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Politischer Diskussionsstil

Provisorische Antwort

Lieber Diethelm,

Dein Beitrag verdient eine längere Antwort. -

Gib mir bitte dafür noch einen Tag Zeit.

Beste Grüße - Ziesemann
 
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Liebster Ziesemann -
inkommodier Dich nicht - es dürfte Dir aufgefallen sein, dass Diethelm v.a. auf Diskussionsbeiträge von mir geantwortet hat -
und -
meinen Part brauchst Du nicht zu übernehmen.
Ich habe schon geantwortet - halt als in Österreich Lebende an einen ebensolchen.

Aber es wird Dir als wortgewaltigem Manne nicht schwer fallen, noch irgendetwas rauszuholen, was nicht implizit an Diethelms Posting Antwort an mich war.

liebevolle Grüßchen
Marianne

nett hast Du geantwortet, wirklich sehr nett....
 
Verbote im politischen Sprachspiel

Stark war die „Belebung“ des threads gerade nicht. Noch sind wie ein Kreis, wenn auch der kleinste.. Ich bin wohl gerade dabei, ihn endgültig abzuwürgen. Dennoch:

„Vervolksparteiisierung“ ist als Begriff auch inhaltlich mindestens genau so grässlich, wie als Wort es sprachlich scheußlich ist. Das Wort ist eben die adäquate Hülle für seinen Inhalt.

Oligachisierung ist nicht die naturgesetzliche Folge. Ihr aber diese zu geben, gehört zu diesem Sprachspiel. Damit begründet man auch sprachspiellogisch den sehr undemokratischen Haupteffekt als notwendig, dass Funktionen in eine gewisse (oft familiäre) Erbpacht von Berufspolitikern übergehen. Auszusprechen, dass wir uns dann nicht mehr sehr von einer Monarchie unterscheiden, ist ein schwerer Tabubruch, der von den Mitspielern mit weitestgehendem sozialem Ausschluss geahndet wird. In der Wirtschaft ist’s ja nicht viel anders.

Nun, dass die Reden inhaltlich leer sind, möchte ich nicht gerade sagen. Der Inhalt ist so angelegt, dass ihn jeder Wähler so ausfüllen kann, wie er möchte und dann davon überzeugt ist, der Politiker hätte es auch so gemeint. Genau genommen ist es hohe literarische Kunst, das Gemeinte nur im Kopf des Hörers, Lesers entstehen zu lassen, die Kunst der Politik eben.

Marianne sprach in ihrer Einführung zum Sprachspiel zwar kurz von einer intersubjektiven Wahrheit, allerdings um sie dann sofort zur intersubjektiven Wirklichkeit werden zu lassen, denn auf diese kommt es in erster Linie an. vielen Menschen halten intersubjektive Wirklichkeiten für Wahrheiten.

Ein kleines und klassisches Beispiel: Die Erde ist eine Scheibe war niemals wahr und trotzdem war diese Aussage über jahrtausende hinweg für viele Menschen eine Wirklichkeit, nicht nur für die Seefahrer im Mittelmeer. Oder ganz rezent, der „freie Wille“. Ob es wahr ist, dass es ihn gibt, wissen wir nicht, aber als Regel im Sprachspiel ist er eine sogar fundamentale Wirklichkeit, auf der unser Leben zu einem großen Teil aufbaut.

Zu den „Abstößigkeiten“ (ich baue nun mal gerne grässlich neue Wörter). Die passieren keinem Politiker. Sie sind, davon bin ich überzeugt, gewollt, sie beschäftigen die Leute und nehmen ihnen die Aufmerksamkeiten, lenken ab! Der Andere nimmt es auch nur dann emotional auf, wenn er auch was davon hat, zumindest bleiben beide im Gespräch, ohne sich weiter um ein Thema bemühen zu müssen.

