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Passivität

AW: Passivität

In meiner Gegenüberstellung arbeitet der 50-Jährige erst 2 Monate in einem Betrieb.

Ich gestehe Dir aber zu, dass es plakativer geht:

Sagen wir, beide sind 45 Jahre, der eine ist 25 Jahre im Betrieb, der andere 2 Monate. Beide wollen kritisieren. Unterlässt es der mit den 25 Jahren, ist er mE feig, unterlässt es der mit den 2 Monaten, ist er nur vernünftig. Meine subjektive Meinung. Unterschieden will ich (persönlich) zwischen Vernunft und Feigheit schon wissen.

Der mit den 25 Dienstjahren kann sich sicher mehr (an Kritik) leisten.

Liebe Grüße

Zeili

hallo zeili

ich weiss du hast lilith angesprochen aber ich habe mit interesse es verfolgt und muss auch meinen senf dazu geben.

aaaaaaaaaalso, in meinen augen sind beide feige!
denn wenn sie was zu kritisieren haben und nichts sagen ist es egal wie lange beide im betrieb sind.

feige von dem der länger da ist weil er nichts sagt, aber genauso feige von dem anderen der angst hat gleich wieder seinen job zu verlieren!
beide sind verlierer, denn beide handeln unter dem aspekt vernünftig zu sein.

übrigens vernunft ist in vielen fällen die vorstufe der feigheit - meiner meinung nach - denn oft heisst es "es ist vernünftiger dies oder jenes nicht zu tun" aber eigentlich heisst dies auf gut deutsch "ich habe angst davor!"

lg binchen
 
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AW: Passivität

Sehr interessantes Thema.

@Zeilinger
Wie wir aktiv werden/bleiben können? > Nicht passiv sein.
Klingt jetzt doof, aber anders ausgedrückt: Einfach nicht Nichts tun.

Hier sollte erstmal definiert werden, was mit "aktiv" und "passiv sein" in dieser Diskussion gemeint wird. Aktiv im körperlichen Sinn > Sport, Sex, Arbeit? Aktiv im geistigen Sinn > Lesen, Diskutieren, Studieren, kreativ tätig sein? Aktiv im sozialen Sinn (implementiert Physisches und Geistiges) > Freunde treffen, an Veranstaltungen teilnehmen? Welche Form der Passivität meinst du?

Einen Politiker führt geistige Passivität schnurstracks in den Styx.
Einen Profi-Fussballer führt körperliche Passivität flugs in (beruflichen) Abgrund.

Das "Abstürzen", das du beschreibst, bezieht sich nur auf gesellschaftlich negativ bewertete Süchte. Ergo: Handlungen, die nach normativen Kulturaspekten einer "guten" Lebensführung abträglich sind. Du erwähnst Herschsucht als solchen Absturz, ich erwähne Unterwürfigkeit als gegenteiliges Extrem. Beides verbinde ich mit negativen Assoziierungen. Drogensucht > absolute Nüchternheit. Beides erscheint mir zu extrem, als dass es natürlich wäre. Und das Natürliche ist, so empfinde ich, das Positive.

Ich nehme mal den Begriff Passivität her und verstehe es als allgemeine Passivität, also in psychosomatischer Form:
Passivität ist ein Resultat momentaner Empfindungen und herrschender Charakterzüge. Das dürfte die Frage, ob deine aufgelisteten Ursachen, alle Ursachen sind, beantworten: Nein, es sind nicht mal ansatzweise alle Ursachen. Denn momentane Empfindungen und herrschende Charakterzüge basieren auf alle im Menschen gespeicherten Erfahrungen, sowie die Reaktion Passivität eben darauf basiert. Es stehen weitaus größere Zusammenhänge dahinter, als wir die, die wir konventionell betrachtet, miteinander in Verbindung bringen.

