf Religion
innerhalb der Philosophie.

Statt dessen Philosophie allein vom Menschen aus.
Vergleichbar dem Ansatz des Protagoras.

manni :)
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Das mit den Folgen an sich hab ich ja verstanden (Nihilism - den er langfristig als positiv sieht, weil man sich loslösen kann - im Sinne seines Übermenschen) - trotzdem bin ich noch immer total planlos wie ich argumentieren soll - ob Nietzsche nun übertreibt oder untertreibt mit den Folgen die er aufzeigt. Wahrscheinlich sollte ich einfach 'weder-noch' argumentierten, oder was meint ihr?
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Nietzsche hat sich zu einzelnen Themen
- nach eigener Aussage -
bewusst provozierend geaeussert
- der Verdeutlichung wegen gegenueber den Lesern.
Seine gesellschaftskritische Abhandlung 'Goetzendaemmerung'
nennt er im Untertitel 'Wie man mit dem Hammer philosophiert'.
Und seinen 'Zarathustra' laesst er sagen:
"Ich hasse die lesenden Muessiggaenger ....",
denn F.N. aergerte sich darueber,
dass ihn seine Leser nicht immer deutlich verstanden
- also auch missverstanden;
deshalb mag er bisweilen uebertrieben haben.
Dafuer wurde er aber auch der Abartigkeit bezichtigt.
/
< Zitat: Nihilismus, - den er langfristig als positiv sieht, weil man sich loslösen kann >
-
Er benutzt in seinem 'Zarathustra' ja das Gleichnis vom Seiltaenzer,
der auf der Mitte des Seiles abstuerzt in den Tod (und scheitert),
- was soviel bedeutet ins Nichts (Nihilismus) stuerzt.
Damit die Seiltaenzerei des Menschen also positiv endet,
muss er hinueberkommen und eben nicht abstuerzen.
Positiv endet das Unterfangen also nur
durch die 'Ueberwindung des Nihilismus'.
Umgedeutet auf das obige Thema:
Der Mensch muss sich von der Religion befreien und
seine Werte selbst erdenken ....
MfG.
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Ich ergaenze meinen vorigen Beitrag,
um ein allgemeines (Verstaendnis)Problem zu beschreiben,
welches auch fuer Nietzsche natuerlich bestanden hat.
Deshalb vielleicht die Uebertreibung seiner Aussagen
- nach dem Motto -
'Wie man mit dem Hammer philosophiert' (Goetzendaemmerung).
/
Wir erhalten Informationen, die durch
unsere Sinne aufgenommen werden.
Diese Informationen sind physikalische Codes,
verschluesselte Botschaften,
die durch die Funktionalitaet unserer Gehirn-Areale
in Urteile oder Beurteilungen quasi uebersetzt werden muessen.
Dazu muessen wir aber vorher die Entschluesselungs-Routinen
der Codes kennengelernt haben,
sonst kommen wir nicht zu Ergebnissen.
Beispiel:
Das Nicht-Verstehen einer Fremdsprache,
weil wir ihre Codes nicht erlernt haben und deuten koennen.
Aehnlich ist das mit dem Gedankendeuten -
Der Leser kann unseren (philosophischen) Denkprozessen nicht folgen,
weil wir zuviel voraussetzt und in der Darstellung weggelassen haben.
Die Ausage mag fuer ihn unscharf gewesen sein
/
Die Problematik besteht darin, dass die empfangenen
oder die von uns abgegebenen Informationen
oberflaechlich oder unvollkommen sind,
so dass sie vom Rezipienten gedanklich ergaenzt werden.
Da wir offensichtlich ein Gefuehl dafuer entwickelt haben zu empfinden,
wie unvollkommen unsere sprachlichen Botschaften sein koennen,
gestikulieren wir gelegentlich im Gespraech zusaetzlich
oder wir erklaeren in Texten durch mehrere Saetze den selben Sachverhalt
auf verschiedene Art und Weise,
um unsere Informationen zu unterstuetzen,
- damit sie dem Empfaenger verstaendlicher werden und
damit er sich nicht unbeabsichtigte Ergaenzungen macht.
In Texten verwenden wir auch bekannte Gleichnisse oder
wir uebertreiben die Darstellung der Sachverhalte.
/
Wir koennen uns also nie sicher sein, ob das Gesprochene,
Geschriebene oder Gelesene auch richtig verstanden worden ist.
Diese Inkompatibilitaeten in der Kommunikation haben
auch fuer Nietzsche bestanden.
MfGdmz.
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Noch einmal:

Gott ist nicht tot,
sondern bloss beim "Wort zum Sonntag" eingeschlafen.
Adolph Schalk

Gott schaut uns milde lächelnd zu, verteilt die Gefühle und lenkt die Kugeln beim Lotto und sonstigen Glücksspielen.

Liebe Grüße

Zeili
 
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AW: Nietzsche - Gott is tot

Das ist halt so eine Sache mit dem Glauben (dem Für-Wahr-Halten einer unbeweisbaren Sache)...

In der Philosophie gibt es den Begriff von
"Ockhams Rasiermesser ist das Sparsamkeitsprinzip in der Wissenschaft. Es besagt, dass von mehreren Theorien, die den gleichen Sachverhalt erklären, die einfachste zu bevorzugen ist" (Wikipedia)

Und da ich mir die Entstehung der Welt ohne Gott ganz gut erklären kann (und im übrigen aushalten kann, dass es nicht auf alle Fragen Antworten gibt), wozu soll ich zur Erklärung des Ganzen den komplizierteren Weg über einen Gott gehen?
 
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