Ich bin davon überzeugt, dass es eine bessere Lösung gibt. Es gehört nur zu diesem Sprachspiel, dass es sie nicht geben, ja, dass so etwas nicht einmal angedacht werden darf. Uns fehlt ein Marquis Posa, der meint: „Gedankenfreiheit, geben sie Gedankenfreiheit!“. Warum glaubst Du, dass uns das Churchill Zitat ständig wie ein Mantra vorgebetet wird, wenn die repräsentative Demokratie versagt. Ich habe gerade Mariannes Antwort gelesen und kann mir gar nicht vorstellen, dass sie nicht mehr Hoffnung hat. Dabei habe ich nochmals das Churchill Zitat gelesen und habe mir überlegt, wie er den Schluss „ …, nur wir kennen keine bessere!“ betont hat: mit einem Beistrich nach nur und der Betonung auf wir, oder wie eher zu befürchten, ohne Beistrich und Betonung auf kennen, und dabei hat es dann auch bleiben müssen, auch wenn sich die „wirs“ geändert haben

Ich habe mir meine alten Überlegungen zur Basisdemokratie wieder überblättert. Da wäre schon noch was drin

Hofft diethelm

Natürlich auch noch liebe Grüße!
 
Antwort auf # 59

Lieber Diethelm
Bitte habe Verständnis, dass ich auf Spezifika der österreichischen Parteienlandschaft nicht einzugehen vermag, davon verstehe ich zu wenig und wovon ich nichts oder nur wenig verstehe, dazu schreibe ich ungern etwas.

Zwischen „Nichtfestlegung“ und Phantasieweckung besteht meines Erachtens weniger ein Widerspruch denn eine Komplementarität; will sagen, genaue Konkretisierungen von Wahlversprechen gar noch mit Finanzierungsvorschlägen garniert, wirken eher ernüchternd, Nebulöses vermag dagegen optimistische Visionen auszulösen. Das erfuhr bitter die CDU im letzten Bundestagswahlkampf, als sie sich auf eine Erhöhung der MWSt um 1% festlegte – als „Merkelsteuer“ personifizierend diffamiert – die jetzt von der großen Koalition um 2% erhöht wird.

Die von Dir konstatierte Dependenzumkehr – Wandlung von Interessen- zur Volkspartei und dadurch unabhängig von der Parteibasis - sehe ich auch so; meine aber das dies mindestens in D noch verstärkt wird durch die staatliche Parteienfinanzierung, euphemistisch umschrieben als Wahlkampfkostenpauschale.

Das von Dir eingebrachte Zitat ist zwar sehr schön, wer wollte dem widersprechen. Ich gestehe aber – ist vielleicht auch alters- und erfahrungsbedingt – dass ich es eher mit der historischen Erkenntnis halte: Der normale Mensch aller normalen Zeiten ist immer ein unpolitischer gewesen. Beispiel: Selbst auf dem Höhepunkt der deutschen Studentenrevolte („68er“) demonstrierten und protestierten nicht mal 40% der gesamten Studentenschaft. Nur in einigen gesellschaftswissenschaftlichen Fakultäten – insbesondere Politik und Soziologie – stieg die Beteiligung auf etwas über 60%; erreichte dagegen bei den Naturwissenschaftlern selten mehr als 20%.

Ob die Dummheit laufend weiter wächst, weiß ich nicht. Welches ist, bitte, dafür Dein Messkriterium? Das Erinnerungsvermögen der Gesellschaft ist minimal, da hast Du sicher recht. Aber hängt das nicht auch mit der zunehmenden Komplexität und Kompliziertheit aller gesellschaftlichen Vorgänge zusammen?

Ob Churchill das mit der Demokratie – Danke, dass Du das Zitat vollständig und damit richtig gebracht hast – es anders als gedeutet gemeint hat, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass er deshalb im Mai 1940 vom Unterhaus zum Kriegspremier gewählt wurde, gerade weil er autoritär zu regieren vermochte – für den Frieden wählte man ihn im Juni 1945 prompt wieder ab.

Nun müssen wir bei weiteren Diskussion aufpassen, dass wir nicht nur vom Übel – aber leider dem notwendigen – der Parteien sprechen, um nicht zu weit abzuschweifen; aber ich bitte herzlich, dies nicht als Kritik an Deinen Ausführungen zu verstehen, gilt eher mir selbst als Mahnung.

