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In Würde sterben?

Jan Amos

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Registriert
11. April 2003
Beiträge
404
Patientenverfügung

Hallo Miriam und Claus,

Hier nun wunschgemäß die von mir und für mich, individuell, erstellte Patientenverfügung:

DIN A4 Querformat, auf 4 Seiten DIN A5 formatiert.

Seite 1:

Patientenverfügung

Für den Fall, daß ich infolge einer schweren gesundheitlichen Beeinträchtigung meinen Willen nicht mehr bilden oder verständlich äußern kann, wünsche ich ausdrücklich, daß wie folgt verfahren wird:
Ich will nicht mit künstlichen Mitteln am Leben erhalten werden, wenn nach menschlichem Ermessen und nach ärztlicher Einschätzung nicht mehr damit zu rechnen ist, daß ich in der Zeit meines Lebens, die so noch gewonnen werden könnte, ein aus meiner Sicht „lebenswertes“ Leben führen kann.

Dies gilt für mich im Besonderen dann,
• wenn ich mich unabwendbar im Sterbeprozeß befinde.
• wenn der Fall eines dauerhaften Komas, eines Wachkomas oder eines ähnlichen Zustandes eingetreten ist,
selbst dann, wenn der Tod noch nicht absehbar ist.
• wenn eine schwere Dauerschädigung des Gehirns vorliegt.
• wenn lebenswichtige Funktionen meines Körpers ausgefallen sind.

Deshalb verfüge ich für solche Fälle das Unterlassen aller intensiv-medizinischen, lebensverlängernden Maßnahmen, insbesonders will ich:

• Keine künstliche Beatmung!
• Keine Wiederbelebung! (Reanimation)* siehe Rückseite!
• Keine Flüssigkeitszufuhr von mehr als einem
halben Liter am Tag, nur Mundpflege gegen Durst!
• Keine künstliche Ernährung durch jede Art
von Magensonde (Nasensonde oder PEG)!
• Kein Anschluß an eine künstliche Niere!


Wichtiger Hinweis für den Arzt:
Ausgehend von der Überzeugung, daß es keinen Tod gibt, lediglich Übergänge von einer Lebensform in eine andere, denn für mich bedeutet Geburt ins irdische Leben Übergang aus einer anderen geistig-spirituellen Seinsebene in die physikalisch-stoffliche Existenz, wozu ich als ursprüngliches und eigentliches Geistwesen den Körper vorübergehend angenommen habe.


Seite 2+3:

Gemäß dieser Einstellung zum ewigen Leben, akzeptiere ich dann mein Schicksal und will keine Lebensverlängerung, die ich nur als Verzögerung des Sterbevorganges empfinden könnte.

Alle sinnvollen Therapie- und Pflegemaßnahmen, die zur Linderung meiner Schmerzen beitragen sollen hingegen bis zuletzt durchgeführt werden, selbst wenn dadurch eine Lebensverkürzung nicht ausgeschlossen ist.

Ich möchte in Würde und möglichst in vertrauter Umgebung sterben.

Einer Organtransplantation stimme ich nicht zu.

Ich wünsche, daß folgende Personen umgehend verständigt werden:

(Ehefrau) Name, Anschrift,
Tel.:
(Sohn) Name, Anschrift,
Tel.:
(Sohn) Name, Anschrift,
Tel.:

Schweigepflichtentbindung:
Ich befreie alle Ärzte, die mich behandeln, von der ärztlichen Schweigepflicht gegenüber den o. g. Personen, sowie Behörden und Gerichten.

Widerrufsmöglichkeit:
Ich weiß, daß ich diese Erklärung jederzeit widerrufen kann.

Gültigkeit dieser Erklärung für veränderte Umstände:
Ich weiß, daß in einer Situation, in der es mir auf Beachtung dieser Verfügung ankommt, unter Umständen angenommen wird, ich würde mich in der konkreten Situation anders entscheiden, als hier niedergeschrieben. Dies wünsche ich nicht! Denn ich verstehe diese Erklärung als Ausdruck einer wohl überlegten generellen Einstellung zu diesen Lebensfragen, wie ich sie bereits weiter oben näher beschrieben habe!

Name Name, Anschrift
Tel.:

Geb. am


..................................................., den ............................................


...................................................................
Unterschrift


Mein derzeitiger Hausarzt ist:
Dr. med. (Name),
Anschrift, Tel.:
Ein Exemplar dieser Verfügung ist in meiner Patientenakte des Hausarztes.



