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Essay, den ich bei der Philosophie-Olympiade 2018 geschrieben habe.

Dieses Thema im Forum "Eigene Geschichten" wurde erstellt von PlacidHysteria, 21. Februar 2018.

  1. PlacidHysteria

    PlacidHysteria Well-Known Member

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    In einer Kryokapsel auf einem Rau(m)schschiff
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    Der Essay hats mit mir nicht geschafft, da die 19-köpfige Jury aus Lehrern und anderen Akademikern, dem Text nicht folgen konnte. Macht euch selbst ein Bild.

    Die Katastrophe der rückwärts-rekursiven Oppositionskettenreaktoren Materie und Geist

    Ein Dilemma für Fortgeschrittene – erdacht und geschrieben von (mein Name) ​


    Die Ideotie betrifft weit nicht mehr nur Österreich. Seit Haiders Zitat, „Österreich sei eine ideologische Missgeburt“ (sic!) hat sich viel verändert. Doch fragt sich der Leser nun: Was meint denn der mit einer Ideotie? Eine Ideotie ist, wenn Individuen eine Ideologie so weit verfolgen, bis Blut und Boden in Schlachten um die eigene Meinung in Schrift und Sprache vereint sind. Ideoten gibt es heutzutage nicht wenige. Auch heute noch werden Menschen die das Land nicht braucht in Lager gesteckt. Scheint eine deutsche Tradition zu sein. Nur waren es einst die braunen Wächter des Abendlandes mit ihrem außerordentlich ungerechten Idealismus, mit ihrem Ideal, dem Arier, den jene benutzten um die jüdische Bevölkerung und andere Minderheiten einzusperren und zu vernichten. Heute ist es das private Fernsehen, mit seinem Idealismus mehr Profit zu machen, das sogenannte Z-Promis, also Prominente die nicht mehr wert sind als in ein Abenteuerland mit Urwaldflair eingeflogen (oder besser: abgeschoben) zu werden und untermenschliche Aufgaben zu erledigen, in eben jenen Garten Eden der Niveaulosigkeit aussetzt. Jungle Camp nennt sich das Ganze. Ein Konzept, das trotz heftigster Kritik und noch viel, ja drakonischerem Spott weiterhin ausgesendet wird und somit dem Trash-TV ein neues Gesicht gibt. Doch wofür das alles?

    Geld. So simple es klingt doch es geht wie immer nur um Geld. Denn Geld regiert die Welt. Nach dem Finanzanatomiedoktor Petty steuert das Geld die Welt wie das Blut den Körper. Geld peinigt Idealismen und hilft dem allseits umstrittenen Materialismus. Geld besitzt also Macht über jene die nur denken und gibt denen Überlegenheit und Kraft über vorherige zu gebieten. Heutzutage ist kein asketisches Leben mehr lebbar. Zu viel Gesetz und zu wenig Empathie. Man sieht also, ein Leben nach Diogenes in der Tonne ist kaum mehr vorstellbar. Doch das katastrophalste ist, dass Materie und Geist sich, ihrer abstrakten Machtschluchten und dem oft unbändigenden Hass beider Parteien zu wider, ergänzen. Das beste Beispiel: Der Mensch. Oder noch besser: ICH. Doch vor der individuellen Sonderbehandlung sollte ich zuerst den Menschen darstellen. Der Mensch ist Materie. All das Blut das in seinen Venen die Gefäßwände abschleift oder die Spenderniere, die nächsten Montag raus soll. Das ganze biologische Krimskrams ist die Materie. Damit der Mensch ein Mensch wird und kein animalisches Wesen bleibt, braucht er den Geist. Doch wie ist diese Projektion mit dem Materialismus und den unzähligen geistlichen Idealismen in Einklang zu bringen? Durch mich. Wie gesagt. Ich bin der moderne Mensch. Ich vereine euch den Materialismus als Jungökonom, der nicht von der Hand im Mund leben will und den Philosophen, den ontologischen Freidenker, der nicht mit der Hand vorm Mund leben will, sondern all seine Gedanken dankend an die Restmaterie da draußen hinaus sprengen will wie ein Idealist mit einer materialistischen Bombe. Ja, ich will. Ihr dürft die Braut nun küssen. Schenkt ihr die Juwelen die sie verlangt sonst verlässt sie euch noch!