Bei den zu ziehenden Konsequenzen weiß ich auch nicht viel weiter als Du – tut mir leid.

Liebe Grüße - Ziesemann

Antwort auf Deinen neusten Beitrag (#63) folgt
 
diethelm schrieb:
Stark war die „Belebung“ des threads gerade nicht. Noch sind wie ein Kreis, wenn auch der kleinste.. Ich bin wohl gerade dabei, ihn endgültig abzuwürgen. Dennoch:

„Vervolksparteiisierung“ ist als Begriff auch inhaltlich mindestens genau so grässlich, wie als Wort es sprachlich scheußlich ist. Das Wort ist eben die adäquate Hülle für seinen Inhalt.
Diethelm

Falls Du Dich wundern solltest, warum ich auf die Beiträge einer gewisssen Teilnehmerin nicht eingehe, dann darf ich Deine Aufmerksamkeit auf die Nummern 15, 33 und 40 lennen. Dort wurde erklärt "ich möchte hier nicht mitdiskutieren"; ferner "mit Dir (gemeint: Ziesemann) nicht mehr irgendwo über irgendetwas diskutieren"(#33) und schließlich wolle sie nicht mehr stören. - Da ich mich bemühe, stets höflich zu sein, habe ich den Wunsch - mit mir nicht mehr diskutieren zu wollen - auch meinerseits zu erfüllen versucht.

Sooo gering ist doch die Zahl der Teilnehmer an diesem Thread nicht und wenn, dann wäre es eine schöne Bestätigung für die Behauptung im letzten Beitrag, dass der normale Mensch aller normalen Zeiten stets ein unpolitischer gewesen ist. - Und DU würgst nun wirklich diesen Thread nicht ab.

Ich finde Deine Kreation "Vervolksparteiung" nur sprachlich grässlich, inhaltlich aber sehr gelungen.

Zu Deinen anderen wiederum sehr diskussionswürdigen (was nicht heißen soll: -bedüftigen!) gib mir bitte mit der Antwort Zeit bis morgen.

Beste Grüße - Ziesemann
 
Zuletzt bearbeitet:
Ziesemann schrieb:
Diethelm

Falls Du Dich wundern solltest, warum ich auf die Beiträge einer gewisssen Teilnehmerin nicht eingehe, dann darf ich Deine Aufmerksamkeit auf die Nummern 15, 33 und 40 lennen. Dort wurde erklärt "ich möchte hier nicht mitdiskutieren"; ferner "mit Dir (gemeint: Ziesemann) nicht mehr irgendwo über irgendetwas diskutieren"(#33) und schließlich wolle sie nicht mehr stören. - Da ich mich bemühe, stets höflich zu sein, habe ich den Wunsch - mit mir nicht mehr diskutieren zu wollen - auch meinerseits zu erfüllen versucht.

Sooo gering ist doch die Zahl der Teilnehmer an diesem Thread nicht und wenn, dann wäre es eine schöne Bestätigung für die Behauptung im letzten Beitrag, dass der normale Mensch aller normalen Zeiten stets ein unpolitischer gewesen ist. - Und DU würgst nun wirklich diesen Thread nicht ab.

Ich finde Deine Kreation "Vervolksparteiung" nur sprachlich grässlich, inhaltlich aber sehr gelungen.

Zu Deinen anderen wiederum sehr diskussionswürdigen (was nicht heißen soll: -bedüftigen!) gib mir bitte mit der Antwort Zeit bis morgen.
Beste Grüße - Ziesemann





Gewisse Userin möchte einmal ein paar Anmerkungen machen, die nicht nur ironisch sind:

Diese Person erklärt an erster Stelle, dass sie nicht mit Ziesemann, sondern mit allen Männern *ggr* und natürlich auch Frauen diskutiert, es nur ausschließen will, ausschließlich mit Ziesemann als Träger dieser Themendiskussion zu reden. Das ist mir aus den von ihm oben angegebenen und dort genannten Gründen unmöglich. Ansonsten gilt doch wohl auch in "Ziesemannthreads" Walters Satz: wir alle sind das Forum. Oder?