..................................................., den ............................................


............................................................................................
Unterschrift des Hausarztes




Seite 4


Verfügungen über meinen Tod hinaus:
Des weiteren habe ich bei der Stadtverwaltung (Ort) verfügt, daß mein Körper nach meinem irdischen Ableben eingeäschert wird.
Diese entsprechende Willenserklärung datiert vom: (Datum)


Für die Bestattung ist die Firma (Name), Anschrift,
zu benachrichtigen.



Bemerkungen:

* Eine Reanimation, bewerte ich als einen fremden Eingriff in die von Gott gewollte Fügung meines Schicksals.



Ich hoffe, dass ich Euch eine brauchbare Anregung geben konnte!

MfG Jan Amos
 
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Miriam

New Member
Registriert
26. Juni 2005
Beiträge
9.722
Danke dir Jan Amos, dass du uns Einblick gestattest in deine persönliche, individuelle Patientenverfügung. Ich danke dir für deine Offenheit und auch für die praktische Hilfe die du mir persönlich damit gibst.

Aus dem Beitrag von Wort-schatz und auch aus dem Text der Patientenverfügung von Jan Amos lese ich noch einen anderen, sehr wichtigen Aspekt heraus:

Wort-schatz schrieb:
Darf man eigentlich „für sich selbst“ in Würde sterben oder muss man dies für die „anderen“ tun? Für die Zuschauer?

Kann es nicht sein, dass man als Sterbender oder als ein vermeintlich „Dahinvegetierender“ das Wort „Würde“ ganz anders definiert als ein vermeintlich „würdig Lebender“?

Welchen „Zweck“ hat ein vermeintlich Dahinvegetierender“ für sich selbst oder für das, was wir Seele nennen, mit seinem Leben zu erfüllen?

Es ist wohl eine Glaubensfrage. Aber da „glauben“ ja auch immer „nicht wissen“ heißt, bin ich hin- und hergerissen, weil ich keine Antwort finde.

Und in der Patientenverfügung von Jan Amos steht folgenes:

Jan Amos schrieb:
Ausgehend von der Überzeugung, daß es keinen Tod gibt, lediglich Übergänge von einer Lebensform in eine andere, denn für mich bedeutet Geburt ins irdische Leben Übergang aus einer anderen geistig-spirituellen Seinsebene in die physikalisch-stoffliche Existenz, wozu ich als ursprüngliches und eigentliches Geistwesen den Körper vorübergehend angenommen habe.

In unterschiedlicher Weise, sagen beide Texte viel über ihre Verfasser aus, über ihre Überzeugung, dass wir Geist sind und uns nur vorübergehend in dieser einen Form, die wir körperlich angenommen haben, in diesem Leben befinden.

Ich denke, das ist eine Überzeugung die man durch Ratio nicht übernehmen kann. Man fühlt, dass das so ist - oder man fühlt es nicht. Letzteres ist bei mir der Fall. Mir fehlt diese Dimenssion, und ich betrachte dies nicht als ein es besser wissen - sondern als ein Minus. Wir können uns nicht reduzieren auf unsere körperlichen Funktionen die wir besitzen und die irgendwann aufhören zu funktionieren. Aber die Frage nach dem danach ist damit nicht beantwortet. Und wenigstens hier sollte ein jeder die Besserwisserei aufgeben.

Eine mir sehr liebe Freundin (Karin, falls du hier liest sei lieb gegrüßt) sagte mir: "ich weiss, dass das so ist und dass es irgendwann auch ein Wiedersehn mit all denen die ich lieb hatte, geben wird." Ich denke sie hat recht: man weiss es - oder man weiss es nicht. Überzeugen kann man und soll man da keinen.
Aber mein Respekt gillt all denen, die in dieser Weise fühlen und denken.
 
M

Marianne

Guest
wort-schatz schrieb:
Darf man eigentlich „für sich selbst“ in Würde sterben oder muss man dies für die „anderen“ tun? Für die Zuschauer?

Kann es nicht sein, dass man als Sterbender oder als ein vermeintlich „Dahinvegetierender“ das Wort „Würde“ ganz anders definiert als ein vermeintlich „würdig Lebender“?

Welchen „Zweck“ hat ein vermeintlich Dahinvegetierender“ für sich selbst oder für das, was wir Seele nennen, mit seinem Leben zu erfüllen?

