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Bruno ist tot

Minni

New Member
Registriert
9. Juni 2006
Beiträge
691
Hallo zusammen,

der Braunbär, der in den Alpen die Menschen in Aufruhr versetzte, ist erschossen worden.
Wochenlang jagten ihn u. a. finnische Spezialisten, und kaum ist er zum Töten freigegeben, haben sie ihn erlegt. Zufall?
- wenn man ihn töten kann, wieso nicht auch narkotisieren?
- kann Mensch und (Wild-)Tier nicht zusammenleben?
- war es wirklich so tragisch, daß der Bär Bienenstöcke plünderte oder Ziegen tötete?
- sind Lebewesen gleich viel „wert“, oder steht der Mensch über dem Tier?
- wo ist der Unterschied, ob man ein Tier oder einen Menschen aus Angst tötet?
Was meint ihr?

Minni
 
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Hallo Minnie!
Genau diese Fragen hab ich gestern mit meiner Freundin Kathi diskutiert.
Einige Antworten aus meiner Sicht:
- Es gibt höchstwahrscheinlich mehr Jäger, die auf den Abschuss eines Bären scharf sind, als Leute mit einem Narkotisiergewehr in den Gegenden, wo sich ein Bär aufhält.

- Die Menschen in der Gegend, wo der Bär zuletzt war, sind nicht an solche Wildtiere gewöhnt und wissen nicht, was sie zu befürchten haben. Die "Ötscherbären" leben unbehelligt vom öffentlichen Interesse, obwohl in der ersten Zeit ihrer Wiederansiedlung die Leute dort genauso mit Angst reagiert haben, doch die wurden informiert und beruhigt.

- Der Unterschied zwischen Tier und Mensch, was die Erlaubnis zum Töten betrifft, sind die formulierten Spielregeln, die bei uns derzeit gelten. Ein Tier zu töten ist gesetzlich nicht grundsätzlich verboten.

- Tja, die Angst beschert uns so manches Verhalten, das wir eigentlich nicht haben wollen. Wenn so ein Bär vor mir stünde, wer weiß, wozu ich fähig wäre. Zum Schießen allerdings nicht, weil ich mit Waffen gar nicht umgehen kann. Aber wenn das jemand für mich in diesem Moment erledigen würde, wäre ich auch erleichtert.

Allerdings glaube ich, dass hier vorschnell auf die Angst der Betroffenen eingegangen wurde. Aber ich habs leicht, ich bin weit weg.

herzlich
lilith
 
Hallo Minni !

Ich glaube schon, dass die finnischen Experten ihr Bestes gaben und dass der zeitliche Zusammenhang des Abschusses Zufall und keine böse Absicht war.

Soweit ich informiert bin, war eines der Kriterien des Betäubens, dass man dabei ganz genau dosieren und auch schießen hätte müssen; wäre man dabei ungenau vorgegangen, wäre der Bär aggressiver geworden, als er im Normalzustand ist. Das ist auch der Grund, warum die "normale" Jägerschaft das Betäuben abgelehnt hatte. Dass die Jagd der Finnen zeitlich begrenzt war, dürfte ganz einfach eine Kostenfrage gewesen sein.

Hat Bruno wirklich so viel Schaden angerichtet ? Ich denke ja; es gibt - zumindest in Österreich - nicht nur Großbauern, für die ein paar Schafe keinen wesentlichen Verlust bedeuten. Außerdem - wer garantiert, dass der Bär nicht auch spielende Kinder angegriffen hätte ? Soll man die bei schönem Wetter einsperren ?

Ob der Mensch über das Tier zu stellen ist ? Goethe sagte: "Trotz aller seiner Fehler ist der Mensch das liebenswürdigste, das es gibt" (eventuell nur sinngemäß wiedergegeben). Dem will ich mich anschließen.

Ob es ein Unterschied ist, einen Menschen oder ein Tier aus Angst zu töten ? Können wohl wirklich nur die Menschen beantworten, die beides tun.