Diese Person hat - das ist für jeden, der mit der Sache vertraut ist, hier im Thread ersichtlich: Politkwissenschaftern, Sprachwissenschaftlern und echt am Sprachspiel des Politkraumes Interessierten die besten Argumente für das Thema in Theorie und Praxis gebracht - Diese wurden dann von Diethelm aufgegriffen und verfeinert, differenzierter gesehen.

Diese Person wollte obendrein einer andern männlichen Person älterer Bauart zeigen, dass es das doch gibt, was er anderswo lächerlich zu machen versuchte, als er mit besagter Userin noch direkt zu kommunizieren pflegte, nämlich einen feministischen Ansatz der intellektuellen Auseinandersetzung. - Dieser Ansatz ist aus jahrtausende alter Tradition erwachsen: Nix ganz ernst nehmen . Dieses Motto haben Frauen von den Männern übernommen, aus lebendiger Vorführung.

Diese Userin dankt wieder - liebenswürdig - dass es ihr gelungen ist, eine gewisse, wenn auch kleine männliche Zuhörerschaft gefunden zu haben.

Servus
Marianne

Ich erlaube mir diesen nicht sach-,sondern rein personenbezogenen Exkurs natürlich nur, weil es der Threaderöffner mir implizit erlaubt: durch Beispielvorgabe.
 
Diethelm!

Du hast Recht. Pelinka sprach schon vor Jahren in Innsbruck über diesen Vorgang, den Du - wirklich genial übrigens, weil er das Fakt trifft und - für uns Ösis kenntlich - auch noch eine aktuell kritische Sicht hineinbringt "Vervolksparteiung nennst.
Ich sehe das mit Pelinka so: Die VP hatte als erste große Partei das Problem, und zwar struktuell angelegt, unter einer Idelogie, der christlich sozialen, mehrere Interssensvertretungen unter einen Hut zu bringen.Unternehmer und Gewerbetreibende, Bauern und Arbeiter. Das schlägt sich noch heute in der bündischen Zusammensetzung dieser Partei nieder.
Die SPÖ hatte in der Zeit ihres Entstehens bis weit in die 70ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine relativ geschlossen Wählerschicht: die Lohnabhängigen und die linke Intelligenzia.

Ähnliches gilt für eine , wie Du weißt, bei uns traditionell schwach besetzte echte liberale Partei.
Die Grünen positionierten sich anfangs, konnten aber ihre Ideale auch nicht " "rein" rüberbringen, mussten Kompromisse schließen.


Und genau dieses Kompromisseschließenmüssen mit den anderen, bewirkt das - neben den von Dir obern geschilderten Vorgängen, dass wir zurecht von einer nicht mehr klaren Profilierung unserer Parteien sprechen. Sprechen können - Gründe bei Dir oben.
Das wirkt sich natürlich auch auf die Sprache und den Diskussionstil aus- Jeder ist jedes Freund, weil alle durch die normative Kraft des Faktischen ( Globalisierung, Neoliberalsimus) das Gleiche nur vermögen.
Da wir aber immer noch gewohnt sind, dass sich Parteienvertreter als Feindegegenüberstehen müssen, kommt es zu manchem durchaus nicht ernst gemeinten verblen Schlagabtausch - im öffentlichen Forum - und zu einem Witzchen darüber beim gemeinsamen Kaffetrinken danach.

Das ist Relaität, das ist Kapfenberg, möchte ich den Edi Finger - sager: "Das ist Brutalität, das ist Kapfenberg " leicht verffemdend bemerken.


