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Die Parodien...

beau.becir

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Registriert
9. Februar 2006
Beiträge
400
Sah ein Knab' ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
war so jung und morgenschön,
lief er schnell, es nah zu sehn,
sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Eines meiner liebsten Goethe-Gedichte! Der Große, Göttliche Goethe! Und was lese ich in einer Novelle von Otto Julius Bierbaum? (Es handelt sich um eine Suppe, wo Kalbshirnklößchen schwimmen, "sanft umspielt von allerlei Gemüsen"...).

Sah ein Knab' ein Klöslein stehn,
Klöslein in der Suppe,
war so jung und morgenschön,
lief er schnell, es nah zu sehn,
's war ihm gar nicht schnuppe,
Klöslein, Klöslein, Klöslein rot,
Klöslein in der Suppe.

Ich fand das unverschämt - und sehr lustig! Darf man sich so über ein Goethe-Gedicht mokieren? Daß das Heidenröslein ein Kalbshirnröslein wird --- empörend! Aber meiner Meinung nach ist es eine schöne Huldigung und keine lèse-majesté - es ist ein Beweis, daß das schöne Lied berühmt und überall beliebt ist.

Kennt Ihr, liebe Freunde, andere solche Parodien (Gedichte, Sprichworte, Buchtitel, Chansons, etc.)? Durch das Googeln habe ich eine amerikanische (!) Universität gefunden, die darüber Studien macht http://www.mtholyoke.edu/~dabarta/germ/links.html

Aber Ihr, liebe Freunde, die Ihr alle so wunderbare Dichter seid, könnt Ihr selbst welche herstellen?

Viele liebe Grüße
von Eurem beau.becir
 
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=beau.becir]Eines meiner liebsten Goethe-Gedichte! Der Große, Göttliche Goethe! Und was lese ich in einer Novelle von Otto Julius Bierbaum? (Es handelt sich um eine Suppe, wo Kalbshirnklößchen schwimmen, "sanft umspielt von allerlei Gemüsen"...).


Ich fand das unverschämt

das ist es auch. Soche Beweise sind für mich überflüssig und ich kann es nicht als Huldigung betrachten. Was hast Du plötzlich für Ideen, lieber beau.becir?

Nichts leichter als etwas Schönes schmutzig zu machen, doch finde ich, dass dies nicht Dichterart ist. Blödeln ohne andere Dichter zu verulken, kann ich in den Wortspielen.



Lieber beau-becir,

Dein Anliegen ist wohl gut gemeint, doch ich möchte ein Gedicht eines großen Dichters nicht verulken, und schon gar nicht Goethes Gedichte, die uns Menschen so viel geschenkt haben.

Der liebe Bierbaum hätte bei seinen eigenen Texten bleiben sollen.

Ich weiß, die Kunst ist links. Doch nicht alles, was aus dieser Ecke kommt ist gut. Es kommt nämlich dann so weit, dass jemand, der wie Goethe dichten kann, sich den Vorwurf gefallen lassen muss: Du dichtest ja wie Goethe, also pfui Teufel. Da kann und will ich wirklich nicht mittun. Mir sind gewisse Dinge heilig und dabei bleibt es.

Diesmal mit unverständlichen aber genauso lieben Grüßen

suche
 
Aber, aber, wer wird denn so streng sein.
Es gibt so wunderschöne Parodien, sogar
von unseren „Großen“ selbst verfertigt.

Wenn ich z.b. an FAUST / 3. Teil denke,
von Th. Vischer um 1850 geschrieben und
1949 mit einem surrealistischen Vorwort von
Werner Finck versehen und veröffentlicht.
Einfach nur großartig.

(Eine Parodie sollte nur nicht verletzend werden,
denn das hatten wir schon mal.)
 
wort-schatz schrieb:
Aber, aber, wer wird denn so streng sein.
Es gibt so wunderschöne Parodien, sogar
von unseren „Großen“ selbst verfertigt.

