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[STOP] Gewalt beginnt mit der Umgangsprache ...

Dieses Thema im Forum "Sprache" wurde erstellt von hylozoik, 30. Dezember 2015.

  1. hylozoik

    hylozoik Well-Known Member

    Registriert seit:
    21. Dezember 2010
    Beiträge:
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    Weil mir das gerade ''durch den Kopf schiesst'' bzw. ''heute ins Auge gestochen ist''. :eek:
    http://www.denkforum.at/threads/standhaftigkeit-versus-starrsinn-wo-ist-die-grenze.16990/
    Ich vermeide (inzwischen) derartige Grausamkeitsfloskeln, die nicht selten
    von Altvorderenen, unreflektiert an Nachgeborene weitergegeben werden.
    Zu dumm, ''saudumm'' ''wie ein Schuss ins Knie'' ''ihr blöden Hunde'' ... :p

    ZITAT__________________________________________________
    Über Gewalt in unserer Sprache
    http://www.puramaryam.de/gewaltsprache.html

    Gewalt ist in unserer Gesellschaft überall präsent, und diese Aggressivität spiegelt sich natürlich auch in unserer Sprache. Das ist aber den wenigsten Menschen bewusst. Darum empfinde ich es als wichtig, es anzusprechen und damit in unser Bewusstsein zu bringen, denn nur dann können wir etwas an unserer Sprache verändern. Unser SPRECHEN entspricht unserem DENKEN. Wir sprechen eigentlich eine "Kriegs"- "Jäger"- oder "Gewaltsprache", so wie der Krieg in unserem Inneren, der Krieg gegen Andere und uns selbst, in unseren Gedanken verankert ist und sich damit auch sprachlich offenbaren muss.

    Dass wir "Krieg" denken, ist den Menschen aber garnicht bewusst. Wir lernen die Sprache als kleine Kinder, übernehmen die Denkweisen und Formulierungen von Familie und Freunden, und sie gehen uns so in Fleisch und Blut über, dass wir meist nicht mehr über unsere Sprache nachdenken. Sogar spirituell denkende und handelnde Menschen sind sehr überrascht, wenn ihnen die Gewalt in ihrer Sprache klar wird.

    Es ist vielleicht wichtig, erst einmal klarzustellen, was ich mit "Krieg denken" und "aggressiver Sprache" meine:
    Ich meine damit jede Äußerung von "Kampf" - nämlich alles 'Gegen etwas sein'.
    Wir kämpfen gegen Krieg und Aggressivität, gegen Fremdenfeindlichkeit und Jugendkriminalität, sind gegen Korruption, gegen Benachteiligung anderer Menschen, gegen Ausgrenzung von Behinderten, gegen bestimmte Parteien, gegen die Umweltverschmutzung, gegen die Abholzung des Regenwaldes, usw.
    Wir kämpfen aber auch für den Frieden, für Gleichheit aller Menschen, für ein friedliches Nebeneinander von Menschen aller Nationen, fordern ein für das Recht der Tiere auf artgerechte Haltung, setzen uns ein für und gegen, und denkt nur an die regelmäßigen Wahlkämpfe...

    Für manche Menschen ist alles 'Kampf', ja, das Leben selbst ist für sie Kampf. Sie kämpfen andauernd mit sich selbst, kämpfen gegen überflüssige Pfunde, kämpfen an gegen Appetit, kämpfen gegen ihre Laster, kämpfen gegen Andere, gegen ihre Benachteiligung, für ihre Anerkennung, kämpfen um ihren Lebensunterhalt, kämpfen für ihre Rente, kämpfen gegen Unverstand an, schlagen Konkurrenten aus dem Feld, streiten um ihr Recht, verteidigen sich gegen andere Meinungen, kämpfen gegen die Umweltverschmutzung...

    Wir haben nicht nur Krieg und Kampf, sondern auch das Jagen, das Erlegen, das Töten von Tieren - sei es als "Jagdvergnügen" oder als perversierte Massentierhaltung in uns integriert, denken nicht mehr darüber nach und sehen es als Selbstverständlichkeit an. Die überquellenden Supermarktauslagen in der Fleischabteilung erregen in uns kein Grauen. Das Töten von Tier und Mensch (letzteres im Krieg, im Kampf gegen den Terrorismus, usw.) zu unserem eigenen Nutzen hat die unbedingte ACHTUNG vor allem Leben relativiert...

    Wir empfinden es als selbstverständlich und normal, zu sagen...