Edi Finger ist ein legendärer Sportberichterstatter des ORF - Kapfenberg eine steirische Fußballmannschaft.


frdlg

Marianne
 
grüner Sprachverlust

Die SPÖ hatte in der Zeit ihres Entstehens bis weit in die 70ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine relativ geschlossen Wählerschicht: die Lohnabhängigen und die linke Intelligenzia
nun bis Kreisky war die SPÖ ja auch noch eine Interessenvertretungspartei. Androsch wollte soweit ich weiß weg davon, was ja mit Grund am Zwist mit Kreisky war. Der Versuch, sich über die Banker zu vervolksparteiisieren, ist etwas misslungen, sodass sie derart ihr Wählerpotential nicht ausbauen konnte, was ihr immer noch Schwierigkeiten macht.

Der Begriff „liberal“ ist absolut beliebig geworden, ich mag ihn überhaupt nicht. Die Grünen haben nicht durch Kompromisseschließenmüssen an Profilierung verloren, denn bis heute haben sie nicht wirklich solche geschlossen.

Was an ihnen anfangs so faszinierte, war eben, dass sie nicht am herrschenden politischen Sprachspiel mitmachten. Genau dieses Nichtmitspielen machte sie ja für die anderen, vor allem die ÖVP gefährlich. So versuchte die ÖVP alles, von Skandalisierung, über Verächtlichmachung, Übertragung von Zielvorstellungen und Lob (Zuckerbrot und Peitsche), sie zur Akzeptanz des geltenden Sprachspiels zu drängen. Es ist ihr leider gelungen und ihr Lob, dass die Grünen nun „professionell“ geworden seien, zeigt wie vom Denken her die grüne Parlamentriege nun in ähnlichen Kategorien denkt wie die ÖVP, allein schon was Veränderung des Vokabulars betrifft. Obwohl die geltenden Grundsätze der Grünen, soweit ich sie kenne, in weiten Bereichen der jetzigen ÖVP diametral gegenüberstehen, haben die Bundesgrünen eher (unbewusste?) Berührungsängste mit der SPÖ.

Dass Denken in unserer Sprache stattfindet, war ja schon vor Wittgenstein bekannt Eine veränderte Sprache hat ein verändertes Denken zur Folge. Ich habe aus dem Traktatus einige Sätze herausgegriffen, die in ihrer Reihenfolge diese Veränderung sehr anschaulich beschreiben:
4.01 Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit. Der Satz ist ein Modell der Wirklichkeit, so wie wir sie uns denken.
5.6 Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
7 Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

Das bedeutet aber auch, dass, worüber man schweigen muss, auch nicht mehr gedacht werden kann. So hat sich eben die innere Wirklichkeit der Grünen verändert. Vorher denkbares ist undenkbar geworden.

Es gilt aber, die Sprache und somit die Wirklichkeit wieder zurück zu gewinnen, aber noch darüber hinaus. Wir wissen aus den Naturwissenschaften sowie der Mathematik, dass neue Worte auffindbar, neue Sätze formulierbar gemacht werden können, um in neuen Wirklichkeiten zu denken. Wenn uns dieses auch auf politischer Ebne gelänge, ergäbe sich von alleine ein neuer politischer Diskurs, wie auch eine neue Politik. Alles andere wäre nur Herumdoktern an Symptomen

Liebe Grüße schickt und einen schönen Morgen wünscht,

diethelm

Dieses zu verhindern, ist im Sinne der Mächtigen. Übrigens, die indigenen Völker beider Amerikas beklagen vehement, dass die Europäer ihnen die Sprache zu einem großen Teil genommen haben.
 
diethelm schrieb:
Oligachisierung ist nicht die naturgesetzliche Folge. Ihr aber diese zu geben, gehört zu diesem Sprachspiel.
Das sehe ich ein wenig anders. Es war einer der ersten Soziologen in Deutschland überhaupt, Michel (Vorname im Moment nicht greifbar), der vor mehr als 100 Jahren das "Gesetz der Oligarchie" aufstellte, der alle Großorganisationen, und deshalb eben auch die Parteien unterliegen. - Solche Organisationen können gar micht anders als hierarchisch-oligarchisch gesteuert werden, sonst sind sie nicht handlungsfähig. Zum "Spiel" also gehört das m.E. nicht.

