• Willkommen im denk-Forum für Politik, Philosophie und Kunst!
    Hier findest Du alles zum aktuellen Politikgeschehen, Diskussionen über philosophische Fragen und Kunst
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

Kunstraub im Irak

Alzii

New Member
Registriert
2. Dezember 2002
Beiträge
2.133
Ständig höre ich jetzt in den Nachrichten, wie die UNESCO, renommierte Archäologen und sonstige Berühmtheiten, gegen das Plündern der irakischen Museen protestieren, usw.

Ich habe den Eindruck, daß während des ganzen Afghanistan- und Irakkrieges zusammengerechnet, medienmäßig nicht annähernd so umfangreich über das Abschlachten und Verstümmeln von Zivilisten berichtet wurde, wie jetzt über die Plünderungen.


Werden unsere Medien ferngesteuert, ist Kunstraub schlimmer, als Mord?
"Verkauft" sich Kunstraub besser?
Warum scheint das Töten und Verstümmeln von Menschen nachrichtentechnisch weniger bemerkenswert, als irgendwelche Plünderungen?
 
Werbung:
Hallo Alzii,

die Plünderungen sind (bzw. waren) im Irak ein omnipräsentes Phänomen, sehr dominant und ziemlich intensiv, daher vermutlich auch die ausgedehnte Berichterstattung hierüber. Auch war wohl das Augenmerk vor allem darauf gerichtet, dass die amerikanischen Truppen ihren Pflichten als Besatzungsmacht anfangs nicht nachgekommen sind. Dies wurde kritisiert und mittels den Medien somit Druck auf die Militärs ausgeübt.

Über Verletzte und tragische Einzelschicksaale wird dennoch ausführlich berichtet, hier kann ich keinen Mangel feststellen. Die Plünderungen waren eben ein Massenphänomen und als solches in der Priorität der Berichterstattung kurzzeitig im Vordergrund. Ich meine, wenn ein Journalist im Irak die Augen aufmacht und Plünderungen sieht, dann wird er davon vor allem berichten. Mittlerweile hat sich die Situation wieder beruhigt und auch die Berichterstattung ist daher nun wieder umfassender.

Dass die mediale Berichterstattung nicht nur von ethisch-moralischen Werten geprägt ist, dies ist wahrlich nichts neues. Für die Medien ist vor allem das interessant, was beim Konsumenten gut ankommt und dies wir mittels möglichst prägender und aussagekräftiger Bilder und Geschichten bewirkt. So kann die Plünderung eines Museums kurzfristig interessanter sein als der 100. Bombeneinschlag in ein Wohngebiet. Das ist medialer Alltag, schuld daran sind weniger die Medien selbst, sondern in erster Linie die Konsumenten. Die Zuschauer bestimmen mittels ihrem Konsumverhalten, was gesendet wird.

Viele Grüße,

Philipp
 
Original geschrieben von PhilippP
So kann die Plünderung eines Museums kurzfristig interessanter sein als der 100. Bombeneinschlag in ein Wohngebiet. Das ist medialer Alltag, schuld daran sind weniger die Medien selbst, sondern in erster Linie die Konsumenten. Die Zuschauer bestimmen mittels ihrem Konsumverhalten, was gesendet wird.


Philipp, ich finde das so interessant dass ich darüber einen eigenen Thread aufgemacht habe:
https://www.denkforum.at/forum/showthread.php?threadid=489
 
mag vielleicht schockierend sein

doch bewegt mich der unwiederbringliche verlust der kunstschätze im zwischenstromland mehr als die tatsache dass plünderer bewaffnet in spitäler eindringen und dort ärzte an ihrer arbeit hindern
 
keine Infos über die Opfer

Vor etwa 7 Stunden kam ein ausführlicher Bericht im Rundfunk.
Ein deutscher Argäologe, der im Irak arbeitet kam zu Wort, er berichtete über gezielte Plünderung in den Museen. Die Leute wüßten, genau, was sie zu stehlen hätten. Mir persönlich stellt sich die Frage, ob sich hier nicht einige GI's im Vorfeld informiert und jetzt zugegriffen haben, um ihren mageren Sold etwas aufzubessern.

Daneben gibt es auch ziellose Plünderungen und Verwüstungen.
Ich habe an einem Tag Radiohören über diese Kunsträuber mehr erfahren, als in der gesamten Zeit des amerikanischen Überfalls über die Opfer des Krieges.

Keine Zahlen, keine Berichte, nichts.
Aber der Dirigent Daniel Barenboim weint, weil irgendwelche wertvollen Instrumente gestohlen wurden.

Wie gesagt, über die Opfer, die Verwundeten und die Getöteten erfährt man kein Sterbenswörtchen.
Auch nicht über die Schäden, die das Bombardement der Amerikaner und der Briten angerichtet hat.


Es ist nicht verwunderlich, wenn sich auch die Menschen hier mehr über die Plünderung von Kunstschätzen aufregen, da sie ja über die Menschenopfer nicht informiert werden.

Tja, so ein paar abgerissene Kinderbeinchen und zerschmetterte, blutverschmierte Kinderköpfchen könnten der Öffentlichkeit zeigen, welche Verbrechen die Amerikaner und die Briten im Irak begangen haben.
 
sowohl - als auch

Hi, Alzii!

Ich verstehe Deine zynische Entrüstung gut, wenn Du die Berichtserstattung über die unzähligen zivilen Todesopfer des Irakkrieges einforderst.

Das es dazu kommen wird, hat jeder politisch Interessierte vorher gewusst und - so wie ich viele- auch dagegen demonstriert, unzählige Protestaufrufe unterzeichnet usw.

