• Willkommen im denk-Forum für Politik, Philosophie und Kunst!
    Hier findest Du alles zum aktuellen Politikgeschehen, Diskussionen über philosophische Fragen und Kunst
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

Gegen Rechte demonstrieren

Sunnyboy

New Member
Registriert
10. März 2005
Beiträge
542
Hallo zusammen.

Bald findet in Köln der "Anti-Islamisierungskongreß" statt. Rechte aus dem breiten rechten Spektrum in Europa kommen zusammen um über "Islamisierung Mitteleuropas" zu sprechen. Rechte Parteien wie proKöln (D), Front National (F, Monsieur Le Pen gibt sich die Ehre), FPÖ (A), die Lega Nord (I) u.a. werden vertreten sein.

Man mag ja der Ansicht sein, dass an dem Islam viele Dinge kritikwürdig sind, doch es darf mMn nicht außer Acht gelassen werden, worum es hier noch (wenn nicht sogar hauptsächlich?) geht: Rechte Parteien versuchen, sich noch weiter europaweit zu vernetzen. Diesmal mit dem Feindbild Islam.

Ich bin kein besonders politisch aktiver Mensch (woran ich allerdings arbeite), aber zumindest wenn sich diese Leute praktisch vor meiner Haustür versammeln (Ich wohne 40 Bahnminuten vom Kölner Hbf) möchte ich meine Meinung kundtun.

Die Sache ist nur:

1. Ich möchte es friedlich und im Rahmen der mir von der Verfassung zugestanden Rechte tun. Ich will mich nicht plötzlich in einer Menge Rowdys wiederfinden, die Polizisten oder Rechte mit Steinen, Farbbomben und ähnlichem bewerfen- solche Leute sind mMn genauso schlimm wie Neo-Nazis, nur dass sie einer anderen Ideologie anhängen .

2. Ich bin gegen Rechtsradikal- und extremismus, aber das heißt noch lange nicht, dass ich ein Linker bin.

Gibt es eine Vereinigung, Gruppe, Organisation oder lose Zusammenkunft von Menschen, deren Ziel nicht die Verbreitung irgendeiner Ideologie sondern in der sich Menschen verschiedener Ansichten zum friedlichen, demokratischen Protest gegen Rechts zusammengefunden haben, der man sich guten Gewissens anschließen kann (auch über den AI-Kongreß hinaus), ohne gleich einen Stempel- links, religiös, anarchistisch etc.- angeheftet zu bekommen?

Ja, ich weiß, es gibt das Internet. Ich habe aber bezüglich einer Nazi-Demo in Bonn-Duisdorf auch über das Internet informiert und leider sehr negative Erfahrungen gemacht (Ich kam um gegen Nazis zu demonstrieren und stand in einer durch die Veranstalter absolut links geprägten Veranstaltung, deren Moderatoren zu allem Überfluss meinten, sich auch noch mit von der Polizei eingeschlossenen Randalierern solidarisieren zu müssen.)

Deswegen setze ich jetzt lieber auf persönliche Erfahrungen- z.B. von euch.

Außerdem möchte ich, deswegen habe ich das Thema hier unter "Politik/Allgemein" eingestellt folgende Frage stellen:
Seht ihr es auch so, dass der Kampf gegen Rechts zu sehr radikalen Linken überlassen wird? Oder reißen diese das Thema nur zu lautstark an sich? Und wie kann man das ändern?


Mfg,
Sunnyboy
 
Zuletzt bearbeitet:
Werbung:
AW: Gegen Rechte demonstrieren

ich gerade etwas im heise newsticker gelesen
und dabei den entsprechen Quellen-Link angeklickt

http://de.indymedia.org/2008/08/225641.shtml

Blood&Honour Forum hacked!
Z.O.G. 29.08.2008 13:53 Themen: Antifa Netactivism

datenbanken beschlagnahmt - datenantifa gelingt schlag gegen internationales musiknetzwerk

