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Nietzsche - Gott is tot

AW: Nietzsche - Gott is tot

Ich bezweifle stark, dass Du jemals Nietzsche nur im Ansatz verstanden hast, siehe Themenantworten zu besser leben ohne Gott, ohne Sinn, ohne ganzer Natur. Du stellst die Inselten, den Riesenbärenklau und die Naturgewalten als Mangel dar. Es ist Dein eigener Mangel - ein ganzer Mangelkomplex.

Aber Nietzsche willst DU verstanden haben - ich lache vom ganzen Herzen, ich hoffe mit Dir zusammen, denn der Humor ist es, der uns vor der Verzweiflung des Denkfleisches bewahrt.

Axl

Da ich keine Lust verspüre, mich auf dieses Niveau herabzubegeben und mit jemand zu diskutieren, der seine Wahrheit wohl mit Löffeln gefressen hat (ohne zu merken, dass sie nur aus Oberflächlichkeiten und Vorurteilen zusammengestückelt ist), werde ich deine Beiträge in Zukunft ignorieren.
 
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AW: Nietzsche - Gott is tot

Da ich keine Lust verspüre, mich auf dieses Niveau herabzubegeben und mit jemand zu diskutieren, der seine Wahrheit wohl mit Löffeln gefressen hat (ohne zu merken, dass sie nur aus Oberflächlichkeiten und Vorurteilen zusammengestückelt ist), werde ich deine Beiträge in Zukunft ignorieren.

Wenn Du das, also mein Denken für Oberflächlich und aus zusammengestückelten Vorurteilen bezeichnest, dann bist Du ja der Tiefdenker und nicht ich. Wie dem auch sei, ich habe es nicht böse gemeint, jedoch kann ich aus Deinen Aussagen nur LUFT entnehmen, nicht einen einzigen Nietzschegedanken, der davon zeugt, dass die Bücher auch zum Lesen dar sind und nicht zum im Regal stehen zu haben.

Ignoranz ist typisch für die beschränkte Masse, sehr schade, dass Du anscheinend keine "Eier in der Hose" hast, um diesen Disput durchzustehen und aus zutragen. Ganz ehrlich, habe ich von Deinem Intellekt einfach mehr erwartet. Leider habe ich mich dabei auch von Deinem starken Nietzschezitat aus Deiner Signatur täuschen lassen, sodass ich von Dir als angeblichen Nietzschekenner und Nietzschefan restlos enttäuscht bin. Aber das Ende der Täuschung ist etwas GUTES.

Schade!
Axl
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Nun ja, ich gehe mal von der Authentizität der nachgelassenen Schriften aus. Hier einige Auszüge:
Das Thema der Texte könnte auch als "Angst vor dem Werden - Zuflucht im Sein" oder auch als "Scheinbar Objektivität - Eigentlich Konstruktion" beschrieben werden; der erste Untertitel lässt sich mithilfe des folgenden Beispiels aus einem Fragment vom Nietzsches Nachlass verdeutlichen:

"Zur Psychologie der Metaphysik":
Diese Welt ist scheinbar – folglich giebt es eine wahre Welt.
Diese Welt ist bedingt – folglich giebt es eine unbedingte Welt.
Diese Welt ist widerspruchsvoll – folglich gibt es eine widerspruchslose Welt.
Diese Welt ist werdend – folglich gibt es eine seiende Welt.
Lauter falsche Schlüsse (blindes Vertrauen in die Vernunft: wenn A ist, so muss auch sein Gegensatz-Begriff B sein).
Zu diesen Schlüssen inspiriert das Leiden: im Grunde sind es Wünsche, es möchte eine solche Welt geben; ebenfalls drückt sich der Haß gegen eine Welt, die leiden macht, darin aus, dass eine andere imaginirt wird, eine werthvolle: das Ressentiment der Metaphysiker gegen das Wirkliche ist hier schöpferisch.
Zweite Reihe von Fragen: wozu Leiden? ... und hier ergiebt sich ein Schluss auf das Verhältnis der wahren Welt zu unsrer scheinbaren, wandelbaren leidenden und widerspruchsvollen.

