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Nietzsche - Gott is tot

AW: Nietzsche - Gott is tot

< Zitat 'oktoberwind': Und da ich mir die Entstehung der Welt ohne Gott ganz gut erklären kann ....>
-
Ich akzeptiere beide Modelle, die den Versuch unternehmen,
Entstehung, Ablauf und Ende des Kosmos bzw der Welt zu erklaeren:
Einerseits das religioese Modell, das zuerst da war und - mit den Menschen -
von weit hergekommen ist,
- andererseits das wissenschaftliche Modell, welches Entwicklungschancen hat.
/
Ich halte zwar nichts von der transzendenten, deduktiven Metaphysik
des Religioesen, ....
- der 2Welten-Phantasie bzw imaginaeren Jenseits-Vorstellung -
.... eher schaetze ich die transzendentale, induktive Metaphysik
im Kant'schen Sinne mit ihrer kritischen Erkenntnisbetrachtung.
Ich habe andererseits durch den Kritischen Rationalismus (KarlPopper) gelernt,
dass auch die wissenschaftlichen Modelle bzw Theorien
keine Garantie abgeben koennen, dass man sich ihrer sicher sein kann.
Sie haben jedoch die Freiheit, sich korregieren zu koennen,
wenn sie nicht - wie die religioesen Vorstellungen - in der Dogmafalle landen.
/
Die einen nennen es 'Gott', und haben damit eine Instanz,
die letztlich keine Fragen mehr offen laesst.
Die anderen forschen immer weiter und ahnen bereits,
dass sie die letzte Wahrheit nicht erkennen werden.
Wer also mit mystisch-religioesen Erklaerungsmodellen
gluecklicher leben kann, soll das ruhig tun.
Dazu raten werde ich ihm nicht.
MfG.
 
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AW: Nietzsche - Gott is tot

...aber es sei daran erinnert, dass die, die religiöse Erklärungen bevorzugen, bei weitem nicht immer so tolerant waren wie die Aufklärer; auch heute noch würden viele Fundamentalisten (in anderen Religionen noch ausgeprägter als im Christentum, aber auch dort wieder wachsend) jeden Andersdenkenden lieber umbringen als seine Ansichten bestehen zu lassen...
...insofern kann ich nachvollziehen, dass sich die beiden Seiten nahezu unversöhnlich gegenüberstehen...
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

< Zitat 'oktoberwind': Insofern kann ich nachvollziehen, dass sich die beiden Seiten nahezu unversöhnlich gegenüberstehen >
-
Ja, leider stehen sie sich misstrauisch und ablehnend gegenueber.
Einerseits die Atheisten
- verweisen immer auf die grauenvolle Kirchengeschichte,
oder sie sagen, dass die religioesen Vorstellungen nicht wahr seien,
als wuessten gerade sie, was wahr ist (?)
Haeufig kennen sie die Religion und deren Geschichte
noch nicht einmal gut sondern bestenfalls vom Hoerensagen.
Wer kritisiert, sollte aber doch recht solide Kenntnisse haben ueber das,
was er kritisiert.
Andererseits die Religions-Protagonisten
- leben in der Regel recht gut und mit den modernen Errungenschaften
des saekularen Gemeinschaftswesens,
verweisen aber haeufig auf dessen Orientierungslosigkeit,
als waeren sie die ethisch-moralisch besseren Menschen.
-
Wer ist nun toleranter oder intoleranter ?
Die ehemalige Gruenen-Politikerin und Theologin Antje Vollmer (BRD)
meinte mal in einem TV-Forum,
die Atheisten zeichneten sich durch eine aufgeregte Kritik
gegen alles Religioese aus.
Andererseits habe ich mal in konzilianter Form und im Nietzsche'schen Sinne
gegen das Christentum in einem Diskussionsforum Stellung bezogen
und bin heftig der Blasphemie bezichtigt worden.
-
Ich meine aber, insgesamt sind die so genannte Glaeubigen in der BRD
recht duldsam gegen Kritik ueber ihre christliche Religion.
Sie scheinen mir bisher eher toleranter zu sein als engagierte Atheisten.
Mag auch damit zusammenhaengen, dass die beiden Amtskirchen
am finanziellen Tropf des Gemeinwesens haengen.
-
Ich wuenschte mir die Gelassenheit, die ich in meinem vorigen Beitrag
angedeutet habe, dass sich Religion und Wissenschaft
nicht auschliessen muessen
sondern miteinander einvernehmlich existieren koennen.
Gelegentlich ist von Naturwissenschaftlern zu vernehmen,
dass auch die Wissenschaft nicht hinter die letzten Geheimnisse der Natur blicken wird.
Dieser letzte verbleibende Rest jenseits der Erkenntnismoeglichkeit,
den man mit dem 'Goettlichen der Natur' beschreiben koennte,
welches bestaunenswert ist,
wenn man darunter nur nicht die Vorstellung
eines personalen naiv-instrumentalisierten Gottesbegriffes versteht.
MfG.
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