wie der zentralrat der internationalen elite eingreiftruppe "datenantifa" berichtete gelang in kooperation mit befreundeten gruppen im in- und ausland ein harter schlag gegen das internationale nazimusiknetzwerk "blood&honour". in einer aufwendig vorbereiteten nacht- und nebelaktion wurden sämtliche datenbanken dieses international genutzen forums bei einer hausdurchsuchung auf dem server sichergestellt.
der datenantifa gelang es die 31,948 registrierten nutzer auseinander zu nehmen und siehe da: tausende private nachrichten - tausende fotos und anhänge in beiträgen - versteckte foren.
experten rechneten damit das es monate dauern würde diese datenflut auszuwerten. da entschloss sich der zentralrat für völlig revolutionäre schritte. es folgt die ansprache des zk-vorsitzenden:

werte genossen,
in den download links am ende meiner ansprache findet ihr 4 7z dateien.
so ladet diese herunter entpacket sie und folget der anleitung "readme.txt".
ihr installieret einen lokalen webserver und sehet am ende: das komplette "blood&honour" forum - offline gespiegelt auf euerem desktop.
die anleitung wurde geschrieben vom großen vorsitzenden für die massen mit den kapiteln: windows und linux.
so werte bewohner der volksrepublik internet sollte jeder damit umgehen können.
verbleibet mir euch spass mit den daten zu wünschen.

gehet, tuet die kunde kund und verteilet die gaben!
gebet es besonders an: presse von radio, fernsehen und zeitung!

pressestelle der datenantifa!

auf heise gibt es bereits über 1000 Kommentare


peinlich ist das Ganze vor allem für den deutschen Verfassungsschutz

  • kannten die bereits die Daten oder nicht?
  • stehen da Ankündigungen von Straftaten drin?
  • sind jetzt V-Leute aufgeflogen?

daß die Daten in unbefugte Hände geraten sind (Datenschutz?)
ist mir im Zusammenhang mit Nicht-Demokraten (Blood & Honour) egal
 
AW: Gegen Rechte demonstrieren

Genau das meine ich.

Ist es Aufgabe irgendwelcher selbsternannter Anti-Faschisten, Netzwerke zu hacken? Wer gibt denen das Recht dazu? Und diese dann auch noch ins Netz zu stellen, ist Volksverhetzung erster Güteklasse.

Und genauso wie die "Datenantifa" augenscheinlich glaubt, siehe stehe über den Datenschutzgesetzen, so glaubt ein nicht unbeträchtlicher Teil der normalen "Antifa", für sie würden die Gesetze des Staates, unter anderem das Gewaltmonopol des Staates, nicht gelten.

Als ich von ideologisch geblendeten Rowdys, die sich moralisch auf Nazi-Niveau befinden, sprach dachte ich, ehrlich gesagt, hauptsächlich auch an die "Antifa" (zumindest den gewaltbereiten Teil, in dem Laden blickt man ja kaum noch durch) und den "Schwarzen Block". Wer diese Leute, ich habe es selber bei der besagten Demo in Bonn erlebt, für ihre Vorgehensweise kritisiert, wird in die rechte Ecke gedrängt. Motto: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns, wer gegen uns ist, ist ein Fascho.

Und natürlich sind SIE diejenigen, die Unrecht erleiden und ständig kriminalisiert werden. Merken die eigentlich, dass sie den gleichen Stuss reden wie ihre politischen Gegner von rechts außen?

Darum geht es mir: Ich bin gerne bereit mit meinem Gesicht und meinem Namen gegen Rechtsradikale einzutreten- aber ich möchte nicht mit diesen Menschen in einen Topf geworfen werden.

Zitat von scilla:
daß die Daten in unbefugte Hände geraten sind (Datenschutz?)
ist mir im Zusammenhang mit Nicht-Demokraten (Blood & Honour) egal

Das sehe ich ganz anders. Jeder Bürger hat das Recht seiner Mitmenschen zu achten. Die Verfolgung von Straftätern oder "Nicht-Demokraten" (ich würde sie eher Verfassungsfeinde nennen) obliegt einzig und allein den dafür vorgesehenen staatlichen Organen. Nicht irgendwelchen Möchtegern-Che Guevaras.

Bricht irgendjemand dieses Recht, so geht uns in einem Rechtsstaat das alle an.
Außerdem: Wer außer dem Verfassungschutz bestimmt denn, wer ein Nicht-Demokrat ist?
Mich hat eine junge Frau aus dem "Schwarzen Block" als Faschist beschimpft, weil ich die Maskierung ihrer Kampfgenossen kritisiert habe. Bin ich jetzt auch ein Nicht-Demokrat, dessen Daten im Netz umherirren dürfen?