diethelm schrieb:
Nun, dass die Reden inhaltlich leer sind, möchte ich nicht gerade sagen. Der Inhalt ist so angelegt, dass ihn jeder Wähler so ausfüllen kann, wie er möchte und dann davon überzeugt ist, der Politiker hätte es auch so gemeint. Genau genommen ist es hohe literarische Kunst, das Gemeinte nur im Kopf des Hörers, Lesers entstehen zu lassen, die Kunst der Politik eben.
Ist wohl eine Frage, was wir mit "inhaltlich" meinen. - Deinen letzten Satz finde ich vortefflich formuliert; vielleicht sollte man hinzufügen: Aber das wirklich Gewollte ist etwas anderes. Dann sind wir bei der japanischen Erkenntnis: Die Sprache ist ein Instrument zur Verschleierung der Gedanken.

diethelm schrieb:
Ich bin davon überzeugt, dass es eine bessere Lösung gibt. Uns fehlt ein Marquis Posa, der meint: „Gedankenfreiheit, geben sie Gedankenfreiheit!“. Warum glaubst Du, dass uns das Churchill Zitat ständig wie ein Mantra vorgebetet wird, wenn die repräsentative Demokratie versagt. Ich habe gerade Mariannes Antwort gelesen und kann mir gar nicht vorstellen, dass sie nicht mehr Hoffnung hat. Dabei habe ich nochmals das Churchill Zitat gelesen und habe mir überlegt, wie er den Schluss „ …, nur wir kennen keine bessere!“ betont hat: mit einem Beistrich nach nur und der Betonung auf wir, oder wie eher zu befürchten, ohne Beistrich und Betonung auf kennen, und dabei hat es dann auch bleiben müssen, auch wenn sich die „wirs“ geändert haben...

Ich habe mir meine alten Überlegungen zur Basisdemokratie wieder überblättert. Da wäre schon noch was drin
Hofft diethelm

Natürlich auch noch liebe Grüße!
Nun, wir können den guten Winnie leider nicht fragen, was er gemeint haben könnte, wenn er sagt, wir kennen keine bessere Form als die Demokratie.
Diethelm, mit Vergnügen würde ich gern mit Dir über basisdemokratische Formen diskutieren; sage aber vorweg, dass ich sehr, sehr skeptisch bin. Auch der Staatenverbund EU, dem unsere Länder beide angehören, kann nicht anders als repräsentativ gesteuert werden. Und Du weißt, dass der einzige Staat Europas - vielleicht der ganzen Welt - der noch am ehesten auf basisdemokratischen Elementen aufbaut, nämlich die Schweiz, oftmals nur Abstimmungsbeteiligungen in den Kantonen hat von unter 30%.
"Gedankenfreiheit" - gibt's sogar in der Dikatur. Redefreiheit aber nur in der Demokratie. Niemandem ist es in einer solchen verwehrt, basisdemokrtische Gedanken auzubreiten. Die repräsentative Demokratie ist zwar in der BRD essentieller Verfassungsteil, Du darfst dagegen polemieren wie Du willst, nur zu ihrem Unsturz darf nicht augerufen werden. Doch kann der Verfassungsgeber - das Volk - mehr und mehr plebizitäre Elemente einbauen, so dass am Schluss sogar eine Art Basisdemokratie herauskommen könnte.

Das bedeutet aber auch, dass, worüber man schweigen muss, auch nicht mehr gedacht werden kann. So hat sich eben die innere Wirklichkeit der Grünen verändert. Vorher denkbares ist undenkbar geworden.

Ich habe ein kleines Probleme, Dir inhaltlich folgen zu können. - Es gibt kein Schweigegebot - , nenne mir, bitte, einen einzigen Gegenstand, "worüber man schweigen muss".
Bitte habe Verständnis´, dass ich mich zur österreicheichischen Parteienlandschaft nicht äußern möchte´. Ich lege mir gern selbst eine Schweigepflicht auf, wenn ich von einem Threma nichts oder nur wenig verstehe.
Gleichfalls schöne Grüße an Dich - Ziesemann
 