Feigheit und Vernunft schneiden sich meiner Meinung nach. Das eigene Verständnis des Vorhandenem auf sein Leben/seine Situation projeziert anzuwenden (=Vernunft) ist die kognitive Version der Feigheit, die aus der Angst resultiert, die dem Überlebenstrieb entspringt. Daher ist für mich die Grenze zwischen Feigheift und Vernunft lediglich, ob einer Intuition oder einem Gedanken gefolgt wird. So glaube ich.
 
AW: Passivität

Hier sollte erstmal definiert werden, was mit "aktiv" und "passiv sein" in dieser Diskussion gemeint wird. Aktiv im körperlichen Sinn > Sport, Sex, Arbeit? Aktiv im geistigen Sinn > Lesen, Diskutieren, Studieren, kreativ tätig sein? Aktiv im sozialen Sinn (implementiert Physisches und Geistiges) > Freunde treffen, an Veranstaltungen teilnehmen? Welche Form der Passivität meinst du?
Ich schloss keine Passivität aus, weder die körperliche, noch die geistige, noch die seelische (soziale).

Du erwähnst Herschsucht als solchen Absturz, ich erwähne Unterwürfigkeit als gegenteiliges Extrem. Beides verbinde ich mit negativen Assoziierungen. Drogensucht > absolute Nüchternheit. Beides erscheint mir zu extrem, als dass es natürlich wäre. Und das Natürliche ist, so empfinde ich, das Positive.
Ein interessanter Aspekt; leider können wir das Natürliche nur so lange genießen, so lange wir gesund sind. Sind wir verkühlt oder sehr anfällig dagegen und gezwungen, in einer kalten Gegend zu leben oder zu arbeiten, werden wir es kaum als positiv empfinden; es ist aber durchaus natürlich, dass es zum Beispiel an den Polen kalt ist.

Ich nehme mal den Begriff Passivität her und verstehe es als allgemeine Passivität, also in psychosomatischer Form:
Passivität ist ein Resultat momentaner Empfindungen und herrschender Charakterzüge. Das dürfte die Frage, ob deine aufgelisteten Ursachen, alle Ursachen sind, beantworten: Nein, es sind nicht mal ansatzweise alle Ursachen.
Deswegen sind wir ja auch in einem (Diskussions)-Forum, dass Dinge auch ergänzt, bzw. Listen auch vervollständigt werden dürfen. Ich erhebe auch keinen Anspruch darauf, dass diese Liste taxativ ist.

Denn momentane Empfindungen und herrschende Charakterzüge basieren auf alle im Menschen gespeicherten Erfahrungen, sowie die Reaktion Passivität eben darauf basiert. Es stehen weitaus größere Zusammenhänge dahinter, als wir die, die wir konventionell betrachtet, miteinander in Verbindung bringen.
Dem stimme ich vollinhaltlich zu.

Feigheit und Vernunft schneiden sich meiner Meinung nach. Das eigene Verständnis des Vorhandenem auf sein Leben/seine Situation projeziert anzuwenden (=Vernunft) ist die kognitive Version der Feigheit, die aus der Angst resultiert, die dem Überlebenstrieb entspringt. Daher ist für mich die Grenze zwischen Feigheift und Vernunft lediglich, ob einer Intuition oder einem Gedanken gefolgt wird. So glaube ich.
Feigheit, Vernunft und Angst veranlassen uns m.E. eher zur Passivität als zur Aktivität, wobei für mich die Vernunft doch einen gewissen positiven touch hat. Man kann auch etwas aus Vernunft tun, zum Beispiel uns im Winter warm anziehen, wenn wir auch mMn aus Vernunft meistens etwas unterlassen.