    Etwas ist bombensicher
    Etwas hält bombenfest
    Etwas ist für uns ein Schlag ins Gesicht
    Ein Schachzug unseres Konkurrenten ist für uns ein Schlag ins Genick
    Wir werden von unseren Kontrahenten geschlagen
    Es geht um jemandes Kopf
    Jemand hat den Kopf in der Schlinge
    Wir strecken die Waffen, wenn wir nicht weiterwissen
    Wir geben uns geschlagen, wenn der Gegner zu stark ist
    Wemand schießt quer
    Der andere wird außer Gefecht gesetzt
    Wir versuchen etwas aufzubrechen
    Etwas haut uns die Beine weg
    Wir werfen den Handschuh (das war früher eine Aufforderung zum Duell)
    Es wird ein (Rede-)Duell ausgefochten
    Wir sind unschlagbar
    Unsere Gegner geben sich geschlagen
    Sie kapitulieren
    Wir beziehen oder nehmen Stellung
    Es gibt eine Fußballschlacht
    Wir schlagen Konkurrenten aus dem Felde
    Wir gehen strategisch vor
    Eine Nachricht schlägt ein wie eine Bombe
    Jemand bekommt einen Schuss vor den Bug
    Jemand geht in die Falle
    Es beginnt die Jagd bzw. die Hatz auf jemanden
    Wir pirschen uns an jemanden heran
    Jemand wird eingekreist
    Der Gegner hat keinen Fluchtweg offen
    Der Gegner wird in die Flucht geschlagen
    Er schlägt sich in die Büsche
    Das ist ein (Voll-)Treffer!
    Der Wahlkampf polarisiert die Parteien
    Die Parteien kämpfen um jeden Wähler
    Wir schlagen unsere Gegner
    Die Handelskette bricht mit einer Strategie in des Gegners Flanke ein
    Die Fußballspieler schießen Bälle ins Tor
    Wir werfen die Flinte ins Korn
    Wir zerreißen uns für jemanden
    Jemand reißt sich für etwas ein Bein aus
    Worte wie: müssen - kämpfen - zwingen - siegen - verlieren
    ...

    Die Sprache des Sports, besonders des Fußballs, ist eng durchsetzt mit Kriegs-Begriffen. Es heißt ja auch nicht unberechtigt, dass der Sport der Stellvertreter des Krieges zwischen den Völkern ist, weil Sportwettkämpfe viele Aggressionen lösen. Und so hat auch die Sportsprache die Kriegssprache weitgehend übernommen, besonders natürlich der Fußball.

    Aber alles "Für etwas kämpfen" und "Gegen etwas sein", alles "Streiten für und gegen", alles "Sich einsetzen für und gegen" , alles "Gegen etwas sein" ist aber ALTES DENKEN - DER IRRTUM. Niemand spürt mehr, wie tief das 'gegen' in unsere Wahrnehmung und Sprache eingedrungen ist. Es ist uns so vertraut, dass wir es garnicht mehr als gewaltsam ansehen. Es ist für uns sogar schwierig geworden, es zu erkennen, und doch IST ES GEWALT, das ist ja das Schlimme! Denn es wirkt ja gegen uns, wie alle Gewalt! Die Kriegssprache ist so gebräuchlich geworden, dass keiner sie mehr wahrnimmt.

    DIE SPRACHE IST SPIEGELBILD UNSERES HERZENS. WIR DENKEN UND FÜHLEN, SO WIE WIR SPRECHEN, UND LEBEN DIE ENERGIE UNSERER WORTE. UNSERE WORTE TRANSPORTIEREN DIE ENERGIE DER BEGRIFFE, DIE SIE ENTHALTEN, OB ES UNS BEWUSST IST ODER NICHT.

    Weiterlesen ... http://www.puramaryam.de/gewaltsprache.html

    ______________________________________________________

     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Dezember 2015
    Janus und dasinci gefällt das.
  2. Bernies Sage

    Bernies Sage Well-Known Member

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    Zwischen Erde und Himmel und doch bodenständig
    Wäre schön zu wissen, *hylozoik*,
    wer dies wörtlich so gesagt hat,
    aber niemandem wäre es zu verdenken,
    wenn ER mir diese Worte AUCH in den Mund gelegt hätte.

    Bernies Sage​
     
  3. hylozoik

    hylozoik Well-Known Member

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    Wer finden will ... :foto:
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Dezember 2015
  4. Zeilinger

    Zeilinger Well-Known Member

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    Okay, hylozoik, ich habe mich hier nicht sehr fein ausgedrückt. Würde dieses oder jenes "geht mir durch den Kopf" durchgehen ?

