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Raf Terroristen

instanton

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4. Mai 2003
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ARTE;[
Visions - RAF - ein Mythos?Studenten demonstrieren 1968 gegen den Krieg in Vietnam und die verkrusteten Strukturen der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Anfang der 70er radikalisieren sich Teile der Protestbewegung. Einige gehen in den Untergrund. Für sie hat der militante Kampf gegen den eigenen Staat begonnen. Sie empfinden sich als Avantgarde einer zukünftigen Revolution. Ganz vorn an der Front: Die Rote Armee Fraktion. Enslin, Baader, Proll und Meinhof - ihre Gründer. Die Fahndungsplakate machen sie zu Prominenten. Der Staat bekämpft die Baader/Meinhof Gruppe mit allen Mitteln. Das Morden der RAF forderte in 20 Jahren über 45 Opfer
Dreißig Jahre später stapeln sich die RAF-Bücher in den Läden. Darunter viele Terroristen-Autobiografien. Legendenbildung? Ein Mythos ? Dann der Eklat: Das Berliner Museum "Kunstwerke" plant eine Ausstellung über die RAF. Ein Konzeptpapier gerät an die Presse. Darin die Kapitelüberschrift: "Mythos RAF". Angehörige der Opfer protestieren. Eine Debatte entbrennt. Die Ausstellung: Auf unbestimmte Zeit verschoben

ich stell das mal so in den raum...

es gibt glaub ich recht viel, was man dazu diskutieren kann.
 
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Dass man sich an die Geschichte erinnert ist ja gut. Wenn man diesen Quatsch, den diese Realitätsentrückten da verzapft hatten, verklären sollte, wäre das allerdings fatal. Besonders sollten heute ZIEL und KONZEPT der RAF in den Vordergrund gerückt werden: Ziel? Verquast ausgedrückter (weil nicht verstandener) Antiimperialismus. Konzept? Finanzierung der Untergrundlogistik und die Befreiung von Gefangenen. Mehr war das alles nicht...

Gysi
 
Sehr interessantes Thema. Als einem, der seine Kindheit in den Achzigern verbracht hat, sind mir die RAF-Fahndungsplakate, noch gut in Erinnerung und ich weiß noch, daß sie - lange bevor ich über Inhalte und Ziele der RAF Bescheid wußte -, eine starke Faszination auf mich ausübten ...

Auch wenn ich die Ziele der RAF nicht nachvollziehen kann und ihre Methoden für mehr als fragwürdig halte, ist doch eine Faszination aus RAFscher Konspiration, Stadtguerilla und deren Geschichte geblieben. Ich erinner mich noch, als der Spiegel 1997 anschlässlich des 20-Jährigen "Jubiläums" "Deutscher Herbst" eine Serie herausgab, die ich regelrecht verschlungen habe. Ohne das Ganze verklären zu wollen,
finde ich, daß die RAF so etwas wie einen modernen (Anti)Mythos der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte darstellt.
 
Auch auf mich strahlte die RAF in den 70ern eine seltsamme Attraktivität aus. Ich suchte danach, ihre Taten irgendwie so begründen zu können, dass ich damit einverstanden wäre. Ich suchte die Moral in der RAF! In GRUNDE suchte ich aber "nur" die Guerilla IN MIR, die MEINEN inneren Laden ein wenig aufmischt und neu ordnet! Ist mir auch gelungen, gottseidank. Heute empfinde ich die RAF nur als einen Haufen dummer, gestörter Wohlstandskinder, die mal lieber die Bambule IN SICH hätten lostreten sollen.

Gysi
________________
 
Gisbert Zalich schrieb:
Heute empfinde ich die RAF nur als einen Haufen dummer, gestörter Wohlstandskinder, die mal lieber die Bambule IN SICH hätten lostreten sollen.


Salut!

Keiner würde Dir die damalige Faszination verübeln, Gisbert, befandest Du Dich in sehr prominenter Gesellschaft -grins. Dass 'er' die RAF schon damals, ähnlich wie Du später, entlarvt hatte, lässt sich mit Sicherheit durch sein Alter, Erfahrung und nicht zuletzt durch den direkten Kontakt begründen:

Jean-Paul Sartre, ein wahrlich engagierter, wenn auch widersprüchlicher Intellektueller seiner Zeit, dessen Abscheu vor Antisemitismus und Faschismus ebenso bekannt war wie seine Zugehörigkeit zu den Linken bis Ultralinken, besuchte die RAF-Inhaftierten 1974. Ob er es noch in der Hoffnung tat, bei ihnen seine Philosophie der radikalen Befreiung bestätigt zu finden, oder eher, schon ziemlich resigniert und desillusioniert, aus Humanismus, lässt sich heute nicht mit letzter Sicherheit sagen, spielt aber auch keine wirklich grosse Rolle.
Als er das Gefängnis verlassen hatte, soll er gesagt haben:

'Dieser Baader, was für ein Arschloch!' (Cohn-Bendit übersetzte: 'Was ist er dumm, dieser Baader.')
Gleichgültig, welche Variante tats. stimmt, die Aussage bleibt dieselbe und macht mir deutlich, wie sehr sich Sartre missbraucht und seine Theorie verraten sah. Es deutet auch darauf hin, dass Baader nur den, von ihm bewunderten Michel in Godards 'Ausser Atem' gemimt hatte.


instanton schrieb:
Darin die Kapitelüberschrift: "Mythos RAF". Angehörige der Opfer protestieren. Eine Debatte entbrennt. Die Ausstellung: Auf unbestimmte Zeit verschoben

ich stell das mal so in den raum...

es gibt glaub ich recht viel, was man dazu diskutieren kann.