LG Zeili
 
AW: Passivität

deadlydude schrieb:
Hier sollte erstmal definiert werden, was mit "aktiv" und "passiv sein" in dieser Diskussion gemeint wird. Aktiv im körperlichen Sinn > Sport, Sex, Arbeit? Aktiv im geistigen Sinn > Lesen, Diskutieren, Studieren, kreativ tätig sein? Aktiv im sozialen Sinn (implementiert Physisches und Geistiges) > Freunde treffen, an Veranstaltungen teilnehmen? Welche Form der Passivität meinst du?
Ich schloss keine Passivität aus, weder die körperliche, noch die geistige, noch die seelische (soziale).
Du hast Recht. Tut mir leid, dass ich es nicht sofort unter diesem Gesichtspunkt betrachtet habe.

deadlydude schrieb:
Du erwähnst Herschsucht als solchen Absturz, ich erwähne Unterwürfigkeit als gegenteiliges Extrem. Beides verbinde ich mit negativen Assoziierungen. Drogensucht > absolute Nüchternheit. Beides erscheint mir zu extrem, als dass es natürlich wäre. Und das Natürliche ist, so empfinde ich, das Positive.
Ein interessanter Aspekt; leider können wir das Natürliche nur so lange genießen, so lange wir gesund sind. Sind wir verkühlt oder sehr anfällig dagegen und gezwungen, in einer kalten Gegend zu leben oder zu arbeiten, werden wir es kaum als positiv empfinden; es ist aber durchaus natürlich, dass es zum Beispiel an den Polen kalt ist.
Ebenso ist es natürlich, seinen Wohnort zu wechseln, wenn die dortigen Verhältnisse der eigenen Gesundheit/dem eigenen Wohlbefinden abträglich sind. Natürlich vernünftig natürlich. Bsp.: Nomaden, die Völkerwanderung, etc.
In diesem Fall ist das Natürliche - das Wegziehen - vernünftig und eventuell durch Feigheit motiviert. Jedenfalls sind Kultur und Tradition erhebliche Faktoren in der Bestimmung von negativer und/oder positiver Bewertung des durch Vernunft/Feigheit initiierten Handelns.

deadlydude schrieb:
Ich nehme mal den Begriff Passivität her und verstehe es als allgemeine Passivität, also in psychosomatischer Form:
Passivität ist ein Resultat momentaner Empfindungen und herrschender Charakterzüge. Das dürfte die Frage, ob deine aufgelisteten Ursachen, alle Ursachen sind, beantworten: Nein, es sind nicht mal ansatzweise alle Ursachen.
Deswegen sind wir ja auch in einem (Diskussions)-Forum, dass Dinge auch ergänzt, bzw. Listen auch vervollständigt werden dürfen. Ich erhebe auch keinen Anspruch darauf, dass diese Liste taxativ ist.
Dito :)

deadlydude schrieb:
Denn momentane Empfindungen und herrschende Charakterzüge basieren auf alle im Menschen gespeicherten Erfahrungen, sowie die Reaktion Passivität eben darauf basiert. Es stehen weitaus größere Zusammenhänge dahinter, als wir die, die wir konventionell betrachtet, miteinander in Verbindung bringen.
Dem stimme ich vollinhaltlich zu.

deadlydude schrieb:
Feigheit und Vernunft schneiden sich meiner Meinung nach. Das eigene Verständnis des Vorhandenem auf sein Leben/seine Situation projeziert anzuwenden (=Vernunft) ist die kognitive Version der Feigheit, die aus der Angst resultiert, die dem Überlebenstrieb entspringt. Daher ist für mich die Grenze zwischen Feigheift und Vernunft lediglich, ob einer Intuition oder einem Gedanken gefolgt wird. So glaube ich.
Feigheit, Vernunft und Angst veranlassen uns m.E. eher zur Passivität als zur Aktivität, wobei für mich die Vernunft doch einen gewissen positiven touch hat. Man kann auch etwas aus Vernunft tun, zum Beispiel uns im Winter warm anziehen, wenn wir auch mMn aus Vernunft meistens etwas unterlassen.