Jetzt, im Angesicht der eingetretenen Realität bin ich z.B. ausgelaugt. Bei mir reicht`s nicht einmal mehr zur Wut über die Amis, auch dem Entsetzen hat bloße Resignation Platz gemacht. Mehr denn je fühle ich mich wie eine politische Null. Was bringt wem denn meine Wut, meine Begeisterung, mein Engagement?


Und wenn ich an die unwiderruflich verloren gegangenen Kunstschätze (Brand, Zerstörung) denke, kann ich das auch nur traurig registrieren. Aber mit der Trauer fühle ich , wie ich anfange zu werten: Was kann einen oder mehrere Menschen nur dazu treiben, uralte Kulturzeugnisse aus Gründen wie immer zu zerstören.
Mir kommt das auf eine gewisse Weise so vor, als entferne sich die Menschheit wieder ein Stückchen von ihren Ursprüngen.

Und vielleicht sind das dann auch Gründe, die sowohl Journalisten dazu bringen, über diese Verbrechen mehr zu informieren als über das noch Unsagbarere, aber von so vielen schon Vorausgesahnte, den Tod und die Folterungen von Unschuldigen.
 
Re: sowohl - als auch

Danke, majanna, :) Dein Beitrag hat mich wieder etwas "aufgemuntert" meinen forumstechnischen Widerstand gegen diesen üblen USAmerikanischen Überfall auf den Irak fortzusetzen.

Original geschrieben von majanna
Jetzt, im Angesicht der eingetretenen Realität bin ich z.B. ausgelaugt. Bei mir reicht`s nicht einmal mehr zur Wut über die Amis, auch dem Entsetzen hat bloße Resignation Platz gemacht. Mehr denn je fühle ich mich wie eine politische Null. Was bringt wem denn meine Wut, meine Begeisterung, mein Engagement?
Alleine haben wir keinerlei politische Einflußmöglichkeit, und den Amerikanern ist es mE eh egal, was der Rest der Welt über sie denkt.

Solange ich ab und zu eine positive Resonanz erhalte, werde ich weiterhin versuchen, die Mißstände aufzudecken und an den Pranger zu stellen.

Denn steter Tropfen höhlt den Stein ... ;)
 
die wertvollen Kulturgüter ...

Mittwoch 0:15
Die Direktorin der Kunsthalle Nürnberg beklagt die Plünderungen im irakischen Nationalmuseum ...


Wieder kein Wort und keinerlei Trauer über die von den Amerikanern getöteten und verstümmelten Zivilisten.
 
Alzii,

bevor DU aus verständlichen Motiven Dich aufregst, solltest Du z.B. mit GOOGLE recherchieren. Dann findest Du z.B. diese Quelle mit Zahlen zum Krieg.

http://derstandard.at/?id=1272333

Und was das Senden von Bildern von
verstümmelten Kriegsopfern angeht, so sind wir wirklich davon in den Medien nicht verschont worden.

Was den Kunstraub als solchen angeht, so kannst Du überhaupt nicht beurteilen, wer ihn begangen hat. Zumindest ist es eine nicht zu beweisende Feststellung, daß amerikanischen Soldaten direkt oder indirekt Kunstschätze geraubt hätten, um sich daran zu bereichern.

Kunstraub läßt sich oft nach Jahren oder Jahrzehnten immerhin noch aufdecken. Viel schlimmer sind die
Zerstörungen, die z.B. in der Nationalbibliothek angerichtet wurden.

Was man den Amerikanern vorwerfen muß, ist die Planlosigkeit für ihr Vorgehen nach dem Krieg. Sie mußten wissen, daß es zu Plünderungen kommen würde und hätten entsprechend vorsorgen müssen.
 
Werbung:
hi baerliner

Original geschrieben von baerliner
Alzii,
bevor DU aus verständlichen Motiven Dich aufregst, solltest Du z.B. mit GOOGLE recherchieren. Dann findest Du z.B. diese Quelle mit Zahlen zum Krieg.

http://derstandard.at/?id=1272333
um von den bösen Altertumsplündereren zu hören, muß ich nirgends recherchieren, aber um Zahlen mit "mindestens" zu lesen ...

Original geschrieben von baerliner
Und was das Senden von Bildern von
verstümmelten Kriegsopfern angeht, so sind wir wirklich davon in den Medien nicht verschont worden.
Jetzt, vom Irakkrieg? Wann, wo?
Haben die "eingebundenen" Berichterstatter denn solche Bilder an der amerikanischen Zensur vorbei schmuggeln können?

Original geschrieben von baerliner
Was den Kunstraub als solchen angeht, so kannst Du überhaupt nicht beurteilen, wer ihn begangen hat. Zumindest ist es eine nicht zu beweisende Feststellung, daß amerikanischen Soldaten direkt oder indirekt Kunstschätze geraubt hätten, um sich daran zu bereichern.
Alzi schrieb:
>>>>>>>>>>>>> Mir persönlich stellt sich die Frage, ob sich hier nicht einige GI's im Vorfeld informiert und jetzt zugegriffen haben, um ihren mageren Sold etwas aufzubessern. <<<<<<<<<<<

Liegt Dir eine andere Version meines Beitrags vor, baerliner?


Original geschrieben von baerliner
Was man den Amerikanern vorwerfen muß, ist die Planlosigkeit für ihr Vorgehen nach dem Krieg.
Woher willst Du das wissen?
Ganz planvoll haben sie zuallererst die Ölquellen abgeriegelt und gesichert.
Da waren für die Museen und Altertümer wohl nicht mehr genügend Leute da ....
 
Zurück
Oben