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Lieber Ziesemann
Es gibt wohl im Jargon der Sozialwissenschaftler so was wie ein „eisernes Gesetz der Oligarchie“ ich glaub es war Robert Michels, aber seine Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie ist erst an die 30 Jahre her. (die bayrische Räterepublik noch keine 90 Jahre her ist). Nun ist aber das Bilden von Oligarchien als menschliches Verhalten doch sehr vom menschlichen Willen besonders aber von seiner Kultur abhängig und somit eben kein Naturgesetz im naturwissenschaftlichen Sinn. Solche Großorganisationen könnten sehr wohl, nur diejenigen, die dort an die Macht drängen, wollen nicht. Dieses „Gesetz der Oligarchisierung“ wäre gewissermaßen ein „göttliches“ Gesetzt, um eine herrschende Ordnung zu legitimieren und soll daher so wenig wie möglich kritisch hinterfragt werden. Insofern ist es schon Teil des Sprachspiels.

Zur Kunst, Vorstellungen zu erwecken zitiere unseren Bundeskanzler, allerdings nahm er Bezug auf die Zukunft österr. Pensionisten. Diesen versprach er im Wahlkampf:
„Die Pensionen sind sicher und wir werden alles tun, damit sie sicher bleiben!“

Das klingt wie eine klare Sachaussage, die nur in der Vorstellung der Betroffenen Konkretheit vortäuschte und alle in Sicherheit wiegte. Später folgte eine „große Pensionsreform“, als Auftakt zum Sozialabbau.
Die österr. Parteienlandschaft will ich mit Dir auch gar nicht diskutieren, sie liefert mir nur die Beispiele wo ich hoffe, dass sie noch verständlich sind.

Das Argument der Wahlbeteiligung in einem Staat mit basisdemokratischen Elementen ist nicht wirklich überzeugend. Der USA mangelt es an basisdemokratischen Elementen völlig, aber die Wahlbeteiligung ist nicht größer. Im übrigen Europa sinkt die Wahlbeteiligung dank der Politikbegeisterung ständig, ohne Aussicht auf Stabilisierung. - Allerdings wäre die Schweiz gerade nur der Ausgangspunkt und nicht das Ziel meiner Betrachtungen gewesen.

Ich habe einmal das deutsche Grundgesetz durchgeblättert, aber ich kann mich nicht erinnern, dass die Verfassung die repräsentative Form der Demokratie vorschriebe. Übrigens, auch die Basisdemokratie kennt Repräsentanten, nur die Bindung ist eine andere.

Nun, „Gedankenfreiheit“ habe ich im Kontext des Sprachspiels gemeint. Schon im Tractatus hat Wittgenstein dazu gesagt:
Der Gedanke ist der sinnvolle Satz.
Die Gesamtheit der Sätze ist die Sprache.

Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit. Der Satz ist ein Modell der Wirklichkeit, so wie wir sie uns denken.
Sprachlosigkeit ist die stärkste Einschränkung der Gedankenfreiheit, weil man sich ihres Fehlens gleich gar nicht bewusst wird. Mit dem
Verschwinden der Worte aus der Sprache verschwindet Denkbares aus dem Denken. Andersrum zeigen die Naturwissenschaften, im Auffinden neuer Sätze beginnt auch neues Denken. „Worüber man schweigen muss“ war nur die Anspielung an den Tractatus, der ja damit endet: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Sprechen und Denken sind soweit eins, jedenfalls einmal, soweit es die Kommunikation betrifft.


An und für sich, denke ich, ist die Diskussion im thread mit der von Dir vorgegebenen Thematik ohnehin an einem natürlichen Endpunkt angelangt. Eine Weiterführung wäre wohl denkbar, aber man müsste sich entscheiden, ob über andere mögliche Formen der Demokratie gesprochen wird, oder ob eine Analyse des politischen Sprachspiels der p.-h.- repräsentativen Demokratie im Kontext des neoliberalen Wirtschaftsmodels versucht wird. Jedes der Themen übersteigt das Leichte.

Vielen Dank einstweilen für die Mühe, die Du Dir mit mir gemacht hast und liebe Grüße, diethelm
 
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