LG Zeili

Vernunft verhindert oft eine Herausforderung/ein Erlebnis, aus dem wichtige bzw charakterstärkende Erfahrungen gemacht werden können. Vernunft kann also das Auftreten von möglichicherweise "positiven" Erfahrungen verneinen. Ergo könnte Vernunft eine Art der Engstirnigkeit, besser gesagt ein Erfahrungsdimmer, sein. So betrachtet, ist sie es gar zweifelsohne. Was passierte, hörte mensch nicht auf die Vernunft, ist spekulativ, aber das ist die Vernunft selbst auch. Ob vernünftig, intuitiv oder gar nicht gehandelt wird, das Produkt ist das Auftreten von Ereignissen, die wir nicht kongruent abschätzen können, weshalb Vernunft selbst unvernünftig sein kann. Die Chance, Vernunft erfolgreich anzuwenden, ist schließlich nicht nur vom vernünftig Handelnden, sondern von allem damit Verbundenem abhängig. Also müsste gelten: Vernunft ist ein Hirngespinst, dem mensch nicht trauen kann.

Die Vernunft basiert auf Ideen und Ideen reflektieren Größe, als auch Torheit des Homo Sapien.

Feigheit führt freilich eher zu einer Passivität, als zur Aktivität, die aber auch ein natürliches Resultat der Feigheit sein kann (>Chef hat einen Vorschlag, Mitarbeiter A ist nicht konform damit, stimmt aber zu > Mitarbeiter A hat durch die Annahme des Vorschlags mehr Arbeit oÄ). Selbiges gilt für die Vernunft. Wir unterlassen Vieles aus Vernunft, tun aber auch Vieles aus Vernunft: Ausbildung, Arbeiten, Lernen, Sport. Für Feigheit gilt selbiges. Möglicherweise betreibt manch mensch nur Sport aus Feigheit vor dem Dickwerden, was seinen Ursprung evtl in der Angst vor Unbeliebtheit, Selbstwertminderung oÄ haben kann. Daher bleibt es offen, ob wir es nur so wahrnehmen, dass Feigheit und Vernunft zur Passivität oder zur Aktivität führen. Watzlawick sagte ja mal: Nicht wichtig ist, was A sagt, wichtig ist, was B hört. A und B müssen keine Menschen sein.
 
AW: Passivität

Hallo deadlydude !

. . . . . Möglicherweise betreibt manch mensch nur Sport aus Feigheit vor dem Dickwerden, was seinen Ursprung evtl in der Angst vor Unbeliebtheit, Selbstwertminderung oÄ haben kann. Daher bleibt es offen, ob wir es nur so wahrnehmen, dass Feigheit und Vernunft zur Passivität oder zur Aktivität führen. Watzlawick sagte ja mal: Nicht wichtig ist, was A sagt, wichtig ist, was B hört. A und B müssen keine Menschen sein.
Jetzt ist die Angst auch noch ins Spiel gekommen. Kann man Feigheit und Angst gleichsetzen ? Ich glaube nicht, obwohl sie natürlich artverwandt sind. Ich glaube, Feigheit ist, wenn man quasi Angst vor der Angst hat, bzw. sich Angst einredet. Was meinst Du ?

Zeili
 
AW: Passivität

Hallo deadlydude !

Jetzt ist die Angst auch noch ins Spiel gekommen. Kann man Feigheit und Angst gleichsetzen ? Ich glaube nicht, obwohl sie natürlich artverwandt sind. Ich glaube, Feigheit ist, wenn man quasi Angst vor der Angst hat, bzw. sich Angst einredet. Was meinst Du ?

Zeili

Feigheit und Angst kann mensch keineswegs gleichsetzen, meine ich. Feigheit ist für mich die Furcht vor der Angst, besser gesagt Furcht vor dem, was Angst bereiten könnte. So, wie du es beschreibst. Ich sehe in der Angst jedoch den Ursprung der Feigheit, denn ohne Angst könnte (dieser Definition nach) keine Feigheit existieren bzw wäre ihre wesentliche Bedeutung ganz anders; gar hätte sie keine Bedeutung.