    In einem materialistischen System war zuvor einer wie Ich. Einer der nachgedacht hat und seine Schriften in die richtigen Hände vertraut hat. So sieht man: Der Materialismus brauchte davor einen Geistesblitz, eines Gelehrten, um überhaupt aus der riesigen Existenzwolke der Ideen hinauszudiffusionieren. Doch basiert auch die Idee präventiv zumindest auf einer Existenzform, welche die oppositionelle Kettenreaktion dann auslösen darf. Fazitiv bestätigt sich das „Gesetz“, welches auch nur aufgrund eines Denkers entstand, der vorher eine ausreichende Bildung bezahlt bekam: Gegensätze ziehen sich an. Der Geist und die Materie also. Nach einem regelrechten Konflikt zwischen zwei Parteien sieht das Prinzip nicht aus. Mehr wie eine astrale Verbindung die sich in Menschen(gedenken) wiederspiegelt.

    Ein gewisser Joseph Agnoli, ein silbern-schillernder Agnostiker so scheint es, hat sich jedoch in seiner Schrift um ein wahrlich kriegerisches Verhältnis der beiden Schlangen am Caduceus bemüht. Er stellt einen Kampf dar. Ein Kampf, der mit der eigentlich so friedlichen Philosophie zeitgleich zu starten scheint. Eine Rauferei im schieren Gleichgewicht, wobei es auf den ersten Blick nicht so scheint. Einfachheitshalber (oder lieber, aufgrund der Vollwertigkeit, -voller) wollen wir die Streithähne vergegenwärtigen und festigen. Da das eine ungreifbar und das andere unreifbar ist, müssen wir einen Mesokosmos schaffen. Eine Ebene für beide Parteien. Doch wie das? Gar nicht. So etwas wäre schlichtweg unmöglich. Eine Dimension die sowohl geistig und bekörpert ist, gibt es nicht. Also das Gleichgewicht kippen und in die ideale Denkvorstellung wechseln. Ein Heimspiel für den Geist. So treten sie also gegenüber, nichts Böses im Sinn und doch erwartet man einen Kampf. Eine Messestecherei, wo Blut fließen soll.

    Stellen wir uns also vor wir wären in einem antiken Kolosseum. Wir schreiben ein beliebiges Jahr in der römischen Blüte. Die Sonne schleudert Speere aus Hitze. Tausende tosen und schreien und jubeln. Aber wir hören das nicht. Obwohl wir Teil der Menge sind und mitjubeln. Alles ist mehr wie in einem Traum. Dumpf. Ein Stadionsprecher ruft zur ersten Runde auf. Die Materie in Form eines Gänseblümchens weht im dennoch heißen Sommerwind und der Geist formiert sich, existent unsichtbar, aber gedanklich von jedem Platz aus gleich sichtbar. Nachdem nach Minuten des Wartens und des Grölens der jetzt wütenden Zuschauer schnellt eine Peitsche der Zwietracht von oben herab auf beide Kontrahenten. Zack, und die Materie formt sich zu einem Krieger mit materialistischen Geldstücken aus Diamant und Platin. Die Lanze hoch erhoben fusioniert sie Jubel und Begeisterung der breiten Masse zu einem Konstrukt der Stärke. Der Geist formt sich, für jedermann unterschiedlich. Beide stürmen los und stürzen durch einander durch. Ohne einen Gedankengang, würde man einen goldenen Helden durch die Gegend zischen sehen. Doch mit der Idee im Kopf, mit der Idee eines Gegners macht alles Sinn. Der Geist ist ohne Körper unverwundbar. Der Materieklumpen, trotz seiner natürlichen Umgebung beraubt immer noch greifbar. Doch weder der Geist noch der Körper können einander verletzen. Weder angreifen noch austeilen ist ihnen gewährt.