Liebe Grüße

Zeili
 
Minni]Hallo zusammen,

Liebe Minni,


der Braunbär, der in den Alpen die Menschen in Aufruhr versetzte, ist erschossen worden.
Wochenlang jagten ihn u. a. finnische Spezialisten, und kaum ist er zum Töten freigegeben, haben sie ihn erlegt. Zufall?
- wenn man ihn töten kann, wieso nicht auch narkotisieren?

Was ich gehört habe: Beim Narkotisieren muss man viel näher an den Bären heranrücken um sie durchzuführen. Vielleicht war das nicht möglich. Höchstwahrcheinlich.


- kann Mensch und (Wild-)Tier nicht zusammenleben?
- war es wirklich so tragisch, daß der Bär Bienenstöcke plünderte oder Ziegen tötete?
-

Es gibt Bienen- und Schafzüchter, die von ihrer Arbeit leben. Es ist für sie ein großer Schaden, wenn so etwas passiert. Wer ersetzt ihnen den Schaden?

Außerdem haben die Eltern um ihre Kinder fürchten und sie haben sie auf dem Weg in die Schule begleiten müssen. Auch hier gibt es Schwierigkeiten, wenn beide Elternteile arbeiten.
sind Lebewesen gleich viel „wert“, oder steht der Mensch über dem Tier?
- wo ist der Unterschied, ob man ein Tier oder einen Menschen aus Angst tötet?
Was meint ihr?

Es sollte eigentlich klar sein, dass der Mensch über dem Tier steht. Wir essen auch die Tiere, weil es für unsere Gesundheit notwendig ist. Doch der Mensch soll sie gut behandeln und wenn er sie schon töten muss, dann so, dass sie nicht allzu viel leiden müssen.

Auch unsere Gesetze sind darnach ausgerichtet.

Aber bitte glaubt nicht, dass mir die Tiere nicht leid tun, wenn man sie töten muss!

Liebe Grüße

suche
 
Die Amerikaner sind erstaunt über unser Verhalten. Und das, obwohl dort schon mal ein Kind von einem Bären getötet worden ist. Dort sind Bären auch nicht nur in Nationalparks zu finden, sondern haben auch schon Chicago oder San Francisco besucht.

Ob Bruno überhaupt Menschen angefallen hätte, ist pure Spekulation. Er hätte sich mMn eher verzogen.

Der WWF meint allerdings auch, dass man ihn abschießen sollte.

Lilith,

Bären zu töten ist in D seit mehr als 100 Jahren verboten und es wurde eine Ausnahmegenehmigung erteilt, um Bruno abschießen zu können. Sie tritt ünrigens erst morgen in Kraft. Da hat es einer offenbar ganz eilig gehabt.
 
Hallo,

Okay, daß das mit dem Betäuben nicht ganz einfach ist, sehe ich ein, nicht aber, warum man den Finnen und den anderen Experten nicht mehr Zeit gab (wenn es denn überhaupt nötig war, den Bären zu beseitigen). Den Faktor Geld kann ich nicht gelten lassen (aber das ist ja der heutige Tenor: Geld geht über alles). Die Regierungen könnten den Schaden den Bauern durchaus ersetzen, z. B. könnte man es bei den Aufrüstungen einsparen, dann wäre das Geld endlich mal sinnvoll angelegt (nicht zum Vernichten, sondern zum Erhalt des Lebens).

Ich weiß leider nicht genug über Bären, wie man ihnen begegnet, wenn sie sich Menschen nähern, doch wenn in anderen Gebieten das Zusammenleben funktioniert, warum nicht auch in diesem Fall? Und weil manche Menschen es nicht gewohnt sind, mit etwas „wilderen“ Tieren auszukommen, wird vorsorglich getötet? Auch Wildschweine und Hunde können Kinder angreifen und töten, werden deshalb alle diese Tiere vorsorglich getötet?

Daß Menschen über Tieren (also Leben über Leben) stehen soll, halte ich für pure Anmaßung. Ich finde, jedes Leben hat seine Berechtigung (ohne „niederes“ Leben könnten wir gar nicht existieren), nur unsere Wertvorstellungen machen den Menschen zu etwas „scheinbar“ Besonderen.