Der zweite Titel lässt sich mit Hilfe der nachstehenden Exempel
ebenfalls aus Nietzsche' Nachlass veranschaulichen:

Ein und dasselbe zu bejahen und zu verneinen mißlingt uns: das ist ein subjektiver Erfahrungssatz, darin drückt sich keine „Nothwendigkeit“ aus, sondern nur ein Nicht-vermögen.
Wenn, nach Aristoteles der Satz vom Widerspruch der gewisseste aller Grundsätze ist, wenn er der letzte und unterste ist, auf den alle Beweisführung<en> zurückgehn, wenn in ihm das Princip aller anderen Axiome liegt: um so strenger sollte man erwägen, war er im Grunde schon an Behauptungen voraussetzt. Entweder wird mit ihm etwas in Betreff des Wirklichen, Seienden behauptet, wie als ob er dasselbe anderswoher bereits kennte: nämlich daß ihm nicht entgegengesetzte Prädikate zugesprochen werden sollen? Dann wäre Logik ein Imperativ, nicht zur Erkenntniß des Wahren, sondern zur Setzung und Zurechtmachung einer Welt, die uns wahr heißen soll. (…) Das begriffliche Widerspruchsverbot geht von dem Glauben aus, daß wir Begriffe bilden können, daß ein Begriff das Wahre eines Dinges nicht nur bezeichnet, sondern faßt … Thatsächlich gilt die Logik (wie die Geometrie und Arithmetik) nur von fingirten Wahrheiten, die wir geschaffen haben. Logik ist der Versuch, nach
einem von uns gesetzten Seins-Schema die wirkliche Welt zu begreifen, richtiger, uns formulirbar, berechenbar zu machen…»

und:

Unsre subjektive Nöthigung, an die Logik zu glauben, drückt nur aus, daß wir, längst bevor uns die Logik selber zum Bewußtsein kam, nichts gethan haben als ihre Postulate in das Geschehen hineinlegen: jetzt finden wir sie in dem Geschehen vor – wir können nicht mehr anders – und vermeinen nun, diese Nöthigung verbürge etwas über die „Wahrheit“. Wir sind es, die „das Ding“, das „gleiche Ding“, das Subjekt, das Prädikat, das Thun, das Objekt, die Substanz, die Form geschaffen haben, nachdem wir das Gleichmachen, das Grob- und Einfachmachen am längsten getrieben haben.
Die Welt erscheint uns logisch, weil wir sie erst logisirt haben.

Mfg
Andronikus

Hallo Andronikus,

ich denke Du hast die gute Beispiele genannt, jedoch bestätigen sie genau das, was ich mit meinen oben genannten Aussagen und den Aussagen des Nietzsche-Themas von mir in Einklang sehe.

Axl
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Hier noch ein "Verweis":
______________________


"Der Mann bleibt mir – bei allen amüsierenden, oft geistreichen Lesefrüchten – als Prototyp des großsprecherischen Kleingeistes, des ängstlichen Machtmenschen, des habituellen Wichtigtuers, des beständig um sich selbst Besorgten zutiefst unsympathisch. Nietzsche hatte keine philosophische Begabung, wenn zur Philosophie das Bemühen um gedankliche Klarheit und argumentative Sorgfalt gehört. Nietzsche war im Sinne der Großen der Philosophie kein Philosoph und sollte auch nicht als solcher gelesen werden. Er sollte gelesen werden, als Dokument eines Zeitgeistes, der in seinen Ressentiments, seiner inneren Widersprüchlichkeit und seiner besonderen Faszination (besonders für die Kleinen, die Großes von sIch meinen wollen), bis heute fortwirkt."
Julian Nida-Rümelin, Kulturreferent Münchens, anlässlich der Feierlichkeiten zum 100.Todestages von Friedrich Nietzsche. Süddeutsche Zeitung, 29.8.2000, S.15
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Hier noch ein "Verweis":
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"Der Mann bleibt mir – bei allen amüsierenden, oft geistreichen Lesefrüchten – als Prototyp des großsprecherischen Kleingeistes, des ängstlichen Machtmenschen, des habituellen Wichtigtuers, des beständig um sich selbst Besorgten zutiefst unsympathisch. Nietzsche hatte keine philosophische Begabung, wenn zur Philosophie das Bemühen um gedankliche Klarheit und argumentative Sorgfalt gehört. Nietzsche war im Sinne der Großen der Philosophie kein Philosoph und sollte auch nicht als solcher gelesen werden. Er sollte gelesen werden, als Dokument eines Zeitgeistes, der in seinen Ressentiments, seiner inneren Widersprüchlichkeit und seiner besonderen Faszination (besonders für die Kleinen, die Großes von sIch meinen wollen), bis heute fortwirkt."
Julian Nida-Rümelin, Kulturreferent Münchens, anlässlich der Feierlichkeiten zum 100.Todestages von Friedrich Nietzsche. Süddeutsche Zeitung, 29.8.2000, S.15

Na Gott sei dank, dass Du lieber Reinhard die Dinge so benennst, wie sie wirklich sind.