Mfg,
Sunnyboy
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Gegen Rechte demonstrieren

Mich hat eine junge Frau aus dem "Schwarzen Block" als Faschist beschimpft, weil ich die Maskierung ihrer Kampfgenossen kritisiert habe. Bin ich jetzt auch ein Nicht-Demokrat, dessen Daten im Netz umherirren dürfen?

ich habe vor kurzem im Freien Radio für Stuttgart ähnliche Erfahrung gemacht

(ich gehöre angeblich zur Neuen Rechten
und ich muss Autoren dieser Richtung gelesen haben,
deshalb Ankündigung meines Rausschmißes)

Das sehe ich ganz anders. Jeder Bürger hat das Recht seiner Mitmenschen zu achten. Die Verfolgung von Straftätern oder "Nicht-Demokraten" (ich würde sie eher Verfassungsfeinde nennen) obliegt einzig und allein den dafür vorgesehenen staatlichen Organen. Nicht irgendwelchen Möchtegern-Che Guevaras.

BH sind in Deutschland verboten
(nein, nicht der Bh)

ich denke, daß das Hacken vertretbar ist
(Mißtrauen gegen die, Angst vor den bösen Buben)

die Veröffentlichung ist nur dann OK,
wenn die betroffenen 500 Deutschen tatsächlich Verbrecher sind,
die aus politischem Kalkül von den Behörden nicht verfolgt werden
 
AW: Gegen Rechte demonstrieren

Zitat von scilla:
BH sind in Deutschland verboten
(nein, nicht der Bh)

ich denke, daß das Hacken vertretbar ist
(Mißtrauen gegen die, Angst vor den bösen Buben)

die Veröffentlichung ist nur dann OK,
wenn die betroffenen 500 Deutschen tatsächlich Verbrecher sind,
die aus politischem Kalkül von den Behörden nicht verfolgt werden

Es hat seinen Grund, dass BH (schon klar, nicht der Bh) verboten sind.

Und dass es der NPD jetzt eventuell an den Kragen geht erzeugt in mir eine gewisse Glückseligkeit.

Aber trotzdem geht es nicht, dass in Deutschland, einem Rechtsstaat, Anhänger der einen politischen Richtung Datenbanken von Anhängern einer anderen politischen Richtung hacken.

Wenn die "Datenantifa" wirklich im Interesse der Demokratie gehandelt hätte, hätte sie mit der Polizei kooperiert. An die linke These von der bösen Polizei, in der immer noch Nazi-Mentalität herrscht glaube ich nicht.

Ist "BH" oder die NPD es wirklich wert, dass demokratische Spielregeln mit Füßen getreten werden?
Vor einem Deutschland, in dem die "Antifa" die Strafverfolgung übernimmt, graut mir. Wir brauchen keine linken Hilfssherrifs.
Abgesehen davon- wer sagt denn, dass die Polizei die Datenbank nicht auch schon überwacht hatte und die DA ihr das jetzt versaut hat?

Eine Nicht-Verfolgung von "BH" aus politischem Kalkül halte ich nicht für plausibel, dass müsstest du mir näher erklären. Der, dem es gelänge, die NPD am A**** zu kriegen, könnte doch mit einer absoluten Beliebtheitssteigerung rechnen!?

Mfg,
Sunnyboy
 
AW: Gegen Rechte demonstrieren

Sunnyboy schrieb:
Bald findet in Köln der "Anti-Islamisierungskongreß" statt. Rechte aus dem breiten rechten Spektrum in Europa kommen zusammen um über "Islamisierung Mitteleuropas" zu sprechen. Rechte Parteien wie proKöln (D), Front National (F, Monsieur Le Pen gibt sich die Ehre), FPÖ (A), die Lega Nord (I) u.a. werden vertreten sein.

Man mag ja der Ansicht sein, dass an dem Islam viele Dinge kritikwürdig sind, doch es darf mMn nicht außer Acht gelassen werden, worum es hier noch (wenn nicht sogar hauptsächlich?) geht: Rechte Parteien versuchen, sich noch weiter europaweit zu vernetzen. Diesmal mit dem Feindbild Islam.