Angst wirkt oft lähmend und führt, so sie nicht überwindet wird, sehr oft zur Passivität oder in den Abgrund.
 
AW: Passivität

Das ist ein sehr interessantes Thema, mit wirklich guten Beiträgen.
Leider wird das Wort "Passivität" in einer hektischen und ruhelosen Welt meist negativ gewertet. Ich sehe das eigentlich nicht so, und bringe das Abwarten und "Nichtstun" (denn irgendetwas muss man zum Erhalt des Lebens ja immer tun) nicht gleich mit einem Absturz in Verbindung.
Es gibt Menschen, die sich sogar sehr danach sehnen jene Gelassenheit und Ruhe zu erlangen, die andere in ihren Augen schon leben.

Es gibt ein sehr schönes Buch mit Prosa von Hermann Hesse, der Titel: "Die Kunst des Müßiggangs" (Suhrkamp-Verlag).

Ich möchte hier das Vorwort, bzw. einen Auszug aus dem Buch schreiben, um zu zeigen, wie ein berühmter Mensch zu diesem Thema stand:


Vorwort: Wenn ich nicht im Grunde ein sehr arbeitsamer Mensch wäre, wie wäre ich je auf die Idee gekommen, Loblieder und Theorien des Müßiggangs auszudenken. Die geborenen, die genialen Müßiggänger tun dergleichen niemals.

.....Aber Künstler haben von jeher des zeitweiligen Müßigganges bedurft, teils um neu Erworbenes sich klären und unbewußt Arbeitendes reif werden zu lassen, teils um in absichtsloser Hingabe sich immer wieder dem Natürlichen zu nähern, wieder Kind zu werden, sich wieder als Freund und Bruder der Erde, der Pflanze, des Felsens und der Wolke zu fühlen.
Einerlei ob einer Bilder oder Verse dichtet oder nur sich selber bauen, dichten und schaffend genießen will, für jeden sind immer wieder die unvermeidlichen Pausen da.
Der Maler steht vor einer frisch grundierten Tafel, fühlt die nötige Sammlung und innere Wucht noch nicht gekommen, fängt an zu probieren, zu zweifeln, zu künsteln und wirft am Ende alles zornig oder traurig hin, fühlt sich unfähig und keiner stolzen Aufgabe gewachsen, verwünscht den Tag, da er Maler wurde, schließt die Werkstatt zu und beneidet jeden Straßenfeger, dem die Tage in bequemer Tätigkeit und Gewissensruhe hingehen.
Der Dichter wird vor einem begonnenen Plane stutzig, vermißt das ursprünglich gefühlte Große darin, streicht Worte und Seiten durch, schreibt sie neu, wirft auch die neuen bald ins Feuer, sieht klar Geschautes plötzlich umrißlos in blassen Fernen schwanken, findet seine Leidenschaften und Gefühle plötzlich kleinlich, unecht, zufällig, läuft davon und beneidet gleicherweise den Straßenfeger. Und so weiter.
Manches Künstlerleben besteht zu einem Drittel, zur Hälfte aus solchen Zeiten. Nur ganz seltene Ausnahmemenschen vermögen in stetigem Flusse fast ohne Unterbrechung zu schaffen. So entstehen die scheinbar leeren Mußepausen, deren äußerer Anblick von jeher Verachtung oder Mitleid der Banausen geweckt hat.
So wenig der Philister begreifen kann, welche immense, tausendfältige Arbeit eine einzige schöpferische Stunde umschließen kann, so wenig vermag er einzusehen, warum so ein verdrehter Künstler nicht einfach weiter malt, Pinselstriche nebeneinander setzt und seine Bilder in Ruhe vollendet, warum er vielmehr so oft unfähig ist, weiterzumachen, sich hinwirft und grübelt und für Tage oder Wochen die Bude schließt.

