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In memoriam Heinrich Heine (13.12.1797-17.02.1856)

Ehrung für Heine, Gauß und Stein

Der Mathematiker Carl Friedrich Gauß, der Dichter Heinrich Heine und die 1998 heilig gesprochene Pädagogin Edith Stein werden künftig in der Ruhmeshalle Walhalla geehrt. Wie das bayerische Kabinett in München beschloss, wird 2007 in der Gedenkstätte bei Regensburg eine Marmorbüste des seinerzeit größten Gelehrten Gauß aufgestellt, 2008 beziehungsweise 2009 folgen Abbildungen der in Auschwitz ermordeten Stein und des Literaten Heine, der zu den bedeutendsten und meistübersetzten deutschen Dichter zählt. Die drei Persönlichkeiten seien "große Vorbilder für die geistige und menschliche Kraft in unserem Land", sagte Ministerpräsident Edmund Stoiber. In der Walhalla in Donaustauf werden herausragende Persönlichkeiten der deutschen Geschichte geehrt. Der bayerische König Ludwig I. hatte die Walhalla als Ehrentempel für die "rühmlich ausgezeichneten Teutschen" erbauen lassen. In der Halle sind 191 Marmorbüsten und Tafeln bedeutender Persönlichkeiten versammelt. Als bislang letzte wurde 2003 Sophie Scholl aufgenommen.

AP - (Associated Press)
 
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AW: Ehrung für Heine, Gauß und Stein

Der Mathematiker Carl Friedrich Gauß, der Dichter Heinrich Heine und die 1998 heilig gesprochene Pädagogin Edith Stein werden künftig in der Ruhmeshalle Walhalla geehrt.

Danke für deine Information, liebe Miriam.
Ich freue mich natürlich besonders, dass Heinrich Heine endlich die ihm gebührende Ehrung zuteil wird. Lange genug haben sich "die Deutschen" mit Heine und seinem Erbe sehr schwer getan. Wirklich ein Lichtblick, wenn man noch berücksichtigt, dass es ein Entschluss der bayerischen Landesregierung war.

Übrigens habe ich letztes Jahr erstmals Regensburg und die Walhalla besucht.

Gruss
Hartmut
 
AW: In memoriam Heinrich Heine (13.12.1797-17.02.1856)

Hallo alle miteinander,

ich mag auch Heinrich Heine. Vor kurzem habe ich mir das Buch "Memoiren" (Eichborn-BERLIN/Verlag) gekauft, und ich fand es sehr gut und spannend erzählt. Dass "Harry" Heine durch seinen Namen vielen Spötteleien ausgesetzt war, das wusste ich bis dahin gar nicht.

Wenn Heine verliebt war, dann konnte er durchaus zärtliche Gedichte schreiben, und nicht nur den großen Zyniker hervorkehren.
Hier ist ein schönes Beispiel dafür ( Aus: "Buch der Lieder"):

Du bliebest mir treu am längsten
Und hast dich für mich verwendet
Und hast mir Trost gespendet
In meinen Nöten und Ängsten.

Du gabest mir Trank und Speise
Und hast mir Geld geborget
Und hast mich mit Wäsche versorget
Und mit dem Paß für die Reise.

Mein Liebchen, daß Gott dich behüte
Noch lange vor Hitz' und vor Kälte,
Und daß er dir nimmer vergelte
Die mir erwiesene Güte!

Liebe Grüße von FirstDay :blume1:
 
AW: In memoriam Heinrich Heine (13.12.1797-17.02.1856)

Bin kein sittsam Bürgerkätzchen,
Nicht im frommen Stübchen spinn ich,
Auf dem Dach, in freier Luft,
Eine freie Katze bin ich.

Wenn ich sommernächtlich schwärme
Auf dem Dache in der Kühle,
Schnurrt und knurrt in mir Musik,
Und ich singe was ich fühle.

Also spricht sie. Aus dem Busen
Wilde Brautgesänge quellen,
Und der Wohllaut lockt herbei
Alle Katerjunggesellen.

Wunderbare Macht der Töne
Zauberklänge sondergleichen!
Sie erschüttern selbst den Himmel,
Und die Sterne dort erbleichen.


Heinrich Heine
(aus Mimi, 1,3 und 9.Strophe)


Heinrich Heine, mein Lieblingsdichter

auch der von Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn
 
AW: In memoriam Heinrich Heine (13.12.1797-17.02.1856)

Hallo Schleiereule,

das ist eine der schönsten Websites die ich je gesehen habe!!!
VIELEN DANK FÜR DIESEN LINK!

Und noch ein Gedicht von Heine:

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.