Also endlich treten sie doch offen damit auf. Bisher war mein Eindruck, daß die neonazionale Rechte eine linksradikale Domäne übernehmen wollte: Solidarität mit den palästinensischen Befreiungsorganisationen (und mit arabischem Denken überhaupt), solange es nur irgendwie gegen was jüdisches geht. Nach den neueren Statements werden die "rechten" Demonstranten zur Verbrennung von Arafat-Tüchern schreiten müssen, und wir bürgerlichen Demokraten sind dann dazu aufgefordert, Partei für dieses modische Accessoire zu ergreifen, das man heute ja auch jenseits politischer Implikationen trägt, oder?

Sunnyboy schrieb:
Ich bin kein besonders politisch aktiver Mensch (woran ich allerdings arbeite), aber zumindest wenn sich diese Leute praktisch vor meiner Haustür versammeln (Ich wohne 40 Bahnminuten vom Kölner Hbf) möchte ich meine Meinung kundtun.

Die Sache ist nur:

1. Ich möchte es friedlich und im Rahmen der mir von der Verfassung zugestanden Rechte tun. Ich will mich nicht plötzlich in einer Menge Rowdys wiederfinden, die Polizisten oder Rechte mit Steinen, Farbbomben und ähnlichem bewerfen- solche Leute sind mMn genauso schlimm wie Neo-Nazis, nur dass sie einer anderen Ideologie anhängen .

Wenn Du das in Köln, 40 Min. von Hauptbahnhof entfernt, nicht tun kannst, hat aber der Städtische Polizeieinsatz versagt! In Hamburg kann man bei größeren Demos eher erleben, daß der Polizeikessel rund um die Demo deutlich markiert, welchen Aktionsbereich der unbefangene Beobachtungswillige aus eigenem Interesse besser nicht betritt. Aber nur bei expliziten Demos gegen den linken Mob, und nur zum Schutz der Demonstranten. Als neulich sonntags (war das nicht zu Pfingsten?) am Stadtpark Autos brannten, nachdem ein paar Hundert Rechtsradikale mit Fahnen und Parolen aufmaschiert waren, waren Polizei und Feuerwehr außer Sichtweite. Womit für den Verfassungsschutz ersichtlich wird, daß signifikante Straßengewalt vorwiegend von der links-"autonomen" Szene ausgeht. In der Tat haben wohl die üblichen "Autonomen" da gebrandschatzt (ich kann mich nur auf Augenzeugenberichte von Bekannten berufen) - eine merkwürdige Art des Vorgehens gegen rechts. Die Nazis jedenfalls können sich da tatsächlich wenig nachsagen lassen, jedenfalls hat niemand beobachtet, daß sie wahllos Autos von Stadtparkbesuchern angezündet hätten.

Sunnyboy schrieb:
2. Ich bin gegen Rechtsradikal- und extremismus, aber das heißt noch lange nicht, dass ich ein Linker bin.

Gibt es eine Vereinigung, Gruppe, Organisation oder lose Zusammenkunft von Menschen, deren Ziel nicht die Verbreitung irgendeiner Ideologie sondern in der sich Menschen verschiedener Ansichten zum friedlichen, demokratischen Protest gegen Rechts zusammengefunden haben, der man sich guten Gewissens anschließen kann (auch über den AI-Kongreß hinaus), ohne gleich einen Stempel- links, religiös, anarchistisch etc.- angeheftet zu bekommen?

Relativ klar wird das Problem meines Erachtens in diesem Umfeld analysiert:

www.redaktion-bahamas.org

wobei man sich von der Polemik und dem vorgeblichen Kommunismus der Damen und Herren nicht irritieren lassen darf: die zahlen alle brav Steuern und gehen nach diskursiver Aufforderung sogar mal CDU wählen. Ansonsten würde ich es tatsächlich mal bei der SPD versuchen (hängt vom Ortsverband ab) oder der GAL. Auch der Besuch bei einer Gesprächsveranstaltung der eher bürgerlich-konservativ orientierten Deutsch-Israelischen Gesellschaft kann sich lohnen: dort kann man zumindest sehr kontrovers diskutieren, ohne gleich auf ideologische Sperren zu stoßen.