Soweit ein paar Gedanken eines Künstlers zum Thema "Passivität" oder "Müßiggang".

Liebe Grüße von FirstDay
 
AW: Passivität

Das ist ein sehr interessantes Thema, mit wirklich guten Beiträgen.
Leider wird das Wort "Passivität" in einer hektischen und ruhelosen Welt meist negativ gewertet. Ich sehe das eigentlich nicht so, und bringe das Abwarten und "Nichtstun" (denn irgendetwas muss man zum Erhalt des Lebens ja immer tun) nicht gleich mit einem Absturz in Verbindung.
Es gibt Menschen, die sich sogar sehr danach sehnen jene Gelassenheit und Ruhe zu erlangen, die andere in ihren Augen schon leben.
Warten können und Gelassenheit sind zwei Werte. Nichtstun, wenn einem die Vernunft, die Liebe oder der gute Wille sagt (die, die ein Gewissen an und in sich selbst entdeckt haben, für auch das Gewissen), dass man etwas tun soll, ist negativ.

Es gibt ein sehr schönes Buch mit Prosa von Hermann Hesse, der Titel: "Die Kunst des Müßiggangs" (Suhrkamp-Verlag).
Nach getaner Arbeit (auch wenn einem diese Arbeit Freude bereitet hat) ist gut ruhn.

.....Aber Künstler haben von jeher des zeitweiligen Müßigganges bedurft, teils um neu Erworbenes sich klären und unbewußt Arbeitendes reif werden zu lassen, teils um in absichtsloser Hingabe sich immer wieder dem Natürlichen zu nähern, wieder Kind zu werden, sich wieder als Freund und Bruder der Erde, der Pflanze, des Felsens und der Wolke zu fühlen.
Einerlei ob einer Bilder oder Verse dichtet oder nur sich selber bauen, dichten und schaffend genießen will, für jeden sind immer wieder die unvermeidlichen Pausen da.
Der Maler steht vor einer frisch grundierten Tafel, fühlt die nötige Sammlung und innere Wucht noch nicht gekommen, fängt an zu probieren, zu zweifeln, zu künsteln und wirft am Ende alles zornig oder traurig hin, fühlt sich unfähig und keiner stolzen Aufgabe gewachsen, verwünscht den Tag, da er Maler wurde, schließt die Werkstatt zu und beneidet jeden Straßenfeger, dem die Tage in bequemer Tätigkeit und Gewissensruhe hingehen.
Der Dichter wird vor einem begonnenen Plane stutzig, vermißt das ursprünglich gefühlte Große darin, streicht Worte und Seiten durch, schreibt sie neu, wirft auch die neuen bald ins Feuer, sieht klar Geschautes plötzlich umrißlos in blassen Fernen schwanken, findet seine Leidenschaften und Gefühle plötzlich kleinlich, unecht, zufällig, läuft davon und beneidet gleicherweise den Straßenfeger. Und so weiter.
Manches Künstlerleben besteht zu einem Drittel, zur Hälfte aus solchen Zeiten. Nur ganz seltene Ausnahmemenschen vermögen in stetigem Flusse fast ohne Unterbrechung zu schaffen. So entstehen die scheinbar leeren Mußepausen, deren äußerer Anblick von jeher Verachtung oder Mitleid der Banausen geweckt hat.
So wenig der Philister begreifen kann, welche immense, tausendfältige Arbeit eine einzige schöpferische Stunde umschließen kann, so wenig vermag er einzusehen, warum so ein verdrehter Künstler nicht einfach weiter malt, Pinselstriche nebeneinander setzt und seine Bilder in Ruhe vollendet, warum er vielmehr so oft unfähig ist, weiterzumachen, sich hinwirft und grübelt und für Tage oder Wochen die Bude schließt.