Wenn ich z.b. an FAUST / 3. Teil denke,
von Th. Vischer um 1850 geschrieben und
1949 mit einem surrealistischen Vorwort von
Werner Finck versehen und veröffentlicht.
Einfach nur großartig.

(Eine Parodie sollte nur nicht verletzend werden,
denn das hatten wir schon mal.)

Vielleicht war ich zu streng
das Kostüm ward mir zu eng

doch wenn ich in die Weite seh
tut mir euer Schmäh nicht weh

dann tanzt halt auf den Versen rum
von Goethe, Schiller und Schrummschrumm

ich werde mir halt auch was buchen
nur Geothe möcht ich nicht versuchen.

:zauberer2
 
suche schrieb:
ich möchte ein Gedicht eines großen Dichters nicht verulken
Danke, liebe suche, für Deinen Beitrag - und Deine Toleranz für mich! Aber ich bin anderer Meinung: ein echtes Kunstwerk kann ruhig verulkt werden, es bleibt das, was es ist. La Joconde (Mona Lisa) kann man mit Schnurrbart von Dalí oder Stalin malen - was macht das aus? Ich liebe sie - und begehre sie wie immer!

Und was meinst Du von den Karikaturen? Ich habe schon mehrere, ganz schön gelungenen Karikaturen von Frau Merkel gesehen, aber sie bleibt für mich eine schöne Frau, die Kanzlerin eines großen Staates - und noch dazu Pfarrerstochter! Ich bin sicher, daß es sie nicht stört - im Gegenteil!

Aber sag mir ehrlich: wenn ich hier eine Parodie von einem Deiner schönen Gedichte aus dem Unterforum "Eigene Werke" schreiben würde (ach, wenn ich fähig wäre!), wie würdest Du Dich fühlen, was würdest Du sagen?

Sei herzlichst gegrüßt von Deinem
beau.becir
 
beau.becir schrieb:
Danke, liebe suche, für Deinen Beitrag - und Deine Toleranz für mich! Aber ich bin anderer Meinung: ein echtes Kunstwerk kann ruhig verulkt werden, es bleibt das, was es ist. La Joconde (Mona Lisa) kann man mit Schnurrbart von Dalí oder Stalin malen - was macht das aus? Ich liebe sie - und begehre sie wie immer!

Und was meinst Du von den Karikaturen? Ich habe schon mehrere, ganz schön gelungenen Karikaturen von Frau Merkel gesehen, aber sie bleibt für mich eine schöne Frau, die Kanzlerin eines großen Staates - und noch dazu Pfarrerstochter! Ich bin sicher, daß es sie nicht stört - im Gegenteil!

Aber sag mir ehrlich: wenn ich hier eine Parodie von einem Deiner schönen Gedichte aus dem Unterforum "Eigene Werke" schreiben würde (ach, wenn ich fähig wäre!), wie würdest Du Dich fühlen, was würdest Du sagen?

Sei herzlichst gegrüßt von Deinem
beau.becir


Lieber beau.becir,

Du hast einerseits recht, aber andrerseits wieder nicht. Es ist eine heikle Sache, ein zweischneidiges Schwert.

Auf der einen Seite sehe ich Dich als einen großen Geist, der die Mona LIsa trotz Schnurrbart liebt, Dich also scheinbar in der Liebe nichts erschüttern kann (stell Dir aber vor, Deine Frau bekäme plötzlich einen Schnurrbart), andrerseits aber vor einer Ironisierung oder Verulkung eines ernsten Gedankens nicht zurückschreckt, ja sogar dazu auffordert, was in mir Unbehagen auslöst.

Meine ernsten Gedichte sind bitte nicht dazu geschrieben worden. Da verlässt mich der Humor. Ernste Gedanken sind für mich heilig und diese sollen nicht ins Lächerliche gezogen werden, auch nicht von anderen Lyrikern.

Dasselbe gilt für Karikaturen. Auch diese können sehr beleidigend sein, manchmal aber auch herzig. Ich habe auch die Karikatur in meiner Ausbildung studiert. Dabei war ich auch selbst Modell. Was bei dem einen irgendwie noch herzeigbar war, schaute beim anderen schaurig aus.