Tiere zu töten halte ich für angemessen, wenn es um das eigene Überleben geht, ansonsten kann ich dem nichts abgewinnen.

Minni

PS: lilith: Minnie gibt es (oder gab es) auch in diesem Forum. Hab ich leider erst gemerkt, als ich schon angemeldet war. Ich schreibe mich ohne abschließendes „e“ (um Verwechslungen auszuschließen).
suche: nicht, daß ich etwas gegen meine weiblichen Anteile hätte, offiziell gehe ich aber als Mann durch die Welt. Nichts für ungut.
 
Wenn wir den Tieren den Lebensraum nehmen, dann setzen wir sie kurz vor ihrem Verschwinden noch auf eine unserer Listen. Das gibt uns ein Gefühl, dass wir was Gutes tun.

Wenn ein Bär auch nur in unseren Lebensraum kommt, dann schießen wir ihn ab.

„Und wenn ihr den letzten Baum gefällt habt, dann werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“
 
Dass dieser Bär nun tot ist, tut mir Leid, denn er verhielt sich nur so, wie sich wilde Tiere nun mal verhalten.
Allerdings sollte man vor lauter Mitleid mit Meister Petz nicht vergessen, dass es sich hierbei um ein Raubtier handelte. Daher hinkt m.E. der Vergleich mit Hunden, die zu den Haustieren zählen, gewaltig. Hunde, die Schafe, Ziegen, Kälber oder gar Kinder anfallen, sind zum Glück noch selten, aber dennoch werden sie, sollten sie dermaßen agressiv reagieren, zu Recht eingeschläfert, obwohl die Hauptschuld für dieses eigentlich untypische Verhalten beim Menschen zu suchen ist, der durch Manipulation bei der Zucht und/oder Erziehung aus friedlichen Tieren gefährliche Bestien macht.
Bären sind und bleiben Raubtiere. Bricht aus einem Zoo oder Zirkus ein Löwe oder Tiger aus, bekommt die Bevölkerung zu Recht Angst. Ich gebe ehrlich zu, dass ich mächtig Muffensausen hätte, müsste ich durch einen Wald oder eine Gegend laufen, in der sich ein Raubtier aufhalten könnte. Gerissene Ziegen, Schafe können für ihre Besitzer einen herben finanziellen Verlust bedeuten. Wäre ich Mutter, ließe ich meine Kinder nur äußerst ungern draußen spielen, weil mir die Gefahr für sie zu groß wäre.
Wie Louiz schon schrieb, ist es eine Schande, dass der Mensch dieser Tierart und auch anderen ihren gewohnten Lebensräumen nahm. Es ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass diese Tiere, tauchen sie heute vermehrt in von Menschen dicht besiedelten Gebieten auf, eine Gefahr bedeuten. Sie zu fangen und anderswo auszusetzen, sollte Priorität haben. Gelingt dies nicht, gibt es leider nur diese eine und letzte Möglichkeit.....

Rhona
 
Die WM hätte man dem Bruno aber wenigstens zuende kucken lassen sollen. *brumm*

Ich finde es absolut lächerlich, in so einem Brummbär eine Gefahr zu sehen und im Fernsehen die Schafe und Hühner als „wirtschaftlichen Schaden“ zu bezeichnen. Naja, es findet sich immer ein Aktivist, der sich vor die Kamera stellt und seine Kinder ängstlich an sich drückt oder einen Bauern, der , ein totes Huhn in der Hand, vom drohenden Ruin quasselt....und nach einem starken Staat verlangt. Mich wundert, dass der Innenminister nicht gleich wieder das Militär einsetzen wollte. :schaf:

Viele Grüße
Bärnd
 
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Bäärnd,

sei ehrlich. du zitterst um dein liebes Krokodil - was ich persönlich auch gut verstehen kann. :krokodil:

Doch betäuben hätte man Bruno allemal können. War er vielleicht in der falschen Partei?

nachdenklich

Miriam
 
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