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Warum wird Karl Marx heute von einigen immer noch verehrt?

Kapitalismus ist ein Grundübel dieses Planeten,
Wäre er vielleicht, wenn man ihn völlig frei laufen ließe.
Aber da kommt ja der Staat in's Spiel, der per Umverteilung dem Kapitalismus Grenzen setzt. :)

Wobei der Aufschwung meist die Kassen einiger weniger richtig klingeln lässt - oft die derjenigen, die für die vorangegangene Krise verantwortlich sind.
Eigentlich nicht. Die US-Bankenkrise von 2008 hat viele Investmentbanker bettelarm gemacht, weil sie zu gierig waren. Nicht wenige von denen begingen sogar Selbstmord. :(
 
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Kapitalismus ist ein Grundübel dieses Planeten

Wäre er vielleicht, wenn man ihn völlig frei laufen ließe.

Ich denke, das greift zu kurz. Man kann den Kapitalismus mit Sozialpolitik einhegen. Aber das ändert nichts an der selbstzerstörerischen Systemlogik. Die soziale Marktwirtschaft hat das Elend hierzulande massiv gemildert. Das war im Wesentlichen nur dadurch möglich, dass das Elend in die sogenannte Dritte Welt zu exportiert werden konnte. Die Krise wurde weit hinausgeschoben und wird nun mit umso größerer Gewalt zurückkehren. Wenn die Ressourcen knapp werden, wird exponentielles Wachstum nicht mehr möglich sein. Dann ist dem Kapitalismus das Lebenselixier abgeschnitten.

Den Kapitalismus nicht frei laufen lassen muss heißen: den Kapitalismus beerdigen. Etwas Anderes, Vernünftigeres, Lebensbejahendes muss an seine Stelle treten.
 
Ich denke, das greift zu kurz. Man kann den Kapitalismus mit Sozialpolitik einhegen. Aber das ändert nichts an der selbstzerstörerischen Systemlogik. Die soziale Marktwirtschaft hat das Elend hierzulande massiv gemildert. Das war im Wesentlichen nur dadurch möglich, dass das Elend in die sogenannte Dritte Welt zu exportiert werden konnte. Die Krise wurde weit hinausgeschoben und wird nun mit umso größerer Gewalt zurückkehren. Wenn die Ressourcen knapp werden, wird exponentielles Wachstum nicht mehr möglich sein. Dann ist dem Kapitalismus das Lebenselixier abgeschnitten.

Den Kapitalismus nicht frei laufen lassen muss heißen: den Kapitalismus beerdigen. Etwas Anderes, Vernünftigeres, Lebensbejahendes muss an seine Stelle treten.

Gobale, flexible Finanzmärkte, globale Warenströme, global vernetzte Konzerne - und auf der Gegenseite Nationalstaaten. Die Machtverhältnisse stimmen einfach nicht mehr, und einzelne Nationen, vor allem wirtschaftlich schwache sind auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.
Lokale Regulierungen hinken oft Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinter der Wirtschaft hinterher. Proaktives Handeln einzelner Regierungen wird behindert wenn nicht gar verhindert. Ob es um Umwelt- oder Klimaschutz geht, Steuern, Abgaben oder Unternehmenskäufe, selbst Deutschland klebt nur Notpflaster auf massiv blutende Wunden.

Ich habe wenig Hoffnung, dass das ganze noch einmal in die andere Richtung gedreht werden kann, denn die neoliberale Ideologie hat sich längst ihren Sitz im Bewußtsein der Bevölkerung erobert.

 
Wenn die Ressourcen knapp werden, wird exponentielles Wachstum nicht mehr möglich sein. Dann ist dem Kapitalismus das Lebenselixier abgeschnitten.
Das hatten wir doch schon besprochen. Wer meint, dass Kapitalismus exponentielles Wachstum hervorruft, hat zu Recht Angst davor. Das Wachstum kann nicht schneller steigen, als die Bedingungen es zulassen.

Hier sind Formeln für Wachstum: https://de.wikihow.com/Berechnung-einer-Wachstumsrate
Ein 1/x im Exponenten hat übrigens einen gegenteiligen Effekt als exponentielles Wachstum, d.h. die Kurve wird immer flacher.
:)
 
Das hatten wir doch schon besprochen.
Eben. Solange das jährliche Wirtschaftswachstum nicht kontinuierlich Richtung 0% absinkt, haben wir exponentielles Wachstum. Und wenn es nur 0,1% Wirtschaftswachstum wären: auch das ist exponentiell. Es dauert nur länger, bis die Katastrophe eintritt. Kein Organismus kann ins Unendliche wachsen. Schon gar nicht exponentiell.
 