Das ist meine Meinung, die man hoffentlich in bezug auf mich beherzigt.

Mit lieben Grüßen

suche :reden:
 
Nichts für Suche....

Hier eine Parodie auf den ERLKÖNIG/Goethe

(Das Original ist wohl hinlänglich bekannt...)

Der "Eisenbahner"-Erlkönig

Wer rollt so gemütlich mit Rückenwind,
den Schnellzug am Haken, die Frontscheibe blind,
es ist der D 0815, mit Diesel bespannt,
ist drei Stunden später, doch er fährt noch durchs Land.


Es ist fast ein Wunder, denn von den Motoren
hat einer beim Anfahren zwei Pleuel schon verloren.
Der andere hat Wasser und arbeitet hydraulisch,
doch im großen und ganzen, die Fahrt ist erbaulich.


Das Strömungsgetriebe, das poltert und kracht,
der Steuerölwächter hat sich auf und davon gemacht.
Den Ölstand kann man mit Müh noch erkennen,
und auch ein Magnetventil bekommt schon das Rennen.


Zwei Leistungsschutzschalter, die fielen schon raus.
auch der Kraftstoff ist bald aus.
Am hinteren Schaltschrank, da brennen die Lampen.
und selbst die Spannung fängt an zu schwanken.


Mein Beimann, was birgst du so bang im Gesicht ?
Siehst du, Meister die Rauchfahne nicht ?
Da ist bestimmt eine Leitung gerissen,
warum wir noch fahren, das möchte ich wissen !


Die Drehzahl sinkt, der Öldruck wird kleiner,
von den Scheibenwischern geht nur noch einer,
aus dem Lager pfeift es wie aus einem Vogelnest,
am hinteren Drehgestell ist die Bremse fest.


Sie erreichen das Endziel mit Müh und Not,
starten können sie nicht mehr, die Batterie ist tot,
und doch sind sie glücklich, es war ihr letzter Kampf,
ab morgen fahren sie beide, laut Dienstplan mit Dampf.


Quelle unbekannt
 
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"Der Erlkönig für Computerfreaks"

Der Erlkönig, ist wohl eines der Gedichte, das am häufigsten parodiert wurde.


Die nachfolgende Version habe ich vor längerer Zeit einmal gefunden.

Der Erlkönig für Computerfreaks

Wer surft so spät durch Nacht und Netze?
Es ist der User in wilder Hetze!
Er hält sein Windows fest im Arm,
und auch dem Modem ist schon warm.

'Mein Windows, was birgst du so bang dein Gesicht?'
Siehst, User, du den Virus nicht?
Den Trojanerkönig mit Macro und Wurm? -
'Mein Windows - es ist nur ein Datensturm.'

'Betriebssystem, komm geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch' bunte WebSites sind an dem Strand,
und auf den Servern gibt's viel Tand.'

Mein User, mein User, und hörest du nicht,
was der Virus mir leise verspricht? -
'Sei ruhig, belibe ruhig, mein Kind;
es piepst nur das Modem, das wieder mal spinnt.'

„Willst feines Windows, du mit mir gehn?
Mein Macro soll dich kitzeln schön,
meine Routinen werden die Bytes dir recht schüttel,
und löschen und dein Daten gut rütteln!'

Mein User, mein User, und siehst du nicht dort
Trojaners EXE am düsteren Ort? -
'Mein Windows, mein Windows, ich seh's genau;
es glimmt mein alter Schirm nur so grau.'

'Ich liebe dich, mich reizt deine DLL;
und willst du gleich booten, dann lösch ich dich schnell.'
Mein User, mein User, die Platte läuft an!
Trojaner hat mir ein Leid angetan!

Dem Surfer graust's, er klickt geschwind,
und in der Leitung das Bit gerinnt;
er kappt die Verbindung mit Müh' und mit Not,
jedoch zu spät - der Bildschirm bleibt tot.


MfG J.A.
 
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