Es ist wohl eine Glaubensfrage. Aber da „glauben“ ja auch immer „nicht wissen“ heißt, bin ich hin- und hergerissen, weil ich keine Antwort finde.


Da es hier - unter uns "Alten", ja offensichtlich Usus ist, darauf hinzuweisen,wem man/frau geantwortet hat, möchte ich betonen, dass mich vor allem Dein , Wortschatz- von mir zitiertes - Posting zu meiner Antwort inspiriert hat.

Nun: ich denke, jeder muss " seinen" Tod finden - die anderen sollten einem dabei egal sein.


frdlg

Marianne
 

niemand

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Man kann sich vieles wünschen und vieles wollen - was wirklich eintreffen wird, weiß niemand im voraus. Aber ich fühle für mich selbst, dass es so wie es kommen wird, gut sein wird, weil alles in meinem Leben, so wie es kam, immer gut für mich gewesen ist (auch wenn ich zeitweise das Gegenteil davon dachte).

Auch für mich gibt es keinen Tod, nur ein Ablegen des Körpers, ein Verlassen des Alten und ein Zuwenden zum ewig Neuen, ein Übergang. Es ist gut ausgedrückt zu sagen, man überlasse es jedem selbst, ob er dies für sich selbst fühlen kann oder nicht.

Mich wundert, dass einige Menschen sich so viele Gedanken darüber machen, in Würde zu sterben und sich weniger damit beschäftigen, in Würde zu leben. Manche, nicht alle. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Eine Wahrheit, aber auch durch die vielen entwürdigenden Handlungen aneinander, ein Zustand, der sich im Rahmen eines Wunsches bewegt und noch nicht im realen Bewusstsein aller vorhanden zu sein scheint. Gehe ich selbst achtsam genug mit anderen um? Wenn ich ehrlich bin, muss ich verneinen. Achte ich die Würde des anderen, schütze ich diese? Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, muss ich erkennen, dass das nicht immer so ist.

Bin ich mir bewusst, dass ich würdig bin? Was ist meiner unwürdig, wenn mein Herr für mich am Kreuz gestorben ist (gilt nur für mich im Rahmen des Glaubens)?
 

louiz30

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1.789
Ob der Tod nun würdig ist oder nicht, was stört mich das noch, wenn es vorbei ist. Was mich stören wird ist das von "niemand" Gesagte: hab' ich ein erfülltes Leben gehabt, hab' ich meine Talente genutzt, hab' ich was daraus gemacht oder hab' ich ein Leben vergeudet und verblödelt.

Der Tod ist wie die Geburt, ein Ereignis.
Das Leben ist ein Zustand.

Das Ereignis können wir nicht bestimmen, den Zustand aber können wir wählen. Darin liegt der Unterschied.
 

Claus

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3.673
Mich wundert, dass einige Menschen sich so viele Gedanken darüber machen, in Würde zu sterben und sich weniger damit beschäftigen, in Würde zu leben.
Ob der Tod nun würdig ist oder nicht, was stört mich das noch, wenn es vorbei ist.

Niemand und Louiz,

ja, wenn s vorbei ist, dann störts mich auch nicht mehr.
Aber, wenn ich hilflos daliege, an maschinen angeschlossen bin, wohl noch Schmerzen habe (oder mit Schmerzmitteln so vollgepumpt bin, daß ich ichnicht mehr denken kann), dann empfinde ich das als so entwürdigend, daß ich lieber gleich tot bin.
Und darum mache ich mir auch Gedanken darüber, einen solchen Zusatnd zu vermeiden.
das heißt zum Beispiel, Freitod ehe es so weit kommt, wenn man es (wie im Falle einer Krebserkrankung), vorhersehen kann.

Und ich kenne (kannte) einige Krebskranke, die vergeblich gebettelt haben, man möge sie sterben lassen, als sie selbst nicht mehr Hand an sich legen konnten.

Das ist unwürdig!

meint Claus
 

niemand

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Tja, nun sind wir bei der Frage: Was ist Würde, was ist menschenwürdig.

Ist Würde das Gutdastehen, die Vermeidung von Schmerz und Leiden?

Ein würdiger Mensch ist derjenige, der unwürdige Situationen mit Würde übersteht?
 
