Bei den letzten Präsidentschaftswahlen sah ich es ein, dass man Biden gegen Trump einsetze, denn er war ein politisch erfahrener, wenn auch zu alter Gegenkandidat. Immerhin ging die Rechnung auf, wenn auch sehr knapp.
Als Biden Kamala Harris zu seiner Vizepräsidentin ernannte, dachte ich mir, er tat es mit der Absicht, sie bis zur nächsten Wahl so weit aufzubauen, dass sie die nächste Kandidatin wird. Er hat jedoch genau das Gegenteil getan. Und unter den Demokraten hat es auch kein anderer geschafft, sich so weit zu profilieren, dass er als Alternative zu Biden eintreten kann. Das ist eine sehr schwache Leistung.
Er mag geistig fit sein, aber der Durchschnittswähler legt das offensichtlich nicht so sehr in den Mittelpunkt seiner Wahlentscheidung, wenn man den Geisteszustand Trumps sieht. Der Durchschnittswähler berücksichtig das Gesamtauftreten des Kandidaten und Biden wirkt senil. Trump ist nicht viel jünger aber er wirkt dynamisch und kämpferisch - wenn auch primitiv, aber das sagt was über den amerikanischen Durchschnittswähler aus.
Das Problem ist, dass es uns sehr viel angeht, wer der nächste Präsident der USA wird, denn die Welt befindet sich in einer Krise und die Autokraten haben der Demokratie den Kampf angesagt. Trump hat jedoch nicht viel mit Demokratie am Hut und wenn er behauptet, er würde den Ukrainekrieg nach einem Tag beenden, dann weiß man, wie das gemeint ist.
Ja, diese Analyse im Standard hat mich ein wenig beunruhigt:
In Deutschland gehen die Massen gegen AfD und Neonazis auf die Straße – in Österreich herrscht Ruhe, obwohl die FPÖ ebenso den Rechtsextremen nahesteht. Ein Erklärungsversuch
www.derstandard.at
Ihr habt sie machen lassen und, ob sie sich blamieren, das entscheiden am Ende doch wieder diejenigen, die diese Populisten gewählt haben und deren Maßstäbe sind ganz andere als die der Demokraten. Trump hat auch nicht geglänzt während seiner Amtszeit, aber seine Anhänger halten trotzdem zu ihm.
Man hat sie auch in Polen machen lassen und sie haben die Zeit genutzt, um ihr System zu festigen, so dass Tusk jetzt Mühe hat, einiges davon rückgängig zu machen. In Ungarn ist Orban viel weiter und so schnell wird man ihn nicht mehr loswerden können - von Putin ganz zu schweigen.
Nein, man darf sie nicht machen lassen, denn dann ist schon der Anfang getan und bei uns gilt immer noch die Devise "wehret den Anfängen". Wir haben sie noch nicht machen lassen und jetzt wird gegen einen solchen Anfang demonstriert, aber aus meiner Sicht viel zu spät und viel zu zaghaft. Deutschland darf sie nicht machen lassen, allein schon wegen seiner Geschichte - zumindest solange Deutschland zu seiner Geschichte steht.