• Willkommen im denk-Forum für Politik, Philosophie und Kunst!
    Hier findest Du alles zum aktuellen Politikgeschehen, Diskussionen über philosophische Fragen und Kunst
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

Lehrer arbeiten wenig und verdienen zu viel!

Werbung:
Pauschal ist nichts richtig.
Ein Freund hat ein Mädchen adoptiert, das mit 4 Jahren 9 Monate in der Entwicklung zurückgeblieben war, weil die leibliche Mutter während der Schwangerschaft schwere Drogen nahm. In der zweiten Grundschulklasse war sie schon Zweitbeste des Jahrgangs. Das staatliche Bildungssystem heilt nicht, sondern verwaltet nur die Defizite der Menschen.

Was genau meinst du mit "heilen" in diesem Zusammenhang? Das FAS ist jedenfalls nicht heilbar. Kinder mit kognitiven und anderweitigen Beeinträchtigungen haben aber die Möglichkeit, sofern die Eltern dies wünschen (sehr viel hängt inzwischen von der Kooperationsbereitschaft der Eltern ab), in entsprechenden Förderschulen gezielt beschult zu werden oder in Regelschulen zu lernen, wobei eine entsprechende Förderung hier meist nur stark eingeschränkt möglich ist. Es fehlen schlicht ausreichend Fachkräfte zur Förderung dieser Kinder.

Offiziell hat das staatliche Bildungssystem - das ist weitgehend Konsens in der Bildungsforschung - in Deutschland drei Hauptaufgaben:

1) Persönlichkeitsbildung und Teilnahme am kulturellen Leben
2) Vermittlung von für die Berufswelt notwendigen Qualifikationen
3) Aufgabe der Selektion nach dem Leistungsprinzip

Viel mehr ist im Rahmen der schulischen Wirklichkeit auch gar nicht sinnvoll zu leisten und selbst das sind eigentlich Ideale, denen man sich nur mühsam annähern kann. Dass darüber hinaus Lehrkräfte mit allerlei Zusatzaufgaben und Anforderungen überschüttet werden (jeder Schüler soll im Grunde passgenau individuell gefordert und gefördert werden), die sich teilweise eklatant widersprechen - einerseits soll man nach Niveaustufen selektieren, andererseits aber auch jedem alle Chancen ermöglichen -, macht die Sache nicht einfacher.
 
Mit geheilt meinte ich, dass das Kind den Entwicklungsrückstand von ca 9 Monaten mehr als aufgeholt hat. Staatliche Einrichtungen haben zwar auch Programme für so etwas. Diese heilen die Rückstände aber nicht, sondern verwalten sie nur, weil es staatlich gesteuerten Einrichtungen nicht um Heilung geht, sondern um die Versorgung der dort Beschäftigten.
 
Mit geheilt meinte ich, dass das Kind den Entwicklungsrückstand von ca 9 Monaten mehr als aufgeholt hat. Staatliche Einrichtungen haben zwar auch Programme für so etwas. Diese heilen die Rückstände aber nicht, sondern verwalten sie nur, weil es staatlich gesteuerten Einrichtungen nicht um Heilung geht, sondern um die Versorgung der dort Beschäftigten.

Heilung assoziiere ich eher mit Krankheit, insofern stimmt es wohl, dass die Regelschule nicht dazu da ist, Krankheiten zu heilen. Hierfür gibt es andere Institutionen. Ich denke schon, dass aber auch an staatlichen Schulen die Kinder mit Lernrückständen nicht einfach im Stich gelassen werden. Jedenfalls erlebe ich das im Berufsalltag nicht so. Man ist immer bemüht, den Kindern möglichst gerecht zu werden, soweit dies im Rahmen der dort gegebenen Möglichkeiten eben machbar ist.
 
Heilung assoziiere ich eher mit Krankheit, insofern stimmt es wohl, dass die Regelschule nicht dazu da ist, Krankheiten zu heilen. Hierfür gibt es andere Institutionen. Ich denke schon, dass aber auch an staatlichen Schulen die Kinder mit Lernrückständen nicht einfach im Stich gelassen werden. Jedenfalls erlebe ich das im Berufsalltag nicht so. Man ist immer bemüht, den Kindern möglichst gerecht zu werden, soweit dies im Rahmen der dort gegebenen Möglichkeiten eben machbar ist.
Man ist immer bemüht


Besser kann man Defizite nicht zum Ausdruck bringen. Wer heilt hat recht.
 
Natürlich ist nicht jede Privatschule besser als jede staatliche. Aber: Lehrer an Privatschulen sind/feiern deutlich seltener krank, sind deshalb mehr präsent, es kommt zu weniger Ausfällen, weil nur Beamte länger und öfter krank sein können, ohne Einkommen und Job zu verlieren. Wie ich an meinem Beispiel zeigte, müssen Lehrer von Privatschulen, bei durchschnittlich geringerem Gehalt auch mehr arbeiten, öfter abends in der Schule sein. Außerdem steht durch das Schulgeld mehr finanzieller Spielraum zur Verfügung. Ich will mich über meine Schulzeit nicht beschweren. Aber die Tatsache, dass ich noch nicht einmal drei sehr gute Lehrer hatte, hat auch damit zu tun. Der zweite sehr gute Lehrer, den ich hatte, war Peter Bieri an der Uni. Es überrascht mich nicht, dass er den staatlichen Hochschulbetrieb verlassen hat und auf seine Daueralimentationsrechte verzichtete. Das verbeamtete Bildungssystem ist an den Wurzeln morsch und krank.
 
Hallo zusammen,

ich bin Lehrer. Ich verdiene vor Abzug der privaten Krankenversicherung ca. 3700 Euro Netto im Monat (A13 halt, ist ja kein Geheimnis) und arbeite offiziell 27 Schulstunden pro Woche (27x45 Minuten = 20,25 Zeitstunden). Das macht einen Stundenlohn von knapp 45,68 Euro. In der Regel darf ich direkt nach Unterrichtsschluss (12:45 Uhr) nach Hause fahren und kann - sofern ich das möchte und ungebunden bin - z.B. ins Schwimmbad gehen oder etwas Shopping in der Innenstadt veranstalten und zwischendurch in teuren Filialen noch teurere Kaffeegenüsse konsumieren. Außerdem bin ich verbeamtet, demzufolge werde ich einst eine solide Pension genießen dürfen und bis dahin über einen unkündbaren Arbeitsplatz verfügen. Sorgen um meinen Job kenne ich jedenfalls nicht. Ferien habe ich reichlich und kann diese ausgiebig und regelmäßig genießen. Jetzt im Sommer sind es ganze sechs Wochen, die ich bestens vergütet in die Karibik fahren könnte.

Man kann also sagen, dass es stimmt: Verglichen mit einem "normalen" Arbeitnehmer geht es mir als Lehrer durchaus gut. Um noch offener zu sprechen: Es ist geradezu eine Unverschämtheit, was ich mir als Lehrer erlaube, während andere den ganzen Tag schuften, den schlechten Atem des Chefs dabei im Nacken spüren und am Ende des Monats kaum ihre Miete (ganz zu schweigen von den Nebenkosten) begleichen können.

Und ganz Lehrer, der ich bin, stelle ich eine Aufgabe: Findet die Fehler!
Was man den einen zu viel gibt, muss man den anderen vorenthalten.
 
Natürlich ist nicht jede Privatschule besser als jede staatliche. Aber: Lehrer an Privatschulen sind/feiern deutlich seltener krank, sind deshalb mehr präsent, es kommt zu weniger Ausfällen, weil nur Beamte länger und öfter krank sein können, ohne Einkommen und Job zu verlieren. Wie ich an meinem Beispiel zeigte, müssen Lehrer von Privatschulen, bei durchschnittlich geringerem Gehalt auch mehr arbeiten, öfter abends in der Schule sein. Außerdem steht durch das Schulgeld mehr finanzieller Spielraum zur Verfügung. Ich will mich über meine Schulzeit nicht beschweren. Aber die Tatsache, dass ich noch nicht einmal drei sehr gute Lehrer hatte, hat auch damit zu tun. Der zweite sehr gute Lehrer, den ich hatte, war Peter Bieri an der Uni. Es überrascht mich nicht, dass er den staatlichen Hochschulbetrieb verlassen hat und auf seine Daueralimentationsrechte verzichtete. Das verbeamtete Bildungssystem ist an den Wurzeln morsch und krank.