S

Salem

Guest
Ich denke die Würde muß jeder für sich selbst definieren.
Grundzüge gibt es sicherlich, finde ich.
Ich denke einige Grundzüge was Würde in der Situation betrifft, wären zum Beispiel das man mich körperlich pflegt (Körperwäsche, Kämmen) und mich nicht im eigenen Urin oder Stuhl liegen läßt. Auch das man (Angehörige, Pflegepersonal, je nach Aufenthalt) mich im Auge behält.

Ein Bild von einem siechenden Pflegling, der nicht gereinigt wird stellt sich mir sehr unwürdig dar, selbst wenn man auf seine gewünschte Würde (keine Sonde o.ä.) eingeht.

Wenn man bereit ist auf Nahrung zu verzichten, stellt vllt. die Hygiene nur noch das einzige Grundbedürfnis dar? Ich weiß es nicht...

Und wenn man eine PV hat, so hat man das individuelle, persönlich würdig erscheinende ja festgehalten. Schwer ist es wieder nur, bei Menschen ohne schriftliche Erklärungen.
@Claus: Ich hab eben gelesen "Mit Schmerzmitteln vollgepumpt...nicht mehr denken können"

Dazu möchte ich sagen, das die heutige Palliativmedizin -obwohl sie sicher noch weiter ausgebaut und finanziert (KK) werden muss- auch zentrale Schmerzbefreiung leisten kann. Sicherlich nicht bei jeder Diagnose.

Jetzt stellt sich mir wieder eine andere, vorher nicht bedachte Frage:
Angenommen die Schmerzmedizin betüddelt mich (dauerhaft, falls das geht) so sehr, dass ich eh nicht mehr denken kann, warum dann sterben? Bzw. warum dann weiterleben? Kann man in beide Richtungen stellen die Frage.

Kann man das körpereigene Bewußtsein überhaupt jemals außer Betrieb setzen? Dauerhaft und ohne die eigene Bereitschaft dazu?
 

Fortuna

Well-Known Member
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7. Januar 2006
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Auch ich möchte in Würde sterben eines Tages und vor allem selber entscheiden, wann es genug ist. Das gehört zu meinem Selbstverständnis.
Aber sorgt euch nicht, ihr lieben Leute ;), das Problem wird sich in den nächsten Jahren ganz von selber lösen!
Angesichts der allgemeinen Finanzmisere, der Überalterung und der Rentnerschwemme wird es nicht mehr lange dauern und das Thema "Sterbehilfe" wird in Deutschland ganz anders diskutiert werden als bisher.
Selbstverständlich wird garantiert jeder Rentenempfänger in spätestens 20 Jahren in Würde sterben dürfen, wenn nicht gar sollen...
"Ein glücklicher Tod" wird es heißen, ist einem langen Leben in Elend und Armut vorzuziehen und ein gutes Werk tut jeder, der sich und seine Rente der nachfolgenden Generation nicht zumutet.
Es wird doch jetzt schon diskutiert, Menschen nur bis zu einem bestimmten Alter in den Genuss künstlicher Hüften oder Herzschrittmacher kommen zu lassen. Um die Ethik kümmert sich dabei kein Mensch, es ist alles eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Solange an den unheilbar Kranken noch verdient werden kann, lässt man sie leben, auch jahrzehntelang, wenn das geht. Wenn eines Tages der Geldhahn von den Krankenkassen zugedreht wird, wird kein Schwein einen Komakranken noch angeschlossen lassen...
Also sorge dich nicht, Claus!

Fortuna
 
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Claus

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5. August 2005
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3.673
AW: In Würde sterben?

ein Sterbehilfefall macht wieder Schlagzeilen, diesmal in Italien:

dem dringenden Wunsch eines seit 8 Jahren nur noch mit Hilfe von Maschinen am Leben erhaltenen Mannes wurde stattgegeben,
ein Arzt hat ihn erlöst und die ihm eine Betäubung verabreicht, die Maschinen abgeschaltet.

konservative Kreise laufen Sturm, ihre Ethik erlaubt es nicht,
man hätte diesen Menschen, der bei vollem Bewußtsein seine Hilflosigkeit ständig "ausleben" mußte, zwangsweise "am Leben " erhalten sollen.

Bei uns ist die "Sterbehilfe" immer noch in der Diskussion.
Soll man allen den Verhinderern ein so langes Siechtum wünschen, wie es dieser Italiener nun endlich hinter sich hat?

fragt Claus
 
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