Sunnyboy schrieb:
Ja, ich weiß, es gibt das Internet. Ich habe aber bezüglich einer Nazi-Demo in Bonn-Duisdorf auch über das Internet informiert und leider sehr negative Erfahrungen gemacht (Ich kam um gegen Nazis zu demonstrieren und stand in einer durch die Veranstalter absolut links geprägten Veranstaltung, deren Moderatoren zu allem Überfluss meinten, sich auch noch mit von der Polizei eingeschlossenen Randalierern solidarisieren zu müssen.)

Deswegen setze ich jetzt lieber auf persönliche Erfahrungen- z.B. von euch.

Es hängt von sehr viel verschiedenem ab. So gibt es in Hamburg eine regelmäßige Veranstaltung zum Datum der Reichskristallnacht, die darin besteht, jedes Jahr erneut die Namen der jüdischen Nazi-Opfer vorzulesen. Im Publikum anwesende Mitglieder des deutsch-israelischen Jugendforums wurden vor zwei Jahren dort öffentlich beschimpft, weil die ja (aufgrund ihrer grundsätzlich pro-israelischen Haltung) selber Nazis seien.

Sunnyboy schrieb:
Außerdem möchte ich, deswegen habe ich das Thema hier unter "Politik/Allgemein" eingestellt folgende Frage stellen:
Seht ihr es auch so, dass der Kampf gegen Rechts zu sehr radikalen Linken überlassen wird? Oder reißen diese das Thema nur zu lautstark an sich? Und wie kann man das ändern?

Ändern kann man wenig, die eigene Facette einbringen kann man schon. Ich denke, daß die bürgerliche Rechte das Problem tendenziell verharmlost, da ihr Anliegen im besten Falle ist, diese potentiell "rechtsradikalen Wählerschichten" selber programmatisch zu erreichen und also demokratisch einzubinden - immer in dem löblichen Sinne, die abtrünnigen Schäfchen noch zum besseren zu bekehren; und daß die Linke (das ist für diesmal alles, was links jenseits der SPD-Rechten und dem bürgerlichen Teil der GAL liegt) eine bemerkenswert selbstgefällige Moralgerechtigkeit und unbefragte Autoritätshörigkeit hegt, die sie - im Mix mit der obligatorischen West-Feindschaftshaltung - von selbst stark an neonazionalsozialistisches Gedankengut bindet - so daß von dieser "Linken" wenig Hilfe zu erwarten ist.

Ist es paradox oder schlüssig: Die "Bürgerlichen" überlassen einen expliziten "Antifaschismus" jenen ideologischen Auswüchsen, die in der Verherrlichung von sozialistisch argumentierenden Massenmördern gipfeln, der radikalen Linken also, um diese umso entschiedener niederzudonnern - damit sie selbst beflissen das (preußische?) Prinzip der staatlichen Verantwortung und Entmündigung des Einzelnen weiterführen können - jenen Protofaschismus also, der durchaus den Grundgedanken unserer deutschen Republik widerspricht, auch wenn er von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen wird, die von den allgemeinen staatlichen Versorgungsstandards nicht ablassen will.

Das ist ja das Problem: ob man gegen "rechts" oder gegen "links" oder gegen "bürgerlich" demonstriert, eigentlich geht man immer gegen irgendeine mehr oder weniger deutliche Art der Ausformung des Überwachungs- und Versorgungsstaats, aber für die total freie Selbstverantwortung jedes Einzelnen mag man auch wieder nicht eintreten, und hat doch gute Gründe dafür. Darum ist das so schwierig.


Grüße herzlich zurück
Thorsten
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Gegen Rechte demonstrieren

komplizierter Satz mit komplexer Aussage

Die "Bürgerlichen" überlassen einen expliziten "Antifaschismus" jenen ideologischen Auswüchsen, die in der Verherrlichung von sozialistisch argumentierenden Massenmördern gipfeln, der radikalen Linken also, um diese umso entschiedener niederzudonnern - damit sie selbst beflissen das (preußische?) Prinzip der staatlichen Verantwortung und Entmündigung des Einzelnen weiterführen können - jenen Protofaschismus also, der durchaus den Grundgedanken unserer deutschen Republik widerspricht, auch wenn er von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen wird, die von den allgemeinen staatlichen Versorgungsstandards nicht ablassen will.