Nun ja, ob Privatschulen nun besser sind oder nicht - dazu habe ich alle relevanten Aspekte bereits erwähnt. Nur dies noch: Privatschulen können nur relativ wenige (in Deutschland besuchen ca. 8% Privatschulen) Schülerinnen und Schüler überhaupt erreichen; das liegt nicht nur am Schulgeld, welches sich teilweise stark unterscheidet, sondern an den schon erwähnten pädagogischen Spezialisierungen. Hier werden eben Eltern angesprochen und bedient, die ihre Kinder sehr bewusst erziehen und individueller fördern wollen. Oft hat das auch konkrete Gründe, z.B. kommen die Kinder an staatlichen Schulen nicht zurecht, können sich schlecht ins soziale Gefüge einordnen oder sind überfordert. Privatschulen sind hier also als ergänzendes Angebot sinnvoll und haben gewiss ihre Daseinsberechtigung. Vielfalt ist besser als Einfalt.

Was du über die Krankenstände und Arbeitszeiten/Arbeitseinstellungen etc. sagst, kann ich so nicht recht nachvollziehen und mich wundert es, woher du selbst diese Erkenntnisse nimmst? Auch an Privatschulen gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regelungen und die konkreten Arbeitsbedingungen vor Ort sind sicherlich mindestens so vielfältig wie an staatlichen Schulen auch.
 
Der Krankenstand der gesetzlich Versicherten liegt im langfristigen Schnitt in Deutschland zwischen 2,5-3,5%, bei Beamten 15-17%. Die gesetzlich Versicherten haben im Normalfall 6 Wochen Lohnfortzahlung, Beamte bis Lebensende.
 
Werbung:
Der Krankenstand der gesetzlich Versicherten liegt im langfristigen Schnitt in Deutschland zwischen 2,5-3,5%, bei Beamten 15-17%. Die gesetzlich Versicherten haben im Normalfall 6 Wochen Lohnfortzahlung, Beamte bis Lebensende.

Mir ist nicht klar, woher du diese Zahlen nimmst. Der Krankenstand von Beamten wird nur äußerst lückenhaft erfasst und die Zahlen schwanken je nach Schulform/Amt/Tätigkeitsbereich/Bundesland teilweise drastisch.

Dass Beamte im Krankheitsfall "bis Lebensende" Lohnfortzahlung (Alimente) erhalten, ist nicht korrekt. Wer innerhalb von sechs Monaten drei Monate dienstunfähig ist, kann vom Amtsarzt auf dauerhafte Dienstunfähigkeit überprüft werden. So wird etwa jeder 6. Beamte zwangspensioniert, wobei deutliche finanzielle Einbußen (Abzüge für nicht geleistete Arbeitsjahre) hinzunehmen sind.

Aber das alles scheint ohnehin gleichgültig zu sein vor dem Hintergrund, dass du offenbar kein Freund des Beamtenstandes bist und dich schwerlich vom Gegenteil wirst überzeugen lassen. Ich selbst wollte gar kein Beamter werden und hätte den Beruf auch ohne diesen Status ausgeübt; auch stört mich die Umständlichkeit mit der Privatversicherung - sie ist teuer, bedeutet viel Papierkram und ich finde das System überaltert und sozial ungerecht. Es fühlt sich aber im Nachhinein betrachtet alles in allem gar nicht so schlecht an, verbeamtet zu sein. Auch meine beiden Geschwister sind verbeamtet (wenngleich beide nicht als Lehrer), es muss also in der Familie liegen.
 
Zurück
Oben