Nietzsche ist ein visionärer Poet - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Dass man seine Werke damals und heute für Philosophie hält, ist eben ein Irrglauben.

Axl
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Ich habe heute folgende Bücher mir noch einmal vorgenommen:

"Die Seele des Menschen" von Erich Fromm
http://www.amazon.de/Die-Seele-Menschen-Fähigkeit-Guten/dp/3423350059
sozusagen der Gegenpart zu "Die Kunst des Liebens"
http://www.amazon.de/Die-Kunst-Lieb...=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1233688543&sr=1-1

und von Alfred Adler, berühmtester Schüler von Freud und neben Freud und Jung einer der großen drei, der Tiefenpsychologie....
"Der Sinn des Lebens" als Spät-Hauptwerk,
http://www.amazon.de/Sinn-Lebens-Al...=sr_1_4?ie=UTF8&s=books&qid=1233688682&sr=1-4
indem der Bezug >>Mensch - Kosmos<< auf einem formenden Bezug des Lebens gebracht wird und
"Menschenkenntnis"
http://www.amazon.de/Menschenkenntn...=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1233688827&sr=1-1
indem ganz klar hervorgeht, dass es generell Irrtümer im Erwerb von Wissen gibt, die bedauerlich und schädlich sind. Aber "Irrtümer in der Menschenkenntnis sind meist lebensgefährlich." so Adler im Vorwort.

Deshalb meine Bitte, Nietzsche ist das beste Beispiel für fatale Irrtümer in der Menschenkenntnis, weil er von pessimistischen Schopenhauer geistig kontaminiert wurde und so dem Leben, der Lebendigkeit, der Liebe entsagte.

Hören wir auf diejenigen, die selbst lieben und die Liebe des Lebens selbst für das WICHTIGSTE erachten.

Lieben Gruß,
denn ich lebe und liebe
Euer Axl
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Deshalb meine Bitte, Nietzsche ist das beste Beispiel für fatale Irrtümer in der Menschenkenntnis, weil er von pessimistischen Schopenhauer geistig kontaminiert wurde und so dem Leben, der Lebendigkeit, der Liebe entsagte.
Hören wir auf diejenigen, die selbst lieben und die Liebe des Lebens selbst für das WICHTIGSTE erachten.

Vom pessimistischen Schopenhauer geistig kontaminiert? Ist denn Schopenhauers Philosophie eine Krankheit? Und was ist dann Nietzsche - ein Symptom? Was ist denn das für eine überhebliche Art über zwei Denker, dessen geistige Horizonte und Wirkbereiche gar nicht zu ermessen sind, zu urteilen? Das ist alles andere als objektiv. Tut mir leid, aber auf so einer Basis kann man keine vernünftige Diskussion führen.

Mfg
 
AW: Nietzsche - Gott is tot

Aber abgesehen von ihrem Denken sind sie vor allem menschliche Individuen - und jedes Individuum ist an und für sich unergründlich.

Mfg
 
AW: Nietzsche

"...die Dinge höchsten Wertes müssen einen andern, eignen Ursprung haben – aus dieser vergänglichen verführerischen täuschenden geringen Welt, aus diesem Wirrsal von Wahn und Begierde sind sie unableitbar! Vielmehr im Schoße des Seins, im Unvergänglichen, im verborgnen Gotte, im ›Ding an sich‹ – da muß ihr Grund liegen, und sonst nirgendswo!« – Diese Art zu urteilen macht das typische Vorurteil aus, an dem sich die Metaphysiker aller Zeiten wiedererkennen lassen; diese Art von Wertschätzungen steht im Hintergrunde aller ihrer logischen Prozeduren; aus diesem ihrem »Glauben« heraus bemühn sie sich um ihr »Wissen«, um etwas das feierlich am Ende als »die Wahrheit« getauft wird. Der Grundglaube der Metaphysiker ist der Glaube an die Gegensätze der Werte. Es ist auch den Vorsichtigsten unter ihnen nicht eingefallen, hier an der Schwelle bereits zu zweifeln,... Man darf nämlich zweifeln, erstens, ob es Gegensätze überhaupt gibt, und zweitens, ob jene volkstümlichen Wertschätzungen und Wert-Gegensätze, auf welche die Metaphysiker ihr Siegel gedrückt haben, nicht vielleicht nur Vordergrunds-Schätzungen sind, nur vorläufige Perspektiven,... es wäre möglich, daß dem Scheine, ..., dem Eigennutz und der Begierde ein für alles Leben höherer und grundsätzlicherer Wert zugeschrieben werden müßte....Man muß ...die Ankunft einer neuen Gattung von Philosophen abwarten, solcher, die irgendwelchen andern, umgekehrten Geschmack und Hang haben als die bisherigen – Philosophen des gefährlichen 'Vielleicht' in jedem Verstande. – Und allen Ernstes gesprochen: ich sehe solche neue Philosophen heraufkommen." Nietzsche, Friedrich: Jenseits von Gut und Böse. Erstes Hauptstück. Von den Vorurteilen der Philosophen 1-10 .