    Doch beginnt diese Ag(n)onie mit der Philosophie, wie Agnoli meint? Tatsächlich stellt es sich als unglaublich paradox heraus. Einerseits denken wir schließlich schon vorher über einen Kampf der beiden Lager nach. Wir philosophieren über den Ausgang eines solchen Kampfes. Andererseits müssen wir uns den rückwärts-rekursiven Kettenreaktionismus in Erinnerung rufen, den wir einst in dieser Schrift abgehandelt formuliert haben. Wir können also von einem Dilemma ausgehen, das wir, wie so manches nicht lösen können. Aus dem gänzlich simplen Grund, dass Rekursionen, wie auch das Glück als positiver Wahrscheinlichkeitsausgang, in sich geschlossen sind und mit ihrer Umgebung nicht interagieren können. Lediglich eine Kommunikation mit dem Ganzen ist möglich. Vielmehr als das Gefecht zwischen Materie und Geist ist jedoch die Philosophie. Denn Agnoli hält sich viel zu sehr an das principium tertii exclusi, das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten. Neben Materie und Geist gibt es also laut Agnoli nicht. Beschreibbar in einem Satz ist das Buchstabenkonstrukt nicht, denn Philosophie, die Lehre der Weisheit, die Mutter aller Wissenschaften ist unglaublich vielseitig. Zu vielseitig. Vorstellen kann man sich die Philosophie also folgendermaßen. Man nimmt einen Polyeder. Ein Gebilde mit Ecken, Flächen und Kanten. Am besten einen mit dynamisch beweglichen Gliedern. Nun schraubt man den Maßstab des Körpers so hoch, dass es nicht nur sechs Flächen oder mehr gibt sondern unendlich viele. Jede Fläche bezeichnet ein jeweils unterschiedliches Thema. Sollte man die einzelnen Glieder nun drehen und den Körper anschließend wieder stauchen, entsteht ein neuer Teil, der sich an den Würfel anhängt. Und das ist Philosophie. Eine mathematische Figur, ausgeweitet auf eine unendlich große Fläche, welche blanke Oberfläche die Fantasie wiederspiegelt. Mithilfe grenzenloser Fantasie ist es möglich ein Gedankenkonstrukt aufzubauen, das individueller ist als alles andere.

    Eine mutige These die Johannes Agnoli auch noch in den Topf wirft, weil’s so im Rezept für „die Sache selbst“ steht ist, die Philosophie als eben jene vorhin geschilderte Fehde zu bezeichnen. Das „Vielleicht“ bezeichnet die sichere Unsicherheit, die man (nicht Ich) beim philosophischen Theorienaufstellen als Studierzimmernachbarn zu begrüßen hat. Vielleicht existieren nur Ich und mein Ego und vielleicht sind wir nur Teil eines Traums, der Sache selbst, wie ein Stück Käse. Man weiß es nicht. Eben jenes natürliches Nichtwissen ist nicht nur in Naturwissenschaften ein Problem, sondern auch in unserer non-materiellen Krisensitzung in unserem Denkkolosseum. Welches Ereignis nun sicher ist, läuft auf nur ein Event zurück: das rekursive Wirklichkeitsparadoxon. Es beschreibt, die Philosophie, die Wirklichkeit, Wahrheit und generell alles plus minus das Nichts als nicht-existent. Ausweg daraus gibt es soweit keinen. Basierend auf der Existenz einer Parkbank in einem Park in einer Stadt in einem Land et cetera gibt es dann die Annahme die Parkbank würde nicht existieren, aufgrund der non-wirklichen Existenzebene des Parkes, und immer so weiter. Wenigstens die Annahme es gäbe entweder oder es gäbe es nicht stimmt. Es ist wie ein physikalisches Axiom und herrscht wie das Geld des Materialismus über alles. Doch ist hier anzumerken, dass Geld und das Gedankengut des Idealismus des Materialismus auch unter die Baumkrone des Weltenbaums „rekursives Wirklichkeitsparadoxon“ fällt.

    Epilog: Geist und Materie ruhen friedlich, mit Tuniken bestückt, im Olivenhain und denken zusammen über ihre weitere Existenz nach. Der geistige Idealismus und der geizige Materialismus liegen in Dubai als moderne Denkkörper am Strand und philosophieren über die wirklich wahren Dinge des Lebens. Für ein friedvolles Miteinander ist gesorgt und das Gleichgewicht stimmt wieder. Die Philosophie liegt bescheiden aber doch als das Opus Magnum in einem Jeden und wartet nur darauf endlich entdeckt zu werden. Die Philosophie ist somit das Wichtigste, dass es in dieser, vermutlich unwirklichen Welt gibt. Auf keinen Fall sollte man Angst davor haben, eine Wahrheit zu entdecken, die Wirklichkeit und Wahrheit verneinen könnte.




    Anmerkung (Gehört quasi nicht zum Essay!):

    Da im ersten Absatz ein Augenmerk auf rechtsextremen Stilausdrücken liegt, möchte ich mich hiermit von jeglichen Rechtsextrema distanzieren. Ich pflege keinerlei Sympathien für Nationalsozialistische Verbindungen und Literatur! Das rechtsextreme Schema dient nur zur stilistischen Qualität!
     
  2. Nyan Cat

    Nyan Cat Well-Known Member

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    Das hättest du die Jury vielleicht wissen lassen sollen.
     
  3. PlacidHysteria

    PlacidHysteria Well-Known Member

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    In einer Kryokapsel auf einem Rau(m)schschiff
    Das habe ich. Die Anmerkung steht dabei im Original.
     

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