AW: Gutmenschen
Meine fünf Pfennig dazu - ich bin ambivalent, was die Kritik am "Gutmenschen" betrifft!
Aus Earlys Link greife ich mal diesen Ausschnitt heraus:
Der Gutmensch gehört zu der Gattung homo perfekto beneficaris. Er hat sich im Laufe der Evolution eine unglaubliche Anpassungsfähigkeit angeeignet. Sinn seines Lebens ist es, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und (Schein-)Toleranz zu predigen. Er pflanzt sich fort, indem er andere Menschen zum Gutmenschentum bekehrt. Erklärtes Ziel ist es, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Dieser Text macht für mich deutlich, wie subjektiv die Dinge bewertet werden - je nach Standpunkt - wobei mir der
homo perfecto beneficaris sehr gut gefällt

!
An sich ist Anpassungsfähigkeit nichts Negatives, sondern Notwendiges.
Kein Überleben in der Natur ohne Anpassung!
Wer gut mit seinen Mitmenschen auskommt und durchs Leben geht, ohne dauernd zu provozieren, ist meist ein angenehmer Zeitgenosse und inwieweit Toleranz nur zum Schein praktiziert wird - wer will das denn im Einzelfall so genau wissen!
Die Welt zu einem besseren Ort zu machen, finde ich nicht gerade verabscheuungswürdig ...
Menschliche Existenz ohne Kriege, Folter, schreckliche Krankheiten, Hunger und extreme Armut kann ich beim besten Willen nicht negativ sehen

und soziales oder ehrenamtlichen Engagement dahingehend auch nicht.
Wer sich in diesem Sinne ausrichtet, bezieht wenigstens klar Stellung, er wagt mehr als der ewige Defätist und hat bestimmt auch seinen persönlichen "Sinn des Lebens", der ja anderswo hier diskutiert wird, gefunden.
Negativ wäre allenfalls, wenn damit eine selbstgerechte Haltung einher ginge.
Aber muss die von vornherein unterstellt werden?
Insofern finde ich den Stempel "Gutmensch" oft unfair und auch recht bequem für Zyniker und Schlaffis, die außer Genörgel wenig von sich geben ...