Kritikern an philosophischen Selbstverständlichkeiten wurde in der Philosophiegeschichte der Neuzeit und wird der Moderne gern mit dem Argument begegnet, dass sie keine Philosophen seien. So lässt es sich leicht denken und leicht reden über jeden, der Hergebrachtes aus anderen Blickwinkeln als den Gewohnten betrachtet. Irrelevant heißt das Etikett, das man ihm aufklebt und ihm so den partnerschaftlichen Diskurs verwehrt. Weshalb diese Ablehnung von Menschen, die reflektieren und tastend vorwärts gehend Neues erproben möchten?

Zu den Philosophen, die Nietzsche "heraufkommen" sah und die in Verbindung mit der Notwendigkeit des Miteinander-Handelns und Miteinander-Sprechens dem "Vielleicht" vor der 'unerreichbaren Wahrheit' den Vorzug gaben, gehört der erst vor wenigen Jahren verstorbene Richard Rorty.

"Geben wir den Gedanken auf, daß der Philosoph etwas über das Erkennen erkennen kann, was kein anderer ebenso gut zu erkennen vermag. ...Könnten wir endlich einsehen, daß der Wunsch nach einem ewigen, neutralen, ahistorischen Kommensurationsvoka*bular selbst ein geschichtliches Phänomen ist, dann könnten wir vielleicht eine weniger dialektische und weniger sentimentale Philosophiegeschichte schrei*ben als dies bisher möglich war. ... Es würde gleichfalls bedeuten, daß wir nicht mehr daran glauben, daß es so etwas wie eine »philosophische Methode« oder »philosophische Technik« oder »den philosophischen Stand*punkt« gibt, die es dem professionellen Philosophen ex officio ermöglichen, beispielsweise über die Respektabilität der Psycho*analyse, die Legitimität zweifelhafter Gesetze, die Auflösung moralischer Konflikte, die »Fundiertheit« der Beiträge historiogra*phischer Schulen oder literarischer Kritiker und dergleichen inter*essante Ansichten zu haben. Die Philosophen haben tatsächlich häufig zu solchen Fragen interessante Ansichten, und ihre profes*sionelle Ausbildung als Philosophen ist oft eine notwendige Bedingung dafür, daß sie zu diesen Ansichten gekommen sind. Aber dies bedeutet nicht, daß die Philosophen über eine besondere Erkenntnisweise der Erkenntnis (oder anderer Gegenstände) verfügen, aus der sie die relevanten Folgerungen ziehen." Richard Rorty: Spiegel der Natur, S. 424f.

manni :)
 
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AW: Nietzsche

"...die Dinge höchsten Wertes müssen einen andern, eignen Ursprung haben – aus dieser vergänglichen verführerischen täuschenden geringen Welt, aus diesem Wirrsal von Wahn und Begierde sind sie unableitbar! Vielmehr im Schoße des Seins, im Unvergänglichen, im verborgnen Gotte, im ›Ding an sich‹ – da muß ihr Grund liegen, und sonst nirgendswo!« – Diese Art zu urteilen macht das typische Vorurteil aus, an dem sich die Metaphysiker aller Zeiten wiedererkennen lassen; diese Art von Wertschätzungen steht im Hintergrunde aller ihrer logischen Prozeduren; aus diesem ihrem »Glauben« heraus bemühn sie sich um ihr »Wissen«, um etwas das feierlich am Ende als »die Wahrheit« getauft wird. Der Grundglaube der Metaphysiker ist der Glaube an die Gegensätze der Werte. Es ist auch den Vorsichtigsten unter ihnen nicht eingefallen, hier an der Schwelle bereits zu zweifeln,... Man darf nämlich zweifeln, erstens, ob es Gegensätze überhaupt gibt, und zweitens, ob jene volkstümlichen Wertschätzungen und Wert-Gegensätze, auf welche die Metaphysiker ihr Siegel gedrückt haben, nicht vielleicht nur Vordergrunds-Schätzungen sind, nur vorläufige Perspektiven,... es wäre möglich, daß dem Scheine, ..., dem Eigennutz und der Begierde ein für alles Leben höherer und grundsätzlicherer Wert zugeschrieben werden müßte....Man muß ...die Ankunft einer neuen Gattung von Philosophen abwarten, solcher, die irgendwelchen andern, umgekehrten Geschmack und Hang haben als die bisherigen – Philosophen des gefährlichen 'Vielleicht' in jedem Verstande. – Und allen Ernstes gesprochen: ich sehe solche neue Philosophen heraufkommen." Nietzsche, Friedrich: Jenseits von Gut und Böse. Erstes Hauptstück. Von den Vorurteilen der Philosophen 1-10 .