Vereinfachung

1) die politische Mitte verzichtet darauf,
den Faschismus medienwirksam zu bekämpfen
(das tut statt dessen die Antifa)

2) die Antifa ist aber erstens militant
und zweitens ideologisch verbohrt
(wer nicht für die radikale Linke ist, ist gegen die radikale Linke)

3) die Wurzel des Faschismus liegt in derjenigen Politik begründet,
die weder möchte, daß Otto Normal mitdenkt,
noch daß jener dieses individuell durch Wort und Tat kundtut
(aus diesem staatlich verordneten Trott brechen radikale Gruppierungen hervor)

4) da viele Menschen ihren Trott entweder gar nicht merken
oder Angst vor Veränderungen haben,
hat die protofaschistische Politik eine satte Mehrheit
(da die Betroffenen an ihre Mittelmäßigkeit glauben)

meine Meinung:

es geht darum,
aus der Mittelmäßigkeit auszubrechen,
dabei aber die Mitte nicht zu verlieren

begabte Menschen sind dort, wo sie begabt sind, nicht mittelmäßig
letztendlich hat jeder Mensch irgendeine Begabung
(diese gilt es zu suchen und gesellschaftspolitisch zu fördern)

Demokratie ist nicht,
wenn sich das Mittelmaß mehrheitlich für das Mittelmaß ausspricht
 
AW: Gegen Rechte demonstrieren

Zitat von Thorsten:
Wenn Du das in Köln, 40 Min. von Hauptbahnhof entfernt, nicht tun kannst, hat aber der Städtische Polizeieinsatz versagt! In Hamburg kann man bei größeren Demos eher erleben, daß der Polizeikessel rund um die Demo deutlich markiert, welchen Aktionsbereich der unbefangene Beobachtungswillige aus eigenem Interesse besser nicht betritt.

Ich will schon mehr als nur beobachten- eben demonstrieren. Friedlich, aber entschlossen.

Hamburg und Köln sind sicherlich andere Kaliber als Bonn, aber in Bonn war es leider so, soweit ich es beobachtet habe, dass einige schwarz gfeqwandete (Was weiß ich- "Freie Autonome", Anhänger des "Schwarzen Blocks" oder "Antifas" ich kann diese Leute beim besten Willen nicht ihren Organisationen zuordnen, für mich war das alles eine Masse schwarz gewandter, maskierter Fanatiker) sich, als die Polizei eine Art Ausfall machte, nachdem die Linken einen Durchbruch durch eine Polizei-Absperrung versuchten (und nachweislich Farbbomben sowie, nach Polizeiangaben auch Steine, auf Ordnungshüter geworfen wurden) sich schnell demaskierten und unter die friedlichen Demonstranten mischten-ob aus Kampfstrategie oder aus purer Feigheit vermag ich nicht zu sagen.

Zitat von Thorsten:
Als neulich sonntags (war das nicht zu Pfingsten?) am Stadtpark Autos brannten, nachdem ein paar Hundert Rechtsradikale mit Fahnen und Parolen aufmaschiert waren, waren Polizei und Feuerwehr außer Sichtweite. Womit für den Verfassungsschutz ersichtlich wird, daß signifikante Straßengewalt vorwiegend von der links-"autonomen" Szene ausgeht. In der Tat haben wohl die üblichen "Autonomen" da gebrandschatzt (ich kann mich nur auf Augenzeugenberichte von Bekannten berufen) - eine merkwürdige Art des Vorgehens gegen rechts. Die Nazis jedenfalls können sich da tatsächlich wenig nachsagen lassen, jedenfalls hat niemand beobachtet, daß sie wahllos Autos von Stadtparkbesuchern angezündet hätten.

Und genau das ist für den Kampf gegen rechtsradikales/- extremistisches Gedankengut schädlich- alle Gegendemonstranten geraten unter Generalverdacht radikal zu sein. Und verlieren somit an Glaubwürdigkeit.

