AW: Die Verwesung Denken
Jeder Maler weiß, dass er Realität nicht malen kann,
sondern nur seine jeweilige Vorstellung davon.
Solange er an der Vorstellung hängen bleibt,
er schaffe ein Abbild der Realität
wird er über Zahlenmalen nie hinauskommen.
Wenn ich in den Himmel schaue und dort was sehe,
das vermutlich ein Flugzeug mit Kondensstreifen ist,
dann ist mir gleichzeitig das bewußt,
was ich außerdem sehe:
Eine ganz spezielle langgezogene spitze Form,
die in der Regel grade wie Messerschnitt
durch ansonsten unteilbares Blau zieht.
Außerdem ein Abklingen der Farbintensität Richtung Ursprung.
Und eine spurerschaffende Spitze,
die als einziger Teil des ganzen Gebildes
ganz besondere Perspektive hat:
hier die Spitze in ihrem Das-bin-ich,
direkt vor ihr unberührte Ganzandersartigkeit.
Und das ist längst nicht alles,
was man sich vorstellen kann und darum sieht.
Oder halt umgekehrt: Längst nicht alles,
was man sehen und sich darum vorstellen kann.
Es gibt Realität, ja.
Aber niemand kann seriöse Auskunft
über deren Beschaffenheit geben.
Was Du Dir vorstellst Frau FrüherVogel, ist Deine Vorstellung.
Auch das, wovon Du Dir vorstellst,
dass es vorstellungsgerecht bzw. -unangemessen ist.
Und genau das ist der springende Punkt:
Alles, was mit unserem Wahrnehmen, Aufnehmen und Verstehen
zu tun hat, ist von vornherein vorstellungsgeprägt.
Es geht nicht um Realität oder Vorstellung,
sondern darum, logisch dorthin zu Ende zu denken:
Meine Vorstellung von der Realität
ist nicht nur das einzige,
was ich an der Hand habe zu deren Verstehen,
sie ist außerdem mitbestimmender Teil von dieser.
Naja, mir jedenfalls geht es darum .....