    Auch keine Mimose verletzen wollend (ich bin selbst schon einmal so genannt worden)

    Zeili
     
  5. hylozoik

    hylozoik Well-Known Member

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    Hm, was weiss ich was ''fein'' is? - und schon gar nicht,
    für was Allegorien gut sein sollen? :dontknow: :clown1:

    Mir tut der kranke, morbide, gewaltige Wortgebrauch weh,
    und da re-agiere ich eben sofort
    - zur Ableitung, Umleitung, Überleitung
    ... zum Friedlichen, Lebendigen, Gesunden (o;

    Ja genau, wie Mimosen - die zeigen ihre Abneigung auch gleich,
    da tun sich so manche Menschen schwer
    (im zeigen und auch ertragen) ... :buegeln:

    [​IMG]

    PS: Aber Menschen mit Pflanzen vergleichen, ist auch so eine
    ang'lernte ''Ahnenkrücke'' - warum nix eigenes? :reden: :schaf:
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2015
  6. Neugier

    Neugier Well-Known Member

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    Beiträge:
    3.573
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    Salbungsvolles Wortklauberei-Geschwafel.

    hylozoik,
    in letzter Konsequenz ist dieses ganze Räsonnieren über
    Gewalt in der Sprache nichts weiter als Wortklauberei.

    Greifen wir aus dem verlinkten Text von MARYAM
    ein Beispiel heraus:
    Macht es in meiner psychischen Verfasstheit denn wirklich
    einen Unterschied, ob ich meinen Zwiespalt als ein
    "mit mir ringen" oder ein "mit mir kämpfen" bezeichne?

    Auf mich wirkt diese Wortklauberei als salbungsvolles Geschwafel.


    > Das musste auch einmal in aller Klarheit gesagt werden. <

     
    Athineos gefällt das.
  7. hylozoik

    hylozoik Well-Known Member

    Registriert seit:
    21. Dezember 2010
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    17.922
    Ort:
    in-meiner-welt.at
    Als Gesamtes ist es wahr (für mich) ...​
     
  8. Zeilinger

    Zeilinger Well-Known Member

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    22. Mai 2004
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    16.501
    Ort:
    Wien
    Okay.

    Finde ich auch; die Pflanzen sind eigene Lebenswesen.

    Zeili
     
  9. Bernd

    Bernd Well-Known Member

    Registriert seit:
    3. Mai 2004
    Beiträge:
    5.311
    Ort:
    Berge
    Für mich arbeitet das Denken in Sprache. Begriffe (und zugeordnete Erlebnisse) sind seine Materialien. Vergleichen ist sein Werkzeug. Also Gleichsetzen und Unterscheiden. Je feiner die Begriffe den jeweiligen Umständen/Dingen... zugeordnet werden, umso feiner das Denken. Daher der Versuch uns mit Hilfe des Medienapparrates in umgekehrte Bedeutungen und die Jugendlichen in diese Türkensprache zu zerren. "Ich mach disch Krankenhaus" oder "doppelplusgut". Wir befinden uns dabei bereits in einem viel weiter hinten liegenden Stadium der Gewalt, in dem Begriffe unerwünscht sind, bzw. sogar verboten werden. Sieht man an den Debatten um "Stolz".

    Gewalt ist für mich allgemein in einem Anfangsstadium der Unterschied zwischen dem was ist und dem was sein sollte. Auf Sprache bezogen, vielleicht bereits die bewußte falsche Zuordnung, wie es in den Medien laufend geschieht.

    Ob ich mir aber damit einen Gefallen tue, wenn ich mich bei jeder Verwendung von "ich müsste jetzt" oder "kriege ich das von dir" korrigiere? Ich bezweifle das. Mir kommt das vor wie diese Esoterikdamen, die mich immerzu angrinsen müssen. Auch wenn sie von mir "die Schnauze voll" haben.
     
    hylozoik und Zeilinger gefällt das.
  10. Athineos

    Athineos Active Member

    Registriert seit:
    13. Dezember 2015
    Beiträge:
    237
    Ort:
    Linksrheinisch nahe Bonn
    Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Es gibt nun mal in jeder Sprache Termini, die aus Fachsprachen in den allgemeinen Wortschatz eindrangen.
    Denkt einer von Euch an Gewalt, wenn er ein Buch aufschlägt?
    Und doch kommt es davon, dass früher Ober- und Unterseite des Buchumschlages durch Riegel verbunden waren, die durch einen Schlag auf das Buch geöffnet wurden.
    Es steckt also keine Gewaltphantasie hinter diesem Terminus, sondern eine mechanische Tätigkeit.
     

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