<Zitat: "Übertreibt Nietzsche mit den Folgen von 'Gott ist tot' oder untertreibt er mit den Folgen"?>
-
Ich moecht doch noch mal auf den Eingangsbeitrag
von 'Kapernolia ' zurueckkommen,
der das Nietzsche'sche "Gott ist tot" zum Inhalt hat.
-
Ich kann mich daran erinnern,
dass in den letzten Jahren in irgendeinem gesellschaftlichen Zusammenhange
- und besonders in juengster Zeit und ueber das Wort zum Sonntag hinaus
('BRD stellt im Augenblick sogar den Papst') -
immer wieder ueber Aktivitaeten der Kirchen oeffentlich geredet worden ist;
- und das geschah natuerlich vor dem Hintergrund von
Religion und Gottesbegriff.
-
Hinsichtlich einer gewissen intellektuellen Konfrontation zwischen
Katholiken und Protestanten tauchen auch deren Repraesentanten
haeufiger in den Medien auf, nehmen an TV-Foren teil und
verkuenden, wie 'mensch' richtig zu leben hat
in Anbetracht der scheinbaren! Orientierungslosigkeit.
-
Konfessionsgebundene Einrichtungen
- Kinderkrippen, Schulen, Krankenhaeuser, Pflegeheime und Altersheime,
Diakonische und Caritative Dienste -
treten deutlicher in das oeffentliche Bewusstsein,
und der Bundespraesident der BRD hat das alles oeffentlich auch gelobt.
-
Die Statistik der BRD besagt, dass von 82 Millionen Einwohnern
ca.53 Millionen eingeschriebene Christen sind,
je zur Haelfte etwa 26,5 Millionen katholisch bzw evang-lutherisch.
Rd.65% der Bevoelkerung in der BRD sind eingeschriebene Christen,
obwohl diese mE mehrheitlich den Glauben oder das Gebet
gelegentlich nur ritual mimen.
-
Hat sich also Nietzsche (geb.1844/gest.1900)
mit seiner Aeusserung "Gott ist tot" geirrt;
war das nur sein Wunschdenken ?
Ich meine, dass F.N. der christlichen Religion und dem Gottesbegriff
mit seiner Floskel "Gott ist tot" ein Denkmal gesetzt hat.
Man gedenkt dem Gotte immer noch und wird auch morgen und uebermorgen
ueber Ihn sprechen.
"Gott ist nicht tot, Er ist lebendiger denn je"
- ob nun existent oder nicht -,
und er liebt die Menschen angeblich alle;
auch die gefallenen Atheisten werden erloest werden.
:-)) MfG.
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Nietzsche gesteht also durchaus zu, dass Gott das "Heiligste und Mächtigste" war, was es bislang auf Erden gab

Und der lässt sich dann von kümmerlichen Menschen plattmachen?
Um mal Captain Kirk zu zitieren: "Wozu brauch Gott ein Raumschiff?" *g*

"Übertreibt Nietzsche mit den Folgen von 'Gott is tot' oder untertreibt er mit den Folgen"?
Es kann keine übertriebene oder untertreibende Folgen von einem "toten" Gott geben weil es keinen Gott gibt.
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Und der lässt sich dann von kümmerlichen Menschen plattmachen?
Um mal Captain Kirk zu zitieren: "Wozu brauch Gott ein Raumschiff?" *g*


Es kann keine übertriebene oder untertreibende Folgen von einem "toten" Gott geben weil es keinen Gott gibt.
Gott hat Dir den Teufel geschickt, um Dich zu prüfen, Gedankenfehler.

Liebe Grüße

Zeili
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Soviel ich weiß ist für Nietzsche, den Philosophen des "Übermenschen", ist der christliche Gott eine begrenzende Macht für den Menschen. "Gott" stehe der Emanzipation des Menschen im Wege.
Ein Sohn Gottes, der sich an ein Kreuz töten lässt, stellt für Nietzsche eine "göttliche Torheit" dar. Eine solche Vorstellung ist ihm absurd. Somit ist für ihn das Christentum durch und durch atheistisch.
Deswegen kommt Nietzsche zu dem Schluss: "Gott ist tot!"

Ich will nichts anspielen, aber Nietzsche landete im Jena-er Irrenhaus. Das soll aber nicht heißen, dass er kein guter Philosoph war.

Man sollte seine Philosophien trotzdem ernst nehmen. Viele - u.a. Anselm von Canterbury, Thomas von Aquin, usw. - versuchten Gott zu beweisen.
Haben diese Philosophen nicht womöglich dazu beigetragen, dass dem Menschen Grenzen gesetzt worden sind?
 
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AW: Nietzsche - Gott is tot

Nietzsche ist tot - Gott lebt in uns.

Nietzsches Irrsinn, seine Mangelkomplex und die Fehldiagnose des Übermenschen zeigen es doch so deutlich an, wie es bei keinen anderen Philosophen der Fall war.

Ich behaupte mal er war gar kein Philosoph, weil er nämlich NICHT eine einzige metaphysikalische Definition im Sinne einer Gesamtphilosophie entwickelte. Nur Spuck und Schmach eines kranken Geistes. Es ist schon traurig zu sehen, wie solch Irrsinn endet.

Nichts desto weniger, war Nietzsche ein hervorragender Poet und Visionär, den man als Kontrastierung in der Philosophie nicht wegdenken kann.
So hat er auch wertvolle Einzelwahrheiten von sich gegeben.
Mein Lieblingszitat: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." Tatsächlich aber war Nietzsches Leben ein Irrtum. Das was man von sich gibt, ist immer nur der Ausdruck seiner selbst, seines Inneren. Das Zitat stammt noch aus einer Zeit, wo sein geist noch nicht den völligen Irrsinn verfällen war.

Axl
 
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