Glaubst du denn, dass dieser Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei
nur ein Scherz von ihm war?


Offenbar ist im ökonomischen Kontext "Marktwirtschaft" das Synonym für Selbstorganisation. Funktioniert ja auch recht gut, ist bloß anfällig für Missbrauch, wie so vieles im Leben.

Ich meinte mit meiner Aussage "Er selbst hat nie irgendeine alternative kommunistische oder sozialistische Gesellschaftsordnung basierend auf irgendeiner Ideologie entworfen." eigentlich mehr, dass Marx selbst nie einen abgeschlossenen, unabänderlichen Systementwurf geschaffen hat. Er hat insbesondere in seiner frühen Schaffensphase (das kommunistische Manifest ist ca. 20 Jahre vor dem 1. Band von "Das Kapital" veröffentlicht worden) basierend auf seinem damaligen Wissensstand grob skizziert, wie eine alternative Gesellschaftsordnung zum Kapitalismus wohl aussehen müsste (Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln, Abschaffung der Ausbeutung, Abschaffung von Klassenunterschieden etc.).

Mein eigentlicher Punkt war aber der, dass sein entscheidender wissenschaftlicher Beitrag ganz woanders liegt. Nämlich in seiner Analyse und Kritik der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und die Herleitung des Zwangs zur endlosen Profitmaximierung mittels der Ausbeutung von Mensch und Natur aus der Warenproduktion. Die eigentliche Leistung besteht also in der Herleitung des Problems und eben nicht im Angebot einer konkreten Lösung. Im Grunde ist mit seiner fundamentalen Kritik am Kapitalismus durch seine Analyse überhaupt erst die Voraussetzung geschaffen, sich eine konkrete Alternative vorstellen zu können, ohne das eigentliche Problem immer wieder aufs neue zu reproduzieren.

Marktwirtschaft ist aus meiner Sicht nur eine konkrete Form der Selbstorganisation im ökonomischen Kontext, die eine gesellschaftliche Arbeitsteilung basierend auf dem Tausch privat produzierter Waren voraussetzt. Prinzipiell halte ich aber eine selbstorganisierte gesellschaftliche Arbeitsteilung, die ohne einen Tausch privat produzierter Waren vermittelt wird, für möglich oder zumindest für wert, vorgestellt zu werden.
 
Solange das jährliche Wirtschaftswachstum nicht kontinuierlich Richtung 0% absinkt, haben wir exponentielles Wachstum.
Das magst du als exponentiell verstehen. Verallgemeinert schließt der Begriff "exponentiales Wachstum" sogar den exponentialen Zerfall mit ein. Negatives Wachstum, sozusagen ... Das reale Wirtschaftswachstum ist aber über den gesamten Zeitraum gesehen ein ständiges Auf-Und-Ab, in kleinen Intervallen auch mal exponentiell, aber oftmals mit einem Exponenten <1 (strebt gegen Null). :)

Man sollte Wirtschaftswachstum nicht mit Zinseszins gleichsetzen, dessen Exponent nicht variabel, immer >1 ist, und den Kreditnehmer unweigerlich ruiniert. Wirtschaftswachstum ist zB. ständig abhängig vom Input, der aber selbst auch abhängig vom Output ist. Ich kann mir gut vorstellen, wie Marx diese Dinge fasziniert haben.

Kein Organismus kann ins Unendliche wachsen.
Natürlich nicht, doch kann er riesig groß werden, wenn die Umstände es erlauben. Dieses Wissen spornt den Kapitalisten an, nach Vergrößerung seines Reichtums zu streben aka. unternehmerisch tätig zu sein. Und während er dies tut, vergrößert er nebenbei auch den Reichtum einer wesentlich größeren Community. Nicht er allein, aber er und die Vielen, die es ihm gleich tun. Der Reichtum der westlichen Welt ist das direkte Resultat unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems.

 
Ja. Die Armut der sogen. Dritten Welt ist ebenfalls das direkte Resultat unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems.
Du meinst, weil die Menschen der Dritten Welt per se schlecht wirtschaften, oder wieso?
Ich denke, die Dritte Welt war schon zuvor rückständig, bevor sie in Geschäftsbeziehung mit dem Westen trat.
Sie holen den Rückstand aber langsam auf. Afrikanische Staaten zB. mausern sich mehr und mehr zu Handelspartnern auf Augenhöhe. Alles braucht seine Zeit. :)
 
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