Moin, Moin, Soliton!
Ja, da hast du völlig recht - bloß, wie soll es denn anders gehen?
Sprache entwickelt sich nunmal individuell, aus dem Kontext heraus, in den Mensch hineingeboren wird. Ich denke mal, in einer Stammesgesellschaft, in der alle Mitglieder mehr oder weniger an allem teilhaben, was den Stamm betrifft, ist die gemeinsame Erfahrung vorhanden, mit der die Sprache verknüpft ist, so dass die Verständigung da sehr präzise möglich ist.
In einer feudalen Gesellschaft können sich die Mitglieder jeden Standes - oder wie das noch hieß - untereinander gut verständigen, da es für jeden Stand klare Regeln gibt und gemeinsame Erfahrungen.
Schwieriger wird es in einer hochkomplexen Gesellschaft mit vielen Subkulturen, Gruppierungen, Unterströmungen, wo das einzelne Individuum sehr verschiedenen Kontexten folgen kann oder ihnen auch erst mal ausgesetzt ist. Es ist natürlich ein viel höherer Freiheitsgrad - andererseits muss man sich dann halt oft erstmal diejenigen suchen, die ähnliche Interessen haben. Es wird schwieriger, je vielschichtiger ein Individuum ist. Ok, man kann sich auch verschiedenen Gruppen anschließen, und seine Interessen da oder dort leben. Wenn man sie denn wirklich fein säuberlich voneinander trennen kann.
Dazu muss ja ein Mensch erstmal die Wirklichkeit erkennen - das dürfte aber eben immer nur in Teilbereichen möglich sein, denn die Wirklichkeit ist ja - zumindest für uns - unendlich. Und dann kommt 's auch noch auf die Prämissen an. Ist uns wirklich immer bewusst, wo wir etwas nur glauben, weil man 's uns von klein auf so erzählt hat und wir es deshalb für wahr und selbstverständlich halten? Dazu muss man sich selbst immer wieder überprüfen, neue Ideen zulassen, dafür offen sein, dass viel mehr möglich ist, als was man selber kennt. Das macht das Leben aber nicht grade einfacher.
Ja - das geht auch nie auf einmal, es ist ein Prozess, sich die - evtl, für einen selbst sehr fremde - Welt des Autors zu erschließen.
Ja! Drum halte ich es ja für unerlässlich, dass man immer wieder Sprache und Wirklichkeit abgleicht. Nur, wie schon gesagt, die Wirklichkeit ist unendlich und man kann 's eben immer nur für Teilbereiche tun.
Ok, man kann sich natürlich auch der Wirklichkeit auf einer anderen Ebene nähern, indem man ein System erlernt und benutzt, das natürliche Gesetzmäßigkeiten, Urprinzipien beschreibt, die man dann jeweils analog anwenden kann. Das ist aber heutzutage nicht mainstream-gerecht!
Und umgekehrt - auch der Leser ist nicht für die der Autoren verantwortlich.
Eben Ausdruck einer patriarchalischen Gesellschaft, die auf Besitz und Machterhalt ausgerichtet ist!
LG
EarlyBird