Soweit ein paar Gedanken eines Künstlers zum Thema "Passivität" oder "Müßiggang".
Künstler sind Ausnahmeerscheinungen in der menschlichen Gesellschaft. Künstler ist erst der, der angenehme Gefühle erzeugt bzw. negative verhindert. Zu diesem Zweck mögen ihm die Wege und Pausen gegönnt sein, die er dazu braucht.

Liebe Grüße

Zeili
 
AW: Passivität

Trotz kann auch sehr gut zur Passivität führen. Angst wurde ja schon erwähnt.
Feige ist für mich, wenn man nicht zu sich selbst und seinem Handeln und Denken steht, obwohl es als Selbstverständlichkeit gilt. Furcht..... hat Furcht was mit feige sein zu tun? Ich tippe auf nein...feige ist vll ein Zeichen von menschlicher Schwäche. Man fürchtet sich zum Beispiel im Dunkeln, aber leidet man immer, wenn es dunkel ist? Nein, man fühlt sich nur unwohl. Furcht kann man überwinden. Angst liegt tiefer und kann sogar dein Leben bestimmen.
Passivität - den Dingen ihren Lauf lassen....schauen, ob das, wofür man sich sonst einsetzt und ob man bekommt, was man verdient.....Testen, ob die Gerechtigkeit des Universums noch funktioniert :reden:
 
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AW: Passivität

Ja das kenne ich zur genüge. Ich halte es mit dem Wetter und den Wolken, die da ziehen, im Wechselspiel und ständig in Bewegung.

Über den Wolken, da scheint mir meine Sonne. Immer, immer!
Die Farben, drei sind's in mir und auch das Schwarz.
Das Schwarz, das ist der Raum in dem die Farben=Gefühle, (E_Motionen) sich mischen, in un_endlichen Qualitäten. Einige Mischungen kenn ich schon.

In Indien, Gunas genannt. Die Inder empfehlen das Nir_Guna, das sei das nicht Bewegtsein und nur Beobachter ein Zeuge.
Das führt ganz natürlich zur Stille, zur Mitte und zur Freude! Ultimativer Freude!

Das Blau, die Mutter, der Himmel.
Das Rot, der Geist, das Feuer.
Das Grün, das Mitgefühl.

Die Mischungen sollen Extase, Freude wiederspiegeln.
Tun sie das nicht, muss ich etwas ändern, in meinem Gedankenfluss.
Einen kleinen Zwick am tiefsten Punkt. Ich tu mir etwas extra Gutes und schon geht der Drall in die Auswickel_Richtung. Ich freue mich und ich will lachen.

Drei Grundgefühle soll es geben.

Schmerz! Zu wandeln, mit einem Wechsel weg von der Quelle. Gehe an einen Ort der Freude.

Wut! Zunutzen für die Aktion etwas zu schaffen, auszudrücken Sie. Ihr Form, Rhythmus und Farbe zu geben.
Liebe
Angst! (schwarz),ist Enge, die Atem_Not und der Un_endliche Raum in dem ich bin. Ich soll ihn füllen ganz.

Feig_Heit! Ist, wenn ich es nicht tue verharre im Schmerz, der Wut, die Angst, sie vergiften mich! Es ist eine Falle so!

Also tranformiere ich! Mein Körper ist das Laboratorium, in dem ich mich wahr_nehme.
Allchemie.
Subjektivität und wissenschaftliches studieren, Daten sammeln, auswerten und umsetzen.
In mir! Ich bin für mich (E_Motional) ganz alleine verantwortlich.
Es wird gesagt: "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst"
Was das bedeutet, das kann ich erleben!

Horst im Glück!:)

Und den Sternen_Kindern zum Gruss! Und einen Kuss an den Schöpferischen Geist, der alles ganz macht.
Der sagte:
"In der Welt, da habt ihr Angst, aber seht doch, ich habe die Welt überwunden"

Das bist Du, wer immer Du bist. So oder so, ganz analog.
 
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