Aus: "Heine/Ein Lesebuch für unsere Zeit"/ Aufbau-Verlag 1985

Liebe Grüße von FirstDay
 
AW: In memoriam Heinrich Heine (13.12.1797-17.02.1856)



Über Heine - Von Heine


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"Die Ursprünglichkeit und Selbständigkeit dieser lyrischen Ergüsse zeigt sich schon dadurch offenbar, daß es vor Heine in unserer Literatur nichts dieser Art gegeben und seit seinem Auftreten schon mehrere Nachahmungen seiner Weise, doch mit geringem Glück, versucht worden."
Varnhagen von Ense


"... ich erfreute mich des seltenen Vergnügens, bei einem deutschen Literator gesunden Menschenverstand zu finden."
Franz Grillparzer


"Heine läßt die Weltkugel zwar nicht im hellen Sonnenschein auf der Fingerspitze tanzen wie Goethe, sondern er zerschlägt sie, aber er tut es nur, ... um den einzelnen Stücken dann den reinsten Schliff zu geben. Dabei kommt noch immer Lust und Leben heraus."
Friedrich Hebbel


"Heine habe ich mit Tränen in den Augen gelesen."
Christian Morgenstern


"Eine kleine Probe von Heines politischem Wischiwaschi hab ich ... neulich ... gefunden und großen Ekel dagegen gefaßt."
"Er ist ein Dichter ganz und gar, aber nit eine Viertelstunde könnt' ich mit ihm leben..."
Eduard Mörike


"Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich Heine gegeben ... Er besaß jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag ... Man wird einmal sagen, daß Heine und ich bei weitem die ersten Artisten der deutschen Sprache gewesen sind ..."
Friedrich Nietzsche


"Und doch wird man die Namen Goethe und Heine immer nebeneinander aussprechen müssen, wenn es ich um die deutsche Lyrik handelt"
Wilhelm Scherer


"Heine ist die giftig gewordene Romantik, der faulig gewordene Gärungsprozeß, der ihre Auflösung in ein Afterbild der modernen Freiheit des Selbstbewußtseins darstellt..."
Friedrich Theodor Vischer


Christentum, Religion überhaupt, ist ihm nicht bloß ein Greuel, es ist ihm ein Ekel.
Ludwig Börne, Paris, 27.10.1831



 
AW: In memoriam Heinrich Heine (13.12.1797-17.02.1856)

Lamentationen


Das Glück ist eine leichte Dirne,

Und weilt nicht gern am selben Ort;

Sie streicht das Haar dir von der Stirne

Und küßt dich rasch und flattert fort.




Frau Unglück hat im Gegenteile

Dich liebefest ans Herz gedrückt;

Sie sagt, sie habe keine Eile,

Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.


Heinrich Heine
 
AW: In memoriam Heinrich Heine (13.12.1797-17.02.1856)

...hab jetzt alle Seiten durchgeblättert und die Zeilen hier icht gefunden (oder übersehen?):

Anfangs wollt ich fast verzagen,
Und ich glaubt, ich trüg es nie;
Und ich hab es doch getragen -
Aber fragt mich nur nicht, wie?
 
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AW: In memoriam Heinrich Heine (13.12.1797-17.02.1856)

Der Titel dieses Threads verleitet mich dazu einige Worte aus dem Buch "Memoiren" wiederzugeben, um dem Meister himself, über Umwege, aus seinem Leben berichten zu lassen:

Ich habe in der Tat, teure Dame, die Denkwürdigkeiten meiner Zeit, insoferne meine eigene Person damit als Zuschauer oder als Opfer in Berührung kam, so wahrhaft und getreu als möglich aufzuzeichnen gesucht.
Diese Aufzeichnungen, denen ich selbstgefällig den Titel "Memoiren" verlieh, habe ich jedoch schier zur Hälfte wieder vernichten müssen, teils aus leidigen Familienrücksichten, teils auch wegen religiöser Skrupeln.

....Zippel war der Name einer noch nicht sehr alten Person, welche eigentlich Sibylle hieß, meine erste Wärterin war und auch später im Hause blieb.
Sie befand sich zufällig im Zimmer am Morgen der erwähnten Szene, wo die alte Flader mir so viele Lobsprüche erteilte und die Schönheit des Kindes bewunderte. Als die Zippel diese Worte hörte, erwachte in ihr der alte Volkswahn, daß es den Kindern schädlich sei, wenn sie solchermaßen gelobt werden, daß sie dadurch erkranken oder von einem Übel befallen werden, und um das Übel abzuwenden, womit sie mich bedroht glaubte, nahm sie Zuflucht zu dem vom Volksglauben als probat empfohlenes Mittel, welches darin besteht, daß man das gelobte Kind dreimal anspucken muß.
Sie kam auch gleich auf mich zugesprungen und spuckte mir hastig dreimal auf den Kopf.
Doch dieses war erst ein provisorisches Bespeien, denn die Wissenden behaupten, wenn die bedenkliche Lobspende von einer Hexe gemacht worden, so könne der böse Zauber nur durch eine Person gebrochen werden, die ebenfalls eine Hexe, und so entschloß sich die Zippel, noch denselben Tag zu einer Frau zu gehen, die ihr als Hexe bekannt war und ihr auch, wie ich später erfahren, manche Dienste durch ihre geheimnisvolle und verbotene Kunst geleistet hatte.
Diese Hexe bestrich mir mit ihrem Daumen, den sie mit Speichel angefeuchtet, den Scheitel des Hauptes, wo sie einige Haare abgeschnitten; auch andere Stellen bestrich sie solchermaßen, während sie allerlei Abrakadabra-Unsinn dabei murmelte, und so ward ich vielleicht schon frühe zum Teufelspriester ordiniert.

Jedenfalls hat diese Frau, deren Bekanntschaft mir seitdem verblieb, mich späterhin, als ich schon erwachsen, in die geheime Kunst iniziert.
Ich bin zwar selbst kein Hexenmeister geworden, aber ich weiß, wie gehext wird, und besonders weiß ich, was keine Hexerei ist.
 
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