Zitat von Thorsten:
Es hängt von sehr viel verschiedenem ab. So gibt es in Hamburg eine regelmäßige Veranstaltung zum Datum der Reichskristallnacht, die darin besteht, jedes Jahr erneut die Namen der jüdischen Nazi-Opfer vorzulesen. Im Publikum anwesende Mitglieder des deutsch-israelischen Jugendforums wurden vor zwei Jahren dort öffentlich beschimpft, weil die ja (aufgrund ihrer grundsätzlich pro-israelischen Haltung) selber Nazis seien.

So etwas finde ich beeindruckend. In Bonn, das muss ich zur Verteidigung der Gegendemo auch mal sagen, hat eine Schauspielerin des Bonner Theaters die Namen von Autoren von im Dritten Reich verbrannter Bücher vorgelesen (die Nazis hatten nämlich vor der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gegen die Indizierung einiger ihrer Lieder demonstriert- zumindest war das der offizielle Demonstrationsgrund (Warum man dann ein Plakat mit "Amerika ist unser Unglück"- oder so ähnlich- hochhalten muss, ist mir allerdings nicht ganz klar geworden.) Außerdem hat ein jüdischer Opernsänger ein Gebet vorgesungen. Mich hat das mehr beeidruckt als alles Antifa-Säbelrasseln.

Zitat von Thorsten:
Ist es paradox oder schlüssig: Die "Bürgerlichen" überlassen einen expliziten "Antifaschismus" jenen ideologischen Auswüchsen, die in der Verherrlichung von sozialistisch argumentierenden Massenmördern gipfeln, der radikalen Linken also, um diese umso entschiedener niederzudonnern - damit sie selbst beflissen das (preußische?) Prinzip der staatlichen Verantwortung und Entmündigung des Einzelnen weiterführen können - jenen Protofaschismus also, der durchaus den Grundgedanken unserer deutschen Republik widerspricht, auch wenn er von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen wird, die von den allgemeinen staatlichen Versorgungsstandards nicht ablassen will.

Zitat von Scilla:
meine Meinung:

es geht darum,
aus der Mittelmäßigkeit auszubrechen,
dabei aber die Mitte nicht zu verlieren

begabte Menschen sind dort, wo sie begabt sind, nicht mittelmäßig
letztendlich hat jeder Mensch irgendeine Begabung
(diese gilt es zu suchen und gesellschaftspolitisch zu fördern)

Demokratie ist nicht,
wenn sich das Mittelmaß mehrheitlich für das Mittelmaß ausspricht

Aber ist nicht gerade das die Schwäche der Mitte?

Bedeutet Mitte nicht so etwas wie Ausgewogenheit, geistige Besinnung und gesellschaftlicher Frieden? Ist es nicht genau das, was so trantütig wirkt, aber im Grunde ein Grundbedürfniss ist?

Diesen Frieden hoffen wir im Staat zu finden- der Staat ist keine Einrichtung um uns zu drangsalieren, der Staat, dass sind wir. Kann es sein, dass unser Staatswesen nicht mehr richtig funktioniert? Ist es nicht legitim einen Teil der Verantwortung für unser Wohlergehen in die Hände des Staates zu legen?

Leidet die Mitte nicht auch genau darunter, dass sie keine große Veränderung will, sondern dass ein gesellschaftlicher Frieden respektiert werden soll, in dem sich jeder frei entfalten kann? Kann es ein, dass das viel zu unspektakulär ist, und die Radikalen von links und rechts einfach mehr Action bieten?

Die Mitte hat nichts zu bieten- keine einprägsamen Parolen oder Lieder, keine Ideologien und Heilslehren, in der Mitte treffen sich all die, die nicht am Rand leben wollen, sondern mittendrin. Das erfordert Kompromisse. Und macht die Mitte schwerfälliger als die radikalen Bewegungen, da die Mitte ihren Laden erst ordnen muss.
Kann es sein, dass das auch ein Problem ist?

Vielen Dank übrigens für eure Beiträge.

Mfg,
Sunnyboy
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Gegen Rechte demonstrieren

sunnyboy schrieb:
Leidet die Mitte nicht auch genau darunter, dass sie keine große Veränderung will, sondern dass ein gesellschaftlicher Frieden respektiert werden soll, in dem sich jeder frei entfalten kann? Kann es ein, dass das viel zu unspektakulär ist, und die Radikalen von links und rechts einfach mehr Action bieten?

