AW: Das rätselhafte 'Phaltaun'; oder: Philosophie auf Ab-wegen
Hallo moebius,
1. da pflichte ich Dir zwar im Grunde bei, allerdings muss der Unsinn (Quatsch) als solcher bewusst erkannt und vom (Nonsense-)Künstler eingesetzt werden, damit schließlich Meta-Sinnebenen aufscheinen können.
2. Ich selbst schätze bspw. absurdes Theater sehr, denn hier wird - zum Teil sehr subtil - der vermeintliche Unsinn dazu verwendet (Beispiel: das Theaterstück "Die Kahle Sängerin" von Eugène Ionesco), um gesellschaftliche Zustände/Merkmale aufs Korn zu nehmen, zu problematisieren.
3. All das ist jedoch nicht der Fall, wenn es sich um philosophische Abhandlungen handelt; hier waltet in aller Regel der verbindliche Ernst des Welterkenners, der also eindeutige Wahrheiten aufzeigen möchte.
4. Freilich: wenn Philosophie sich selbst mit absurder Kunst identifiziert und (postmodern beliebig) gerade das wieder als eigentliche Quelle der Wahrheit behauptet, dann ist dieser Vorwurf elegant beseitigt.
5. Letztlich muss man sich dennoch fragen, ob das jener Verbindlichkeit, die wohl jeder Philosoph seinen Gedanken gern beimessen möchte, überhaupt noch entsprechen kann. Ich jedenfalls bezweifle dies akut.
6.Als sehr aufschlussreiche Lektüre zum Thema empfehle ich gerne das Buch von Alan Sokal und Jean Bricmont: "Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften mißbrauchen". In jeder guten Bibliothek zu haben.
Beste Grüße,
Philipp
Hallo Philipp!
Zu 1.:
Ja, und wahrscheinlich ist auch dies der Grund, warum beispielsweise die ZEN-Kunst und die ZEN-Philosophie einander nahe sind! Die Selbst-Widersprüche (Antinomien, Paradoxien), in die sich ernsthaftes Philosophieren an bestimmten Stellen immer verstrickt, können aber
"spielerisch" aufgelöst werden (vgl. dazu die Koans im ZEN - oder auch die philosophischen Reflexionen von N. CUSANUS und/oder S. KIERKEGAARD, die allerdings noch weitgehend eine spielerische Leichtigkeit vermissen lassen...was mit den jeweiligen zeit-geist-gebundenen Biographien der beiden Denker zu tun hat!)
Zu 2.:
Ja, das absurde Theater bedient sich bereits der Mittel des Spiels!
Zu 3.:
Der
verbindliche Ernst sagt erst einmal was aus über den sog.
"Weltenerkenner" - und über
sein Verhältnis sich selbst und seinen Gedanken gegenüber! Aber wer kann schon jemals von sich behaupten, die "Welt" erkannt zu haben
??? Wo schon die
Selbst-Erkenntnis sehr vielen Menschen sehr schwer zu fallen scheint ...
Zu 4.:
Aus meiner unmaßgeblichen Perspektive darf sich die Philosophie mit gar
nichts identifizieren ...und schon gar keine Behauptungen über eine
"eigentliche Quelle der Wahrheit" formulieren - zumal es innerhalb der abendländischen Philosophie-Geschichte mindestens 5 verschiedene
Wahrheits-Theorien gibt !
Zu 5.:
Ich bezweifle das auch! Philosophie, wie ich sie verstehe, ist an einer bestimmten Stelle kaum mehr vom Humor zu unterscheiden, denn:
a)
Philosophie ist, wenn man(n)/frau trotzdem denkt!
b)
Humor ist, wenn man(n)/frau trotzdem lacht!
Zu 6.:
Vielen Dank!
Dir noch einen schönen
Pfingst-Montag - und weiterhin viel

(=
GEIST).
Viele Grüße, moebius