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Kabarett --- Comedy

johko

Member
Registriert
17. August 2003
Beiträge
248
Der Saarländische Rundfumk hat LISA FITZ ihrer Moderationen entbunden, weil sie wegen ihres Auftritts im RTL- Dschungelcamp nicht mehr für „seriöses Kabarett“stehe.
Da frage ich mich doch, warum hat man sie überhaupt dafür engagiert?
Warum hat man ihr – wie übrigens auch Sissy Perlinger, die sich letztes Jahr in SCHIMPF VOR ZWÖLF blamieren durfte – Gastrollen im SCHEIBENWISCHER angeboten? Mit Kabarett haben beide doch nun kaum etwas am falschen Haarteil! Mutig, aufmüpfig und frech sein genügt da nicht, das ist auch ein Daniel Küblböck. Lisa Fitz hat immer den Zeitgeist bedient – damals im Schulmädchenreport, bei der Protestwelle der 70er Jahre und dem folgenden Frauenpowering und jetzt eben beim quotenträchtigen Unterhaltungstrash der Privatsender. Da ist der Weg in die Comedy vorgegeben, zumal sie dort ihre Körperfixierung voll einbringen kann. Eine SERIÖSE wollte sie selbst bestimmt nie sein. Dazu fiele ihr wahrscheinlich nur ein: “Ich bin keine Seriöse, sondern eine Seriörin!“ –wenn überhaupt. In ihrem letzten Programm „Alles Schlampen außer Mutti“ setzt sie ihre eigenen Maßstäbe – schließlich ist sie nur für ihren einzigen Sohn keine solche. Immerhin eine beachtliche Selbstkritik, wenn auch der Titel als „Alles Nutten außer Mutti“ in der Internet- Musikbranche“ schon reichlich angestaubt ist. Sie gibt an, für Frauen zu kämpfen und tut es doch letztlich nur für sich, denn ihre Botschaften zeugen nur davon, dass sie ihre Trotzphase noch nicht überwunden hat - insofern haben sie und besagter Daniel sich im Dschungel gesucht und gefunden. Das hat alles wenig mit Kabarett zu tun, eher dann doch mit Comedy.
Zum Kabarett gehören für mich nun mal eben die „gediegenen, intellektuell privilegierten Herren mit ihrem gepflegten sozialdemokratischen Zeigefinger-Kabarett“ (TAZ vom 21.1.04 „Für alle Fälle Fitz“), von denen es heute kaum noch welche im Rampenlicht gibt – und schon gar nicht in dem einer TV- Bühne. Wobei „sozialdemokratisch“ zu Beginn der Republik noch oppositionell zum Konservativismus stand, was jetzt nicht mehr gegeben ist.

Es bleibt die Frage: Was unterscheidet Kabarett von Comedy?
Das zu entscheiden bleibt jedem je nach Geschmack und Vorbildung selbst überlassen.
Die Übergänge sind fließend und ich versuche ein persönliches Raster zu erstellen.
Links steht dabei für 100 % unrealistische Kabarett ----- rechts für ebenso unrealistische 100% Comedy:

Unverblümte Direktheit ---- Angenehme Verpackung: Spielen mit der Schadenfreude
Geistiger Einsatz (Sprache, Inhalt, Sachlichkeit) ----- körperlich- dinglicher Einsatz (Mimik, Gestik, Verkleidung)
Völlige Unabhängigkeit ----- totale Abhängigkeit (gerade auch finanziell orientiert)
(Widerstand gegen die Staatsräson ------ Anpassung und Anbiederung an das Volksempfinden)
Untergrund ----- Präsentierteller
jüdische Witze ---- blondinenwitze
Oder bildlich ausgedrückt:
Wenn er als Überraschungsgast auf einer Hochzeit oder in einem Kaufhaus auftritt, muss ein guter Kabarettist fürchten, eins in die Fresse oder wenigstens eine Anzeige zu bekommen. Ein guter Comedian muss dagegen fürchten, dass ihm die Schulterklopfer selbige lädieren.

Mich würde interessieren, wie ihr das seht.
Gruss Johko
 
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Hallo!

Ich würde das Kabarett eher bei der Sozial- und Politiksatire einordnen, wohingegen, die Comedy - wie du schon sagst - durchaus auch pure Blödeleien beinhalten kann.
Weiterhin hat das Kabarett natürlich künstlerische, seriöse Ansprüche, die ein sog. "Comedian" eher weniger hat, er wird sich eher als "Unterhalter" definieren (was dem Kabarett natürlich auch nicht abgeht;))

Ich denke, dass gerade dieser künstlerische Anspruch viele weitere Aspekte mit sich bringt: Die von die angesprochene Publizität kann unter Künstlern ja auch schnell "Ausverkauf" bedeuten, weiterhin scheint es mir sehr wichtig, dass die einzelnen Künstler ihr Sachgebiet kompetent und ernsthaft vertreten.

Darum kann ich diese Entlassung durchaus verstehen, das niedrige Niveau einer Dschungel- Sendung ist völlig unanegbracht für jemanden, der sich ernsthaft als Kabarettist bezeichnen will.

Gruß,

cf
 
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Ich sehe das auch so, dass das "Kabarett" eine mehr oder weniger scharf geführte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Zuständen bietet - in der Nähe der Satire -, wo "Comedy" eher den Wunsch, nach anstrengendem Tagwerk was zum Lachen zu haben, bedient.
Dass die Grenzen fließend sind, ist eh klar.
Diese Lisa Fitz ist für mich weder Kabarettistin noch Comedian, fürs erste sind ihre Witzchen zu platt, fürs zweite zu wenig amüsant.

Mit Grüßen
katharina
 
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