Pardon! Aber das Thema lediglich in den Raum gestellt, gleicht einem Knochen...
Interessiert es Dich wirklich? Dann solltest Du vielleicht wissen, dass die Ausstellung unter dem Titel 'Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF-Ausstellung' in Berlin tats. stattfand -besuchte sie selbst Ende April 05, wurde gar durch Zusatz-Veranstaltungen flankiert und erfreute sich eines sehr grossen -nicht nur medialen- Interesses. Die Debatte darüber hörte -nicht nur national- nie wirklich auf und wird bestimmt z.Z. auch in Österreich, wo die Ausstellung, leicht reduziert, in Graz gastiert, fortgesetzt.
 
Solche Ausstellungen verfolgen immer ein bestimmtes Ziel. Ich kenne nur wenige, deren Anliegen außerhalb von (Massen-) Manipulation liegt. Deshalb interessiert es mich nicht so sehr.

Über die RAF mag man sagen was man will, aber in 20 Jahren 45 Tote, da würde ich gern mal die Selbstmorde aus finanzieller Verzweiflung gegenrechnen wollen, die allein in Deutschland im nächsten Jahre folgen werden, "Reform"-bedingt. Das eine ist gut, weil "nötig", das andere böse, weil bedrohlich. Wer ist mehr wert...ein Arbeitsloser der aufgibt oder ein Politiker/Wirtschaftsdeligierter, der aus seinem Machtwahn herausgerissen wird. Wir brauchen eigentlich nur eine Begründung, um zu wissen, dass der Arbeitslose hätte etwas anderes machen können und der Wirtsch-litiker hatte richtig gehandelt, weil erfolg-"reich". Dann glauben wir auch, dass Menschen, die sich wehren, und sei es noch so ideotisch, dumm sind. Sie hatten doch andere Möglichkeiten...oder?

Naja, wir reden gescheit über die Irren von damals, aber wir selbst lassen alles mit uns alles machen und baden uns in unseren entstaubten Moralvorstellungen,...sitzen vorm Fernseher, wenn man uns einer lebenswerten Zukunft beraubt. Wir wären heute vermutlich zu feige, auch nur auf die Straße zu gehn...es sei denn man verordnet es uns, ... dann bilden wir plötzlich Lichterketten und sind alle so lieb zu Ausländern und plötzlich auch aus unserem Hedonismus heraus stolz auf unseren Papst...dass es einem schlecht wird.

Bernd
 
Die RAF als einen unreifen Misthaufen zu beurteilen bedeutet nicht, dass ich mich als toll ansehe...

Gysi
 
AW: Raf Terroristen

Hallo Leute,

stelle ich mich abseits, wenn ich feststelle, dass die Rote Armee Fraktion auch heute noch nichts von Ihrer Faszination eingebüßt hat?

Nicht nur weil es gerade wieder in der heutigen Zeit nicht zuletzt durch hochbezahlte gewissenlose Bankenmanager die mit Schuld an der jetzigen Wirtschaftkrise sind, sondern auch weil im deutschen Überwachungsstaat (heimliche Onlinedurchsuchung, BKA-Gesetz, usw.)

Manchmal frage ich mich, wo sind alle die Aktiven hin, die es nicht mehr hinnehmen, dass das System Sie beherrscht, überwacht und kleinhält?

Bestimmte Behörden wie das Bundesamt für Verfassungsschutz mit seinen Länderablegern Bürger, Vereine und Parteien überwacht und gängelt, die sich kritisch mit dem etablierten System auseinander setzen.

In Deutschland ist ein Vakuum entstanden, es gibt keine aktive RAF oder imperialistische Zellen mehr, das Volk ist zu träge um sich auch nur zivil zu widersetzen...

Der Staat stürtzt sich dennoch auf imaginäre Bedrohungen, die immer mehr Rechte ausserkraft setzen rechtfertigen, wie z.B. den islamischen Terror, der wenn er nur lang genug beschworen wird, dann wirklich real in D beginnt zu wirken.
 
AW: Raf Terroristen

wenn ich mir die Opfer der RAF anschaue,
dann verstehe ich nicht deren Auswahl

allein deshalb bin und war ich gegen die RAF

das zweite Problem ist für mich das der Gewaltanwendung:
Gewaltanwendung ist aus meiner Sicht nur nach reiflicher Überlegung (Widerstand) oder aus spontaner Notwehr erlaubt

hier scheint/schien mir die RAF etwas vorschnell zu sein​

ich kann mich auch noch an eine Solidaritäts-Veranstaltung für einen RAF-Verdächtigen erinnern, wo die deutsche Kultur von Grund auf verachtet wurde

auch das ist/war natürlich Quatsch​
 
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