Kritikern an philosophischen Selbstverständlichkeiten wurde in der Philosophiegeschichte der Neuzeit und wird der Moderne gern mit dem Argument begegnet, dass sie keine Philosophen seien. So lässt es sich leicht denken und leicht reden über jeden, der Hergebrachtes aus anderen Blickwinkeln als den Gewohnten betrachtet. Irrelevant heißt das Etikett, das man ihm aufklebt und ihm so den partnerschaftlichen Diskurs verwehrt. Weshalb diese Ablehnung von Menschen, die reflektieren und tastend vorwärts gehend Neues erproben möchten?

Zu den Philosophen, die Nietzsche "heraufkommen" sah und die in Verbindung mit der Notwendigkeit des Miteinander-Handelns und Miteinander-Sprechens dem "Vielleicht" vor der 'unerreichbaren Wahrheit' den Vorzug gaben, gehört der erst vor wenigen Jahren verstorbene Richard Rorty.

"Geben wir den Gedanken auf, daß der Philosoph etwas über das Erkennen erkennen kann, was kein anderer ebenso gut zu erkennen vermag. ...Könnten wir endlich einsehen, daß der Wunsch nach einem ewigen, neutralen, ahistorischen Kommensurationsvoka*bular selbst ein geschichtliches Phänomen ist, dann könnten wir vielleicht eine weniger dialektische und weniger sentimentale Philosophiegeschichte schrei*ben als dies bisher möglich war. ... Es würde gleichfalls bedeuten, daß wir nicht mehr daran glauben, daß es so etwas wie eine »philosophische Methode« oder »philosophische Technik« oder »den philosophischen Stand*punkt« gibt, die es dem professionellen Philosophen ex officio ermöglichen, beispielsweise über die Respektabilität der Psycho*analyse, die Legitimität zweifelhafter Gesetze, die Auflösung moralischer Konflikte, die »Fundiertheit« der Beiträge historiogra*phischer Schulen oder literarischer Kritiker und dergleichen inter*essante Ansichten zu haben. Die Philosophen haben tatsächlich häufig zu solchen Fragen interessante Ansichten, und ihre profes*sionelle Ausbildung als Philosophen ist oft eine notwendige Bedingung dafür, daß sie zu diesen Ansichten gekommen sind. Aber dies bedeutet nicht, daß die Philosophen über eine besondere Erkenntnisweise der Erkenntnis (oder anderer Gegenstände) verfügen, aus der sie die relevanten Folgerungen ziehen." Richard Rorty: Spiegel der Natur, S. 424f.

manni :)

Am schlimmsten finde ich aber, dass man viele oft darum bemüht sieht, um Philosophen, die - wie Nietzsche - als "subversiv" gelten, einen weiten Bogen zu machen, und die gewaltige Fülle ihrer originellen Ideen mit ein paar althergebrachten Begriffen abzustempeln, wie: "Nietzsche - ach, ja, der Wahnsinnige"; oder zu Schopenhauer: "Ein unverbesserlicher Pessimist". Wenige setzen sich objektiv mit den Inhalten, die sie zu bieten haben, auseinander, beziehen objektiv Stellung zu ihren Aussagen oder versuchen zu beschreiben, wie sie deren Thesen verstanden und darüber nachgedacht haben.

Nein, das wäre ja der Mühe des Denkens nicht wert, deswegen ein leichtfertiges Urteil schnell bei der Hand ist, um weitere Diskussionen überflüssig zu machen, denn wer will schon über die Thesen eines Wahnsinnigen oder den Gedankenstuss eines unverbesserlichen Pessimisten nachdenken?

Mfg
Andronikus
 
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