Kann schon sein. Ein Verfassungsstaat mit klarem Strafrecht ist in der Tat höchstens im Inneren aufregend - insbesondere wenn einzelne Gruppen politische Details gegen klar definiertes Recht führen.

Ansonsten leidet "die Mitte" neuerdings darunter, daß sie nach links läuft - also ins Netz eines antikapitalistischen Mehrheitsgefühls, obwohl doch mindestens die Hälfte der Mitte knallhart Geld verdienen muß.

sunnyboy schrieb:
Ist es nicht legitim einen Teil der Verantwortung für unser Wohlergehen in die Hände des Staates zu legen?

Ob Du die Adenauer-CDU, die Ulbricht-SED, die Hitler-NSDAP, die Schumacher-SPD nimmst (um nur historische Beispiele zu nennen, und aktuelle Politiker nicht zu sehr zu belasten): alle diese Politiker fühlten sich berufen, sowohl den Staat zu tragen, als auch für das Wohlergehen des Volkes verantwortlich zu zeichnen.

Und alle diese Polit-Denker haben es, mit (unfreiwillig) vereinten Kräften vermocht, bei den doofen Deutschen den Eindruck zu erzeugen, daß man einen Teil seiner Verantwortung und seiner Lebenskraft an den Staat abgeben könne. Weniger doofe Deutsche sehen jetzt alt aus: mindestens 90% sind nach wie vor bereit, ihr Leben den staatlichen Angeboten unterzuordnen; die übrigen 10 % haben anno 2008 auch keine andere Möglichkeit mehr.
 
Werbung:
AW: Gegen Rechte demonstrieren

sunnyboy schrieb:
Leidet die Mitte nicht auch genau darunter, dass sie keine große Veränderung will, sondern dass ein gesellschaftlicher Frieden respektiert werden soll, in dem sich jeder frei entfalten kann? Kann es ein, dass das viel zu unspektakulär ist, und die Radikalen von links und rechts einfach mehr Action bieten?

Kann schon sein. Ein Verfassungsstaat mit klarem Strafrecht ist in der Tat höchstens im Inneren aufregend - insbesondere wenn einzelne Gruppen politische Details gegen klar definiertes Recht führen.

Ansonsten leidet "die Mitte" neuerdings darunter, daß sie nach links läuft - also ins Netz eines antikapitalistischen Mehrheitsgefühls, obwohl doch mindestens die Hälfte der Mitte knallhart Geld verdienen muß.

sunnyboy schrieb:
Ist es nicht legitim einen Teil der Verantwortung für unser Wohlergehen in die Hände des Staates zu legen?

Ob Du die Adenauer-CDU, die Ulbricht-SED, die Hitler-NSDAP, die Schumacher-SPD nimmst (um nur historische Beispiele zu nennen, und aktuelle Politiker nicht zu sehr zu belasten): alle diese Politiker fühlten sich berufen, sowohl den Staat zu tragen, als auch für das Wohlergehen des Volkes verantwortlich zu zeichnen.

Und alle diese Polit-Denker haben es, mit (unfreiwillig) vereinten Kräften vermocht, bei den doofen Deutschen den Eindruck zu erzeugen, daß man einen Teil seiner Verantwortung und seiner Lebenskraft an den Staat abgeben könne. Weniger doofe Deutsche sehen jetzt alt aus: mindestens 90% sind nach wie vor bereit, ihr Leben den staatlichen Angeboten unterzuordnen; die übrigen 10 % haben anno 2008 auch überhaupt keine andere Möglichkeit mehr, ohne sich strafbar zu machen. Ob ich nun eine Mozart-Sonate aufführen will oder ein neues Maisfeld anbauen: überall staatliche Genehmigungsprozeduren, weil andere mitverdienen wollen, und genau dafür steht der Staat: von denen, die tatsächlich die essentielle Arbeit machen, Geld dafür zu verlangen, daß sie diese Arbeit überhaupt machen.

Ja, das wär so ein spannendes Thema, das ich gerne in der "Mitte" besprochen haben möchte und nicht bei der NPDS!
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben