Dank Trumps politischer Kurzsichtigkeit wird auf Initiative von Carney an einem neuen Handelsbündnis gearbeitet, das 40 Staaten und einen Markt von 1,5 Milliarden Menschen umfasst: Kanada, UK, EU und CPTPP. Die USA unter Trump ist ausgeschlossen.
Die Probleme mit dem amerikanischen Markt gibt es nicht erst seit Trump, das alles geht schon viel länger.
Vor rund 20 Jahren war ich für ein kleines Unternehmen im Bereich Werbemittel tätig. Wir waren auch an anderen, meist technischen Produkten interessiert, die es teilweise in den USA bereits länger gab, aber nicht in Deutschland oder Europa.
Verhandlungen mit amerikanischen Unternehmen waren da meist zäh und von der amerikanischen Seite her überraschend unmotiviert. Oft hatten wir den Eindruck: Das interessiert die alles gar nicht, was wir da bewirken oder auf die Beine stellen wollen. Man hält sich für den Überflieger und glaubt schon mal gern, ihre achso tollen Produkte verkauften sich von selbst.
I.d.R. kam am Ende nichts dabei heraus - ganz im Unterschied zu etwa asiatischen Anbietern, die waren da wesentlich motivierter und kooperativer. Aber bei den Amis ... na, dann schlaf halt weiter in deinem Dornröschenschlaf.
Donald Trump ist nur der vllt. extremste Akteur in einer amerikanischen Blase, in der sich die USA offenbar befindet. Die Amerikaner reden sich ständig ein, sie wären das einzig freie Volk auf der Welt und überall sonstwo auf der Welt lebten die Menschen in Unfreiheit, Unbildung und Armut. Dabei sind es gerade die USA, die als Industriestaat heutzutage eher rückständig sind.
Und wenn dann Durchschnitts-Amerikaner einmal Europa besuchen, dann fallen sie aus allen Wolken.
Und sei es, weil sie feststellen: Was, selbst in der französischen Provinz gibt es eine hervorragende Infrastruktur, Menschen fahren mit Bussen und Bahnen überall hin, vom Schulkind bis zum Rentner, und der Prolo genauso wie der Geschäftsmann ... weil es im Alltag die klügere Lösung ist als das eigene Auto ... und weil es die Verbindungen gibt, und in den USA dann eher keine. Weil sie sehen: In Europa leben die Menschen in Frieden, mit deutlich weniger Kriminalität, ohne tägliche Furcht, vor Gewalt, dem sozialen Ruin, einer unbezahlbaren Gesundheit.
Selbst der Kleinste hier kann ordentliche Lebensmittel essen, und was hier der Standard ist, das ist in den USA bereits in der Gourmet-Liga.
Ist das, was hier in Europa passiert, eine Art von "Sozialismus"? Nicht wenige Amerikaner würden dies so sehen. Ich persönlich schätze diesen "Sozialismus" aber sehr, und während die Mittelklasse in den USA seit längerem abgewirtschaftet wird, geht in Europa alles seinen Gang. In meinen Augen ist Europa der Kontinent der Zukunft. Wir verfügen über gut ausgebildete Menschen, wir arbeiten daran, Probleme zu vermeiden, bevor sie entstehen - anstatt am Ende bei irgendeiner gesellschaftlichen Schadensbegrenzung zu landen, nur weil Wenige sich maßlos bereichern. Auf längere Sicht werden wir die erfolgreicheren sein.